| Flüchtlinge

Gemeinsamkeiten finden, Unterschiede feiern

Interkulturelle Woche 2014 mit ökumenischem Gottesdienst eröffnet

Die diesjährige Interkulturelle Woche ist am Freitag, den 19. September, mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Konkathedrale St. Eberhard in Stuttgart eröffnet worden. Er stand unter der Leitung von  Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July, Bischof Dr. Gebhard Fürst und Bischof Vasilios Tsiopanas von Aristi (Griechisch-Orthodoxe Metropolie in Deutschland). Die Interkulturelle Woche steht unter dem Leitwort „Gemeinsamkeiten finden, Unterschiede feiern“ und ist eine ökumenische Initiative.e ökumenische Initiative.

1234
Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July fordert ein engagiertes Eintreten für die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge. © Evangelisches Medienhaus Stuttgart - Gottfried Stoppel

Die diesjährige Interkulturelle Woche ist heute (Freitag, 19. September 2014), mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Konkathedrale St. Eberhard in Stuttgart eröffnet worden. Die Interkulturelle Woche steht unter dem Leitwort „Gemeinsamkeiten finden, Unterschiede feiern“ und ist eine ökumenische Initiative.

Bischof Dr. Gebhard Fürst (Bistum Rottenburg-Stuttgart) wies in seiner Begrüßung auf die Erfahrungen von gelingender Begegnung und wachsendem Verständnis zwischen Menschen unterschiedlicher Sprache und Herkunft hin, die in den fast 40 Jahren des Bestehens der Interkulturellen Woche im ganzen Land gemacht werden. Die Aktion werbe „für ein friedliches und gerechtes Miteinander von Menschen unterschiedlicher Sprache, Herkunft und Religion in Deutschland. Alle sollen teilhaben können an unserem Gemeinwesen: mit Rechten und mit Pflichten“, so Bischof Fürst. „Unser Land ist ein Zuwanderungsland. Insbesondere in einer Zeit der politischen Destabilisierung, des Krieges und des Terrors suchen viele Menschen in Deutschland und anderen europäischen Staaten Schutz und Heimat. Diese Flüchtlingsbewegungen stellen Europa vor ganz neue Herausforderungen.“ Bischof Fürst hob insbesondere die Situation im Nordirak hervor, da sich die Not der dort lebenden Menschen dramatisch verschärfen werde: „Hier ist die Solidarität und die Hilfe der Kirchen besonders wichtig! Hier müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, um weiteres Elend in den Krisengebieten abzuwenden und den Menschen, die zu uns kommen, Heimat ermöglichen.“ Die Interkulturelle Woche weise mit ihrem Thema in diesem Jahr auf das Zusammenleben in Deutschland hin und auf die Notwendigkeit zum Schutz für die Flüchtlinge in den Krisengebieten. Das Motto mache deutlich, worum es gehe, nämlich dass es „fundamentale Gemeinsamkeiten unter den Menschen gibt, gleich welcher Herkunft, Sprache oder Religion sie sind: das Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit, das Bedürfnis nach freier Entfaltungsmöglichkeit, nach Teilhabe und Heimat“, so Bischof Fürst. Die Interkulturelle Woche sei von der Erkenntnis geprägt, dass es immer wieder besondere Räume und Zeiten brauche, um zu entdecken, was Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft verbinde und bereichere.

In seiner Predigt hat der württembergische evangelische Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July ein engagiertes Eintreten für die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge gefordert. „Es ist unsere besondere Aufgabe, in Solidarität und Nächstenliebe und ohne Rücksicht auf die Kassenlage und sonstige Befindlichkeiten für die Aufnahme der Menschen zu sorgen, die ihre Heimat verloren haben“, so der Bischof. Aber nicht nur ein Dach über dem Kopf sei wichtig, sondern auch das klare Signal: „Wir sehen euch als Menschen mit einer eigener Geschichte, Kultur und Tradition und wollen mit euch ein Stück Weg gehen.“ Als beispielhaft nannte July den einstimmigen Beschluss des Gemeinderats von Meßstetten auf der Schwäbischen Alb, eine ehemalige Kaserne zu einem Auffangzentrum für Flüchtlinge umzunutzen. Auch die Kirchengemeinde dort sei stark engagiert. „Das ist eine kraftvolle Antwort auf die grausamen Bilder voller Gewalt, Krieg, Leid und Tod und ein Beweis dafür, dass der Ungeist dieser Zeit nicht das letzte Wort haben soll.“ Ausdrücklich begrüßte der Landesbischof auch den von Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann in Aussicht gestellten „Flüchtlingsgipfel“. Die Kirchen würden die Einladung annehmen und ihren Beitrag zu einer Kultur des Miteinanders leisten. Interkulturelle Beziehungen könnten aber nur gelingen, wenn auch die Menschen hierzulande sich ihrer eigenen Kultur wieder mehr bewusst würden: „Deswegen brauchen wir mehr religiöse Erziehung und nicht weniger.“ Gleichzeitig gelte es aber auch, berechtigte Fragen im Blick auf andere Religionen ernst zu nehmen und dabei zu helfen, Glaubensfestigkeit von nicht zu tolerierendem Fanatismus zu unterscheiden. Zu der heutigen Entscheidung des Bundesrats, im Asylgesetz die Staaten Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina als "sichere“ Herkunftsländer einzustufen, äußerte July, dass er die Zwänge der Politik und die Notwendigkeit zum Kompromiss kenne und anerkenne. Gleichwohl würden die Kirchen strikt darauf achten, dass mit dieser Einstufung keine unbarmherzigen menschlichen Schicksale verbunden seien. „Zudem fordern wir die Politik dazu auf, alles dafür zu tun, dass in den genannten Ländern niemand aus welchen Gründen auch immer ausgegrenzt und ihm ein Leben in Achtung und Frieden unmöglich gemacht wird.“ Schließlich verwies Frank Otfried July auf das gute Miteinander der christlichen Kirchen mit den Muslimen und vor allem der israelitischen Gemeinde in der Kirchentagsstadt Stuttgart: „Antisemitismus hat in unserem Land nichts, aber auch gar nichts zu suchen.“ Im Blick auf die Situation der Christen im Nahen Osten sagte der Landesbischof: „Die christlichen Kirchen müssen alles dafür tun, dass der christliche Glaube im Vorderen Orient erhalten bleibt.“

An dem ökumenischen Gottesdienst nahmen mehrere hundert Menschen teil. Er stand unter der Leitung von Bischof Fürst, Landesbischof July und Bischof Vasilios Tsiopanas von Aristi (Griechisch-Orthodoxe Metropolie in Deutschland). Im Anschluss an den ökumenischen Gottesdienst fand auf Einladung der Landeshauptstadt Stuttgart, der Ministerin für Integration des Landes Baden-Württemberg und des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses ein Empfang im Stuttgarter Rathaus statt.

Die Interkulturelle Woche ist eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. Sie wird von den Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Kommunen, Ausländerbeiräten und Integrationsbeauftragten, Migrantenorganisationen und Initiativgruppen unterstützt und mitgetragen. An der Interkulturellen Woche beteiligen sich zahlreiche Gemeinden, Vereine, Vertreter von Kommunen und Einzelpersonen in mehr als 500 Städten, Landkreisen und Gemeinden mit rund 4.500 Veranstaltungen.

Unter www.interkulturellewoche.de finden Sie das Gemeinsame Wort der Kirchen, eine Online-Datenbank sowie Materialien des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses zur Interkulturellen Woche wie Plakate, Materialheft und Postkarten.