Geistliches zur Corona-Pandemie

Bischofsworte, Predigten, Andachten

Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July (Archivfoto).Liz Totzauer/elk-wue.de

Stuttgart. Die Entwicklung der Corona-Pandemie ist auch in Württemberg äußerst dynamisch. Neben praktischen Tipps und Hinweisen zum Schutz gegen die neuartige Lungenkrankheit bietet die Evangelische Landeskirche in Württemberg auf dieser Sonderseite eine Sammlung von geistlichen Beiträgen und Vorschlägen zur aktuellen Situation. 



Liebe Schwestern und Brüder,

seien Sie herzlich gegrüßt in diesen so ungewöhnlichen Tagen.

Die Zahlen der mit dem Coronavirus Infizierten steigen. Die Belastung für die Krankenhäuser nimmt weiter zu.  

Worauf es jetzt ankommt: Herz, Verstand und Abstand.

Sie helfen, die Corona-Infektionen einzudämmen und medizinische Mittel für angemessene Versorgung schwer kranker Menschen zu erhalten. Darum bedarf es der genauen Beachtung der angeordneten Maßnahmen. Wir als christliche Kirche folgen aus Herzens- und Verstandesgründen diesen Verhaltensregeln: aus Nächstenliebe. Es kommt auf jeden und jede von uns an! 

Zugleich spüren wir es persönlich und in unseren Kirchengemeinden, wie schwer es fällt, in dieser Krisenzeit keine öffentlichen Gottesdienste und Andachten in unseren Kirchen feiern zu können. Gerade jetzt fragen viele nach Trost und Begleitung, nach Aussprache und Gebet, nach Durchbrechung innerer und äußerer Einsamkeit – nach Nähe! 

Viele Pfarrerinnen und Pfarrer bieten über digitale Kommunikationswege ihre Begleitung und Präsenz an, sind ansprechbar. Aber auch Menschen, die diese Formen weniger gewohnt sind, müssen und sollen erreicht werden. Telefon- und Briefseelsorge in der eigenen Kirchengemeinde sind gute Möglichkeiten. 

Ihre Kirche, Ihre Gemeinde, die Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakoninnen und Diakone und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lassen Sie nicht allein. 

Wir bleiben verbunden.

Wir sind für Sie da. 

Mich hat in diesen Tagen auch die Nachdenklichkeit des Bundestrainers Joachim Löw berührt. Er fragt: Was ist jetzt wirklich wichtig?, und spricht von kollektivem Burnout. Das Tempo, das wir vorgegeben hätten, sei zu hoch gewesen – wir hätten immer gedacht, alles zu wissen und vieles Macht, Gier, Profit und Rekorden untergeordnet. Dabei müssen wir auf die wichtigen Dinge schauen – darauf, was im Leben wirklich zählt.

Wir als Kirche und mit unserer Diakonie wollen unseren Beitrag leisten, die gegenwärtige Situation zu bewältigen. Dazu gehört die Anerkennung und der Dank an die, die jetzt unermüdlich tätig sind. Ich danke den Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern in den Krankenhäusern, dem Pflegepersonal in den Pflegeheimen und den Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, den mobilen Diensten, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Arbeit mit Wohnungslosen und Geflüchteten. Ich denke in besonderer Weise an unsere Mitarbeitenden in der Diakonie in Württemberg. 

Als Christinnen und Christen wissen wir in diesen Tagen, dass wir auf Gottes Geleit vertrauen können. Wir wissen um die Hoffnung, die für uns in wenigen Wochen an Ostern wieder in besonderer Weise erfahrbar wird. Wir wissen um die Begrenztheit von uns Menschen, aber auch um die großen Gottesgaben: um Glaube, Hoffnung und Liebe! Und wir bedienen uns des Verstandes, der uns lehrt, in diesen Tagen Verantwortung zu übernehmen.  

Herz, Verstand und Abstand. Und zugleich: Nähe des Zuspruchs der Gnade und der Verlässlichkeit Gottes. 

Ich grüße Sie herzlich mit einem Vers aus unserem Evangelischen Gesangbuch:

„Führe mich, o Herr,
und leite meinen Gang nach deinem Wort,
sei und bleibe Du auch heute
mein Beschützer und mein Hort.
Nirgends als bei Dir allein
kann ich recht bewahret sein.”

EG 445,5

Gott behüte Sie!   

Ihr
Landesbischof
Dr. h. c. Frank Otfried July

 


  • Das Videoskript
    • Botschaft des Landesbischofs zur Corona-Pandemie
      download

      Info: 303 KB | PDF
      20.03.2020

„Meine Augen sehen stets auf den Herrn…“ (Psalm 25,15)

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Pfarrerinnen und Pfarrer, liebe Mitarbeitende in den Gemeinden!

Der vergangene Sonntag war ein ungewöhnlicher Tag für unsere Landeskirche und für unser ganzes Land. Wohl zum ersten Mal in unserer persönlichen Lebenserfahrung wurden landeskirchenweit nahezu alle Gottesdienste abgesagt oder in anderer Form gefeiert: mit kurzen Gebeten im Freien vor der Kirchentür oder mit meterlangem Abstand in den Bänken, mit gedruckten Predigten daheim oder als Hausgottesdienste im kleinen Kreis der Hausgemeinschaft oder Familie, über die Medien oder über verschiedenste digitale Kanäle.

Viele Menschen waren berührt, zum Teil vielleicht auch erschrocken angesichts dieser uns bisher fremden Situation – auch mir ging es nahe, dass sich Gemeinden nicht wie sonst im Kirchen- oder Andachtsraum miteinander versammelten, auf Gottes Wort hören, gemeinsam beten oder das Heilige Abendmahl feiern konnten.

Und doch habe ich eine große Bereitwilligkeit wahrgenommen, diese Maßnahmen zu unterstützen. Pfarrerinnen und Pfarrer gestalteten kurzfristig ihre Gottesdienste um, stellten Predigten zur Verfügung, waren erreichbar für seelsorgliche Gespräche, boten in Kürze ganz neue Angebote und Formate an. Gottesdienstbesucherinnen und Gemeindemitglieder zeigten Verständnis, beteten miteinander in anderer Form – und stellten eigene Bedürfnisse zurück. Dafür möchte ich Ihnen allen von Herzen danken!

Der Name des vergangenen Sonntags Okuli – „Augen“ – weist auf eine doppelte Blickrichtung. In Psalm 25,15 heißt es:
„Meine Augen sehen stets auf den Herrn…“

Der Sonntag Okuli ruft uns mitten in der Passionszeit zur Nachfolge Christi auf. Dabei lösen wir den Blick von uns selbst und den eigenen Ängsten und sehen auf Gott. Wir fragen, wohin uns der Weg der Liebe führt. Und erkennen: Christus, dem wir folgen, hat den Schwachen gedient. Auf ihnen liegt in diesen Tagen unser Augenmerk: Wenn wir auf eigene Vorteile verzichten, um andere zu schützen. Wenn wir an Ältere und Kranke denken, für sie beten und ihnen unsere Hilfe anbieten, damit sie diese Zeit möglichst unbeschadet und ohne Angst überstehen.

Doch „Okuli“, die Augen, tauchen auch im Wochenpsalm, in Psalm 34,16 auf: „Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Schreien.“ Das ist Trost für all diejenigen, die sich nun für andere einsetzen – in Medizin und Pflege, in Nachbarschaftshilfe und anderer Form. Trost auch für jeden Einzelnen von uns: Auch wenn wir heute nur wenige Menschen zu sehen bekommen und uns selbst vielleicht einsam und verlassen fühlen – aus Gottes Blickfeld sind wir nicht geraten. Gott sieht uns, wo immer wir sind. Das schenke Ihnen Halt und Zuversicht – auch in den kommenden Wochen,
wenn Gottesdienste (nunmehr durch staatliches Verbot) nicht mehr stattfinden können. Über alle erdenklichen Kanäle - per Brief, Telefon, Fernsehen und Internet sowie social media – sind wir als Kirche mit unseren Gemeinden verbunden.

Gott befohlen!

Ihr
Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July

P.S.: Ich bitte Sie – da sich die Situation täglich verändert – regelmäßig auf der Homepage der Landeskirche die wichtigen Informationen einzusehen. Dort finden Sie zudem eine Fülle von Ideen und Vorschlägen, um in der jetzigen Situation als Kirche präsent und erkennbar zu sein.

Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried JulyGottfried Stoppel/elk-wue.de

Liebe Gemeinde!

In den Tagen, in denen sich der Coronavirus weiter ausbreitet, hören wir viele Botschaften und Appelle. Worte, die uns zum Handeln auffordern, aber auch unsere Haltung prägen.

Welches Wort kann uns als Christinnen und Christen heute Orientierung geben? Mir steht eine Botschaft des Propheten Jeremia als Leitwort vor Augen: „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie!" (Jeremia 29,7). Das heißt: Als Glaubende sind wir in diesen Tagen nicht gleichgültig angesichts dieser Bedrohung. Auch und gerade heute bejahen wir unsere Verantwortung vor Gott und den Menschen! Für diese Haltung gibt es mutmachende Beispiele. Menschen übernehmen in diesen Tagen für andere Verantwortung und schauen nicht nur auf sich selbst.

Als Gemeinschaft in der Landeskirche wollen wir uns dem anschließen: Wir wollen gemeinsam „der Stadt Bestes suchen“. Von Gottes Zusage getragen, reagieren Christinnen und Christen auf die Herausforderungen ihrer Zeit nicht in ängstlicher Hysterie, vielmehr durch ein besonnenes und beherztes Handeln zugunsten des Wohls aller unserer Nächsten. In Verantwortung füreinander tragen wir das Unsere dazu bei, dass die Ausbreitung des Virus verlangsamt wird. So können insbesondere Ältere und Schwächere vor Ansteckung geschützt und Betroffene auch weiterhin medizinisch versorgt werden.

„Betet für sie“: Wozu wir als Christinnen und Christen jetzt besonders gerufen sind, ist das Gebet: für erkrankte Menschen und ihre Angehörigen, für Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte, deren Kraft Grenzen hat, für alle, die sich sorgen. Die folgenden Fürbitten stammen aus der Gemeinschaft der lutherischen Kirchen. Wir beten sie im Blick auf Menschen in aller Welt. Beides gehört zusammen: gut überlegte Maßnahmen in Antwort auf die aktuelle Situation und das Gebet. „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie.“

In diesem Geiste: Gott befohlen!

Ihr
Landesbischof
Dr. h. c. Frank Otfried July


    • Corona: Wort des Landesbischofs an die Gemeinden
      download

      Info: 137 KB | PDF
      13.03.2020


Die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold. privat

„Der Tod ist verschlungen vom Sieg!“


Predigt Prälatin Arnold, Karfreitag, 2020
Stiftskirche Stuttgart


Johannes 19, 16b-30
Jesu Kreuzigung und Tod


Sie nahmen ihn aber,
17 und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. 19 Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. 20 Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. 21 Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. 23 Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. 24 Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten. 25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. 26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! 27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. 28 Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. 29 Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. 30 Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.


Heute ist Karfreitag. Heute stehen wir auf Golgatha, dem Kreuzigungshügel außerhalb Jerusalems. Heute stehen wir unter dem Kreuz. Heute ist Stille. Noch mehr Stille als in den vergangenen Tagen und Wochen.


Karfreitag: es ist als ob die Welt den Atem anhalten würde. Denn was an Karfreitag geschieht, ist unfassbar und zugleich von unglaublicher Bedeutung. Es verändert alles. Denn da auf Golgatha zerbricht Gott. In Jesus lebte Gott unter uns. Er hatte es nicht länger ertragen, uns nur von Ferne nahe zu sein. „Social distancing“ war für ihn keine Option. Gott hatte es nicht mehr ertragen wie seine Menschen sich zu Tode fürchteten vor Tod und Verdammnis. Er hatte es nicht mehr ertragen wie seine Menschen sich in Schuld verstrickten und wie sie ihn suchten, ohne ihn zu finden. Gott wollte zu den Menschen und es gab es nur einen Weg: Er wurde Mensch. Er nahm den Namen eines Menschen an, Jesus, Sohn der Maria, aus Nazareth einem kleinen Dorf in den Bergen. Am Rand des römischen Weltreiches. Gott wird Mensch. Er nimmt nicht nur einen Menschennamen an oder verkleidet sich als Mensch so wie es von den antiken Göttern erzählt wird. Er kommt leibhaftig. Er kommt nicht aus Neugier. Er kommt aus Liebe. Und er stirbt aus Liebe. Er will bei uns sein, er will sozusagen in unsere Haut schlüpfen. Und so wird er Mensch mit Leib und Seele und erlebt, was wir alle erleben. Er erlebt Herzeleid und Glück. Er weint und lacht, hat Freunde und Feinde, Hunger und Durst, ja, auch Angst und Schrecken kennt er ganz so wie wir. So wie wir in diesen Tagen durch viele Ängste gehen. So ist er Mensch und zugleich ist und bleibt er ganz Gott. Gott, der den Menschen die Sünden vergibt, sie heil macht an Leib und Seele, sie stärkt und sie segnet und sättigt.


Und jetzt hängt er am Kreuz. Es ist Gott, der dort hängt. Es sind Gottes und des Menschen Jesu Hände, die von den Nägeln der römischen Soldaten durchbohrt werden. Gott geht in die tiefste Tiefe. Er stirbt. Er stirbt da damals auf Golgatha, er stirbt heute im Flur eines übervollen Krankenhauses und im Flüchtlingslager auf Lesbos. Er stirbt. Am Tag, der jetzt mitten in der Nacht ist. Er hat Angst. Große Angst, so wie viele von uns und weil er uns in unserer Angst nicht allein lassen will, geht Gott in die lange dunkle Todesnacht. Geht dahinein, damit wir nicht allein in der Todesnacht sind. Gott geht den bittersten Weg, damit es keinen Menschenweg mehr geben wird, den Gott nicht kennt, den er nicht mitgeht.


