Erprobungsräume Digitalisierung

Wie geht Kirche in der digitalen Welt? Was hilft beim Glauben? Die Bibel gibt’s schon als App. Werden bald virtuelle Pfarrer die „echten“ unterstützen oder es virtuelle Pfarrbüros geben? Eine Konfi-App für den Unterricht? Oder Wege, zumindest den Papierkram elektronisch erledigen zu können? Vieles ist denkbar – aber was ist machbar? Und wer macht es? Und was passt auch zu Kirche? Wie muss sich Kirche weiterentwickeln, um bei Digital Natives und Followern im Kopf, im Gespräch, im Smartphone zu sein? Viele Fragen!

Roadmap Digitalisierung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg from elk wue on Vimeo.


2. Forum Digitalisierung am 23. Juli im Stuttgarter Hospitalhof

Als Projektgruppe Digitalisierung im Evangelischen Oberkirchenrat arbeiten wir weiterhin intensiv an dem Thema Digitalisierung, der Unterstützung von innovativen Digitalprojekten und an der Umsetzung der „digitalen Roadmap“.Der Fokus des 2. Forums Digitalisierung in der Landeskirche liegt auf der praktischen Umsetzung von  Digitalisierungsmaßnahmen – und das auf unterschiedlichen Ebenen.Wir möchten Ihnen anhand von Schwerpunktthemen praktische Unterstützung bieten und Sie informieren, was in den vergangenen Monaten erreicht werden konnte.Wir haben ein abwechslungsreiches und interaktives Programm entwickelt, freuen uns sehr, wenn Sie dabei sind, und empfehlen Ihnen sich möglichst schnell und verbindlich anzumelden.


Die Evangelische Landeskirche in Württemberg will dieses Thema vorantreiben. Was für Ideen gibt es, die wir umsetzen können? Was müssen wir neu erfinden? Was gibt es schon, das wir zusammenführen können?

Was habt ihr, was haben Sie für Ideen dazu? Was fehlt und müssten wir entwickeln oder erfinden? Oder haben Sie, hast Du gar ein konkretes Projekt, das wir gemeinsam angehen und fördern können? Alle Mit- und Querdenker sind aufgerufen, Ideen, Konzepte in die Diskussion zu bringen.

Meldet euch dazu unter: digi@elk-wue.de

Die vernetzte Landeskirche

Digitale Roadmap? Vernetzte Landeskirche? Wie wird das, wie kommen wir da hin? Und hat jemand auch an die Risiken und Nebenwirkungen gedacht? Das und mehr haben am 19. Januar mehr als 300 kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Synodale und weitere Interessierte beim Forum Digitalisierung im Hospitalhof in Stuttgart diskutiert.

Die Projektgruppe Digitalisierung im Evangelischen Oberkirchenrat hat sich intensiv mit dem Thema Digitalisierung auseinandergesetzt und aus verschiedenen Blickrichtungen erörtert, was die relevanten Aspekte der Digitalisierung für die Landeskirche, für ihre Mitglieder und Mitarbeitenden, ihre Kirchengemeinden sowie für die die verbundenen Einrichtungen sind. Dieser Prozess hatte u.a. die  Entwicklung einer ‚Roadmap Digitalisierung‘ für die Landeskirche in Württemberg zum Ziel. Jetzt liegt diese Roadmap vor. Dabei geht es nicht nur um IT-Projekte und Apps, sondern darum, neu zu denken und zu verstehen, was Digitalisierung generell und konkret für die Kirche bedeutet.

„Es geht bei Digitalisierung um viel mehr als um ein IT-Projekt“, sagte Landesbischof Frank Otfried July zum Auftakt des Forums Digitalisierung. „Die Technik ist wichtig, aber entscheidend ist, wie wir sie nutzen. Mein Kriterium: Digitalisierung soll dienen, nicht herrschen.“ Die Württembergische Kirche biete im Rahmen ihrer Roadmap Digitalisierung Erprobungsräume, um neue Technologien zur Vermittlung des Evangeliums und zu einer beschleunigten Verwaltungsarbeit zu nutzen.



