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In Michelbach kann Mann zum Einhorn werden

Das Evangelische Schulzentrum bildet Football-Spieler aus

Diesen Sonntag, 4. Februar, ist Superbowl. Über eine Million Deutsche werden nachts aufbleiben, um ihr Team anzufeuern. Fast jeder amerikanische Junge träumt davon eines Tages Profi-Football-Spieler zu werden. Für 20 deutsche Jugendliche rückt dieser Traum in greifbare Nähe. In der Unicorns Academy im Evangelischen Schulzentrum in Michelbach (ESZM) formen die Schwäbisch Hall Unicorns, deutscher Meister im American Football, ihren Nachwuchs.

Tim Krüger, 17, stemmt  seinen Oberkörper nach oben. Der Schweiß läuft ihm die Stirn herunter. Nach der Liegestützen-Übung hat er noch Sit-Ups, Kniebeugen und Gewichteheben vor sich. Außer Tim trainieren noch 20 andere Jugendliche im Gym, der Gerätehalle des ESZM.

Die jungen Männer absolvieren dort nicht ihren normalen Sportunterricht. Sie sind Teil der Unicorns Academy. Der Einhorn Akademie? Was nach einer neuen Reality-TV Show klingt, ist in Wirklichkeit eine Kooperation des Football-Teams Schwäbisch Hall Unicorns mit dem ESZM. Im vergangenen Jahr regten die Verantwortlichen des Vereins eine Zusammenarbeit mit der Evangelischen Schule an. „Es handelt sich um eine klassische Win-Win Situation: Der Verein kann bei uns Nachwuchsarbeit unter guten Voraussetzungen betreiben und wir können unsere Schule um ein attraktives Angebot ergänzen“, erklärt Ralph Gruber, Schulleiter des ESZM.

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Louis, Tim, Tim und Pius sind vier der zwanzig Academy Schüler © Neumann/EMH

Pünktlich zum Start des neuen Schuljahres ging die Unicorns Academy am 11. September an den Start. Bewerben konnten sich Jungs ab der achten Klasse. Das Konzept der Academy sieht folgendermaßen aus: Football ist hier nicht nur ein zusätzliches Fach, sondern spielt mehrmals die Woche eine Rolle. In Form von Training, Fitness und Spielanalyse. Im Training üben die Jugendlichen die klassischen Spielzüge. Im Fitness-Block stärken sie ihre Ausdauer und bauen Muskeln auf. In der Spielanalyse, dem Theorieteil, zeigt Coach Jordan Neuman ihnen seine Aufnahmen vom Training und analysiert gemeinsam mit den jungen Männern, was sie noch verbessern müssen. Coach und Schulleiter achten auch darauf, dass die Jugendlichen, bei aller Begeisterung für den Football, ihre regulären Schulfächer nicht vernachlässigen.

„Coach Neuman und ich arbeiten eng zusammen. Bei durchgängig schlechten Noten kann ein Schüler seinen Platz im Team verlieren“, bekräftigt Ralph Gruber. „Jordan achtet schon sehr auf unsere Noten. Wenn die schlechter werden, müssen wir das Academy Training sausen lassen und stattdessen lernen“, sagt Tim. Jordan Neuman ist übrigens kein Trainer von ungefähr.

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Coach Jordan Neuman © EMH/Neumann

Der 34-Jährige Amerikaner, trainiert nicht nur die Schüler der Academy, sondern ist zugleich Headcoach bei den Schwäbisch Hall Unicorns, dem aktuellen deutschen Meister im American Football. Er ist sich sicher, dass die Academy den Jugendlichen noch viel mehr bringt, als die Chance auf einen Platz in der ersten Mannschaft des Schwäbisch Haller Teams. Football ist ein hartes Spiel. Um hier gut zu sein, müssen die Schüler viel investieren: Zeit, Kraft, Konzentration und Nerven. Neben dem Training müssen sie ihre Noten auf einem guten Niveau halten. „Ich glaube, dass meine Jungs erwachsener sind, als die anderen Schüler in ihrem Alter. Sie verfügen über gutes Zeitmanagement und geben hundert Prozent – in der Schule und im Sport“, sagt er.

Leistungsdruck und ein Sport, bei dem blaue Flecken zur Tagesordnung gehören. Verträgt sich das mit den christlichen Werten der Evangelischen Schule? Neuman findet schon: „Die Jungs sind nicht gegeneinander. Sie sind ein Team und unterstützen sich.“ Der Coach ist selbst Christ und findet, dass man auch im Schulalltag und im Umgang der Lehrer mit den Schülern merke, dass Gemeinschaft und ein herzliches Miteinander hier großgeschrieben werden. Louis Waldmann, ein weiterer Schüler der Academy, sieht den Sport auch eher als Ausgleich, denn als zusätzlichen Druck: „Ich spiele jetzt seit sieben Jahren Football und für mich ist es eher Spaß als Stress.“


Über das ESZM: Das ESZM ist eine evangelische Schulgemeinschaft, die von christlichem Menschenbild geprägt ist und christliche Werte leben will. Um die Schüler in Ihren Begabungen und Fähigkeiten zu fördern, braucht es Lehrer, die die werdende Persönlichkeit sehen und die Kinder und Jugendlichen als einzigartige Menschen schätzen. Das ESZM vertritt die Ansicht, dass es für jede Entwicklung wichtig ist, dass sich junge Menschen als Teil einer Gemeinschaft erleben können, zu der sie gehören und zu deren Gelingen sie beitragen. Der Anspruch des ESZM ist es, einen weiten Raum und einen klaren Rahmen zu schaffen, in dem sich Kinder und Jugendliche zu Persönlichkeiten entwickeln, die sich ihrer Selbst bewusst sind, im religiösen Sinn wissen, woher sie kommen und wohin sie gehen und die Verantwortung für sich und andere übernehmen.


Trotzdem, den Traum vom erfolgreichen Football-Spieler teilen die Schüler alle. So auch Pius Prosinecki: „Klar wird es nicht jeder von uns in die erste Mannschaft schaffen, die Ansprüche sind sehr hoch und man muss konstant Leistung zeigen. Das Ziel Profi-Footballspieler zu werden hat aber jeder hier.“

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Marie Neumann