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70 Jahre Israel

Landesbischof July nennt Antisemitismus eine Sünde gegen Gott und Menschen

Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July hat anlässlich des 70. Geburtstag des Staates Israel seine „Abscheu“ gegen den erstarkenden Antisemitismus bekundet. „Wir teilen die Freude der Juden über ihre Heimkehr ins Land der Väter und ihre wiedergewonnene Freiheit und Unabhängigkeit und wenden uns gegen Misstrauen, Hass und Gewalt gegen Juden und gegen den Staat Israel“, schrieb der württembergische Landesbischof. „Antisemitismus ist eine Sünde gegen Gott und gegen Menschen, der wir uns bereits in ihren ersten Andeutungen mit Abscheu entgegenstellen.“

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Nach dem jüdischen Kalender wird die Gründung des Staates Israels am Donnerstag, 19. April, gefeiert. Die Israelitische Religionsgemeinschaft in Württemberg (IRGW) hat schon am gestrigen Mittwochabend in den Tag hineingefeiert. Nach dem gregorianischen Kalender fällt der Gründungstag auf den 14. Mai. Am 7. Juni findet zudem der jährliche Israeltag auf dem Stuttgarter Schlossplatz statt, zu dem die IRGW und die Freunde Israels einladen.

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„Wir würdigen die israelische Demokratie. Wir sind dankbar, dass im Staat Israel Christen leben und Religionsfreiheit garantiert wird. Wir wünschen allen Bürgerinnen und Bürgern Israels Glück und Wohlergehen“, schrieb July in einer anlässlich des Jubiläums von der Landeskirche herausgegebenen Publikation. Die Mitglieder der Landeskirche sähen mit Sorge und Mitgefühl, dass der Staat Israel keinen Tag ohne äußere Bedrohung existieren konnte. Sie sähen viele ungelöste Konflikte im Zusammenleben der Menschen dort und beteten für Frieden und Versöhnung. July sagte, es habe lange gedauert, bis die Kirchen ihre Verstrickung in den Antisemitismus und in die Schoah erkannten und zur Umkehr aufriefen. Noch länger habe es gedauert, bis sie positive theologische Aussagen über das jüdische Volk treffen konnten. Heute sei das Land für viele Christen zu einem Ort der Begegnung mit Jüdinnen und Juden und des Lernens vom Judentum geworden. Weiter verwies July auf die jahrzehntelangen Verbindungen, etwa die Tora-Lehrerinnen und Lehrer, die regelmäßig aus Israel nach Württemberg kommen, um mit interessierten Christen die Tora zu lesen sowie Psalmen und andere biblische Texte auszulegen.

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Professorin Dr. Barbara Traub, Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg (IRGW) © IRGW/EMH

Die Vorsitzende der IRGW, Professorin Barbara Traub, betonte, Israel sei ein Land, das sie nicht nur als Jüdin, sondern auch als Demokratin, als Europäerin und vor allem als Mensch stets aufs Neue zu überraschen und begeistern vermag: „spannungsgeladen und kreativ, andersartig und doch vertraut“. Es sei fast ein Drittel kleiner als Baden-Württemberg, habe rund ein Fünftel weniger Menschen, sei bei Weitem nicht so wohlhabend, doch die Menschen hätten in sieben Jahrzehnten unter teils widrigen Bedingungen Enormes geleistet. Menschen aller Religionen, Weltanschauungen und Herkunft hätten dort ihren Platz. Es sei der einzige Staat, in dem die Juden eine Mehrheit in der Bevölkerung bilden und sich jüdisches Leben offen auf den Straßen, Plätzen und im Alltagsleben abspiele. Sein „Nationbuilding“ sei aber nicht besser oder friedlicher erfolgt als bei allen anderen Nationen zuvor. Das hätte sie sich anders gewünscht.


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19.04.2018

Zur Verbundenheit von Christen und Juden
Die Erklärungen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zur Verbundenheit von Christen und Juden

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19.04.2018

70 Jahre Staat Israel
Grund zur Mitfreude für uns Christen