Theo Eißler von der Agenur Bär Tiger Wolf, die die Landeskirche in ihrem Digitalisierungprozess begleitet, betonte: „Die Digitalisierung sorgt für einen Machtwechsel: Sie ermächtigt jeden von uns." Der Weg führe weg von den digitalen Sendeanstalten hin zu jedem einzelnen. Dank dieser neuer Möglichkeiten könnte die Kirche mehr Menschen und Herzen erreichen. Eine gelungene Kommunikation, die die Menschen bewegt, müsse „relevant, nützlich, wertvoll, einfach, authentisch, inspirierend und unterhaltsam“ sein.

Bei der Digitalisierung gehe es nicht nur um eine Haltung, sondern auch um eine Änderung von Strukturen, erklärte Ingo Dachwitz, Redakteur bei netzpolitik.org und Mitglied der sozialethischen Kammer der Evangelischen Kirche in Deutschland. „Viele Pfarrer sind mit ihren Aufgaben schon so voll, dass sie kaum dazu kommen, ihre E-Mails zu beantworten. Die kommen gar nicht mehr dazu, das Evangelium ins Netz zu tragen“, kritisierte er. Zudem hätten viele Angst vor einem Kontrollverlust. Es bestehe die Furcht, „Leute können meine Kommunikation nehmen und in ganz andere Kontexte setzen oder widersprechen."

Der Direktor des Oberkirchenrats, Stefan Werner, stellte die „Digitale Roadmap“ zur vernetzten Landeskirche zur Diskussion. Werner betonte: „Die Digitalisierung bedarf kirchlicher Mitgestaltung.“ Was bedeutet Digitalisierung in der Gemeindearbeit, der Öffentlichkeitsarbeit oder in der Verwaltung? In Diskussionsgruppen tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums Digitalisierung über die unterschiedlichen Bereiche der Roadmap aus.

In seinem Schlusswort kündigte Oberkirchenrat Dr. Martin Kastrup an, dass es künftig eine Digitalverantwortliche bzw. einen Digitalverantwortlichen direkt beim Direktor des Oberkirchenrats geben soll. Sie oder er soll "alle Digitalprojekte der Landeskirche koordinieren, überwachen und ihre Umsetzung durchsetzen", so Kastrup. Dafür sie die Roadmap der Rote Faden. Ihre Meilensteine können ab sofort in einer neuen Diskussionsplattform digital diskutiert werden.


Videos der Veranstaltung

Wer nicht selbst dabei war oder den Livestream nicht live verfolgen konnte, findet alle Videos der Veranstaltung hier zum Ansehen.


Beiträge der Redner und Referenten
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Info: 150 KB | PDF
19.01.2018

Eröffnung Forum Digitalisierung - Landesbischof July
Eröffnungsrede von Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July zum Forum Digitalisierung im Stuttgarter Hospitalhof am 19. Januar 2018.

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Info: 164 KB | PDF
19.01.2018

Impulsreferat Forum Digitalisierung - Theo Eißler
Impulsreferat Theo Eißler zum Thema „Die Digitalisierung revolutioniert die Kommunikation – eine Chance für das Evangelium?“

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Info: 216 KB | PDF
19.01.2018

Impulsreferat Forum Digitalisierung - Ingo Dachwitz
Impulsreferat Ingo Dachwitz zum Thema „Kirche & Digitalisierung: Wie wir uns dauerhaft aus der Gesellschaft verabschieden“

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Info: 187 KB | PDF
19.01.2018

Vorstellung der Roadmap beim Forum Digitalisierung - Stefan Werner
Referent Stefan Werner Direktor im Oberkirchenrat zur Roadmap der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

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Info: 2 MB | PDF
24.01.2018

Präsentation der Roadmap beim Forum Digitalisierung - Direktor Stefan Werner
Direktor Stefan Werner - Präsentation der Roadmap

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Info: 175 KB | PDF
19.01.2018

Ausblick zur Roadmap beim Forum Digitalisierung - Dr. Martin Kastrup
Dr. Martin Kastrup Oberkirchenrat - Wie geht es weiter? - Ausblick zur Umsetzung und Einbindung

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Info: 580 KB | PDF
19.01.2018

Präsentation beim Forum Digitalisierung - Dr. Martin Kastrup
Dr. Martin Kastrup Oberkirchenrat - Wie geht es weiter? - Ausblick zur Umsetzung und Einbindung (Präsentation)


Die Referenten

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Theo Eißler führt die Agentur Bär Tiger Wolf, die für nationale und internationale Marken und Unternehmen arbeitet und die für ihre Arbeiten vielfach ausgezeichnet worden ist. Als Kommunikationsprofi unterstützt er Führungskräfte und Entscheider. Zusammen mit seiner Familie ist er ehrenamtlich in der Evangelischen Landeskirche aktiv. 