„Es ist vollbracht“, sagt Jesus, so stirbt Jesus, so stirbt Gott! Die Aufgabe ist vollbracht. Gott ist bis in den letzten Atemzug Mensch und er ist bis in den letzten und den ersten Atemzug Gott. Denn da in der Tiefe, im Dunkeln, im Tod ist es vollbracht.


Für den Evangelisten Johannes ereignet sich das Unfassbare da am Kreuz. Da am Kreuz ist der Tod schon besiegt, da am Kreuz ist alles vollbracht, da am Kreuz hängen alle unsere Ängste und werden verwandelt in Trost. Da am Kreuz hängt all unsere Schuld und wird verwandelt in Vergebung. Da am Kreuz, in der scheinbar tiefsten Ohnmacht, tritt Gottes Macht zutage. Es ist vollbracht. Es wird Ostern. Es wird für den Evangelisten Johannes da am Kreuz schon Ostern. Es wird Ostern. Da am Kreuz besiegt Gott Tod und Angst und Schuld und Schrecken. Gott hat Jesus nicht dem Tod überlassen. Er hat ihn nicht im Grab gelassen.

In orthodoxen Kirchen finden wir eindrückliche Bilder. Da steigt Christus aus dem Grab und er packt Adam und Eva an den Händen und zieht sie mit hinaus. Zieht sie hinaus aus dem Tod ins Leben. Das, was damals geschehen ist, gilt bis heute und es gilt uns. Wir sind nicht unserer Angst überlassen. Wir sind nicht im Sterben verlassen. Ja, wir sind nicht einmal dem Coronavirus überlassen. Es wird Ostern auch in diesem Jahr.


Vielleicht ist es noch nie so sehr Ostern geworden wie in diesem Jahr. So, wie es vielleicht auch noch nie so sehr Karfreitag war wie in diesem Jahr. Wahrscheinlich spüren wir in diesem Jahr viel mehr was es heißt, in Ängsten zu leben, zerbrochen und geschlagen zu sein.


Und deshalb brauchen wir in diesem Jahr den Karfreitag so sehr, damit wir wissen Gott geht mit uns bis in die Tiefe. Gott lässt uns auch da nicht allein. Alles das, was da auf Golgatha passiert ist, das gilt mir! Gilt meiner Angst. Egal, wie alleine ich bin, egal, wieviel Sorgen ich mir um liebe Menschen mache, egal, wieviel Angst ich selber davor habe krank zu werden oder sogar sterben zu müssen: Gott ist an unserer Seite. Gott ist an meiner Seite. Gott ist an ihrer Seite, nichts kann uns von ihm trennen. Keine Angst aber auch keine Schuld, denn die hängt da auch am Kreuz und wird getilgt. „Vater vergib ihnen“, sagt Jesus und „es ist vollbracht“.
Und noch etwas ist am Karfreitag, noch etwas passiert da, was in diesen Tagen für uns alle so wichtig ist: „Siehe Frau, das ist dein Sohn“, sagt er und „siehe, das ist deine Mutter“.


Noch am Kreuz nimmt Jesus die Menschen, die bei ihm stehen in den Blick und sagt: Kümmert euch, lasst euch nicht allein, passt aufeinander auf. Ja, auch das gilt in diesem Jahr ganz besonders, selbst dann, wenn wir uns nicht treffen dürfen, selbst dann, wenn wir uns nicht besuchen dürfen, selbst dann, und das finde ich persönlich mit am schlimmsten, wenn wir unsere alten und kranken Menschen nicht besuchen dürfen. Selbst dann gilt noch: kümmert euch!


Ich erlebe viele solche Kümmer-Geschichten in diesen Tagen. Da werden Briefe geschrieben und Päckchen gepackt, die Telefone laufen heiß. Siehe, das ist deine Mutter, siehe, das ist dein Sohn. Kümmert euch, dass das geschieht, das rührt mich und es macht mir das Herz leichter. Selbst heute, selbst am Karfreitag, wo eigentlich unsere Herzen schwer sind.


Aber es bleibt nicht Karfreitag, es wird Ostern.


Auch in diesem Jahr.


Amen.


  • Predigt von Prälatin Gabriele Arnold zum Karfreitag 2020
    • Prälatin Arnold: Predigt zu Karfreitag 2020
      download

      Info: 436 KB | PDF
      14.04.2020

Die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold.privat

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder!

Bleib‘ gesund ist der moderne Gruß dieser Tage. Ja, das wünschen und hoffen wir füreinander und auch natürlich für uns selber, gesund zu bleiben. Trotzdem sage ich lieber „bleib‘ behütet“, denn egal, ob wir erkranken oder gesund bleiben, ob wir in Quarantäne müssen oder weiterhin halbwegs normal leben, ist es doch wichtig, behütet zu bleiben. Von Gott behütet, der Leib und Seele bewahrt.

Lobe den Herrn meine Seele … (Psalm 103) Diesen Psalm beten wir nach jedem Abendmahl, und auch wenn wir zur Zeit kein Abendmahl miteinander feiern, ja selbst wenn wir keinen Gottesdienst miteinander feiern dürfen, bleibt dieser Psalm so etwas wie ein geistlicher Wegbegleiter in diesen Tagen. Worte sind natürlich nicht Brot und Wein, aber Worte, auch geschriebene und gelesene Worte können uns stärken und kräftigen, uns ermutigen und uns miteinander und mit Gott verbinden.

„Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat“. Vielleicht ist dies dran in diesen Tagen. Trotz aller Problemlagen, trotz ständig neuer Nachrichten, trotz ständig neuer Empfehlungen, ja trotz der schweren Herzens gefassten Empfehlung, bis auf weiteres auch keine öffentlichen Gottesdienst zu feiern, zunächst einmal dabei zu bleiben, daran zu denken, was Gott uns nicht alles Gutes tut.

Wir erleben ja gerade eine große Erschütterung. Viele Normalitäten werden plötzlich in Frage gestellt, und doch: Wie gut geht es uns in all diesem. Unser Gesundheitssystem funktioniert, wir haben sauberes Wasser, und wir haben alle genug zum Essen.

Corona – so heißt das Wort, das uns alle so belastet und schreckt. Corona – das ist der lateinische Name für eine Krone. Offenbar sieht das Virus unter dem Mikroskop aus wie eine Krone und hat deshalb diesen Namen.

Wie gut, dass es noch andere Kronen gibt als die von diesem Krankheitserreger, der nun in aller Munde ist.

„Lobe den Herrn meine Seele… Der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.“ Gott schickt uns nicht einen Virus, so wie ich es auch schon in den letzten Tagen gelesen habe. Wer so etwas sagt, verspottet Gott. Gott schickt uns keine Krankheit, um uns zu bestrafen oder zur Besinnung zu bringen. Wer Corona zur Strafe erklärt, zieht sich aus der Verantwortung, anständig mit der Situation umzugehen, weil er die Zusammenhänge leugnet, die es ja durchaus gibt.

Wir müssen kritisch über die Globalisierung reden, über den Umgang mit Minderheiten und die Pressefreiheit in China, über das kaputt gesparte Gesundheitssystem überall. Aber Gott hat damit nichts zu tun.  Gott tut uns Gutes und krönt uns nicht mit einem Virus, sondern mit Gnade und Barmherzigkeit. Und trotzdem spüren wir in diesen Tagen die Bedrohung. Vielleicht fürchten wir uns selbst ja gar nicht, aber viele fürchten sich und viele sind sehr besorgt und verunsichert. Und zur Umsicht gehört es leider auch, dass wir alle unsere sozialen Kontakte so weit wie möglich herunterfahren, um die Ausbreitung des Virus‘ zu verlangsamen. Die Furcht vor Krankheit und Ansteckung ist nicht neu. Zu allen Zeiten haben Menschen sich zurecht gefürchtet, auch vor Krankheit und raschem Tod. Wir lesen in Psalm 91, wie Menschen vor uns mit dieser Furcht umgegangen sind:

Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest. Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, vor dem Pfeil, der des Tages fliegt, vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.

Ja, zu allen Zeiten haben Menschen auf Gott vertraut, darauf, dass er uns mit Gnade und Barmherzigkeit krönt, gerade wenn es zum Fürchten war.

Auch Jesus nimmt unsere Angst und Sorge ernst. Er sagt im Johannes-Evangelium: „In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16,33)

„In der Welt habt ihr Angst.“

Ja, stimmt. Und es stimmt nicht nur in Corona-Zeiten. Es gibt ja wirklich auch vieles andere, was uns Angst machen kann.

Mir macht es Angst, wenn Rechtsextremismus und Fremdenhass zunehmen. Mir macht es Angst, wenn wir nur an uns denken und vor lauter Corona die Menschen im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Griechenland vergessen. Mir macht es Angst, wenn keine Bienen mehr fliegen und die Klimakatastrophe scheinbar unabwendbar ist, weil wir nicht bereit sind, drastische Maßnahmen zu ergreifen.

Mir macht es Angst, wenn in Krankenhäusern Desinfektionsmittel und Mundschutzmasken gestohlen werden und wenn Menschen Lebensmittel horten, als würden Sie monatelang nicht mehr einkaufen könnten. Dann frage ich mich: Wo bleibt denn die Krone von Gnade und Barmherzigkeit? Sind wir wirklich gekrönte Menschen oder stimmt es, dass wir eigentlich egoistische Schweine sind? Oder wie es schon die alten Römer sagten: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf?

„In der Welt habt ihr Angst.“

Ja mit Recht, denn das Leben ist gefährdet und gefährlich. Aber das Schlimme ist ja dabei auch, dass es nicht irgendwer ist, der uns Angst macht oder irgendetwas oder immer nur die anderen es sind, die uns Angst machen. Sondern wir selbst sind es ja auch.  Wir sind ja nicht nur Opfer, sondern immer auch Täter.

„In der Welt habt Ihr Angst“.

Angst, vor den anderen. Angst vor Euch selbst. Angst vor der Seuche, die am Mittag schleicht. „Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“. Das ist ein großer befreiender Satz. Ein großes Aufatmen, dass sich durch das ganze Neue Testament zieht. Die Welt überwunden. Das bedeutet nicht:  Jetzt ist denen, die an Christus glauben, alles egal, lass doch die Welt untergehen. Nein – Christus und den Christen ist die Welt nicht egal. Aber der Gedanke, dass Christus die Welt überwunden hat, ist ein furchtaustreiberischer Satz. Diese Welt mit allen ihren Ängsten und Schrecken, und ich in all meiner Angst und in meiner Verzagtheit und meiner Schuld bin nicht das Letzte und Wichtigste und Größte.

Christus hat dem Tod die Macht genommen, und auch wenn wir in Ängsten leben, ja selbst wenn wir zu Wölfen werden, gilt: Christus sitzt im Regimente, und er hält diese Welt und er vergibt uns unsere Schuld und er hält Leben für uns bereit hier und heute – aber auch dann, wenn wir unser Leben aushauchen.

„Mein bist Du spricht der Tod und will Groß Meister sein. Mir aber hat der Herr versprochen – Du bist mein.“ So hat es der Pfarrer und Dichter Albrecht Goes einmal formuliert. Ja, wir erwarten mehr als das Leben im Hier und Heute. Wir erwarten das Leben nach diesem Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Wir leben von dieser Hoffnung und mit dieser Hoffnung, und wir gestalten unser Leben von dieser Hoffnung her. Wir leben von dem großen JA Gottes, der uns krönt mit Gnade und Barmherzigkeit, mit Liebe und Vergebung und mit dem Leben.

Merkwürdig, wie die Jahreslosung, mit der viele von uns ja sehr bewusst leben, zu der Situation dieser Tage passt: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“ Ja, so können wir in diesen Tagen nur immer wieder beten und uns dann überlegen, was dieser Glaube, dieses Vertrauen für Konsequenzen für unseren Alltag hat.

Sich riesige Vorräte anlegen mit Nudeln, Konserven, Toilettenpapier und Mundschutz – das ist doch eigentlich kleingläubig.

Da ist wenig Vertrauen da. Da meint ein jeder, er oder sie müsste jetzt erst mal nach sich selbst schauen.

Aber wir werden vielleicht gerade in diesen Tagen wieder lernen, einander zu vertrauen und füreinander Sorge zu tragen.

Nicht blind vertrauen, sondern sehend vertrauen. Und wir werden vielleicht wieder lernen, füreinander zu sorgen.

Wir Christen müssten ja eigentlich Experten sein im Vertrauen. Denn Glauben heißt vertrauen.

Wenn in diesen Tagen Schulen, Kindergärten, Kinos Theater, Fitnessstudios und Bäder geschlossen werden, dann sollten wir vielleicht Vertrauen trainieren:

Beim Händewaschen ein Vater Unser beten (das sind 30 Sekunden, und das reicht, um richtig gewaschen zu haben)

Die Jahreslosung als Mantra mit ins Bett nehmen.

Sich auf Luthers Morgen- und Abendsegen besinnen (er steht im Evangelischen Gesangbuch auf Seite 1202 bzw. 1218).

Den Psalm 103 immer wieder meditieren: Lobe den Herrn meine Seele.

Eine offene Kirche besuchen und innehalten,

und sich Christus öffnen, der uns sagt: Seid getrost, ich habe die Welt überwunden, oder auch ganz schlicht: Fürchte Dich nicht.

Amen

 

Hinweis: Die Predigt war für den Sonntagsgottesdienst am 15. März in der Stiftskirche Stuttgart vorgesehen, der aufgrund der aktuellen Corona-Situation jedoch ausfällt.


