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Die Gnade Gottes, für alle Menschen

EKD Netzwerktagung Inklusion für eine barrierefreie Zukunft der Kirche

„Inklusion ist nicht etwas, was wir als Kirche auch noch machen, sondern was uns ausmacht. Teilhabe ermöglichen für arme, arbeitslose, psychisch kranke und alte Menschen, für Menschen mit Behinderung oder für Flüchtlinge ist ein ureigenes Anliegen von Kirche“. Dies machte der württembergische Landesbischof Frank O. July bei der Netzwerktagung der EKD unter dem Titel „Offen für alle? Anspruch und Realität einer inklusiven Kirche“ am 22. Februar in Berlin deutlich.  Eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche und Diakonie, die sich vor Ort haupt- und ehrenamtlich mit Inklusion auseinandersetzen.

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Landesbischof Frank Otfried July © EMH/Gottfried Stoppel

Die verschiedenen Arbeitsgruppen werden sich Schwerpunktmäßig mit der Frage beschäftigen, wie das Gemeindeleben für alle Menschen zugänglich gemacht werden kann. So setzen sich zum Beispiel Sabine Hettinger und Pastor Uwe Mletzko mit den Herausforderungen der Inklusion für Diakonie und Seelsorge auseinander. Wie sollen Blinde die richtige Seite im Gesangbuch finden, oder überhaupt mitsingen, wenn sie weder die angeschlagenen Nummern, noch die Texte lesen können? Wie kann man die Predigt verstehen, wenn man Gehörlos ist? Jochen Arnold, Andreas Chrzanowski und Brigitte Caster thematisieren Inklusion im Gottesdienst. Viele weitere spannende Themen und Herausforderungen werden von den insgesamt fünf Arbeitsgruppen aus den verschiedenen Landeskirchen behandelt. Am Freitag werden Vertreter der verschiedenen Landeskirchen, unter anderem die Evangelische Landeskirche in Württemberg, den Teilnehmern Impulse Ihrer bisher geleisteten Arbeit mit auf den Weg geben.

Landesbischof July betonte als Vorsitzender des württembergischen Netzwerks „Inklusion in der Landeskirche“ (NIL): „Ausgrenzung überwinden, Teilhabe ermöglichen – dieses Anliegen durchzieht die biblische Botschaft wie ein roter Faden“. Mit dem Aktionsplan „Inklusion leben“ setze die württembergische Landeskirche und ihre Diakonie von 2016 bis 2020 die Handlungsempfehlungen der EKD zur Inklusion systematisch um. Ziel sei es, dass möglichst viele Kirchengemeinden und kirchlich-diakonische Einrichtungen Teilhabe für alle Menschen vor Ort ermöglichen - egal ob für Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen, Menschen mit wenig Geld und ohne Wohnung, alleinerziehende, alte Menschen oder Geflüchtete. Alle Partner vor Ort werden über die Geschäftsstelle des Aktionsplans fachlich begleitet.

Über 70 Anträge mit einem Gesamtvolumen von rund 1,1 Millionen Euro sind bisher von der Landeskirche in Württemberg bewilligt worden.

Mit dem Fonds „Inklusion leben“ stellt sie 1,5 Millionen Euro aus Kirchensteuermitteln für inklusive Projekte und Vorhaben in Kirche und Diakonie zur Verfügung. Geld, das wirkt: bislang sind über 70 Anträge mit einem Gesamtvolumen von rund 1,1 Millionen Euro bewilligt worden. Viele der Projekte laufen über zwei bis drei Jahre. Vor Ort wird Stück für Stück der Zugang zu Gebäuden oder Internetseiten barrierefreier. Wohnen, leben und arbeiten am Ort wird für Menschen mit Behinderung immer häufiger möglich, weil kirchliche und diakonische Institutionen die UN-Behindertenrechts-Konvention konsequent umsetzen. Flüchtlinge finden Anschluss in Gemeinden und diakonischen Einrichtungen. Es entstehen Orte der Begegnung bei Mittagstischen, in Vesperkirchen oder Sprachcafés. Freizeit- und Kulturangebote sind auch für Menschen mit kleinem Geldbeutel machbar, langzeitarbeitslose Menschen finden Beschäftigungs-Möglichkeiten. Menschen mit Behinderungen engagieren sich und bringen ihre Fähigkeiten ein.

Klar ist nach den Worten des württembergischen Landesbischofs aber auch, dass es sich bei der Ermöglichung von Teilhabe für alle Menschen um eine anspruchsvolle und langwierige Aufgabe handelt. „Wir wissen, dass soziale Einrichtungen im Wettbewerb des Sozialmarkts unter starkem Kostendruck stehen und es für den politisch gewollten Umgestaltungsprozess oft an einer angemessenen Refinanzierung fehlt. Und viele Kirchengemeinden müssen sich im Moment mit Gemeindeaufbau, Immobilienkonzepten oder dem Pfarrplan beschäftigen“. Deshalb müsse man sich klar sein, dass Inklusion ein Prozess sei, bei dem man sich auch überfordern könne. „Alles auf einmal wird nicht gehen, aber kleine stetige Schritte sind möglich.“

Aktionsplan Inklusion leben / Wolfram Keppler