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Ingo Dachwitz kommt aus Berlin und arbeitet als Redakteur bei www.netzpolitik.org. Er ist Mitglied der sozialethischen Kammer der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und berät verschiedene Gliedkirchen der EKD zum Thema Digitalisierung.


Moderation

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Joachim Stängle hat die Veranstaltung moderiert. Stängle ist selbstständig als Unternehmensberater, unterstützt und begleitet Unternehmen und Organisationen auf dem Weg in die digitale Gegenwart. Unter anderem koordiniert er die Projektgruppe Digitalisierung der Württembergischen Landeskirche.


Gemeinsam mit Experten entwerfen wir eine digitale Roadmap für die Landeskirche. Wie verändert Digitalisierung die Gesellschaft und uns, wo wollen und müssen wir ansetzen? Eine Expertenkommission ist im Aufbau. Sie berät und vernetzt zu den verschiedensten Fragen.

Gleichzeitig gibt es bereits eine weitgehende Beteiligungsmöglichkeit: Ideen, Vorschläge, Konzepte können in die Projektgruppe eingespeist werden (Digi@elk-wue.de).


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Info: 187 KB | PDF
13.07.2017

Ablauf - Einreichung von Digitalisierungsideen
Über Einreichung, Beratung, Konzeption und Realisierung - Hier beschreiben wir den Ablauf von der Idee zum fertigen Produkt.

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Info: 71 KB | PDF
18.07.2017

Formular Projektantrag
Projektantrag oder „Start-up“ aus dem Bereich Digitalisierung. Bitte alle Felder des Antrags ausfüllen. Der vollständig ausgefüllte Antrag bitte an: digi@elk-wue.de

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Info: 87 KB | PDF
13.07.2017

Ausfüllanleitung Projektantrag
Hilfestellung zum Ausfüllen eines Projektantrags.

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Barbara Rau-Preuß © privat

Zugegeben, die Digitalisierung unserer Welt und unserer Arbeitswelt sehe ich nicht mit uneingeschränkter Begeisterung, aber wir stehen mit dieser Veränderung nicht am Anfang, sondern wir befinden uns bereits mittendrin. Die Frage, ob wir das grundsätzlich wollen oder nicht, stellt sich nicht mehr. An vielen Stellen sind wir bereits in der digitalen Welt unterwegs und die Entwicklung wird rasant fortschreiten, ob wir mitgehen oder nicht.

Mit eher zurückhaltender Begeisterung habe ich mich zur Mitarbeit in der Digitalisierungsgruppe unserer Landeskirche entschlossen. Für mich verbindet sich mit dem Thema weit mehr als nur die Aneinanderreihung von Apps und Co. Meine Fragen habe ich in diese Arbeitsgruppe mitgenommen und ich bringe sie auch immer wieder ein. Digitalisierung soll den Menschen dienen und nicht umgekehrt, so könnte die Überschrift für meinen Fragenkatalog lauten.

Welches Wissen benötigen Kolleginnen und Kollegen in der ganzen Landeskirche, um auch in Zukunft gut arbeiten zu können und wie können sie sich dieses Wissen aneignen? Wie müssen Fortbildungsformate weiterentwickelt oder ganz neu gestaltet werden? Wie wird sich Arbeit überhaupt verändern? Wie werden die Arbeitsplätze der Zukunft aussehen und wie werden wir sie gestalten? Die bisherigen Arbeitsformen werden sich weiterentwickeln und auch hier ergibt sich Gestaltungsbedarf. Wie können sich die neuen Arbeitsmethoden auf die Gesundheit auswirken und wie gestalten wir eine gesundheitsförderliche Arbeitswelt? Arbeitsverdichtung, ständige Erreichbarkeit, schnellere Arbeitsprozesse, arbeiten von überall: All diese Veränderungen werden auf die Mitarbeitenden aller Verantwortungsebenen Auswirkungen haben und sollten sorgfältig gestaltet werden. 

