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300. Todestag Johann Andreas Hochstetter

Der „schwäbische Spener“

Johann Andreas Hochstetter
Johann Andreas HochstetterUniversitätsbibliothek Tübingen

Der „schwäbische Spener“ wurde er genannt, der praktische Theologe aus großer Familie, weil er mit seinem kirchlichen Einfluss und seinen weiten Kontakten den frühen Pietismus in Württemberg heimisch machte.

Schon Hochstetters Vater war Dekan in Kirchheim/Teck. Er selbst wurde 1668 Pfarrer in Walheim bei Besigheim und 1672 Dekan von Böblingen, bevor er 1677 zum Theologieprofessor und Stiftsephorus in Tübingen berufen wurde. Gerade hatte der große Lehrer des frühen Pietismus Philipp Jakob Spener 1675 in Frankfurt sein kirchliches Reformprogramm. die Pia desideria, vorgelegt. Schwerpunkt war die praktische Frömmigkeit in Bibelstudium und Gebet sowie im gemeinschaftlichen Austausch. Daraus entstand die „Stunde“, zuerst als Kollegium für Pfarrer, dann als Bibelstunde für alle.

Prälat in Maulbronn und Bebenhausen

Hochstetter übersetzte dieses Programm nach Württemberg. Dafür nutzte er die kirchenleitenden Ämter, in die er nach seiner Tübinger Professur berufen wurde. Zunächst als Generalsuperintendent (Prälat) und Leiter der Klosterschule, 1681 in Maulbronn und 1689 in Bebenhausen. Mit diesen Ämtern hatte er Sitz und Einfluss in der Kirchenleitung und im Landtag des Herzogtums. Dazu kam sein weites Netzwerk an Kontakten und Korrespondenzen weit über Württemberg hinaus.

Katechismus und Konfirmation

In Verbindung mit dem pietistischen Lehrer August Hermann Francke in Halle, der Hochstetter sogar in Bebenhausen besuchte, gestaltete er ein biblisch orientiertes Bildungsprogramm. Dazu vereinigte Hochstetter 1692 die Katechismen von Luther und Brenz zu einer württembergischen Spezialversion, die bis heute katechetische Grundlage der Landeskirche ist. Zusammen mit seinem Vertrauten, dem Hofprediger Johann Reinhard Hedinger, entwarf er eine Liturgie für die Konfirmation, die weniger eine Glaubensprüfung als vielmehr eine Segnung sein sollte. Aus Angst vor separatistischen Umtrieben wurde sie aber erst 1723 eingeführt.

Der zweimal verheiratete Kirchenreformer hatte acht Kinder, von denen einige die Hochstettersche Familientradition fortführten, wie der berühmt gewordene Tübinger Rhetoriker Andreas Adam Hochstetter – eine begabte und einflussreiche Familie.


Pfarrer Dr. Wolfgang Schöllkopf, Privatdozent für Kirchengeschichte an der Ev. Theol. Fakultät der Universität Tübingen

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