Prävention

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg ist sich ihrer Verantwortung bewusst, die sich aus der Trägerschaft vieler Kinder- und Jugendeinrichtungen ergeben. Den Einrichtungen in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und schutzbedürftigen Erwachsenen wird dabei ein hohes Vertrauen entgegengebracht. Prävention sexualisierter Gewalt soll in allen Bereichen der Landeskirche und der Diakonie in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und schutzbedürftigen Erwachsenen ein Thema sein. Das ist keine Sache, die nebenher geschieht, sondern muss bewusst in die Wege geleitet werden. Die Ergebnisse des Monitorings des unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung haben einen großen Bedarf an Unterstützung- und Schulungsangeboten in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gezeigt. 

Für den weiteren Ausbau des Präventionskonzeptes in Kirchengemeinden, Werken und Einrichtungen gibt es seit 1. Juni 2014 die befristete Koordinierungsstelle „Prävention sexualisierte Gewalt“. Aufgabenschwerpunkt der Stelle ist die Sensibilisierung von ehren- und hauptamtlich Mitarbeitende für die Prävention von sexueller Gewalt durch die Implementierung eines Schulungskonzeptes und die Motivation von Gemeinden und Einrichtungen zur Durchführung von Risiko- und Potentialanalysen, Entwicklung von Präventions- und Schutzkonzepten und Umsetzung von Selbstverpflichtungen. Eine Kultur des Hinschauens und das Vermeiden von Risikoorten ist dabei ein Leitgedanke. Nur wenn viele Personen sensibilisiert sind, können wir einen sicheren Ort für Kinder und Jugendliche in unseren Einrichtungen bieten.

Für die Umsetzung des Leitgedanken "Einen sicheren Ort für Kinder und Jugendliche bieten" orientieren sich die Empfehlungen am 9-Punkte-Plan zur Erstellung von Schutzkonzepten des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung (UBSKM) Johannes-Wilhelm Rörig und dessen Kampagne „Kein Raum für Missbrauch“.

Es empfehlen sich folgende Schritte (Reihenfolge entspricht nicht der Gewichtung):

  • Entscheidung für die Erarbeitung eines spezifischen Schutz- und Präventionskonzeptes und Kommunikation dessen z.B. im Leitbild
  • Entwicklung und Implementierung eines Interventionsplanes (transparentes und standardisiertes Vorgehen im Falle einer Vermutung) 
  • Kooperationen mit Fachberatungsstellen vor Ort
  • Kinderschutzorientierte Personalentwicklungsmaßnahmen müssen eingeführt werden (Regelungen zur Einsichtnahme in erweiterte polizeiliche Führungszeugnisse, kinderschutzorientiertes Bewerbungsverfahren)
  • Regelmäßig stattfindende Aus- und Fortbildungsmaßnahmen für Mitarbeitende oder der Besuch von thematischen Fachtagungen müssen fester Bestandteil sein
  • Entwicklung eines Verhaltenskodexes als Orientierungsrahmen für den Grenzachtenden Umgang und einem angemessenen Nähe-Distanz-Verhalten und als Ausdruck der Haltung
  • Partizipation von Kindern, Jugendlichen und Eltern
  • Konkrete Präventionsangebote in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
  • Einrichten eines internen Beschwerdeverfahrens, Benennung von Ansprechpersonen (intern und extern) für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Zu Beginn eines solchen Prozesses steht die Risiko- und Potentialanalyse.

Arbeitshilfen und Beispiele für diese Schritte sind im weiteren Verlauf dieser Seite aufgeführt und werden erweitert und überarbeitet.

Die Broschüre der EKD "Das Risiko kennen – Vertrauen sichern" bietet eine gute Hilfe zur Erstellung einer eigenen Potential- und Risikoanalyse. Diese gibt einen individuellen Überblick über die Potentiale und Risiken bezüglich des Kinderschutzes innerhalb der Gemeinde oder Einrichtung.

Auf Grundlage der Ergebnisse kann ein Schutzkonzept für den entsprechenden Bereich entwickelt werden. Immer im Bewusstsein, dass dies ein Prozess ist, der im Sinne des Kinderschutzes nie abgeschlossen werden kann.

  • Arbeitsblätter zur Erstellung einer Risikoanalyse
    • Anlage 1: Kultur der Achtsamkeit
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      Info: 360 KB | PDF
      07.09.2015

    • Anlage 2: Checkliste zur Unterstützung einer Risikoanalyse
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      07.09.2015

    • Anlage 3a: Memoskizze / Dokumentation für Risikoanalyse
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    • Anlage 3b: Aktionsplan
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      07.09.2015

    • Anlage 4: Matrix zur Bewertung und Selektion von Risiken
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      Info: 180 KB | PDF
      07.09.2015

Erweitertes polizeiliches Führungszeugnis

Das Bundeskinderschutzgesetz fordert mit der Regelung des § 72a SGB VIII die Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses. Damit soll verhindert werden, dass in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen Personen beschäftigt werden, die rechtskräftig wegen einschlägiger Straftatbestände verurteilt wurden. In das erweiterte Führungszeugnis werden auch einschlägige Verurteilungen unterhalb der Bagatellgrenze aufgenommen. Für hauptamtlich Beschäftigte in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses bei Beschäftigungsbeginn und in Folge alle 5 Jahre Standard.