  • Erfahren Sie mehr
    • Prälatin Gabriele Arnold: Predigt für Sonntag Okuli, 15. März 2020
      download

      Info: 188 KB | PDF
      14.03.2020


Morgens (etwa um 7 Uhr), mittags (meist um 12 Uhr) und abends rufen die Glocken in der Landeskirche zum Gebet. Wir sind verbunden mit den Brüdern und Schwestern in der Gemeinde, auch wenn wir uns nicht persönlich treffen können. Die Verbundenheit im Gebet und die Gemeinschaft reicht aber weit über unseren Ort hinaus, in die Landeskirche, die EKD und die weltweite Kirche Christi, die sich zu den Tagzeiten im Gebet vereint. Nach dem Abendgebet sind Sie eingeladen, auf dem Balkon „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen oder mit Musikinstrumenten zu spielen.

Möglichkeiten:

Einfach: Die Gemeinden empfehlen den Gemeindegliedern, beim Gebetsläuten eine brennende Kerze ins Fenster zu stellen und ein Vater Unser zu beten.

„All Morgen ist ganz frisch und neu“ (EG 440, 1-4, verfügbar auch in der Cantico-App). Symbolbild.Pexels

Oder mit einer kleinen Liturgie für die Familie und Hausgemeinschaft:

Morgens Lied: „All Morgen ist ganz frisch und neu“ (EG 440, 1-4, verfügbar auch in der Cantico-App), Lesen der Tageslosung, im Gesangbuch finden sich unter Nr. 804 Gebete zu den Wochentagen und Luthers Morgensegen.

Mittags Friedensgebet der Kirche: Lied Verleih uns Frieden gnädiglich (EG 421,1), Lesung nach EG 780, 4, Friedensgebet des Franziskus: EG 416, Segenswort.

Balkonsingen mit Kerze (Symbolfoto).Stephen Murphy/Pixabay

Abends Balkonsingen mit Kerze, Luthers Abendsegen

Hier finden Sie das Tagzeitengebet, das im Einkehrhaus unserer Landeskirche, dem Stift Urach, gefeiert wird.

Außerdem rufen die Evangelischen Landeskirchen in Württemberg und Baden sowie die Diözese Rottenburg-Stuttgart ihre Kirchengemeinden auf, abends um 19.30 Uhr mit Glockengeläut ihre Mitglieder zum Gebet einzuladen. „Wir denken an die kranken Menschen und alle, die im medizinisch-pflegerischen Bereich, im öffentlichen Dienst, in den Familien und Nachbarschaften für Unterstützung und Hilfe sorgen“, sagte der württembergische Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July.


Pfarrerin Stefanie Heimannprivat

GOTT, HILF MIR!

      MIR wird dein Schweigen zu laut

DENN DAS WASSER GEHT MIR BIS AN DIE KEHLE

      DIE KEHLE schnürt sich mir zu und was ich höre, verschlägt mir den Atem

ICH VERSINKE IN TIEFEM SCHLAMM, WO KEIN GRUND IST

      IST DAS KEIN GRUND zu verzweifeln?

ICH BIN IN TIEFE WASSER GERATEN

      GERATEN hat man uns viel, wir mühen uns, doch wer kann helfen?

DIE FLUT WILL MICH ERSÄUFEN

      ERSÄUFE uns nicht in Tränen, Herr, wisch sie ab, wie du versprochen hast!

ICH HABE MICH MÜDE GESCHRIEN

      GESCHRIEN zu dir im Gebet, war das umsonst?

MEIN HALS IST HEISER

      HEISER meine Hoffnungsreden (auch das ein Symptom der Krise)

MEINE AUGEN SIND TRÜBEGEWORDEN

      TRÜBE GEWORDEN auch der Blick, das Zutrauen auf dich, o Gott

WEIL ICH SO LANGE HARREN MUSS AUF MEINEN GOTT

      MEIN GOTT bist du doch, immer noch – Gott von uns allen?

ICH ABER BETE ZU DIR, HERR, ZUR ZEIT DER GNADE

      ZEIT DER GNADE, das klingt wie ein anderes Leben – Utopie?

GOTT, NACH DEINER GROSSEN GÜTE ERHÖRE MICH MIT DEINER TREUEN HILFE

      HILF doch, Herr, wenn du irgend kannst!

ERRETTE MICH AUS DEM SCHLAMM, DASS ICH NICHT VERSINKE

      VERSENK nicht mein Zutrauen in Deine Kraft

DASS ICH ERRETTET WERDE VOR DENEN, DIE MICH HASSEN

      HASSEN will ich dich doch nicht, mein Gott, auch wenn du mir viel auferlegst

UND AUS DEN TIEFEN WASSERN,
DASS MICH DIE FLUT NICHT ERSÄUFE UND DIE TIEFE NICHT VERSCHLINGE

      VERSCHLINGE du die Last der Anfechtung

UND DAS LOCH DES BRUNNENS SICH NICHT ÜBER MIR SCHLIESSE

       SCHLIESSE du mir nachts die Augen, dass ich ruhe in Deinem Frieden,
       und am Ende meines Lebens

ERHÖRE MICH, HERR, DENN DEINE GÜTE IST TRÖSTLICH

      TRÖSTLICH ist mir nur dein Mit-Leid, Deine Passion,
       dass du die Nacht der Gottesferne durchmisst mit mir

WENDE DICH ZU MIR NACH DEINER GROSSEN BARMHERZIGKEIT

      BARMHERZIGKEIT gib mir ins Herz, dass ich geduldig werde

UND VERBIRG VOR UNS DEIN ANGESICHT NICHT,

      DEIN ANGESICHT NICHT auch noch,
      wenn kein menschliches Gesicht mehr trösten kann:

DENN MIR IST ANGST; ERHÖRE MICH EILENDS

      EILENDS lass dich sehn am Tag und in der Todesnacht

NAHE DICH ZU MEINER SEELE UND ERLÖSE SIE

      ERLÖSE SIE, die aufgeben wollen, aus dem Todesgriff ihrer Verzweiflung

GOTT, DEINE HILFE SCHÜTZE MICH!

       SCHÜTZE MICH, Gott, meine Hilfe.

Psalm 69,2-4.14-19a.30b

Pfarrerin Stefanie Heimann
Theologische Assistentin
des Landesbischofs

Pfarrerin Stefanie Heimannprivat

Ein Gebet im Futur II der Hoffnung

GESTERN KONNTE ICH NOCH JUBELN, HERR:

     Du bist der Gott meiner Stärke!

HEUTE FRAGE ICH:

     Warum hast du mich verstoßen?

     Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?

FÜR MORGEN BITTE ICH:

     Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten…

UND FÜR JEDEN TAG, DER KOMMT,

     dass sie mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

     dass ich hineingehe zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,

     und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

IST ES DENN MÖGLICH, DASS ICH HEUTE NOCH FRAGE:

     Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?

UND MIR GLEICHZEITIG SELBST SAGE:

     Harre auf Gott;

UND HOFFE:

     Ich werde ihm noch danken

NÄMLICH DANN, WENN ICH ERKANNT HABEN WERDE,

     dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott gewesen ist...?

WER, WENN NICHT DU, HERR? WER, WENN NICHT DU.

Pfarrerin Stefanie Heimann
Theologische Assistentin
des Landesbischofs

Pfarrerin Stefanie Heimannprivat

Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth!

      Schmerzlich wird mir bewusst, wie sehr ich sie vermisse: Orte zum Singen und Orte zum Beten.

Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn;

       nach der Gemeinschaft der Familie Gottes, die um dein Wort versammelt ist,

mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott,

       auch wenn wir Brot und Wein, die uns sonst stärken, nicht teilen können.

Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen –

       auch mein Haus gibt mir Schutz, doch wird es mir mehr und mehr zum Käfig.

deine Altäre, Herr Zebaoth, mein König und mein Gott

       sind nicht aus Holz und Stein. Darum:

Wohl denen, die in deinem Hause wohnen,

       ein Haus, dessen Dach weit ist wie der Himmel, dessen Herr du bist und bleibst,

die loben dich immerdar –

       immerdar, Herr? Kann ich dich heute loben?

Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten,

       denn Deine Kraft brauchen wir,

und von Herzen dir nachwandeln –

       denn wohin sonst sollen wir gehen?

Wenn sie durchs dürre Tal ziehen

       (noch nie haben wir eine Wüstenzeit erlebt wie diese!),

wird es ihnen zum Quellgrund –

       ach, mögen die Notleidenden überall satt werden und Wasser schöpfen! –

und Frühregen hüllt es in Segen,

       mögest du unsere Herzen jeden Morgen sanft berühren,

       uns täglich beschenken mit dem Geist deiner Hoffnung!

Sie gehen von einer Kraft zur andern –

       Herr, denke an Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger, sie brauchen dich Tag für Tag! –

und schauen den wahren Gott in Zion –

       Herr, lasse dein Angesicht leuchten über denen, die darniederliegen, allein und verletzlich.

Herr, Gott Zebaoth, höre mein Gebet,

       ich bete es nicht allein,

vernimm es, Gott Jakobs,

       und sprich du uns an in der Sprachlosigkeit unseres Herzens.

Gott, unser Schild, schaue doch,

       und lass uns etwas von Deinem Schutz und Segen sehen,

sieh doch an das Antlitz deines Gesalbten,

       schau mir ins Gesicht, das heute niemand ansieht.

Denn ein Tag in deinen Vorhöfen,

       ein Tag, den ich mit Dank an dich vollende,

ist besser als sonst tausend,

       die achtlos zwischen den Händen zerrinnen. 

Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause, als wohnen in der Gottlosen Hütten,

       will lieber vor Dir in der Einsamkeit sitzen und zu dir rufen.  

Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild;

       selbst dort, wo Tageslicht nicht scheint, in dunkler Wohnung,

der Herr gibt Gnade und Ehre,

       der Herr schenkt mir Trost und richtet mich auf.

Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen,

       denen, die sich nach Deiner Nähe sehnen, entziehst du dich nicht.

Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

       Wohl uns Menschen, die du nicht verlassen wirst.

Psalm 84,2-13

Pfarrerin Stefanie Heimann
Theologische Assistentin
des Landesbischofs

Pfarrerin Stefanie Heimannelk-wue.de

MEINE AUGEN

sind noch groß vor Schreck – wie konnte sich unsere Welt so schnell verändern?
starren auf den Bildschirm, morgensmittagsabends – wie viele werden schwer erkranken?
sehen in die Zukunft voll Sorge – wer hilft uns?
schauen auf meine Liebsten – wann sehe ich sie wieder?
haben schon lang kein Gesicht mehr gesehen – wer sieht mich?

SEHEN

und handeln, das bin ich gewohnt – doch jetzt bin ich hilflos
und planen will ich, aber ich blicke nicht über den Tag hinaus
will ich heute und meine Augen nicht verschließen
und verstehen möchte ich dich, Herr
und begreifen will ich: Was willst du, dass ich tue?

STETS

hab ich vertraut
hab ich gehofft
hab ich doch auch gebeten: Ich glaube, hilf meinem Unglauben

AUF DEN HERRN

verwiesen ist mein sterblicher Leib, mein zerknirschter Geist
werfe ich mich heute mit Leib und Seele
warte ich mit Sehnsucht
lade ich unsere Ängste und Sorgen, die Not der Kranken, die Erschöpfung der Pflegenden
hin lebe ich, berge mich in ihm

SEHEN STETS MEINE AUGEN

Pfarrerin Stefanie Heimann
Theologische Assistentin
des Landesbischofs


Andacht für Ostersonntag, 12. April 2020

(E: Einer oder eine, A: Alle)

Die Lieder können gegen andere ersetzt werden, es wurde darauf geachtet, möglichst bekannte Lieder vorzuschlagen. Auch ein dünner oder vielleicht nicht ganz tonsicherer Gesang vereint uns mit den himmlischen Chören – es ist aber auch nicht schlimm, wenn einmal nicht gesungen werden kann. Wo das technisch geht, kann man auch die Liedtitel einfach in Youtube eingeben und dann eine entsprechende Fassung verwenden, noch nicht alle Lieder sind in der Cantico-App.

 

Glockengeläut

 

Zu Ostern wird von unserer Kirche mit vollem Geläut geläutet. Wenn die letzten Töne der Glocken ertönen (ggf. Zeit für den nachfolgenden Weg einplanen), spricht einer:

E: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
A: Amen.

(Der nachfolgende Wechselruf stammt aus der griechisch-orthodoxen Kirche und in vielen Kirchen und Gemeinden weltweit üblich)


E: Christ ist erstanden 

A: Er ist wahrhaftig auferstanden.

(Entzünden einer Kerze)

(Wir gehen hinaus auf den Balkon, in den Garten, öffnen das Fenster und singen „Christ ist erstanden“. Wer nicht singen kann, oder mag, kann das Lied auch mit der Cantico-App laut werden lassen – wichtig ist nur, dass möglichst viele mitmachen, damit sich die Botschaft über die Straßen und Plätze verbreiten kann. Durch die zeitliche Bindung an die Glocke ist sichergestellt, dass alle in der Nachbarschaft gleichzeitig singen.

Christ ist erstanden (EG 99)

Begrüßung

 L: Ihr Lieben,  heute ist Ostern. Jesus war tot – und siehe, er lebt. Weil Jesus den Tod besiegt hat, lebt die Welt neu auf. Gerade in diesen Wochen wird uns diese Botschaft noch einmal ganz besonders deutlich. Egal was geschieht, Jesus ist stärker als alle Krankheit, als alle Einschränkungen, als alle Konflikte in Familien und zwischen Völker, ja, stärker als der Tod. In dieser Botschaft wissen wir uns verbunden mit allen, die an Jesus glauben, überall in der Welt, wo man von seinem Tod und seiner Auferstehung spricht und singt.

