Martin Luther Suite - A Jazz Reformation

Luthers Musik in orchestralem Jazz-Gewand

Lucas Schmid ist heute der Leiter und Manager der WDR-Bigband. Sie gilt als eine der besten Bigbands weltweit. Damals noch als Bassposaunist der NDR-Bigband hatte er sich mit der Musik der Reformation befasst und ist dabei auf bemerkenswerte Gemeinsamkeiten mit dem Jazz gestoßen: „der rebellische Geist der Zeit und die Stimmungen der Renaissancemusik inspirierten mich dazu, eigene Arrangements für Jazzorchester zu schreiben.“

So hat er Stücke der Reformation arrangiert und um Eigenkompositionen ergänzt. Unter seiner Leitung wird die „Martin Luther Suite – A Jazz Reformation" am 22. Oktober 2017 in der Stiftskirche in Weinstadt aufgeführt: mit einem Ensemble von 17 Top-Jazzern der Region, ergänzt durch einige Gastmusiker, zusammengestellt von Hans Fickelscher. Lucas Schmid wird auch eine Einführung zur Suite und den einzelnen Stücken geben.

"A Jazz Reformation" von Lucas Schmid

Kaum eine andere Persönlichkeit der deutschen Geschichte hat so viele Kontroversen ausgelöst wie der "Gegenpapst aus Wittenberg" Martin Luther. Eine solch umwälzende Bewegung wie die Reformation war das Ergebnis unterschiedlicher Kräfte, und Luthers Ideen fanden damals den richtigen Nährboden, denn sie entsprachen dem Geist der Zeit.

Musik und Reformation

Die Musik spielte für Luther eine besondere Rolle. Er war ihr nicht nur emotional zugetan, sondern sie war für ihn auch ein mediales Werkzeug mit besonderer Breitenwirkung. Luther übernahm bekannte Melodien aus der Vor-Reformationszeit, wenn nötig modifizierte er sie, und versah sie mit einem neuen Text.

Anfangs kannten die Gemeindemitglieder die neuen Texte zwar nicht, konnten sie aber schon mitsingen, weil ihnen die Musik vertraut war. Die Musik war der emotionale Zugang zur neuen Gemeinschaft.

In der Musik ist das Ausleben der Emotion die treibende Kraft. Ohne Emotion ist Musik nicht vorstellbar, das gilt insbesondere für den Jazz. Das ausbalancierte Zusammenspiel von Gefühl, Ausdruck, Intellekt, Intuition, empirischem Wissen, Struktur und Chaos sollte im Idealfall in jeder Kunstform erfahrbar sein.

Und so lag die Übertragung des mächtigen Klangs einer Kirchenorgel oder Kirchenchors auf eine Bigband auf der Hand. Die über Jahrhunderte von den Orgelspielern praktizierte Improvisation ist schließlich auch das Credo eines Jazzmusikers. Die "Jazz Reformation" lebt von musikalischer und emotionaler Vielschichtigkeit. „Vom Himmel hoch“ erklingt neben anderen Kirchenliedern in der Suite. Schmid hat Weisen aus der Luther-Zeit und eigene Kompositionen phantasievoll arrangiert und zu einem neuen Ganzen werden lassen: swingend, boppig, im Stil des Tango Nuevo bis hin zum Funk, mit viel Raum für Improvisationen.

Jazz@Large

Das Orchester Jazz@Large der Interessengemeinschaft Jazz Stuttgart e.V. gibt neue Impulse für Jazz- und Improvisierte Musik im Raum Stuttgart und fördert darüber hinaus durch immer neue Besetzungen das kollegiale Miteinander aller Jazz-Musiker/innen der Region. Jazz@Large gibt regelmäßige Konzerte im Theaterhaus Stuttgart und an weiteren Orten wie zB das Kunstmuseum oder die neue Stadtbibliothek. Die Projektleitung liegt bei Hans Fickelscher.

 

Datum:
22.10.2017 - 22.10.2017
18:00 Uhr - 21:00 Uhr
Ort:
Stiftskirche Weinstadt
Stiftstraße 23
71384 Weinstadt
Veranstalter:
Kulturamt der Stadt Weinstadt

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