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„Wer singt, der betet doppelt“

Gerhard Bergius veranstaltet Konzerte und hält im Pfarrgarten Lamas

"Wer singt, der betet doppelt", diesen Ausspruch Martin Luthers hält Gerhard Bergius als seinen Leitfaden hoch. Denn, so behauptet der musikalische Pfarrer, man bete mit der Melodie und mit dem Text. Alle zwei Monate veranstaltet er Konzerte im Walxheimer Pfarrhaus. Die Bandbreite reicht von klassischer Musik über Jazz bis hin zu Volkstümlichem. Aber nicht nur für diese Besonderheit ist das Walxheimer Pfarrhaus bekannt: im Pfarrgarten leben Lamas und Zwergkaninchen.

Walxheim ist ein kleiner, beschaulicher Ort im Ostalbkreis. Man könnte vermuten, hier sagen sich Fuchs und Hase „gute Nacht“. Aber dem ist nicht so: Gerhard Bergius hat durch seine Pfarrhauskonzerte neuen Schwung in den 300-Seelen-Weiler gebracht. Alle zwei Monate veranstaltet er hier Konzerte. Damit lockt er Besucher von Stuttgart bis Regensburg ins kleine Walxheim. Die meisten Gäste stammen jedoch aus der näheren Umgebung Bopfingen, Ellwangen und Aalen.

Vor zwölf Jahren mutierte Bergius vom Stadt- zum Landpfarrer. „Mit meiner Heirat kam ein totaler Wechsel. Ich bin von der Großstadt aufs Land gezogen.“ Die Kultur habe er dabei aber mitgenommen, betont Gerhard Bergius. „Ich bin begeisterter Musikliebhaber. Das ist mein großes Hobby.“

Walxheimer Pfarrhauskonzerte

Die Idee zu den Konzerten hatte der gebürtige Hallenser schon länger. Die Umsetzung brachte ein Zufall. Ein Freund rief ihn an, ein Konzert sei geplatzt, er habe keinen Raum. „Ich habe dann spontan angeboten, das Konzert hier im Pfarrhaus stattfinden zu lassen“, erzählt der Theologe. Die Tradition setzte sich fort und hat bis heute Bestand.

Die Reihe erfolgt auf Eigeninitiative und basiert auf Spendenbasis. So entwirft, gestaltet und druckt Gerhard Bergius die Plakate selbst, verteilt sie, schreibt Briefe und verschickt Rundmails an Interessierte. Seine Frau backt Kuchen und Brezeln und sorgt damit für das leibliche Wohl der Kunstfreunde in den Konzertpausen. „Ich hatte so ein Projekt immer schon im Hinterkopf, da ich von Kindheit an klassische Musik gewohnt war“, erläutert der Organisator.

Viele der Künstler, die im Walxheimer Pfarrhaus auftreten, sind aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis. Auch zur Großfamilie von Gerhard Bergius gehören Musiker. Das nächste Konzert im September gibt sein Neffe Alan Bergius. Er spielt Cello und wird dazu von einer Pianistin begleitet.
Die Konzerte haben sich im Laufe der Jahre einen Namen gemacht. Immer öfter wird der Pfarrer auch von Künstlern angesprochen, die gerne auftreten wollen. Die Konzertreihe ist zum Selbstläufer geworden. 2002 hat Gerhard Bergius als Alterssitz für sich und seine Familie die Gnadentaler Mühle gekauft. Seitdem finden auch dort Konzerte statt.

Schauspieler oder Pfarrer?
Für Bergius besteht zwischen dem Dasein als Schauspieler und dem als Pfarrer kein Widerspruch. Als „ehrlichen Schauspieler auf der Kanzel“, bezeichnet er sich selbst. Glaube und Musik gehören für ihn untrennbar zusammen. „Ich habe im Glauben immer schon die Bildung und das Künstlerische gesehen. Das gehört dazu“, meint der vierfache Vater.

Dabei ist er nicht nur Veranstalter von Musikaufführungen, sondern selbst auch sehr musikalisch. So hat er bei seinen Pfarrhauskonzerten schon die „Winterreise“ und „Die Schöne Müllerin“ von Franz Schubert aufgeführt. Im Musical „Die Kiste“, einer japanischen Adaption des Märchens „Vom Fischer und seiner Frau“, hat er die Hauptrolle gesungen. Ab und zu gibt er auch ein Ständchen im Gottesdienst und singt ein Bach-Lied solo.

Sein künstlerisches Talent hat er schon früh entdeckt. Schon als Schüler absolvierte er eine Gesangsausbildung. „Schauspieler oder Pfarrer – vor dieser Entscheidung stand ich“, erzählt der 61-Jährige. Nach dem Abitur ist er mit dem Musical „Hair“ durch die Lande gezogen, hatte Auftritte in Böblingen und Zürich. 

Lamas und Hängebauchschweine im Pfarrgarten

Bach und Schubert im Pfarrhaus, Lamas davor: Im Walxheimer Pfarrgarten leben die beiden Lamas Ikarus und Zorbas. Bergius hat sie seiner Frau vor Jahren zum Geburtstag geschenkt. Seitdem ist die Hälfte des Pfarrgartens Lamagelände. Ein paar Jahre lebten neben den Lamas im Garten auch Hängebauchschweine. „Die hatte sich meine Frau schon immer gewünscht“, sagt er. Außerdem tummeln sich im Garten auch Zwergkaninchen, an denen sich seine Kinder erfreuen. Wegen ihm hätten die Tiere nicht sein müssen, sagt Bergius. Er kümmert sich lieber weiter um seine Konzerte in der Mühle sowie im Pfarrhaus.

Juliane Baumgarten