Prediger, Brückenbauer, Freund

Trauergottesdienst für Altlandesbischof Theo Sorg in der Stuttgarter Stiftskirche

Stuttgart. Als einen „Prediger, der aus der Fülle der biblischen Botschaft lebte und schöpfte“, würdigte der württembergische Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July seinen verstorbenen Vorgänger Altlandesbischof Dr. h. c. Theo Sorg. In seiner Predigt (1. Kor 23 a) beim Trauergottesdienst am Freitag, 24. März, in der Stuttgarter Stiftskirche sagte July: „Der gekreuzigte und auferstandene Christus war der Orientierungspunkt in Sorgs Leben. Er wollte die Fragen der Welt, des Friedens, des Lebensschutzes, des Umgangs mit Asylsuchenden und der Gerechtigkeit vom Evangelium her verstehen – und soweit wie möglich beantworten.“

July ging auch auf die Rolle der Stiftskirche im Leben des Verstorbenen ein: „In der Stuttgarter Stiftskirche hat er immer wieder das Evangelium von Jesus Christus, die biblische Botschaft von der Versöhnung, zum Klingen gebracht. Die Gemeinde, die sich hier zum Gottesdienst versammelte, war ein besonderer Resonanzraum der Verkündigung, die Stiftskirche selbst einer der Fixpunkte seines Lebens, geistliche Heimat für ihn und seine ganze Familie.“ Dankbar denke er an die langjährige Zusammenarbeit mit Theo Sorg zurück, dessen persönlicher Referent und Leiter des Bischofsbüros er während Sorgs Amtszeit war.

„Theo Sorg war mehr als ein verlässlicher Partner. Er war ein Freund“, betonte Domkapitular Monsignore Dr. Heinz Detlef Stäps von der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Er sei ein Brückenbauer zwischen den Konfessionen gewesen und habe dazu beigetragen, dass evangelische und katholische Kirche mit einer Stimme in der Gesellschaft Zeugnis geben konnten. „Ohne Theo Sorg wäre die geschwisterliche Verbindung zwischen den Konfessionen in Württemberg nicht so gut, wie sie heute Gott sei Dank ist“, sagte Stäps weiter. „Unser gemeinsamer Auftrag ist es, sein Lebenswerk fortzuführen.“

Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch würdigte die theologische Redlichkeit Theo Sorgs. „Links oder rechts, progressiv oder konservativ, modern oder traditionell sind keine Kategorien, mit denen man ihm gerecht werden kann“, sagte Gurr-Hirsch in ihrem Nachruf für das Land Baden-Württemberg. Sorg habe weder den Menschen und erst recht nicht der Politik nach dem Mund geredet, sondern sie mit der Sperrigkeit und Widerständigkeit des Evangeliums konfrontiert. „Die Kirche konnte für ihn nur glaubwürdig sein, wenn sie sich erkennbar am Wort Gottes ausrichtet und ihre Anliegen den Menschen erklärt. Und an diese Maßgabe hat er sich auch immer selbst gehalten.“

Als einen „großen Bischof“ bezeichnete Pfarrer Steffen Kern den Verstorbenen. „Er verband Klarheit mit Herzlichkeit, Positionierung mit Brückenbau, Wahrheit mit Liebe“, sagte Kern, der als Vertreter der landeskirchlichen Gemeinschaften bei der Trauerfeier sprach. Kern verwies auf den pietistischen Hintergrund Sorgs, der als Jugendlicher mit seinen Geschwistern die Bibelstunden der altpietistischen Gemeinschaft in Marbach besucht hatte. Diese Erfahrungen hätten ihn geprägt und begleitet. Deshalb sei es ihm ein Herzensanliegen gewesen, „dass Kirche und Pietismus beieinander bleiben und einander zum Segen werden.“

Altlandesbischof Sorg war am Freitag, 10. März, im Alter von 87 Jahren gestorben. Als Nachfolger Hans von Kelers leitete er die Landeskirche von 1988 bis 1994. Er verstand sein Amt vorwiegend als Prediger und Seelsorger, bezog Position gegen Schwangerschaftsabbrüche, gegen die Abschiebung von Asylbewerbern, gegen Waffenexporte, trat für eine Kultur des Sonntags und für Toleranz gegenüber Andersgläubigen ein. Während seiner Amtszeit kam der damals in pietistischen Kreisen umstrittene Deutsche Evangelische Kirchentag nach Stuttgart. Zudem wurde in seiner Amtszeit erstmals eine Frau zur Prälatin berufen.

Oliver Hoesch
Sprecher der Landeskirche