Meine Haltung zum Thema Digitalisierung: Weiterentwicklung ja gerne, aber mit Bedacht.
Barbara Rau-Preuß

Wo nützt uns diese tiefgreifende Veränderung der Kommunikation und wo sollten wir besonders achtsam sein? Ersetzt eine App das seelsorgerliche Gespräch oder den Gottesdienst vor Ort? Kann ich selbst entscheiden, welches Format ich nutzen möchte, weil es sowohl digitale, als auch analoge Angebote geben wird? Was wollen wir erhalten und bewahren, weil es digital nicht in der Qualität der analogen Welt erbracht werden kann? Ich bin überzeugt, dass die Begegnung von Mensch zu Mensch nicht ersetzt werden kann. Digitale Möglichkeiten könnten aber eine Erweiterung der Kontaktmöglichkeiten darstellen und Schwellenängste abbauen. Wie wollen wir Menschen erreichen und begegnen die den Weg in die digitale Welt nicht oder nicht mehr gehen können? Nach meiner Einschätzung benötigen wir weiterhin Haupt- und Ehrenamtliche, die die Menschen an ihren Orten aufsuchen und für sie Ansprechpartner sind. Digitale Begleitung sterbender Menschen kann ich mir nicht vorstellen. Aber durch die Veränderungen an anderen Stellen könnte mehr Freiraum für solche Aufgaben entstehen.

Meine Haltung zum Thema Digitalisierung: Weiterentwicklung ja gerne, aber mit Bedacht. Die landeskirchliche Projektgruppe Digitalisierung stellt sich dieser Herausforderung. Beteiligen Sie sich mit an diesem Prozess! Wir freuen uns auf Ihre Einschätzung! Schreiben Sie uns ein paar Zeilen an digi@elk-wue.de.

Autorin: Barbara Rau-Preuß


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© EMH/Gottfried Stoppel

„Die Digitalisierung sorgt für eine Revolution in unserer Arbeits- und Lebenswelt.“ Der Satz stammt nicht etwa aus der der landeskirchlichen Projektgruppe Digitalisierung oder gar von mir. Nein, er steht in dem Papier „Staat 4.0 – Digital, Souverän, Innovativ“, verabschiedet auf dem Nationalen IT-Gipfel der Bundesregierung. In der deutschen Wirtschaft diskutiert man eine sogenannte smarte Fabrik mit intelligenten Maschinen. Auch die Sozialwirtschaft ist betroffen. Gearbeitet wird an digitalen Unterstützungssystemen in allen Bereichen in der Wirtschaft, der Verwaltung und auch in der Altenpflege.

Die Vorstellung ist gleichermaßen faszinierend wie furchterregend: In Zukunft könnten Senioren nicht mehr von Menschen, sondern von Robotern gepflegt werden. Japanische Firmen haben bereits Maschinen mit starken Armen und großen Kulleraugen entwickelt, die Patienten aus dem Bett heben und in den Rollstuhl setzen können. Demenzkranke werden GPS überwacht. Altenheime nützen die Möglichkeit, gefährdete Personen mit Sendern auszustatten. Auf diese Weise bekommt das Pflegepersonal mit, wenn sich Bewohner den Ausgängen nähern oder – außerhalb der Einrichtung – von ihren üblichen Spazierrouten abkommen. Überwachung ja, aber natürlich auch Freiraum, denn dies ermöglicht den Demenzkranken, sich geschützt autonom bewegen zu können.

Auch in der Verwaltung werden Szenarien des smarten Beamten entwickelt. Sein Arbeitstag beginnt um 8 Uhr mit einem Jour Fixe mit seinem Team. Wo? Am heimischen Küchentisch, denn der smarte Beamte nutzt sein Tablet, das er von seinem Arbeitgeber gestellt bekommt, da sein Dienstgebäude aus allen Nähten platzt. Home Office wird zur kostengünstigen Lösung. Nach dieser Besprechung macht sich bereits die Smartwatch bemerkbar: noch 45 Minuten bis zum nächsten Termin. Aber im sich selbst steuernden Dienstwagen hat der smarte Beamte ja noch genug Vorbereitungszeit.

