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„Für mehr Einheit unter den Christen“

Evangelische Kirchen in Europa verstärken Dialog mit dem Vatikan

Gottfried Locher, Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), und Kurienkardinal Kurt Koch haben im Rahmen der 8. Vollversammlung der GEKE in Basel am Sonntag, 16. September, eine Absichtserklärung zu einem offiziellen Dialog zwischen dem Vatikan und der GEKE unterschrieben. Seit dem Beginn der Reformation vor 500 Jahren habe es einen derartigen Dialog nicht gegeben, so Locher. „Wir wollen Brücken bauen, gerade über die Konfessionsgrenzen hinweg“, betonte der GEKE-Präsident. 

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Unterzeichnung der Absichtserklärung zu einem gemeinsamen Dialog zwischen GEKE Ratspräsident Gottfried Locher und Kardinal Kurt Koch während des Schweizertags im Basler Münster. © Oliver Hochstrasser

Die Erklärung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa und des Vatikans war am Sonntag während eines Festgottesdienstes im Basler Münster unterzeichnet worden. In der Schweizer Stadt hält die protestantische Kirchengemeinschaft bis Dienstag, 18. September, ihre Vollversammlung ab. Ratspräsident Locher erklärte, der Dialog solle auch zu konkreten gemeinsamen Projekten führen. So könnten die katholische Kirche und die GEKE sich gemeinsam für verfolgte Christen in anderen Teilen der Welt einsetzen. Er stellte zugleich klar, dass weiter erhebliche Unterschiede zwischen den evangelischen Kirchen und der katholischen Kirche bestünden, etwa bei der Frauenordination und dem Kirchenverständnis. „Wir stimmen aber überein, dass Kirche der Ort ist, in dem das Evangelium verkündet wird“, unterstrich der Schweizer Theologe.


Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) umfasst lutherische, reformierte, unierte und methodistische Mitgliedskirchen aus über 30 Ländern. Sie vertreten rund 50 Millionen Gläubige.


„Es geht nicht mehr ohne Ökumene“

Locher regte an, dass Ökumene-Experten aus den 108 Mitgliedskirchen der GEKE den Austausch mit dem Vatikan bestreiten. Auf der anderen Seite werde der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen stehen. Schon vor der Unterzeichnung hatte der Sekretär im päpstlichen Einheitsbüro, Monsignore Matthias Türk, in einem Grußwort an die Vollversammlung betont, dass es in Zukunft „nur noch mit der Ökumene gehen kann und nicht mehr ohne“. Papst Franziskus habe mit seiner Teilnahme an dem gemeinsam von Lutherischem Weltbund und Vatikan gefeierten Gottesdienst im schwedischen Lund im Jahr 2016 deutlich gemacht, wie wichtig Ökumene ist. Lund sei ein großer ökumenischer Moment gewesen und ein „Meilenstein des ökumenischen Fortschritts“. Vielleicht sei Lund sogar der hermeneutische Schlüssel für das neue Abkommen mit der GEKE. Immer mehr Kirchen würden sich der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ anschließen und so sei aus einem bilateralen Abkommen eine multilaterale Bewegung geworden. 

Der Vertreter der anglikanischen Kirche, Jonathan Gibbs, betonte in einem Grußwort, dass die Politik in Großbritannien zwar den Brexit beschlossen habe, aber dass die Kirchen da nicht mitmachen müssten. Sie hätten vorher schon enge Beziehungen gepflegt und würden das auch weiterhin tun.

„Miteinander in Europa“

Weiter wurde unter anderem über die Migrationsthematik in Europa diskutiert und überlegt, wie hier konkrete Hilfe von den europäischen Kirchen aussehen könnte. Außerdem verabschiedete die Vollversammlung der GEKE ein gemeinsames Friedenspapier, mit dem sie an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahre erinnert. Das Dokument steht unter dem Motto „Miteinander in Europa“. Die Folgen des Krieges seien in manchen Ländern bis heute unterschwellig und indirekt gegenwärtig, heißt es darin. Zugleich forderte die Versammlung in ihrem Papier eine europäische, an den Werten der Menschenrechts- und Flüchtlingskonventionen ausgerichtete Politik. 

Klaus Rieth/epd