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Auf Jesus Christus hören

Württembergische Evangelische Landessynode feiert 150-jähriges Bestehen

Am Sonntag, 17. Februar, hat die Württembergische Evangelische Landessynode mit einem Gottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche sowie einem Festakt im Hospitalhof Stuttgart ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert. Zu den Gratulanten, die die Präsidentin der Landessynode Inge Schneider begrüßen konnte, gehörten die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. Irmgard Schwaetzer sowie die baden-württembergische Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann. Am 18. Februar 1869 hatte sich die erste Landessynode in Württemberg konstituiert. 

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Landesbischof Frank Otfried July © EMH/Gottfried Stoppel

Im Festgottesdienst würdigte Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July die ehrenamtliche Arbeit der Synode, in der viel geistliches und missionarisches Wollen und Verantworten zu sehen sowie viel Streben nach Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und Frieden zu erleben sei. „Die Synode zeigt Gesicht und will der Zusage und dem Auftrag des Evangeliums folgen. Teilhabe an der Leitung der Kirche! Viel Fleiß, viel Engagement, viel Kreativität und Originalität geschieht in der Synodenarbeit. Danke!“ Die Synode sei „der Ort, in dem wir uns als Verschiedene begegnen und zugleich Impulse in unsere Gesellschaft geben können“, so der Landesbischof weiter. July hob auch die Fähigkeit der Einheit der Synode hervor. „Bei allen Fragestellungen, Polarisierungen und auch Auseinandersetzungen zeigt die Synode, wie man in Verschiedenheit zusammenkommt, Andachten und Gottesdienste feiert, im Heiligen Abendmahl versöhnte Verschiedenheit erfährt und zugleich wie man den Diskurs über den Weg der Kirche wieder aufnimmt“, so July. In allem Wandel der Zeiten und ihrer Themen sei Christus Mitte und Kontinuum, in diesem Sinne gebe der Predigttext „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“ (Hebräer 13,8) „eine eigene Orientierung.“

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Synodalpräsidentin Inge Schneider © EMH/Gottfried Stoppel

Beim Festakt ging Synodalpräsidentin Inge Schneider zunächst auf die historische Entwicklung der Synode ein: „Die erste Landessynode hatte nur beratende Funktionen. Die Entscheidungen über kirchliche Gesetze und Finanzen traf weiterhin der König allein oder in Zusammenarbeit mit dem Landtag“. Auch „das aktive und passive Wahlrecht für Frauen kam erst vor 100 Jahren zeitgleich mit dem politischen Wahlrecht.“ Nach Abdankung des Königs und der Trennung von Staat und Kirche sei die kirchenleitende Aufgabe in einer neuen Kirchenverfassung geregelt worden. Bis heute gelte, so Schneider: „Alle Leitungsorgane sind mit unterschiedlichen Aufgaben in der Leitung der Kirche miteinander und mit dem Herrn der Kirche verbunden. Denn Kirche leiten heißt zuerst auf den Herrn der Kirche, auf Jesus Christus hören.“ Anders als ein Parlament sei die Synode eine „Weg- und Hörgemeinschaft“, deren Mitglieder – einmalig in der Evangelischen Kirche in Deutschland - seit 1924 in einer Urwahl gewählt werden und aufgrund der Persönlichkeitswahl „Vertreter der gesamten Landeskirche und an keinerlei Weisungen oder Aufträge gebunden“ sind. In diesem Geist hätte sich die Landesynode mit so unterschiedlichen Themen wie der Einführung der Frauenordination, dem Streit um das Antirassismusprogramm des Ökumenischen Rats der Kirchen, den Einsatz für den Frieden im Streit um die Wiederaufrüstung, der Stationierung von Atomraketen und der Rüstungsexporte beschäftigt sowie dem Sonntagsschutz, dem Lebensschutz am Anfang und am Ende, der Flüchtlingsfrage, dem rechten Umgang mit der Schöpfung; mit der Inklusion von Menschen mit Behinderungen und auch mit Fragen der Sexualethik sowie des Umgangs mit der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.

Mit Blick auf die Zukunft wies Schneider auf die bleibende Herausforderung der Kirche hin, die Botschaft des Evangeliums in Wort und Tat in eine sich schnell verändernde, segmentierte Gesellschaft zu tragen sowie neue ethische Herausforderungen wie den Umgang mit künstlicher Intelligenz und Digitalisierung der Lebenswelten und „die zunehmende Radikalisierung und den menschenverachtenden Umgang in den sozialen Medien und in Teilen der Politik“ anzugehen.

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Dr. Irmgard Schwaetzer, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) © EMH/Gottfried Stoppel

„Sie vertreten die vielfältigen Frömmigkeitsstile und die verschiedenen Bekenntnisse, die gemeinsam Ihre Landeskirche prägen. Sie sind zu Recht stolz auf diese lange Geschichte“, sagte die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bundesministerin a. D. Dr. Irmgard Schwaetzer, in ihrem Grußwort.  Außerdem betonte sie, dass die Synode die Einheit im Glauben sichtbar mache. „Dabei meint Einheit nicht Anpassung, sondern einander für ein vielfältiges und dadurch reiches Glaubensleben Raum zu geben und zugleich sichtbar zu machen, dass wir in dieser Vielfalt alle auf dem gleichen Grund stehen – dem, der gelegt ist in Jesus Christus, unserem Herrn“, so Schwaetzer. 

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Prof. Dr. Hartmut Rosa © EMH/Gottfried Stoppel

Ein wesentliches Merkmal der evangelischen Kirche sei der Zusammenhalt im Glauben. Auch in einer Gesellschaft, die von Abgrenzung geprägt ist, sollte Kirche den Zusammenhalt fördern.  Kirche und Religion sind nach Ansicht des Jenaer Soziologen Hartmut Rosa relevanter denn je. In modernen Gesellschaften, die von andauernder Beschleunigung, Innovation und Wachstum geprägt seien, brauche es eine andere, neue Haltung zur Welt, so der Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie in seinem Festvortrag. In der Kirche könnten Menschen miteinander in Beziehung kommen, berührt und bewegt werden. Gottesdienste, Gebete und Lieder seien ein Gegenkonzept zu einem Alltag, der von Zeitdruck, Zeitnot und Effizienz geprägt sei.

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Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann © EMH/Gottfried Stoppel

Auch Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann lobte die Arbeit der Landessynode: „Das 150. Jubiläum ist ein bedeutender Grund zum Feiern.“ Die Synode sei der Ort, an dem die evangelische Landeskirche ihre wichtigsten Diskurse führt. „Ich bin froh, dass wir mit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg einen solchen Akteur haben, der Fragen formuliert und Antworten einfordert. Und selber aber auch Antworten gibt“, so Eisenmann weiter. Die Kultusministerin ermutigte die anwesenden Synodalen so weiterzumachen und diese Diskurse mit der Gesellschaft und der Politik auch in Zukunft intensiv zu führen. „Für das Jubiläum wünsche ich der Synode deshalb: anregende Debatten, Mut und gute Entscheidungen“, betonte Eisenmann.

Quelle: elk-wue mit epd