Digitalisierung kann Freiräume öffnen und zugleich entmündigen.
Direktor Stefan Werner

Verheißung oder Schreckensvision oder beides zugleich? Digitalisierung kann Freiräume öffnen und zugleich entmündigen. Dennoch scheint die Digitalisierung aller Lebensbereiche nicht aufzuhalten zu sein. Der Staat muss sich zum Beispiel in seiner Verwaltung dieser Herausforderung stellen, man spricht von Verwaltung 4.0. Er muss zugleich Rahmenbedingungen schaffen, damit Digitalisierung nicht in die totale Überwachung führt. Und die Kirche? Sie befindet sich ebenfalls in einer Doppelrolle. Sie ist Teil der sich digitalisierenden Welt. Das birgt auch große Chancen beispielsweise bei der Nutzung digitaler Kommunikationsmöglichkeiten vor dem Hintergrund des kirchlichen Verkündigungsauftrags.

Auch der smarte Beamte wird künftig nicht nur in der Verwaltung der öffentlichen Hand anzutreffen sein. Die Kirche ist Teil der sich ändernden Arbeitsumwelt. Sie sollte kompetent mitreden und diese Lebenswelt unter Einbringung des christlichen Menschenbildes mitgestalten. Digitale Hilfen bei der Pflege von Alten und Betreuungsbedürftigen können selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Es gilt aber ethische Maßstäbe einer digitalisierten Arbeitswelt zu benennen. Hier muss sich die Kirche aktiv im Rahmen der anstehenden gesamtgesellschaftlichen Herausforderung als wichtiger Akteur einbringen. Der neue technische Wandel muss Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllen und menschenfreundlich sein, d.h. den Interessen der Menschen dienen. Jetzt bilden sich die Netzwerke zivilgesellschaftlich relevanter Akteure, die den Wandel gestalten und kritisch begleiten wollen. Wir als Evangelische Kirche in Württemberg sollten dabei sein und mitgestalten. Dazu muss man wissen worum es geht.

Die landeskirchliche Projektgruppe Digitalisierung stellt sich dieser Herausforderung. Beteiligen Sie sich mit an diesem Prozess! Wir freuen uns auf Ihre Einschätzung! Schreiben Sie uns ein paar Zeilen an digi@elk-wue.de.

Autor: Stefan Werner


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© EMH - Gottfried Stoppel

Digitalisierung ist in aller Munde und tritt laufend mit Fachbegriffen und Entwicklungen wie Social Media, Blogs, Big Data, FinTechs, Internet der Dinge, Industrie 4.0, Artificial Intelligence etc. in Erscheinung. Die Durchdringung der Lebenswelt ist so weitgehend, dass auch Kirche auf diese sehr entscheidende Rahmenbedingung reagieren musste. Gegenwärtig beobachte ich vier grundsätzliche Strategien, die sich in unterschiedlichem Ausmaß auf diesen Megatrend einlassen:

Kirche als Gegenwelt

Liegt die Chance des Glaubens und der Kirche in einer Positionierung gegen die digitale Welt? Wird sie Anker und Gegenpol für Menschen, wenn sie sich in der virtuellen, übermedialisierten Welt überfordert oder verlassen fühlen? Kirche würde dann die Gefahren und Schattenseiten des Internets betonen. Kirche stünde für menschliche Ansprache und Sozialkontakte in der Realität (First Life) oder reale Hilfe ebenso wie für die Vermittlung von Werten wie Zugewandtheit und Nächstenliebe. Sie stünde auch für die Förderung von Kreativität, Toleranz und Geistesgegenwart als Gegenmodell zu algorithmisiertem Denken (in Jugendfreizeiten, Religionsunterricht oder Sozialprojekten wie Vesperkirche etc.). Die Gefahr, sich nur als Gegenwelt zu positionieren, liegt darin, dass man „digital geprägte“ Menschen möglicherweise nicht mehr versteht und von ihnen auch nicht mehr verstanden wird. Man wird als Kirche in den Bereich der Randgruppen abgedrängt.