Psalm 118 / EG 747 (wenn irgend möglich, mit Ehr sei dem Vater …)

Station 1 (wir gehen zum Grab: Symbol: ein Kreuz – zum Beispiel das Lichtkreuz des ejw, im Freien lässt sich vielleicht ein Kreuz aus Kieselsteinen legen) 

Lesung: Mk 14,1-4

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.

E: Jesus ist tot. Sie haben ihn ans Kreuz geschlagen wie einen Verbrecher. Seine Freunde und Freundinnen sind traurig. Sie haben so viel mit Jesus erlebt und so viel von ihm erwartet. Und jetzt ist er einfach tot. Nie mehr können sie mit ihm essen, nie mehr mit ihm sprechen, er wird sie nie mehr trösten, nie mehr mit ihnen lachen, nie mehr tiefe Gespräche mit ihnen führen, über Gott und das Leben.

Und das schlimmste war in diesen Tagen: Am Samstag, dem Sabbat, konnten sie gar nichts machen, denn da war es streng verboten, aus dem Haus zu gehen, ans Grab zu gehen, um zu weinen, um sich an Jesus zu erinnern.

Deswegen machen sich die drei Frauen gleich am Sonntag auf, so früh, wie es irgendwie geht. Sie möchten Jesus noch einmal nahe sein, noch einmal etwas Gutes für ihn tun. So wie die Frau, die ihn vor ein paar Tagen noch mit kostbarem Öl gesalbt hat, wollen sie jetzt den Toten salben. So schließt sich ein Kreis. Für die Frauen ist das wichtig. Sie brauchen den Abschied.

Aber sie wissen auch, dass das Grab verschlossen ist. Das war damals so: Gräber sind in Felsen gehauen. Und man wälzt einen riesigen Stein davor. Das macht den Frauen Angst. Was ist, wenn sie den Stein nicht weg bekommen, nicht einmal zu dritt. Dann können sie sich nicht verabschieden …

 

(ggf. kurzes Gespräch: haben wir Erfahrungen mit dem Tod, erinnern wir uns an den Trauerprozess, an Angsterfahrungen …)

(ggf. Lied: z.B. EG 93,1+2 Nun gehören unsre Herzen … oder EG 97 Holz auf Jesu Schulter oder EG 98 Korn, das in die Erde)

 

Station 2: Die Verkündigung (Im Garten an einem grünen oder schon blühenden Baum oder Strauch, in der Wohnung bei einem Blumenstrauß oder blühenden Zweig)

Lesung: Joh 20,11-18

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hinein und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte. Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: »Ich habe den Herrn gesehen«, und was er zu ihr gesagt habe.

Erinnert ihr euch noch an den Winter? Noch vor ein paar Wochen war alles kahl und tot.  Bäume, Sträucher, Blumen – alles war wie abgestorben. Und plötzlich blüht alles überall – blaue Traubenhyazinthen, gelbe Osterglocken, rote Tulpen, weiße Kirschblüten und rosa Apfelblüten. Was wir jedes Jahr in der Natur erleben, oft von einem Tag auf den anderen, das erfährt Maria. Sie ist noch ganz im Schmerz und ihrer Trauer – da bricht das Leben sich Bahn. Jesus ist nicht tot, er lebt. Jetzt kann Maria sich aufmachen. Sie wird die erste Zeugin der frohen Botschaft. 

(ggf. kurzes Gespräch: wie hat Maria sich gefühlt, was haben die Jünger gedacht. Wie würde es uns gehen?)

(ggf. Lied: EG 580 Eine freudige Nachricht breitet sich aus)

 

Station 3: Zweifel (in der Wohnung an einem möglichst abgedunkelten Ort, im Garten entweder – wenn vorhanden im Geräteschuppen / Fahrradraum – oder in einer Ecke, die wenig attraktiv ist; Symbol: eine Schale mit Wasser)

Lesung: Johannes 20,24+25: 24 Thomas aber, einer der Zwölf, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich's nicht glauben.

Schon der Ort macht deutlich, dass es nicht immer hell und schön ist. In der Bibel wird der Zweifel oft mit einem wogenden Meer verglichen, deshalb die Wasserschale, die erinnert uns an die Wellen und Wogen, die auf uns einstürmen. Auf dem Meer kann es immer stürmen und gefährlich werden. Die Jüngerinnen und Jünger haben sich zurückgezogen. In eine dunkle Kammer / an einen Ort, wo man sich nicht gerne aufhält. Noch wogt das Erlebte in ihren Herzen und Seelen. Was werden die Leute dazu sagen, werden sie auch verhaftet und gefoltert werden? Wie kann das alles sein? Und wie wird es weitergehen? Da bedarf es der Besonnenheit. Dazu mahnt Thomas. Es gilt, vernünftig zu sein. Keine voreiligen Schritte. Erst einmal nachdenken. Wir brauchen Beweise!

(ggf. Gespräch: hat Thomas nicht recht?)

(ggf. Lied: EG 627: Ich werfe meine Fragen hinüber )

 

Station 4: Auf dem Weg (An einem Ort, der möglichst über den „engen Horizont“ des Alltags hinausblickt --auf dem Balkon, bei offener Haus-/Wohnungstür, am Gartentor mit Blick auf die Straße, Symbol: ein Brotkorb, in manchen Familien wird zu Ostern ja ein Osterlamm aus Mürb-/Hefeteig gebacken, alternativ mit einigen Brötchen).

Lesung: Lukas 24,13-32: Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa sechzig Stadien entfernt; dessen Name ist Emmaus. Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und allem Volk; wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist. Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe. Und einige von denen, die mit uns waren, gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war. Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen. Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?

Angst und Sorge, Zweifel und Unsicherheit. Die beiden Jünger halten es nicht mehr aus. Sie gehen weg aus der Stadt und wollen nur noch alleine sein. Da kommt ein Fremder und nötigt ihnen eine Unterhaltung auf. Was Thomas zu Recht angemahnt hat, versucht der Fremde: er will das Geschehene aus der Schrift deuten. Aber beweisen kann er es auch nicht. Darüber ist es Abend geworden. Die Jünger tun, was der Anstand gebietet -- die Gastfreundschaft ist heilig, man lädt den Fremden ein – und als er die Mahlzeit einleitet, erkennen sie Jesus. Was der Meister zu Lebzeiten unendlich oft getan hat, geschieht auch jetzt. Gemeinschaft wächst beim gemeinsamen Essen. Beim Essen wird die Botschaft von der Auferstehung ganz wirklich, wenn wir im Vertrauen auf Jesus essen. Jetzt können die Jünger vertrauen. 

Deshalb teilen auch wir jetzt ein Stück Essen miteinander und denken an Jesus. Wir wissen: Jesus lebt. Er begleitet uns – heute und immer. Danke, lieber Herr Jesus.

(die Brötchen bzw. das Osterlamm werden unter die Anwesenden verteilt. Jeder / jede verzehrt seinen Anteil still)

Wenn alle gegessen haben, setzt E ein:

Vater Unser im Himmel …

(alle beten mit)

ggf. Lied: z.B. EG 550 Die Sonne geht auf: Christ ist erstanden; oder EG 551 Wo einer dem andern neu vertraut)

Segen:

E: Es segne und behüte uns, der drei mal eine Gott:

Der Vater, der unser Leben geschaffen hat und noch erhält,

der Sohn, der in Jesus unser Bruder geworden ist und uns erlöst,

und der Heilige Geist, der uns begleitet, heute und immer. 

A: Amen.

(Dr. Frank Zeeb)

 

L: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
A: Amen.
L: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn.
A: Der Himmel und Erde gemacht hat.

(Entzünden einer Kerze)

Begrüßung

 L: Liebe Schwestern und Brüder, heute ist der letzte Sonntag der Passionszeit, der Palmsonntag. Er hat seinen Namen davon, dass beim Einzug Jesu in Jerusalem die Menschen Palmzweige auf seinen Weg streuten.

 So grüße ich Sie / Euch mit dem Wochenspruch für den heutigen Tag: „Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben“

Lied: EG 324,1-7 Ich singe dir mit Herz und Mund (Cantico-App)

Psalm 118 / EG 747 (auf das Ehr sei dem Vater wird auf dem Höhepunkt der Passionszeit verzichtet)

Eingangsgebet: für zwei Erwachsene (nach reformiert-info.de)

E 1: Du, Sohn Davids,
unser Befreier,
manchmal wünschten wir,
du kämest in sichtbarer Hoheit daher
und würdest auf einen Schlag
alles Elend beenden.


E 2: Aber du kommst auf einem Esel geritten,
in der Gestalt eines machtlosen Menschen,
und dein Weg führt
in Leiden und Sterben.
 

E1: Du enttäuschst uns,
wenn wir von dir
göttlichen Zauber erwarten.
 

E2: Aber du tröstest alle,
die auf eine neue Welt hoffen,
denn die Macht deiner Liebe
verschafft dir den Sieg
über alles Böse.

 

E1: Mach uns von falschen Erwartungen frei,
und lehre uns,
dir mit dem Mut der Demut zu folgen. Amen

 

Stilles Gebet

L: Wir beten weiter in der Stille, miteinander und füreinander.

(Gebetsstille)

L: Herr, du hörst unser Gebet, darum kommen wir zu dir.


Lied: EG 91: Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken.

www.youtube.com/watch

oder (mit älteren Kindern) EG 314: Jesus zieht in Jerusalem ein

https://www.youtube.com/watch?v=SF3dlS1GReI

 

Predigttext: Markus 14,3-9
(Der Predigttext wird nach der Methode: „Bibel Teilen“ in sieben Schritten gemeinsam erschlossen)
 

Bibel Teilen in sieben Schritten:

Wir öffnen uns für Gott in Gebet und Lied:
Herr, du unser Gott, öffne unsere Herzen und unseren Sinn für dein Wort. Wir wollen hören, rede du. Was du uns sagen willst, das lass uns aufmerksam wahrnehmen. In all unserer Sorge, tröste uns. Gib uns ein festes Herz, das uns gewiss macht in der Hoffnung auf dich. Gib uns ein waches Auge, dass wir nicht nur geistlich aufschauen und vor allem nicht zurückschauen, sondern den Nächsten und seine Not sehen. Und gib uns eine sichere Hand, dass wir in den kommenden Tagen das rechte Tun, besonnen und mit Augenmaß. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unseren Herrn. Eine/r liest den Predigttext
Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Verweilen und Vertiefen
Der Text wird erneut – langsam – gelesen. Jeder und jede wird eingeladen, mitzulesen und an den Stellen, die ihm besonders naheliegen, besonders zu betonen. In einer dritten Lesung gelingt es oft, einen emotionalen Klangteppich zu weben, bei dem die Gefühle (Ablehnung, Zweifel, Angst, Freude …) wie in einer Symphonie zusammenklingen. Schweigen (ca. 3-5 Minuten)
Die Teilnehmenden besinnen sich, jeder und jede für sich, was der Text jede/m einzelnen sagen will. Sie lassen sich darauf ein, dass nicht alles unmittelbar einsichtig ist. Sie suchen nach Anknüpfungspunkten in ihrem Leben und besinnen sich darauf, was sich in der kommenden Woche von diesem Text her in ihrem Alltag nahelegt. Mitteilen
Wer mag, kann den anderen die eigenen Gedanken mitteilen. Wichtig ist, dass es in dieser Phase nicht um Diskussion geht, sondern darum, zu hören, was der Text bei den Schwestern und Brüdern ausgelöst hat. Deshalb wird hier nicht kommentiert. Austauschen

Wir suchen im Gespräch nach der Bedeutung des Textes. Meist ergibt sich aus der Mitteilungsphase ein Gespräch und Themen von allein. Wenn nicht, könnten Leitfragen hilfreich sein:

  • Versuchen Sie sich, in die Frau hineinzuversetzen: Warum tut sie das?
  • Ist es angemessen, den Dienst für Jesus und den Dienst an den Armen gegeneinander auszuspielen?
  • 300 Silbergroschen sind eine Summe, von dem eine Familie ein Jahr leben kann. Ist der Vorwurf der Verschwendung angesichts dieser Summe nicht doch angemessen?
  • Die Geschichte bleibt „in der ganzen Welt“ im Gedächtnis. Was will sie uns in der gegenwärtigen Situation sagen? Für unseren Glauben? Hat es eine wirtschaftlich-ökonomische Bedeutung?
  • Wie stellen wir uns die „zukünftige Stadt“ vor?
  • Jesus als König, der mit teurem Öl gesalbt wird – Jesus, der leidende Gottesknecht. Welches Jesusbild liegt uns heute näher? Warum? Was kann uns das jeweils andere Bild sagen, um unsere Beziehung zu Jesus zu stärken?

 

Lied: z.B. EG 70,1-4 Wie schön leuchtet der Morgenstern

https://www.youtube.com/watch?v=hXtDf-0vbsQ

oder EG 9: Nun jauchzet all ihr Frommen (Melodiefrage bedenken!)

https://www.youtube.com/watch?v=HDkjhnwGklI

oder EG 11,1-5: Wie soll ich dich empfangen 

 

 

Alternativ: Geschichte für Kinder 

Jesus ist mit seinen Freunden unterwegs. Er möchte nach Jerusalem, denn in den nächsten Tagen ist ein großes Fest. Das möchte er mit seinen Jüngern feiern. Bevor sie in die Stadt kommen, bleibt Jesus stehen. Er sagt zu seinen Freunden: „Geht voraus in das nächste Dorf. Dort seht ihr einen Esel, der an einem kleinen Baum festgebunden ist. Auf diesem Esel ist noch nie jemand auf dem Esel geritten.

