Landessynode diskutiert über religiöse Gewalt und Verfolgung von Christen

Haushalt beschlossen: 2016 und 2017 zusammen 13,2 Millionen für Flüchtlingshilfe

Stuttgart. Die Württembergische Evangelische Landessynode hat sich am Mittwoch, 25. November, mit der Menschenrechts- und Verfolgungssituation in Syrien, im Irak und in weiteren Krisengebieten beschäftigt sowie über religiöse Gewalt als Herausforderung für Kirche und Gesellschaft diskutiert. Bereits am Dienstagabend hatten die Synodalen den landeskirchlichen Haushalt 2016 einstimmig beschlossen. Darin sind für die kommenden beiden Jahre u. a. 13,2 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe vorgesehen. Die Kirchensteuereinnahmen werden 2016 auf 680 Millionen Euro veranschlagt.

„Aktuelle Stunde“: Religiöse Gewalt als Herausforderung für Kirche und Gesellschaft
Anlässlich der neuen Welle terroristischer Gewalt diskutierte die Synode in einer „Aktuellen Stunde“ die Herausforderungen, die von zunehmender religiöser Gewalt und Terror für Gesellschaft und Kirche ausgehen. Einig waren sich die Synodalen darin, dass angesichts islamistischer Bedrohung Hass und Angst zu widerstehen sei und jede Scharfmacherei gegen Muslime und Flüchtlinge vermieden werden müsse. Die Menschen, die zu uns kämen, brächten nicht den Terror, sondern würden vor ihm fliehen. Terroristische Ideologie falle vor allem da auf fruchtbaren Boden, wo junge Menschen keine Perspektiven hätten. Hier müsse Kirche ansetzen, indem sie Bildung und Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche biete, für Demokratie eintrete, sich gegen Ausgrenzung wehre und Integration lebe, so der Konsens in der Synode.

Ein besonderes Augenmerk legten die Synodalen auf den christlich-islamischen Dialog und den Ausbau des Islamunterrichts an Schulen, um dieses Feld nicht Extremisten zu überlassen. Ziel müsse sein, mit Muslimen im Gespräch zu bleiben und ihnen zu vermitteln, dass sie einen Platz in dieser Gesellschaft haben.

Verfolgungssituationen in Syrien, im Irak und in anderen aktuellen Krisengebieten
„Viele syrische Christen haben die Hoffnung auf eine Zukunft in ihrem Land verloren“, berichtete Kirchenrat Klaus Rieth. Ihre Lage habe sich durch das Vorrücken des Islamischen Staats (IS) weiter verschlechtert. Auch im Irak würden Christen weiter verfolgt. Dort lebten nur noch rund 300.000 Christen von vormals 1,2 Millionen. „Wir erleben das Ende einer langen christlichen Epoche in der Region“, erklärte Rieth. Die Landeskirche finanziert Wohncontainer für Flüchtlinge in den kurdischen Gebieten im Irak sowie Schulmaterial für jesidische und christliche Kinder. Auch in anderen Weltregionen würden Christen verfolgt, etwa in Eritrea, wo sie seit Jahren unter starkem Druck der repressiven Regierung stünden. „Hinter jeder Zahl verbirgt sich ein persönliches Schicksal, ein Mensch aus Fleisch und Blut“, erinnerte Rieth die Synodalen. „Wir können ihr Schicksal immer wieder öffentlich benennen und wir können für sie beten.“

Haushalt 2016
Bereits am Dienstagabend hat die Landessynode den Haushalt 2016 mit einem Volumen von 680 Millionen Euro einstimmig beschlossen. Neben dem Schwerpunkt Flüchtlingshilfe sollen die örtlichen Kirchengemeinden 2016 insgesamt 10,5 Prozent mehr Geld bekommen. 235 Millionen Euro werden unmittelbar an die Kirchengemeinden ausgeschüttet. Dazu kommen Mittel, von denen sie indirekt profitieren: Dem sogenannten Ausgleichsstock für Bauvorhaben fließen neben den regulären 18 Millionen Euro weitere sechs Millionen zu, davon fünf Millionen für energetische Maßnahmen an Pfarrhäusern. Zehn Millionen Euro werden aus einem synodal angeregten Paket für anstehende Strukturreformen bereitgestellt. Außerdem bekommen die Gemeinden eine Zuweisung von fünf Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe. Weitere fünf Millionen Euro sollen 2017 folgen. Da die Gebäude des Oberkirchenrats und des Diakonischen Werks in Stuttgart in die Jahre gekommen sind, legt die Landeskirche 13,3 Millionen Euro für die bevorstehenden Genralsanierungen zurück. Der Fonds für die Entschädigung misshandelter Heimkinder soll weitere 2,5 Millionen Euro bekommen. Ein Großteil der Steuermehreinnahmen soll dazu verwendet werden, die Kirche auf schlechtere Zeiten vorzubereiten: Die Mittel der Versorgungsstiftung sowie Rücklagen für Pensionen werden aufgestockt.

Auch überregionale Aufgaben finanziert die Landeskirche mit: Mehr als 25 Millionen Euro gehen an die finanzschwachen ostdeutschen Gliedkirchen. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und das bundesweite Diakonische Werk erhalten 13 Millionen Euro, der kirchliche Entwicklungsdienst bekommt zehn Millionen Euro. Für das Einziehen der Kirchensteuer bezahlt die Landeskirche drei Prozent Gebühren an die Steuerverwaltung, das sind gut 20 Millionen Euro.

Die Landessynode tagt noch bis zum Donnerstag, 26. November, im Stuttgarter Hospitalhof.

 

Oliver Hoesch
Sprecher der Landeskirche