In Vereinbarungen mit dem örtlichen Träger der Jugendhilfe (z.B. städtisches Jugendamt oder Landratsamt) wird entsprechendes Vorgehen bei ehrenamtlichen Mitarbeitenden festgelegt. Dabei kann hierfür eine detaillierte Regelung getroffen werden, die sich nach Art, Intensität und Dauer des Kontaktes mit Kindern und Jugendlichen richtet.

Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) hat eine Empfehlung für die Bezirks- und Ortsebene für den Bereich "Prävention vor sexualisierter Gewalt" in der evangelischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Württemberg erstellt. Sie ist eine Hilfestellung für die Vereinbarungen mit den öffentlichen Trägern der Jugendhilfe. Auch für den Umgang mit der Einsichtnahme von erweiterten Führungszeugnissen Ehrenamtlicher finden sich Empfehlungen und Fragestellungen für die eigene Klärung.

Unabhängig von den Regelungen des SGB VIII gibt es auch für Gemeinden und Einrichtungen ohne Vereinbarung die Möglichkeit zur Einsichtnahme in das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis von Ehrenamtlichen, wenn sie sich in Arbeitsbereichen mit Kindern und Jugendlichen engagieren. Grundlage hierfür ist § 30a Abs. 1, Nr. 2 im Bundeszentralregistergesetz.

Einstellung von hauptamtlichem Personal

Schon bei Bewerbungsgesprächen kann die Sprache auf das Präventionskonzept der Einrichtung oder Gemeinde kommen. Damit signalisiert das Auswahlgremium den Bewerberinnen und Bewerbern, dass die Einrichtung sensibilisiert ist und sich dem Thema „Prävention sexualisierter Gewalt“ angenommen hat. Wenn es schriftliche Vereinbarungen gibt und klare Handlungskonzepte vorhanden sind, ist das ein Signal, dass Grenzüberschreitungen nicht hingenommen werden, sondern klare Konsequenzen haben.

Ein gutes Instrument in der Sensibilisierung und Thematisierung von sexualisierter Gewalt mit ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden ist ein Verhaltenskodex. Er transportiert die Haltung zu sexualisierter Gewalt, dem Nähe-Distanz-Verhältnis und anderen Situationen, die ein Machtverhältnis begünstigen.

In der Praxis gibt es unterschiedliche Erfahrungen. Immer ist jedoch die Auseinandersetzung mit einem Verhaltenskodex ein intensiveres, umfassenderes und empfehlenswertes Instrument, auch wenn die Einsicht in ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vereinbart ist.

Unterschiedliche Bereiche innerhalb der Landeskirche haben sich inzwischen mit dieser Thematik beschäftigt oder haben Fachtage zur gemeinsamen Erstellung eines Verhaltenskodex und einer Selbstverpflichtung organisiert.

Für den Bereich der Mediennutzung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat die Landeskirche einen Vorschlag und Anregungen für die Auseinandersetzung und Formulierungen innerhalb eines Verhaltenskodexes erarbeitet. Der „Verhaltenskodex_Medien“ umfasst ein Vorwort zur Einordnung des Themas und Formulierungen zur Diskussion und Übernahme in einen eigenen Verhaltenskodex.

Die Mitglieder des Evangelischen Fachverbandes Kinder, Jugend und Familie im Diakonischen Werk Württemberg haben sich eine Selbstverpflichtungserklärung erarbeitet, mit der sich die unterschreibenden Einrichtungen zur Achtung der UN-Kinderrechtskonvention und deren Umsetzung im Alltag bekennen. Besondere Beachtung finden hierbei die Schutz- und Beschwerde- und Beteiligungsrechte für Kinder und Jugendliche, die als wesentliche Bestandteile der Prävention physischer, psychischer und sexueller Gewalt und vor Fehlverhalten zu verstehen sind.

Neben der Verpflichtungserklärung sind in der Broschüre Kernsätze formuliert, die anregen, sich mit der Thematik des Kinderschutzes und der Umsetzung in der Einrichtung zu beschäftigen. Hinweise zu einer Risikoanalyse erleichtern den Einstieg in ein einrichtungsspezifisches Schutzkonzept. 

    • Selbstverpflichtungserklärung Diakonie Württemberg
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      Info: 8 MB | PDF
      21.06.2017

Die Handreichung für Pfarrerinnen und Pfarrer bietet konkret für diesen Personenkreis eine Hilfestellung zur eigenen Rollenklärung und Beschäftigung mit Prävention sexualisierter Gewalt. Sie bietet

  • Denkanstöße für Einzelne
  • Diskussionsbausteine für Dienstbesprechungen und Vikariatsbegleitung
  • Fachliche Informationen und Handlungsanleitungen im Verdachtsfall
  • Relevante Gesetzestexte

Die Broschüre wurde allen Pfarrerinnen und Pfarrern im Gemeindedienst zugestellt, ein Download der Broschüre ist hier möglich.

  • Downloads
    • Filmliste
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      Info: 190 KB | PDF
      07.09.2015

    • Literaturliste
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      Info: 281 KB | PDF
      07.09.2015

    • Antrag Führungszeugnisse
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      Info: 253 KB | PDF
      07.09.2015

    • In § 72 a Abs. 1 SGB VIII benannte Straftatbestände aus dem Strafgesetzbuch
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      Info: 227 KB | PDF
      07.09.2015

    • Broschüre Nähe& Distanz für Pfarrer*innen
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      Info: 231 KB | PDF
      18.09.2018