Den bringt ihr mir. Genau auf diesem Esel will ich in die Stadt Jerusalem reiten. Die Jünger wundern sich über den Auftrag und fragen nach: „Aber Jesus, wir können doch nicht einfach einem Fremden seinen Esel wegnehmen“. Jesus schaut sie an. „Wenn euch der Besitzer des Esels fragt, warum ihr das Tier losbindet und einfach so mitnehmt, dann sagt ihm einfach: der Herr braucht ihn.“

Also gehen zwei von den Jüngern in das Dorf und tatsächlich: Alles ist so, wie Jesus es ihnen gesagt hat. Sie fangen an, den Esel loszubinden. Aber da taucht natürlich sofort der Besitzer auf und fragt entrüstet: „Was soll das? Warum bindet ihr einfach meinen Esel los?” Die Jünger erinnern sich und antworten: „Wir gehören zu Jesus. Der hat uns gesagt, wir sollen das machen, denn er ihn.” Als der Mann das hört, ist er einverstanden und hilft ihnen sogar, den Esel vom Baum loszubinden.

Als sie zurückkommen zu den anderen, sind die schon weitergewandert und schon am Stadttor angekommen. Jesus setzte sich sofort auf den Esel. Der ist auch gar nicht störrisch und so gehen sie durch das Tor in die Stadt hinein. „Wie wenn ein König die Stadt betritt“, denken die Jünger. Jesus reitet auf dem Esel voraus und seine Freunde ziehen wie so ein Gefolge hinter ihm her.

Mann, ist da viel los auf der Straße.  So viele Menschen sind schon zum Fest in der Stadt. Sie stehen am Straßenrand und noch viel mehr kommen ihm entgegen. Sie erinnern sich an die alte Geschichte. Gott selber wird nach Jerusalem kommen und er reitet auf einem Esel. Wenn das plötzlich wahr wäre! Dann wäre ja alles Leid zu Ende. Dann gäbe es keine Krankheit mehr, die alle bedroht. Niemand müsste mehr sterben. Wer jetzt Angst um seine Arbeit, wer unterdrückt ist, wer fliehen musste — alle wären glücklich. Das spricht sich herum. Eine große Freude erfasst die Leute. Sie freuen sich so, dass sie von den Bäumen Zweige abbrachen. Mit denen winken sie ihm zu. Das macht man so, wenn ein König in die Stadt einzieht. Aber sie wissen auch: Jesus ist kein normaler König. Deshalb kommt er nicht auf einem großen Pferd und hat keine Krone und keine Waffen. Jesus kommt im Namen Gottes. Er will den Menschen Frieden bringen. Deshalb kommt er nach Jerusalem. Deshalb kommt er zu uns. Damit wir wissen, Gott ist stärker als alle Krankheit und aller Krieg. Er bringt Frieden. (F. Zeeb, nach einer Vorlage in www.forrefs.de%2Fmedia%2Fntx%2Fauer%2Fsample%2F06187_Musterseite.pdf&usg=AOvVaw0UcmUfqij0aanoEr4ZuTvS)

 

Aktion: In Württemberg ist es vielerorts Tradition, Palmbrezeln zu backen. Es handelt sich dabei um einen süßen Hefeteig mit Butter und Zucker, die Palmbrezeln werden oft mit Ei und Mandelplättchen bestreut. Das süße Gebäck erinnert uns an die Freude der Menschen.

 

 

 

Fürbittengebet (nach velkd.de) :
 

E 1 Wir halten dir unsere Herzen hin, Jesus Christus,
wir strecken dir unsere Hände entgegen.
Wir wollten dir entgegengehen,
wir wollten mit dir laufen
und hineinziehen in deine Stadt.

 

E 2: Aber wir können nur mit unseren Herzen zu dir kommen.
Nur unsere Sehnsucht ist auf dem Weg zu dir.
Nur unsere Gebete.
Sie sind alles, was wir haben.
 

E3: So beten wir für die Kranken
für die, denen keine Medizin mehr helfen kann,
für die, die einsam sterben,
für die, die unter der Last dieser Tage zusammenbrechen.
Komm zu ihnen mit deiner Liebe und heile sie.
Höre uns.

E 4: So beten wir
für die Menschen,
die in Krankenhäuser und Pflegeheimen arbeiten,
in Feuerwachen und Apotheken,
in Kitas und Supermärkten,
in Laboren und in Ställen,
in Ämtern und Gemeinden.
Komm zu ihnen mit deiner Freundlichkeit und behüte sie.
Höre uns.

E 1: So beten wir
für die Menschen,
die in der Sorge dieser Tage in Vergessenheit geraten,
die Flüchtlinge,
die Opfer von häuslicher Gewalt,
die Verwirrten und Missbrauchten,
die Hungernden,
die Einsamen.
Komm zu ihnen und rette sie.
Höre uns.

E 2: Wir halten dir unsere Herzen hin
und danken dir für den Glauben.
E 3: Wir danken dir,
weil wir zu dir und zueinander gehören.
E 4: Wir danken dir
für die Zeichen der Liebe und Verbundenheit,
für die freundlichen Worte,
für die Musik.
 

E 1: Wir danken dir für dein Wort und deine weltweite Kirche.
Wir wollten dir entgegengehen
und hineinziehen in deine Stadt.
 

E 2: Und wir erleben es:
Du gehst mit uns durch diese Zeit
Heute, in diesen Tagen der Passion,
und jeden neuen Tag.

Amen.

Alternativ: Gebet mit Kindern

 

Jesus, du bist zu den Menschen gekommen. Ein König und doch ganz nah. Ganz groß und doch ganz klein. Du willst uns nahe sein. 

Wir bitten dich: sei du uns ganz nah, wenn wir Angst haben. Angst vor der Krankheit. Angst vor allem, was kommen mag. Gib uns Geduld, wenn wir das alles nicht mehr aushalten. Und sei bei den Kranken und allen, denen es schlecht geht. 

Danke aber auch für die Menschen, die das Leben aufrechterhalten, in den Läden, in den Krankenhäuser, in Bussen und Bahnen und an vielen anderen Orten.

Jesus, auf dich dürfen wir vertrauen. Wir danken dir. Amen.


L: Vater unser 


Segen

L:: Der Herr segne uns und behüte uns // der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig. // Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns, und schenke uns Frieden.
A: Amen.

(L: Liturg, A: Alle, E1-E4 Einzelne)

Der Vorschlag folgt weitgehend der Struktur des sonntäglichen Predigtgottesdienstes. Sie ist als Ganzes komponiert, dennoch können einzelne Teile ausgetauscht oder gelöscht werden. Das gemeinsame Gebet ist bewusst etwas breiter gefasst als das im Sonntagsgottesdienst der Fall ist, es kann auch ­ – vor allem das Fürbittgebet – durch eine Gebetsgemeinschaft ersetzt werden.

Wenn in dieser Form gebetet werden soll, sollten entweder genügend Exemplare für die Hand der Teilnehmenden bereit liegen oder – wo die technische Möglichkeit besteht – eine Wandprojektion gemacht werden. Selbstverständlich kann man die Zahl der Lesenden auch anders aufteilen.

Statt einer Lesepredigt teilen die Anwesenden ihre Gedanken miteinander nach einer Variante des bekannten „Bibel-Teilens“. Selbstverständlich ist es auch möglich, dass ein Einzelner oder mehrere eigenständig Zeugnis ablegen.

Die Lieder können selbstredend gegen andere ersetzt werden, es wurde darauf geachtet, möglichst bekannte Lieder vorzuschlagen. Auch ein dünner oder vielleicht nicht ganz tonsicherer Gesang vereint uns mit den himmlischen Chören – es ist aber auch nicht schlimm, wenn einmal nicht gesungen werden kann. Wo das technisch geht, kann man auch die Liedtitel einfach in Youtube eingeben und dann eine entsprechende Fassung verwenden, noch nicht alle Lieder sind in der Cantico-App.

Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen sind selbstverständlich auch bei diesem Gottesdienst zu beachten (möglichst großer Sitzabstand, kein Segenskreis mit Händefassen …)

Der Oberkirchenrat wünscht allen Feiernden die Erfahrung der Anwesenheit unseres Gottes, der uns geleitet in guten und schweren Tagen und ganz bestimmt stärker ist als alle Mächte und Viren dieser Welt.

 

 

L: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
A: Amen.
L: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn.
A: Der Himmel und Erde gemacht hat.

(Entzünden einer Kerze)

Begrüßung

 L: Liebe Schwestern und Brüder, heute ist der fünfte Sonntag der Passionszeit, der Sonntag Judika. Judika heißt auf Deutsch „Schaffe mir Recht, Gott“. An Jesu Schicksal wird deutlich, dass Menschenwürde immer in Gefahr ist, dass Leid, Schuld und Tod in der Welt eine grausame Wirklichkeit sind. Aber Gott ist ein Gott, der Gerechtigkeit will, den Unterdrückten und Leidenden zur Seite steht. Deshalb ist er in Jesus zu uns gekommen und hat durch seinen Tod alle Schuld und alles Leid, ja, den Tod selbst besiegt.

 So grüße ich Sie / Euch mit dem Wochenspruch für den heutigen Tag: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“

Lied: EG 361,1.2.4.6: Befiehl du deine Wege (Cantico-App)

https://www.youtube.com/watch?v=TXMZVpwiLaw


Psalm 43 / EG 724 (auf das Ehr sei dem Vater wird auf dem Höhepunkt der Passionszeit verzichtet)

Eingangsgebet: (nach reformiert-info.de)

E 1: Gnädiger und gerechter Gott,
das Leiden deines Sohnes
führt uns vor Augen,
wozu Menschen fähig sind,
wenn sie hassen,
wenn sie Angst haben, zu kurz zu kommen,
oder sich unkritisch treiben lassen
von gewissenlosen Stimmungsmachern.
 

E 2: Wie in einem Spiegel
erkennen wir dabei auch eigene Abgründe:
Feigheit, wenn wir gefordert sind,
mutig zu reden und zu handeln,
Abgestumpftheit gegen fremdes Elend,
und manchmal auch
bewusste Gemeinheit und Schadenfreude.


E 3: Es beschämt uns,
wenn wir uns eingestehen müssen,
dass wir nicht so sind,
wie wir gern wären
oder wie wir vorgeben zu sein.


E 4: Vor dir, Gott,
ist unser Innerstes nicht verborgen.
Aber das Kreuz deines Sohnes
erinnert uns auch daran:
Deine Liebe ist stärker
als das Böse in uns
und in unserer ganzen Welt.


A: Deine Liebe behält das letzte Wort
und schafft neue Anfänge.
Gnädiger und gerechter Gott,
erneuere auch uns. 

 

Stilles Gebet

L: Wir beten weiter in der Stille, miteinander und füreinander.

(Gebetsstille)

L: Herr, du hörst unser Gebet, darum kommen wir zu dir.


Lied: EG 97: Holz auf Jesu Schulter

www.youtube.com/watch

oder EG 172: Sende dein Licht und deine Wahrheit

 

Predigttext: Hebr 13,12-14
(Der Predigttext wird nach der Methode: „Bibel Teilen“ in sieben Schritten gemeinsam erschlossen)
 

Bibel Teilen in sieben Schritten:

Wir öffnen uns für Gott in Gebet und Lied:
Herr, du unser Gott, öffne unsere Herzen und unseren Sinn für dein Wort. Wir wollen hören, rede du. Was du uns sagen willst, das lass uns aufmerksam wahrnehmen. In all unserer Sorge, tröste uns. Gib uns ein festes Herz, das uns gewiss macht in der Hoffnung auf dich. Gib uns ein waches Auge, dass wir nicht nur geistlich aufschauen und vor allem nicht zurückschauen, sondern den Nächsten und seine Not sehen. Und gib uns eine sichere Hand, dass wir in den kommenden Tagen das rechte Tun, besonnen und mit Augenmaß. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unseren Herrn. Eine/r liest den Predigttext
„Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Verweilen und Vertiefen
Der Text wird erneut – langsam – gelesen. Jeder und jede wird eingeladen, mitzulesen und an den Stellen, die ihm besonders naheliegen, besonders zu betonen. In einer dritten Lesung gelingt es oft, einen emotionalen Klangteppich zu weben, bei dem die Gefühle (Ablehnung, Zweifel, Angst, Freude …) wie in einer Symphonie zusammenklingen. Schweigen (ca. 3-5 Minuten)
Die Teilnehmenden besinnen sich, jeder und jede für sich, was der Text jede/m einzelnen sagen will. Sie lassen sich darauf ein, dass nicht alles unmittelbar einsichtig ist. Sie suchen nach Anknüpfungspunkten in ihrem Leben und besinnen sich darauf, was sich in der kommenden Woche von diesem Text her in ihrem Alltag nahelegt. Mitteilen
Wer mag, kann den anderen die eigenen Gedanken mitteilen. Wichtig ist, dass es in dieser Phase nicht um Diskussion geht, sondern darum, zu hören, was der Text bei den Schwestern und Brüdern ausgelöst hat. Deshalb wird hier nicht kommentiert. Austauschen

Wir suchen im Gespräch nach der Bedeutung des Textes. Meist ergibt sich aus der Mitteilungsphase ein Gespräch und Themen von allein. Wenn nicht, könnten Leitfragen hilfreich sein:

  • „Draußen vor dem Tor / vor der Tür“ … woran denken wir bei dieser Redensart
  • Ist nur der Tod Jesu gemeint und seine „Schande“, die er auf sich nimmt, oder hat das Wort auch einen Bezug auf die ausgegrenzten Menschen heute?
  • Was meint der Text, wenn er uns auffordert, „hinauszugehen“? Was kann das bedeuten, wo wir doch „zu Hause bleiben“ sollen?
  • Wie stellen wir uns die „zukünftige Stadt“ vor?
  • Ist der Verweis auf die „zukünftige Stadt“ nicht eine billige Vertröstung, fast schon zynisch angesichts des Leids in der Welt? 
  • „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33)

 

Lied: z.B. EG 95,1-4 Seht hin, er ist allein im Garten 

www.youtube.com/watch

oder EG 592: Licht, das in die Welt gekommen

 

Fürbittengebet (nach velkd.de) :
E1: Ratlos sind wir, Gott,
und bringen unsere Ratlosigkeit vor dich.