Stärkung im Umgang mit der digitalen Welt

Die digitale Welt wird als gegeben hingenommen, aber Kirche steht dafür, dass man nicht wehrlos ausgeliefert ist. Sie gibt zum Beispiel Anleitung zur Auseinandersetzung mit „Ballerspielen“, Sozialen Netzwerken und Online-Angeboten (in Jugendfreizeiten, Konfirmandenunterricht, Religionsunterricht). Kirche würde auch das Reflexionsvermögen fördern (in Erwachsenenbildung, Akademiearbeit: Was geschieht, wenn wir routiniert auf (fremde) Erfahrungen zurückgreifen, ohne über sie nachzudenken? Welche Informationen sind wichtig, welche sind Datenmüll?  Schließlich bedarf es auch der Förderung von Selbstdisziplin und -organisation bei der Informationsbewältigung, um die Vielfalt der Reize aus der digitalen Welt abzuwehren (WLAN-freie Schutzzonen, technikfreie Veranstaltungen).

Wir als fleischliche Wesen sind mehr als die Summe unserer Daten und Datenspuren.
Oberkirchenrat Dr. Martin Kastrup

Breite Medienpräsenz

Bereits Paulus (griechische Sprache) und Martin Luther (deutsche Bibelübersetzung, Buchdruck) haben die Chancen neuer Kommunikationsformen und Medien genutzt. Analog kommt der kontrollierten Nutzung neuer Medien auch heute eine hohe Bedeutung zu, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Neue Medien werden als kulturelle Herausforderung angenommen. Als Kirche würde man sich in Teilen im digitalen System bewegen und es für eigene Zwecke nutzen. Damit nimmt man einen gewissen Kontrollverlust hin. Auf der anderen Seite wäre aber auch die Dualität zwischen real und digital zu betonen. Die Botschaft ist: Wir als fleischliche Wesen sind mehr als die Summe unserer Daten und Datenspuren. Es gibt ein analoges Leben über das Digitale hinaus.

Nutzung neuer Chancen

Kirche würde kostenlose Kommunikations- statt nur Informationsangebote bieten. Dies bedeutet, dass (viele) Menschen mit erheblichem Aufwand wie bei der Telefonseelsorge zur Verfügung stehen, um intelligente Kommunikationsstrategien umzusetzen. Die Anforderungen sind hoch: witzig, geistreich, kurz muss es zugehen. Gegebenenfalls braucht es gelungene auffällige „Teaser“, die Menschen über den Erstkontakt zu weiterem „Drilldown“ veranlassen. Aber es geht noch weiter: Durch neue Technologien lassen sich Möglichkeiten der interkulturellen Kommunikation unter Einschaltung von Übersetzerprogrammen schaffen, die die Ökumene befördern. Oder es lässt sich die Ausgrenzung Behinderter oder alter Menschen durch eine digitale Anbindung reduzieren. Ebenso kann der Kontakt zwischen weniger werdenden Pfarrerinnen und Pfarrern und ihren schwindenden, geografisch zerstreuten Mitgliedern erleichtert werden.

Vielleicht sind Ihnen weitere Strategien aufgefallen, wie Kirche mit dem Thema Digitalisierung umgeht. Die Frage ist, ob diese Formen der Reaktion auf Digitalisierung ausreichen oder ob wir als Kirche noch einen Schritt weiter gehen müssen – „proaktiv handeln“, wie man so schön sagt.

Die AG Digitalisierung freut sich auf Ihre Einschätzung! Schreiben Sie uns ein paar Zeilen an digi@elk-wue.de

