| Bezirke und Gemeinden

Neue Ideen in die Gemeinden hineintragen

Evangelischer Kirchenbezirk Esslingen fördert drei innovative Projekte

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg stellt insgesamt zehn Millionen Euro zur Förderung von Initiativen für innovatives Handeln zur Verfügung. Damit sollen in den Kirchengemeinden Vorhaben gefördert werden, die dazu beitragen, Menschen neu für den Glauben zu gewinnen und sie dabei zu begleiten. Auf den Kirchenbezirk Esslingen entfallen gut 282.000 Euro. 

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Vertreter der 3 geförderten Projekte. Ulrich Enderle, Michael Weisbach, Sabine Nollek, Enno Knospe, Gabriele Deutschmann, Ulrike Sämann, Bernd Weißenborn (v.l.) © Ulrike Rapp-Hirrlinger

Die Bezirkssynode hat nun einstimmig beschlossen, damit zunächst drei Projekte über vier Jahre mit jeweils 60 000 Euro zu unterstützen. Die verbleibenden gut 100 000 Euro stehen für weitere Projekte bereit.

„Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, das Geld im Gießkannenprinzip an die Kirchengemeinden zu verteilen, denn das birgt die Gefahr, dass sich die Grundidee verliert“, sagt Dekan Bernd Weißenborn. Ulrike Sämann, Vorsitzende der Esslinger Bezirkssynode und Mitglied der Landessynode, ergänzt: „Wir wollten als Landeskirche einen Teil der derzeit guten Kirchensteuereinnahmen weitergeben und dazu beitragen, dass neue Ideen umgesetzt werden können.“

Wir haben einen Auftrag, der jungen Generation Inhalte des christlichen Glaubens zu vermitteln und als Kirche bei ihnen präsent zu bleiben.
Bernd Weißenborn

Drei Anträge gingen aus den Kirchengemeinden im Kirchenbezirk Esslingen ein. Sämann ist froh, dass man sie alle berücksichtigen kann. Beim Evangelischen Jugendwerk des Bezirks (eje) wird eine neue Stelle für einen Jugendreferenten oder eine –referentin geschaffen. So sollen Modelle entwickelt werden, wie junge Menschen nach der Konfirmandenzeit längerfristig für die Jugendarbeit gewonnen werden können. Die Hälfte der Personalkosten teilen sich die Kirchengemeinden Plochingen, der dortige CVJM und Deizisau. Diese wollen in der Jugendarbeit künftig kooperieren. Ein weiteres Viertel kommt von der Landeskirche. Mit der Förderung durch das Innovationsprogramm kann so eine volle Stelle finanziert werden. „Die Stelle soll nicht auf Plochingen und Deizisau beschränkt sein“, betont Michael Weisbach, Leitender Referent des eje. Was dort entwickelt und erarbeitet werde, solle in andere Gemeinden transportiert werden, um Synergien zu erreichen. „Mein Wunsch ist, dass Modelle entstehen, die uns erlauben, länger mit Jugendlichen unterwegs sein zu können“, betont Jugendpfarrer Ulrich Enderle. Dabei wolle auch mit anderen Akteuren in der Jugendarbeit kooperieren, so Weisbach. „Wir haben einen Auftrag, der jungen Generation Inhalte des christlichen Glaubens zu vermitteln und als Kirche bei ihnen präsent zu bleiben“, sagt auch Weißenborn.

Die Generation 60+ hat oft nicht mehr die traditionelle Kirchenbindung. Wir wollen diesen Menschen zeigen, was Kirche zu bieten hat.
Ulrike Sämann

Weil die Zahl älterer Menschen in der Gesellschaft und damit in den Kirchengemeinden zunimmt, soll auch dieses Arbeitsfeld gestärkt und eine hauptamtliche Begleitung des Bezirksarbeitskreises Senioren (BAKS) finanziert werden. „Jüngere Senioren wollen sich nicht nur zum Kaffeetrinken treffen, sondern selbst mitgestalten“, weiß die Berkheimer Pfarrerin Sabine Nollek, die im Kirchenbezirk für die Seniorenarbeit zuständig ist. „Die Generation 60+ hat oft nicht mehr die traditionelle Kirchenbindung. Wir wollen diesen Menschen zeigen, was Kirche zu bieten hat“, ergänzt Sämann. Nicht mehr nur in Altersgruppen zu denken, sondern generationenübergreifende und themenbezogene Angebote zu initiieren, könnte laut Nollek ein Ansatz sein. Dazu müssten sich Kirchengemeinden auch vernetzen. Nollek wünscht sich, dass der BAKS solche Impulse entwickelt und in die Gemeinden hineinträgt. Durch das Fördergeld könne ein 25-prozentiger Stellenanteil finanziert werden, mit dem eventuell eine bestehende Stelle eines Gemeindediakonen oder einer Diakonin aufgestockt werden könne, so Nollek.

Im Moment überlegen wir, wie wir den Gottesdienst stärker auf junge Erwachsene ausrichten können.
Gabriele Deutschmann

Schon seit 15 Jahren ein Erfolgsmodell und immer noch innovativ – das ist „ein Anderer Gottesdienst“ (eAg), der inzwischen an drei Sonntagen im Monat in der Esslinger Kirchengemeinde St. Bernhardt zum Hohenkreuz gefeiert wird und von der Evangelischen Kirchengemeinde und dem CVJM gemeinsam verantwortet und getragen wird. Er pflegt eine intensive Beteiligungskultur. Knapp 100 Mitarbeitende aus Kirchengemeinde und CVJM engagieren sich ehrenamtlich unter anderem in der Liturgie, der Predigt, bei der musikalischen Gestaltung oder in der Kinderkirche. Ihn kennzeichnen vor allem themen- oder lebensweltorientierte Predigten, die Musik kommt von vier Bands im Wechsel und es gibt eine Phase der Begegnung im Gottesdienst. Rund 150 Erwachsene aus dem ganzen Kirchenbezirk besuchen den eAg, der sich zudem durch eine große Kinderkirche mit bis zu 60 Kindern auszeichnet. „Er ist in seiner besonderen Form dennoch eingegliedert in die Gottesdienstkultur der Gemeinde“, so Weißenborn. Bisher werde der eAg überwiegend aus Spenden finanziert, sagt Pfarrer Enno Knospe. Das große ehrenamtliche Engagement brauche jedoch hauptamtliche Begleitung. Dies geschehe derzeit durch ihn als Gemeindepfarrer und eine Mitarbeiterin des CVJM. Mit der zusätzlichen Förderung könne man diese Mitarbeiterin nun „einigermaßen angemessen bezahlen“, erklärt Gabriele Deutschmann vom CVJM: Man suche immer neu nach Wegen, um die Menschen in ihrem Lebensgefühl und ihrer Lebenswirklichkeit zu erreichen. Das kann die Kinderkirche im Altenheim ebenso sein wie die Übersetzung der Predigt für nicht Deutsch sprechende Gottesdienstbesucher. „Im Moment überlegen wir, wie wir den Gottesdienst stärker auf junge Erwachsene ausrichten können“, sagt Deutschmann.

Quelle: Ulrike Rapp-Hirrlinger, Bezirkspressebeauftragte Esslingen