E2: In Sorge um unsere Angehörigen sind wir,
und wir bringen unsere Sorge vor dich.


E3: Bedrückt sind wir,
und wir bringen unsere Angst vor dich.


A: Dankbar sind wir für alle Menschen,
die uns Mut machen,
und wir bringen unseren Dank für sie vor dich.


E 1: Mitten hinein in unsere Angst
schenkst du uns das Leben.


E 2: Du schenkst uns
Musik, Gemeinschaft und
die Fürsorge unserer Freunde und Nachbarn.


E3: Du schenkst uns
Inspiration,
Freundlichkeit
und Mut.


A: Du schenkst uns
den Glauben, die Liebe und die Hoffnung.
Dir vertrauen wir uns an – heute und morgen und an jedem neuen Tag.
Amen.


L: Vater unser 


Segen

L:: Der Herr segne uns und behüte uns // der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig. // Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns, und schenke uns Frieden.
A: Amen.

Kirchenrat Dr. Frank Zeeb

Andacht in der Petruskirche Gerlingen mit Pfarrer Dr. Martin Weeber


Vorschlag des OKR für häusliche Andachten

Von Kirchenrat Dr. Frank Zeeb

(L: Liturg, A: Alle, E1-E4 Einzelne)

Der Vorschlag folgt weitgehend der Struktur des sonntäglichen Predigtgottesdienstes. Die Andacht ist als Ganzes komponiert, dennoch können einzelne Teile ausgetauscht oder gelöscht werden. Das gemeinsame Gebet ist bewusst etwas breiter gefasst als das im Sonntagsgottesdienst der Fall ist, es kann auch ­ – vor allem das Fürbittgebet – durch eine Gebetsgemeinschaft ersetzt werden.

Wenn das Eingangsgebet in dieser Form gebetet werden soll, sollten entweder genügend Exemplare für die Hand der Teilnehmenden bereit liegen oder – wo die technische Möglichkeit besteht – eine Wandprojektion gemacht werden.

Statt einer Lesepredigt teilen die Anwesenden ihre Gedanken miteinander nach einer Variante des bekannten „Bibel-Teilens“, das vielfach in Haus- und Bibelkreisen eine vertraute Weise ist, sich einem Bibeltext persönlich zu nähern. Selbstverständlich ist es auch möglich, dass ein Einzelner oder mehrere eigenständig Zeugnis ablegen.

Die Lieder können gegen andere ersetzt werden, es wurde darauf geachtet, möglichst bekannte Lieder vorzuschlagen. Auch ein dünner oder vielleicht nicht ganz tonsicherer Gesang vereint uns mit den himmlischen Chören – es ist aber auch nicht schlimm, wenn einmal nicht gesungen werden kann.

Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen sind selbstverständlich auch bei diesem Gottesdienst zu beachten (möglichst großer Sitzabstand, kein Segenskreis mit Händefassen …)

Der Oberkirchenrat wünscht allen Feiernden die Erfahrung der Anwesenheit unseres Gottes, der uns geleitet in guten und schweren Tagen und ganz bestimmt stärker ist als alle Mächte und Viren dieser Welt.

L: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
A: Amen.
L: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn.
A: Der Himmel und Erde gemacht hat.

(Entzünden einer Kerze)

Begrüßung

 L: Liebe Schwestern und Brüder, heute ist der vierte Sonntag der Passionszeit, der Sonntag Lätare. Lätare heißt auf Deutsch „Freuet euch“. Gemeint ist, dass wir mitten in der Passionszeit den Blick aufheben, um uns darüber zu freuen, dass Gott durch das Dunkel des Todes hindurch Licht bringen will und wird. In vielen Kirchen wird das sinnfällig dadurch, dass statt des getragenen Violett die Sinnfarbe dieser Woche das hellere Rosa ist. Diese Gedanken wollen uns sagen: Gott hat seinen Plan mit der Welt, er weiß, was er tut, auch wenn wir manchmal an dem verzweifeln, was uns und aller Welt widerfährt.

 So grüße ich Sie / Euch mit dem Wochenspruch für den heutigen Tag: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

(Als Zeichenhandlung kann man in ein Töpfchen Samen säen, die uns dann die ganze Woche an den Wochenspruch erinnern, gut eignen sich Kresse oder Sonnenblumen, die binnen weniger Tage aufgehen)

Lied: EG 322,1-6: Nun danket all und bringet Ehr
Psalm 84 / EG 734 (auf das Ehr sei dem Vater wird in der Passionszeit in vielen Kirchen der
Ökumene verzichtet)

Eingangsgebet: (nach VELKD.de)

A: Jesu Christus, unser Herr, wir singen dir Lob.

E: Wir singen dir –

Allein und mit schwacher Stimme

aber wir sind nicht allein.

Wir sind getrennt von unseren Freundinnen und Freunden,

verzichten auf soziale Kontakte.

A: Aber wir singen nicht allein. Du bist bei uns.

 

A: Jesus Christus, unser Arzt, wir rufen zu dir.

E: Wir rufen zu dir --

in Sorge um die Kranken -

aber sie sind nicht allein.

Wir rufen zu dir mit bangem Herz,

in Trauer um geliebte Menschen.

A: Aber wir rufen nicht allein. Du bist bei uns.

 

A: Jesus Christus, unsere Freude, wir hoffen auf dich.

E: Wir hoffen unter deinem Geleit

und bitten um Schutz und Schirm für alle

die pflegen, forschen, retten.

Wir bitten um Frieden in unserem Land, bei den Nachbarn, in Syrien und an der griechischen Grenze.

A: Aber wir hoffen nicht allein. Du bist bei uns.

 

A: Jesus Christus, unser Tröster, wir singen, wir rufen, wir hoffen.

Alleine und gemeinsam loben, beten, glauben wir.

Dir vertrauen wir uns an,

heute, morgen und jeden neuen Tag.

Amen.

 

Stilles Gebet

L: Wir beten weiter in der Stille, miteinander und füreinander.

(Gebetsstille)

L: Herr, du hörst unser Gebet, darum kommen wir zu dir.


Lied: EG 98: Korn, das in die Erde

Predigttext: Jes 66,16-10
(Der Predigttext wird nach der Methode: „Bibel Teilen“ in sieben Schritten gemeinsam erschlossen)
 

Bibel Teilen in sieben Schritten:

Wir öffnen uns für Gott in Gebet und Lied:
Herr, du unser Gott, öffne unsere Herzen und unseren Sinn für dein Wort. Wir wollen hören, rede du. Was du uns sagen willst, das lass uns aufmerksam wahrnehmen. In all unserer Sorge, tröste uns. Gib uns ein festes Herz, das uns gewiss macht in der Hoffnung auf dich. Gib uns ein waches Auge, dass wir nicht nur geistlich aufschauen und vor allem nicht zurückschauen, sondern den Nächsten und seine Not sehen. Und gib uns eine sichere Hand, dass wir in den kommenden Tagen das rechte Tun, besonnen und mit Augenmaß. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unseren Herrn. Eine/r liest den Predigttext
„Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. Denn so spricht der Herr: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des Herrn an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.““ Verweilen und Vertiefen
Der Text wird erneut – langsam – gelesen. Jeder und jede wird eingeladen, mitzulesen und an den Stellen, die ihm besonders naheliegen, besonders zu betonen. In einer dritten Lesung gelingt es oft, einen emotionalen Klangteppich zu weben, bei dem die Gefühle (Ablehnung, Zweifel, Angst, Freude …) wie in einer Symphonie zusammenklingen. Schweigen (ca. 3-5 Minuten)
Die Teilnehmenden besinnen sich, jeder und jede für sich, was der Text jede/m einzelnen sagen will. Sie lassen sich darauf ein, dass nicht alles unmittelbar einsichtig ist. Sie suchen nach Anknüpfungspunkten in ihrem Leben und besinnen sich darauf, was sich in der kommenden Woche von diesem Text her in ihrem Alltag nahelegt. Mitteilen
Wer mag, kann den anderen die eigenen Gedanken mitteilen. Manchen Gruppen hilft es, mit einer Murmel oder einem Stein zu arbeiten: Wer den Stein hat, hat das Wort. Wer fertig ist, legt ihn wieder in die Mitte. Wer reden mag, nimmt den Stein. Wichtig ist, dass es in dieser Phase nicht um Diskussion geht, sondern darum, zu hören, was der Text bei den Schwestern und Brüdern ausgelöst hat. Deshalb wird hier nicht kommentiert. Austauschen

Wir suchen im Gespräch nach der Bedeutung des Textes. Meist ergibt sich aus der Mitteilungsphase ein Gespräch und Themen von allein. Wenn nicht, könnten Leitfragen – und Texte hilfreich sein:
 

– Was empfinde ich bei dem Satzteil„wie einen seinen Mutter tröstet“?
– Wie kann ich meine Mitmenschen so trösten, wo werde ich getröstet?
– Muss der Satz mit dem Zorn und den Feinden am Schluss wirklich sein? Was will Gott uns damit sagen?
– Heinrich Böll schreibt an einer Stelle (in ganz anderem Zusammenhang): „

Ich bin nicht dein Jerusalem, dachte sie, nein, ich bin es nicht, und doch ist dein Blick, wie der Blick der Pilger sein muß, wenn sie die Türme ihrer heiligen Stadt sehen.“

Was ist für mich „Jerusalem“? Was war es für die Gläubigen im Alten Testament? Was heißt eigentlich „Pilgern“?
– Was will Gott uns in Zeiten der Epidemie mit dieser Verheißung seines Reiches sagen? Helfen uns die Naturbilder?

Lied: z.B. EG 503,12-15 oder EG 408 (Meinem Gott gehört die Welt) oder EG 398 (In dir ist Freude)

Fürbittengebet (nach evangelisches-brevier.de) :
L: Jesus Christus, du rufst uns zu dir. Aus dir können wir alles empfangen. Du bist unsere

Hoffnung. Du bist voller Gnade und Wahrheit für alle, die sich nach dir ausstrecken.

Dich rufen wir an.

A: Kyrie eleison.

Christus Jesus, du bist unser Leben. Du warst gehorsam bis in den Tod. Du bist die

Quelle geworden von allem Trost. Du bist für uns Weg und Wahrheit und Leben. Und

Auferstehung ist ganz in dir. Du bist unsere Versöhnung und unser Friede. Dich rufen

wir an.

A: Kyrie eleison.

L: Jesus Christus: Mühselig mit unseren Last und beladen von Schuld kommen wir zu dir.

Du bist das Heil derer, die auf dich warten. Du bleibst die Hoffnung aller, die in dir

sterben. Du bringt Erfüllung für jede und jeden, die es mit dir wagen. Dich rufen wir

an.

A: Kyrie eleison.

L: Wir bitten dich: Schaffe dir durch die Macht deiner Gnade ein hörendes Volk, das

deine Botschaft gern aufnimmt, das immer wieder umkehrt zu dir und Früchte des

Geistes zu bringen vermag. Dich rufen wir an.

A: Kyrie eleison.

L: Stehe allen bei, die sich in Gefahr befinden, die bedrängt sind oder Not leiden. Umsorge

die Kranken. Gewähre deinen Schutz den Schwachen, den Einsamen und Verl -

assenen. Schau auf jene, die keine Helfer haben. Dich rufen wir an und beten gemeinsam:


L: Vater unser


Segen

L:: Der Herr segne uns und behüte uns // der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig. // Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns, und schenke uns Frieden.
A: Amen.

Kirchenrat Dr. Frank Zeebprivat

Vorschlag des OKR für häusliche Andachten

Auf die Empfehlung der Landeskirche hin sollen in den Gemeinden keine Gottesdienste stattfinden, um der Ausbreitung des neuartigen Virus zu wehren. Mancherorts werden sich kleine Gruppen zusammenfinden, die auf eine gemeinsame gottesdienstliche Andacht nicht verzichten möchten und „hier und dort in den Häusern“ zusammenkommen, um sich unter den Predigttext des Sonntags zu stellen. 

(L: Liturg, A: Alle, E1-E4 Einzelne)

Der Vorschlag folgt weitgehend der Struktur des sonntäglichen Predigtgottesdienstes. Sie ist als Ganzes komponiert, dennoch können einzelne Teile ausgetauscht oder gelöscht werden. Das gemeinsame Gebet ist bewusst etwas breiter gefasst als das im Sonntagsgottesdienst der Fall ist, es kann auch ­ vor allem das Fürbittgebet – durch eine Gebetsgemeinschaft ersetzt werden.

Wenn das Eingangsgebet in dieser Form gebetet werden soll, sollten entweder genügend Exemplare für die Hand der Teilnehmenden bereit liegen oder – wo die technische Möglichkeit besteht – eine Wandprojektion gemacht werden.

Statt einer Lesepredigt teilen die Anwesenden ihre Gedanken miteinander nach einer Variante des bekannten „Bibel-Teilens“, das vielfach in Haus- und Bibelkreisen eine vertraute Weise ist, sich einem Bibeltext persönlich zu nähern. Selbstverständlich ist es auch möglich, dass ein Einzelner oder mehrere eigenständig Zeugnis ablegen.

Die Lieder können selbstredend gegen andere ersetzt werden, es wurde darauf geachtet, möglichst bekannte Lieder vorzuschlagen. Auch ein dünner oder vielleicht nicht ganz tonsicherer Gesang vereint uns mit den himmlischen Chören – es ist aber auch nicht schlimm, wenn einmal nicht gesungen werden kann.

Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen sind selbstverständlich auch bei dieser Andacht zu beachten (möglichst großer Sitzabstand, kein Segenskreis mit Händefassen)

Der Oberkirchenrat wünscht allen Betenden und Feiernden die Erfahrung der Anwesenheit unseres Gottes, der uns geleitet in guten und schweren Tagen und ganz bestimmt stärker ist als alle Mächte und Viren dieser Welt.

Kirchenrat Dr. Frank Zeeb

Liturgie

L: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
A: Amen.
L: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn.
A: Der Himmel und Erde gemacht hat.
L: Liebe Schwestern und Brüder, heute ist der dritte Sonntag der Passionszeit, der Sonntag Okuli.

Das heißt auf Deutsch: Meine Augen sehen auf den Herrn. Wir sind heute an einem besonderen Ort beieinander, um Gottesdienst zu feiern. Nicht wie sonst in der Kirche, sondern … Das tun wir im Aufsehen auf Gott und sein Wort, das uns mahnt, das Beste der Stadt zu suchen. Und in diesen Zeiten ist es das Beste für unsere Stadt und unser Land, nicht in großen Gruppen und der gottesdienstliche Gemeinde zusammenzukommen, denn dadurch könnte großer Schaden entstehen. So grüße ich Sie / Euch mit dem Wochenspruch für den heutigen Tag: „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes." Wir sind gewiss, dass Gottes Reich mitten unter uns ist, wenn wir miteinander in seinem Namen zusammenkommen.

Lied: EG 432: Gott gab uns Atem, damit wir leben.
Psalm 34 / EG 718 (auf das Ehr sei dem Vater wird in der Passionszeit in vielen Kirchen der
Ökumene verzichtet)
Eingangsgebet: (nach VELKD.de)
E1: Du Gott des Lebens, Jesus Christus,
du rufst uns und wir wollen dir nachfolgen.
A: Du rufst uns, aber wir sind unsicher.
Du rufst uns, aber wir fürchten uns.
E2: Ungewissheit und Angst erfüllen unsere Gedanken.
A: Wir sind in Sorge.
E3: Wir sorgen uns um unsere Lieben.
A: Wir vertrauen sie deiner Fürsorge an.
Behüte und bewahre sie.
E4: Wir vertrauen uns deiner Fürsorge an.
Behüte uns und bewahre uns.
Kyrie eleison – Herr, erbarme dich
E1: Krankheit bedroht die Schwachen.
A: Wir sind hilflos.
E2: Wir wissen, dass wir sie nicht schützen können.
E3: Wir vertrauen die Kranken deiner Fürsorge an.
Behüte und bewahre sie.
E4: Wir bitten für die Sterbenden –
A: in unserer Nähe und in aller Welt.
Behüte sie und erbarme dich.
E1: Wir danken dir für alle,
die in Krankenhäusern, Laboren und Ämtern arbeiten
und sich um das Wohl aller mühen.
A: Behüte und leite sie und erbarme dich.
Kyrie eleison – Herr, erbarme dich.
E2: Der Krieg in Syrien endet nicht.
Wir hören von den Flüchtlingen,
Sie wollen der Gewalt entkommen.
A: Behüte und bewahre sie.
E3: Wir hören von den Kindern in Lagern und auf der Flucht.
Sie werden für fremde Machtinteressen benutzt.
A: Wir wissen, dass unser Mitleid nicht genügt.
Behüte und bewahre sie.
E4: Wir hoffen auf das Ende der Gewalt.
Leite die Mächtigen.
Kyrie eleison – Herr, erbarme dich
L: Du Gott des Lebens, Jesus Christus,
du rufst uns und wir wollen dir nachfolgen.
Hilf deiner Gemeinde,
mache ihren Mut größer als ihre Furcht,
tröste sie in Angst,
begeistere sie,
erfülle sie mit Liebe
damit sie deine Liebe weitergibt.
A: Du rufst uns und wir danken dir
für den Mut, für den Trost und für deine Liebe.
Heute und alle Tage.
Amen.
L: Wir beten weiter in der Stille, miteinander und Füreinander
Lied: EG 391: Jesu geh voran.

Predigttext Lk 9,57-62:
(Der Predigttext wird nach der Methode: „Bibel Teilen“ in sieben Schritten gemeinsam erschlossen)
„57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst.
58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.
60 Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!
61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind.
62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

Bibel Teilen in sieben Schritten:

1. Wir öffnen uns für Gott in Gebet und Lied:
Herr, du unser Gott, öffne unsere Herzen und unseren Sinn für dein Wort. Wir wollen hören, rede du. Was du uns sagen willst, das lass uns aufmerksam wahrnehmen. In all unserer Sorge, tröste uns. Gib uns ein festes Herz, das uns gewiss macht in der Hoffnung auf dich. Gib uns ein waches Auge, dass wir nicht nur geistlich aufschauen und vor allem nicht zurückschauen, sondern den Nächsten und seine Not sehen. Und gib uns eine sichere Hand, dass wir in den kommenden Tagen das rechte Tun, besonnen und mit Augenmaß. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unseren Herrn.

2. Eine/r liest den Predigttext
„Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

3. Verweilen und Vertiefen
Der Text wird erneut – langsam – gelesen. Jeder und jede wird eingeladen, mitzulesen und an den Stellen, die ihm besonders naheliegen, besonders zu betonen. In einer dritten Lesung gelingt es oft, einen emotionalen Klangteppich zu weben, bei dem die Gefühle (Ablehnung, Zweifel, Angst, Freude …) wie in einer Symphonie zusammenklingen.

4. Schweigen (ca. 3-5 Minuten)
Die Teilnehmenden besinnen sich, jeder und jede für sich, was der Text jede/m einzelnen sagen will. Sie lassen sich darauf ein, dass nicht alles unmittelbar einsichtig ist. Sie suchen nach Anknüpfungspunkten in ihrem Leben und besinnen sich darauf, was sich in der kommenden Woche von diesem Text her in ihrem Alltag nahelegt.

5. Mitteilen
Wer mag, kann den anderen die eigenen Gedanken mitteilen. Manchen Gruppen hilft es, mit einer Murmel oder einem Stein zu arbeiten: Wer den Stein hat, hat das Wort. Wer fertig ist, legt ihn wieder in die Mitte. Wer reden mag, nimmt den Stein. Wichtig ist, dass es in dieser Phase nicht um Diskussion geht, sondern darum, zu hören, was der Text bei den Schwestern und Brüdern ausgelöst hat. Deshalb wird hier nicht kommentiert.

6. Austauschen
Wir suchen im Gespräch nach der Bedeutung des Textes. Meist ergibt sich aus der Mitteilungsphase ein Gespräch und Themen von allein. Wenn nicht, könnten Leitfragen hilfreich sein:
– Was heißt heute „Nachfolge“?
– Wo sind die Grenzen der Nachfolge?
– Wie verträgt sich eine solche radikale Nachfolge mit der Nächstenliebe und den sozialdiakonischen Pflichten gegenüber den Mitmenschen?
– Sollte man nicht viel mehr zurückschauen, um aus der Vergangenheit zu lernen.
– Was will Gott uns in Zeiten der Epidemie mit der Verheißung seines Reichen sagen? Wozu fordert er uns auf?

Lied: z.B. EG 395 (Vertraut den neuen Wegen), oder: EG 395 Wohl denen, die da wandeln oder: EG 299: Aus tiefer Not
Fürbittengebet (nach evangelisches-brevier.de) :
L: Gott, du hast Himmel und Erde gemacht durch dein Wort. Dein Wort ist Fleisch geworden :
Jesus, dein Sohn, der als Licht scheint in aller Finsternis. Wir bitten dich: Gib uns seinen Geist, dass
wir dieses Licht und weiter verbreiten in dunkler Zeit.
Licht sehen. Wir rufen:
A: Herr, erbarme dich!
L: Lass es hell werden, in uns und in aller Welt. Wo Angst quält, wecke Hoffnung; wo Trauer lähmt,
wecke Freude; wo Hass herrscht, wecke gewinnende Güte, auch durch uns. Wir rufen:
A: Herr, erbarme dich!
L: Wir vereinen uns mit allen, die heute zusammenkommen , um dich anzurufen und deine
Nähe zu feiern. Sei auch denen nahe, die dich nicht suchen und nicht nach deinem Willen fragen.
Gehe ihnen nach in deiner Liebe und rufe sie auf den Weg zum Leben. Wir rufen:
A: Herr, erbarme dich!
L: Gemeinsam beten wir. Vater unser …
L: Segen: Der Herr segne uns und behüte uns // der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig. // Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns, und schenke uns Frieden.
A: Amen.


Dr. Frank Zeebprivat

Gerade in Württemberg hat man immer Wert darauf gelegt, dass das Heil in seiner Fülle schon durch die Predigt gegeben und im Glauben empfangen wird (fides ex auditu, Römer 10,17). Das Abendmahl fügt dem nichts hinzu, seine Wirksamkeit besteht darin, dass uns das Sakrament – ein göttlich Wortzeichen – versichert, dass wir als Gemeinschaft untereinander und mit unserem Herrn verbunden sind und der Verheißung wahrhaftiglich und leiblich teilhaftig werden. Das sehen und schmecken wir im verbum visibile, das aber dem verbum audibile qualitativ nichts hinzuzufügen vermag.

Insoweit besteht zwischen den Sakramenten ein gewisses Gefälle. Die Taufe wird von den Reformatoren als heilsnotwendig, als individuelle Zueignung der Heilsverheißung des dreieinigen Gottes betrachtet, das Abendmahl jedoch nicht: Eucharistia enim non est sub periculum salutis necessaria, sufficit autem Euangelion et Baptismus … - „Das Abendmahl isthinsichtlich der ‚Heilsgefahr‘ nicht nötig, es reicht jedoch das Evangelium und die Taufe.“ (WA 12, 171, 22f).

Häusliches Abendmahl beim Livestream/Fernsehgottesdienst?

Vielerorts werden Gottesdienste in Kirchen in kleinstem Kreis gefeiert und mit technischen Hilfsmitteln den Gemeindegliedern zu Hause verfügbar gemacht. Für dieses Engagement sind wir dankbar. Dabei wird viel Engagement und viel Aufwand eingebracht, um die Frohe Botschaft unter die Menschen zu bringen. Hierfür sind wir sehr dankbar. Wenn in solchen Gottesdiensten am Karfreitag oder Gründonnerstag das Heilige Abendmahl mit den wenigen Anwesenden unter Beachtung der hygienischen Gesichtspunkte gefeiert wird, dann ist das eine vollgültige Abendmahlsfeier, die auch ins Kommunikantenregister eingetragen wird. Nach sorgfältiger Beratung, auch mit Kirchengeschichtlern, Liturgiewissenschaftlern und Systematikern kann es allerdings nicht stiftungsgemäß sein, wenn das Geschehen in der Kirche in den Häusern gleichsam mitgefeiert wirdEs ist selbstverständlich ernstzunehmen, dass die Kommunikation des Evangeliums sich nicht auf den Predigtgottesdienst einer versammelten Gemeinde reduzieren lässt. Diese Formel ist ja von Ernst Lange und seinen Vorgängern bewusst breiter gefasst und auch auf den „Gottesdienst in der Welt“ (vgl. Römer 12) bezogen worden. Denn beim Heiligen Abendmahl handelt es sich um ein besonderes Kommunikationsgeschehen, um ein „leibhaft Wort“, für das der Zusammenhang von Wort und Zeichen konstitutiv ist (verbum accedit ad signum et fit sacramentum - „das Wort tritt zum Zeichen hinzu und so ‚entsteht‘ das Sakrament“, wie Luther und Johannes Brenz immer wieder Augustin zitieren). Hier darf also nicht räumlich zwischen Wort und Zeichen getrennt werden. Sakramentstheologisch hätte dies wohl zur Folge, dass dann auch „Ferntaufen“ möglich wären, derart dass das Stiftungswort übertragen und die Taufhandlung an einem dritten Ort vollzogen wird. Kristian Fechtner, der Mainzer Praktologe, schreibt (private Kom­munikation): „Wo der Ritus des Abendmahls durch ein nicht-personales (Übertragungs-)Me­dium auseinandergerissen wird, dementiert er, was er geistlich darstellen will: die Gemeinde als Leib Christi.“ Oder ganz einfach ausgedrückt: Wer bei einer Abendmahlsfeier am Bildschirm dabei ist, ist so dabei, wie wenn er bei der Austeilung in der Bankreihe bleibt, sozusagen in der ersten Reihe, und feiert durch Beten mit.

Familienabendfeiern in den Häusern?

Immer wieder wird gefragt, ob es denn möglich ist, in den Familien Abendmahl zu feiern. Hier sollte zunächst darauf verwiesen werden, dass das Abendmahl eine Feier der Gemeinde ist, die nur im äußersten Notfall in einem kleinen, nichtöffentlichen Kreis gefeiert werden sollte. Auch hier werden mitunter reformationstheologische Argumente genannt, die nicht immer der sorgsamen Betrachtung standhalten. Zunächst einmal hat die Verwaltung der Sakramente nichts mit dem Priestertum der Getauften zu tun. Diese Formulierung richtet sich gegen die damalige Auffassung, unter den Getauften zu unterscheiden zwischen denen, die eine besondere Weihe haben, und denen, die sie eben nicht haben. Hiergegen wendet sich die Reformation scharf: es gibt nur ein Initiationssakrament und das ist eben die – heilsnotwendige – Heilige Taufe. Prinzipiell sind daher in der Tat alle Getauften dem Grunde nach zur Verwaltung der Sakramente befugt. Da die Sakramente aber immer eine öffentliche (und das heißt eben auf die ganze Gemeinde bezogene) Verortung haben, ist es nach CA XIV um der Ordnung willen erforderlich, dass die Gemeinde sich für diese öffentliche Kommunikationsform des Evangeliums Menschen auswählt und sie ordentlich beruft, denen sie diesen Dienst zutraut, modern gesprochen, die sie als Sender dieses Kommunikationsgeschehens anerkennt und von dem sie Predigt und Sakrament als Rezipient empfangen möchte. Im Lauf der Geschichte wurde dieser Dienst vielfach als höherwertig angesehen und teilweise „weiheartig“ mit dem Pfarrdienst verbunden, was aber nicht der Intention Luthers und Melanchthons entspricht und sich in Württemberg darin ausdrückt, dass eine Ordination (aus ökumenischen Gründen) überhaupt erst 1855 in unserer Landeskirche eingeführt wurde und ganz selbstverständlich auch nichtordinierte Personen mit der Leitung von Abendmahlsfeiern beauftragt werden können, wenn sie die Voraussetzungen z.B. der Ausbildung erfüllen – z.B. Leitende von Hauskreisen oder Kindergottesdienstgruppen. Entscheidend ist die ordentliche Beauftragung und dass diese Abendmahlsfeiern immer Abendmahlsfeiern der Gemeinde sind, nach Möglichkeit vorab abgekündigt werden (auch damit jemand für sie beten kann …) und ins Kommunikantenregister der Gemeinde eingetragen werden.