Autor: Dr. Martin Kastrup


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Dr. Friedemann Kuttler

Digitalisierung scheint wohl ein wichtiges Thema zu sein. Aber was hat das Ganze mit uns als Landeskirche zu tun? Kirchen-App, Andachts-App, Lieder-App und dann vielleicht noch eine zentrale Homepage mit allen Veranstaltungen, Gottesdiensten etc., die es in der Landeskirche, Kirchenbezirken und Kirchengemeinden gibt. Dann müssten wir das mit der Digitalisierung doch gut „gemacht“ haben. So kann man sich täuschen. Unser Start über Digitalisierung nachzudenken, war im Rückblick gesehen etwas naiv, aber hat uns gezeigt, dass wir immer wieder neu anfangen mussten zu denken. „Neu-Denken“ war die große Herausforderung. Von Anfang an war klar: Wir brauchen Menschen an unserer Seite, die bei der Digitalisierung schon weiter sind, die uns auch helfen können, neu denken zu lernen. Aber wen fragen und wo finden wir diese Menschen? Auf keinen Fall sollte es jemand aus dem Inner-Circle der Landeskirche sein. Wir brauchten jemanden, der uns den Horizont weitet. Ideen hatten wir genug, aber waren diese Ideen auch gut genug? Ein wichtiges Gespräch auf unserem Weg, neu denken zu lernen, war ein Gespräch mit einem jungen Unternehmer aus der Werbebranche. Seine Message an uns war einfach und kompliziert zu gleich: „Denken Sie von Ihrer Zielgruppe aus oder denken Sie, dass die Zielgruppe das braucht?“ 

Wir machen uns auf den Weg, in Sachen Digitalisierung ganz neu denken zu lernen.
Dr. Friedemann Kuttler

Genau das war die Frage: Denken wir, dass Menschen das brauchen, was wir für richtig finden? Oder denken wir konsequent von Menschen aus, ohne dass wir vorgeben, was Menschen unserer Meinung nach brauchen? Allein mit dieser Frage war klar: Wir müssen mehrere Schritte zurückgehen, bevor wir überlegen, was aus unseren Ideen wird. Denn wir mussten nun erstmal prüfen, ob unsere Ideen überhaupt die Ideen sind, die Menschen brauchen und wollen.

Also war klar für uns: Wir machen uns auf den Weg, in Sachen Digitalisierung ganz neu denken zu lernen. Gleichzeitig wollten wir die Möglichkeit schaffen, dass Menschen ihre Ideen entwickeln und ausprobieren konnten. Daher war unsere Aufgabe klar: Wir müssen Räume schaffen, in denen Menschen bereits schon Ideen entwickeln konnten, noch bevor wir unseren Denkprozess abgeschlossen haben. Und wir ahnen schon, dass der wohl nie ganz abgeschlossen sein kann...

Wie denken eigentlich Start-Up-Unternehmen? Wie denken Menschen, die nicht zu uns in die Kirche kommen? Wie denken unsere Kirchenmitglieder? Wie denken eigentlich die Mitarbeitenden im Oberkirchenrat? Auch wenn wir ganz am Anfang einer Digitalisierung in der Landeskirche standen, war uns klar, dass wir diesen Prozess wollten, weil er uns schon zu sehr herausgefordert hat.

Also haben wir eine Projektkonzeption erarbeitet, die beides beinhaltet: Neu denken lernen und Erprobungsräume schaffen für Ideen. Diese Konzeption hat Oberkirchenrat und Landessynode überzeugt, so dass finanzielle Mittel bereitgestellt wurden, um diesen Prozess durchführen zu können. Dann lernen wir von Profis, die wir uns ins Boot geholt haben. Gemeinsam mit einer Agentur lernen wir neu denken und wie ganz unterschiedliche Menschen denken. Die Gründer der Agentur sind Unternehmer, auch Start-Up-Unternehmer, die uns ganz schön herausfordern. Sie stellen eben auch die unangenehmen Fragen und das sind die Fragen, die an den Kern gehen. Noch sind wir mitten im Prozess und erstellen bis zum Herbst 2017 eine digitale Road-Map, eine Beschreibung, wohin die Reise gehen soll. Wir sind gespannt und lernen immer wieder neu denken…

Autor: Dr. Friedemann Kuttler

4272

Stefan Werner
Direktor Oberkirchenrat

3730

Dr. Martin Kastrup
Dezernatsleiter
Finanzmanagement und Informationstechnologie

3731

Ralf Albrecht
Dekan Nagold

5159
© Privat

Sina Dreßler
Juristin
Referat Arbeitsrecht

3795

Christian Schuler
Jurist

3733

Dan Peter
Referatsleiter
Publizistik und Gemeinde

3734

Oliver Hoesch
Sprecher der Landeskirche

5422

Miriam Hechler
Pfarrerin

3736

Theo Dünkel
stud. theol., digital native

3737

Joachim Stängle
Koordinator Projektgruppe

5330

Dr. Winfried Klein
Jurist

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