Angesichts der gegenwärtigen Notsituation hat das Kollegium des Oberkirchenrates am 31. März 2020 beschlossen, die entsprechenden Regelungen für eine Hausabendmahlsfeier für die Tage der Einsetzung des Heiligen Abendmahls (Gründonnerstag, 9. April 2020) und den Tag der Kreuzigung des Herrn (Karfreitag, 10. April 2020) auszusetzen, den Familien also die Abendmahlsfeier im häuslichen Kreis an diesen beiden Tagen zu gestatten, auch wenn keine von der Landeskirche ausgebildeten und ermächtigten Personen im Sinne der Abendmahlsordnung anwesend sind, die die Feier leiten. Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass die staatliche Gesetzgebung (§ 30 Abs. 4 Satz 2 Infektionsschutzgesetz) nicht ausschließt, dass Pfarrerinnen und Pfarrer – soweit dies gewünscht ist – auch im Fall der Quarantäne Todkranke und Sterbende aufzusuchen und ihnen das Abendmahl zu reichen. Die Kirche wird den Sterbenden das Sakrament nicht verweigern, umgekehrt werden – siehe den Brief des Herrn Landesbischof zur aufsuchenden Seelsorge – letzte Woche die Pfarrerinnen und Pfarrer hier behutsam und verantwortlich handeln, um sich selbst und andere nicht zu gefährden.

Abendmahl mit Kranken und Sterbenden

Kranken und Sterbenden wird die Kirche den Empfang des Hlg. Abendmahls nicht verwehren, soweit dies irgend möglich ist. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Pfarrerinnen und Pfarrer – soweit dies gewünscht ist - Todkranke und Sterbende aufsuchen und ihnen das Abendmahl zu reichen, wenn dies geschehen kann, ohne sich selbst und andere zu gefährden.

Dr. Frank Zeeb
Kirchenrat
                                                                                                                 

 


Immer wieder wird gefragt, ob es möglich ist, in den Familien Abendmahl zu feiern. Nach der Abendmahlsordnung soll niemand die Abendmahlsfeier leiten, der nicht von der Landeskirche hierzu ermächtigt oder beauftragt ist. Doch angesichts der aktuellen Krise hat das Kollegium des Oberkirchenrates beschlossen, die entsprechenden Regelungen für eine Hausabendmahlsfeier für Gründonnerstag (9. April 2020) und Karfreitag (10. April 2020) mit Verweis auf die besonderen Umstände auszusetzen, den Familien also die Abendmahlsfeier im häuslichen Kreis an diesen beiden Tagen zu gestatten, auch wenn keine von der Landeskirche ausgebildeten und ermächtigten Personen im Sinne der Abendmahlsordnung anwesend sind, die die Feier leiten

Hier finden sie eine Liturgie mit den erforderlichen Hinweisen, anhand derer das Abendmahl zu feiern ist. Das Abendmahl ist im Familien- bzw. Haushaltsverband zu feiern und kein Anlass, das Versammlungsverbot umgehen zu wollen. Die üblichen Regeln des Abstandhaltens und hygienischer Vorsichtsmaßnahmen sind selbstverständlich einzuhalten. Daher wird man nicht mit dem Gemeinschaftskelch feiern.

Hinweise zur Vorbereitung

Schon die Vorbereitung der Feier im Familienkreis kann ein geistliches Geschehen sein:

Mit Kindern sollte man gemeinsam vorher besprechen, was das Abendmahl, was wir tun, wenn wir miteinander feiern und was Gott tut, wenn wir das Abendmahl bekommen.

 

Überlegen Sie miteinander, welche der vorgeschlagenen Lieder in der Familie bekannt sind

  • Können wir die Lieder gemeinsam singen?
  • Haben wir Gesangbücher? 
  • Spielt jemand ein Instrument und kann uns begleiten? 
  • Wollen wir die Lieder lieber gemeinsam lesen?

Wie gestalten wir den Abendmahlstisch

  • Haben wir eine schöne Tischdecke?
  • Welchen Kelch verwenden wir?
  • Woraus trinken wir (es sollte kein Gemeinschaftskelch verwendet werden, sondern soviele – möglichst gleiche, möglichst schöne -- Trinkgefässe vorhanden sein wie Familienmitglieder.
  • Haben wir eine Bibel, aus der wir lesen?
  • Soll eine Kerze angezündet werden (am Karfreitag üblicherweise nicht)?.
  • Sollen Blumen auf den Abendmahlstisch (am Karfreitag üblicherweise ebenfalls nicht)?
  • Wenn möglich, kann ein Kreuz aufgestellt oder in die Mitte gelegt werden (vorbereitend mit den Kindern basteln?).

Wie sitzen wir? Um den Tisch? Im Halbkreis?

Gaben:

  • Wenn Kinder mitfeiern, sollte roter Traubensaft statt Wein verwendet werden.
  • Das Brot sollte in mundgerechten Stücken vorgeschnitten werden, auch hier so viele Stücke vorbereiten wie Familienmitglieder mitfeiern. Am besten eignet sich ein festes Mischbrot, Backoblaten bitte nur, wenn sie keinen Firmenaufdruck haben.
  • Der große Kelch sollte ebenso wie der Brotteller mit einer weißen Serviette oder einem Tuch abgedeckt werden.

Wie feiern wir?

  • Vor Beginn sollte abgesprochen werden, wer welche Aufgabe übernimmt und wie der Empfang von Brot und Saft geschehen soll:
  • Am besten reicht eine Person den anderen den Brotteller, die Gläser können ebenso auf einem Tablett angereicht werden, jeder und jede nimmt sich eines. Danach wieder auf das Tablett stellen.
  • Alternativ kann man den Brotteller und das Tablett auch von Hand zu Hand weitergeben: Dann gibt der Leiter / die Leiterin zuerst Teller und Tablett an eine Person, diese bietet dem Leiter / die Leiterin die Gabe mit Spendewort an, reicht dann Teller und Tablett dem / der Nächsten weiter und empfängt die Gabe von ihm oder ihr. So haben am Ende alle Brot und Saft / Wein gespendet und erhalten.

Liturgie

(L: die Leiterin oder der Leiter der Feier; A: alle)

Eingangswort

<ggf. kann ein Mitglied der Tischgemeinschaft eine Kerze anzünden>.

L: Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

A: Amen

<ggfs. Einleitung und Tischbereitung;

L: ]esus Christus ist das Licht der Welt.

Ein Mitglied der Tischgemeinschaft stellt den Teller mit Brot und den Kelch auf den Tisch.

L: ]esus Christus hat mit vielen Menschen gegessen und getrunken. Er hat gesagt „Wo Zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Wir feiern heute miteinander das Heilige Abendmahl. Jesus Christus ist selbst mitten uns in unserer Familie. >

 

Psalm 23

Der Herr ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße 

um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

(kein Ehr sei dem Vater)

 

Eingangsgebet

Jesus, du bist bei uns.

Darüber freuen wir uns.

Wenn du bei uns bist, tut es uns gut. 

Amen.

 

Oder:

Jesus, du Quelle des Lebens,

du rufst die Mühseligen und Beladenen.

Erfrische auch uns durch den Strom der Kraft und der Liebe,

der von dir ausgeht alle Zeit, gerade auch in diesen Tagen.

Amen.

Stilles Gebet

L: Wir beten weiter in der Stille, miteinander und füreinander.

(Gebetsstille)

L: Herr, du hörst uns, wenn wir zu dir beten. Dafür danken wir dir. Amen.

Schriftlesung

 

Gründonnerstag: Matthäus 26,17-19

 

Aber am ersten Tag der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wo willst du, dass wir dir das Passalamm zum Essen bereiten?

Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passamahl halten mit meinen Jüngern.

Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Passalamm.

 

Karfreitag: 2. Korinther 5, 17-21

Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt.

Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

 

Ansprache (oder ein Gespräch über einen biblischen Text, z.B. den in der Lesung gehörten)

 

Lied

 

(zum Beispiel: 

EG 91: Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken

EG 97: Holz auf Jesu Schulter

EG 574: Nichts soll dich Ängsten

 

Beichte

L:

Herr, du kennst uns weißt, wie wir sind.

Darum bitten wir dich:

Nimm uns so an wie wir sind,

mit unseren großen und kleinen Fehlern und Schwächen.

Nimm alles weg, was zwischen uns steht:

Ärger, Streit, Gedankenlosigkeit und Bosheit.

Wir danken dir, dass du uns vergibst.

Mach uns bereit, auch anderen zu vergeben

 

Oder:

 

Lieber Vater im Himmel,

manchmal können wir unsere Schuld nicht offen eingestehen und um Vergebung bitten.

Manchmal versuchen wir, uns aus allem herauszureden,

manchmal verdrehen wir lieber Unrecht in Recht als zuzugeben, dass wir etwas falsch gemacht haben.

Deshalb bleibt die Schuld oft an uns haften und wir erfahren nicht, wie gut Vergebung tut. 

Herr, gib uns Mut, unser Versagen einzugestehen und um Verzeihung zu bitten.

 

L: In der Stille können wir dir sagen, was uns besonders beschwert.

(Gebetsstille)

L: Herr, vergib uns unsere Schuld.

Wenn ihr diese Bitte mit mir teilt, dann stimmt mit mir ein in den Ruf: Herr, erbarme dich.

A: Herr, erbarme dich.

 

Zuspruch der Vergebung

L: Euch geschieht, was ihr erbeten habt. Der barmherzige Gott hat sich über euch erbarmt und vergibt euch all eure Schuld. Was gewesen ist, soll euch nicht mehr belasten.

Was kommt, soll euch nicht schrecken.

Gottes Güte ist eures Lebens Freude und Kraft. Amen

<ggf. Liedstrophe: z.B. EG 576 Meine Hoffnung und meine Freude>

<ggf.Abendmahlsgebet

Wir bitten dich, Gott: Erfülle uns mit deinem Geist. 

Segne diese Gaben, damit sie uns zum Leben und zum Heil dienen. 

Segne unsere Gemeinschaft, lass deine Liebe unter uns spürbar werden. 

Sei bei allen, die in diesen Tagen den Tod und die Auferstehung deines Sohnes feiern und stärke sie in dieser schwierigen Zeit.

Steh den Kranken bei und sei bei denen, die sie p?egen und um ihre Heilung kämpfen.

Hilf uns, aufeinander acht zu haben und an der Hoffnung festzuhalten.

 

Einsetzungsworte

Der Leiter/die Leiterin der Feier tritt an den Tisch und nimmt die Abdeckung von Brot und Kelch. Er/sie nimmt den Teller mit dem Brot uns spricht:

Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, und mit seinen Jüngern zu Tische saß, nahm des Brot, sagte Dank und brach’s, gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Das tut zu meinem Gedächtnis. 

Desgleichen nach dem Mahl nahm er den Kelch, sagte Dank, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus, das ist mein Blut des Neuen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Das tut zu meinem Gedächtnis.

 

Austeilung

L: Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut.

(Brot und Wein / Saft werden in der Form, die vorher besprochen wurde, ausgeteilt) Wer seinem Nachbarn / Nachbarin das Brot reicht, sagt dazu: 

Nimm und iss vom Brot des Lebens.

Wer seinem Nachbarn / Nachbarin den Wein / Saft reicht, sagt dazu: 

Nimm und trink vom Kelch des Heils.

 

Entlasswort

(wenn alle gegessen und getrunken haben, spricht:

L: Christus spricht: Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt. Dank sei Dir, Jesus Christus.

 

Dankgebet

A: Lobe den Herrn, meine Seele,

und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Lobe den Herrn, meine Seele,

und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

der dir alle deine Sünde vergibt

und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst,

der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

 

L: Gemeinsam beten wir:

 

A: Vater unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Segenslied

EG 170 Komm, Herr, segne uns

oder

EG 171 Bewahre uns, Gott

 

Segen

L: Der Herr segne uns und behüte uns

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden.

A: Amen.


Fürbitten in Zeiten der Corona-Pandemie

Die Situation in der Corona-Krise ist auch Thema mehrerer Fürbitten, die Sie in unserem untenstehenden Download-Angebot finden. Der Lutherische Weltbund hat seine Fürbitten bereits am Freitag veröffentlicht. Stadtdekan Søren Schwesig aus Stuttgart zitiert außerdem Fürbitten aus dem Bistum Trier. 

    • Klimawandel und Trockenheit
      download

      Info: 164 KB | PDF
      30.04.2020

    • Fürbitten des Lutherischen Weltbundes zum Coronavirus
      download

      Info: 45 KB | PDF
      13.03.2020

    • Fürbitte zum Sonntag Okuli, 15. März
      download

      Info: 48 KB | PDF
      14.03.2020