|

Der Lichtkünstler

Am 28. September verleiht Landesbischof July den landeskirchlichen Kunstpreis

Göppingen/Stuttgart. Am Samstag, 28. September, verleiht Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July den 3. Kunstpreis der württembergischen Landeskirche in der Göppinger Kunsthalle. Einer der beiden Hauptpreisträger ist der international renommierte Lichtkünstler Joachim Fleischer. Elk-wue.de hat ihn besucht.

Die Lichtscheibe: einer der zwei Hauptpreise des landeskirchlichen Kunstpreises 2019Joachim Fleischer

Sein Atelier liegt in der Nähe des Stuttgarter Löwentors, gegenüber dem Schauspiel Nord, der Studiobühne im Probenzentrum der Staatstheater, und des Proberaums von Gauthier Dance. „Das ist schon ein guter Standort“, sagt Joachim Fleischer. „Allein schon wegen des Themas Inszenierung. Meine Installationen sind ja auch zeitbegrenzte Inszenierungen.“


Samstag, 28. September:
17 Uhr: Ausstellung und Preisverleihung Kunsthalle Göppingen
18:15 Uhr: Empfang des Landesbischofs, Foyer der Kunsthalle Göppingen


Fleischer (59) hat in den 1980er Jahre an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Jürgen Brodwolf Bildhauerei studiert und bei Sotorius Michou Intermediales Gestalten. Er war sich Regisseur für Theater und Performance, lehrte an verschiedenen Hochschulen und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.  Schon früh kristallisierte sich für ihn „Licht“ als bestimmendes Thema heraus, das ihn nicht mehr loslässt.

Joachim FleischerFranco Jennewein / Joachim Fleischer

Licht als Material

„Das Faszinierende für mich ist, dass Licht existent ist, Dinge sichtbar macht, aber selbst nicht greifbar ist. Ich entdeckte Licht als Material, mit dem man arbeiten kann.“  Fleischer entwirft Lichtinstallationen, arbeitet mit Licht im Raum und mit Licht und Robotik. „Licht ist für mich kein Mittel zum Zweck, sondern ein Mittler“, betont er. „Wenn Licht Gegenstände abtastet, setzt das einen Erkenntnisprozess in Gang.“

Seine Arbeiten waren unter anderem in Barcelona, Basel, Bristol und Budapest, Graz, Reykjavik und Tokio zu sehen. Er schuf zahlreiche Projekte, etwa für die Kunstsammlung Schwarzenbach in Zürich, die Stadt München, das Max-Planck-Institut in Tübingen und gestaltete die Lichtchoreographie am Ulmer Münster zu dessen  125-Jahr-Feier der Fertigstellung des Münsterturm im Jahr 2015.

Durch die Wiedergabe dieses Videos speichert YouTube möglicherweise persönliche Daten wie Ihre IP-Adresse.


„Münsterscanning“ nannte er sie. „Keine Ramba-Zamba-Lichtinstallation mit knalligen Farben“, wie er sagt. Sondern sich sehr langsam bewegendes, rein weißes Licht, das neutral ist und den Blick auf das lenkt, was ist. Das Münster sei ja keine Disko, sondern ein Gotteshaus und Denkraum. Fleischer ging es darum, den alten Gedanken der Gotik „Gebaut aus Licht und Stein“ weiter zu spinnen. Auch heute noch ist nach Einbruch der Dunkelheit Fleischers Lichtchoreographie zu sehen.

Unsichtbares wird sichtbar

„Lichtscheibe“ nennt sich die Installation, für die Fleischer am 28. September einen der beiden Hauptpreise des landeskirchlichen Kunstpreises zum Thema „Unscharf“ erhält. Eine im Zentrum des Raums installierte Scheibe, die langsam um die eigene Achse rotiert und mit ihrem 360-Grad-Lichtstreifen den Raum abtastet. Dazu wird durch eine Nebelmaschine Dunst in den Raum eingebracht.

„Licht und Dunst machen den Zwischenraum zwischen dem Objekt und dem Raum sichtbar, der sonst nicht sichtbar wäre“, sagt Fleischer. Durch die Bewegung des Lichts im Raum werde das Unsichtbare ins scheinbar Sichtbare gewandelt. „Das Nicht-Sichtbare, Nichtwahrnehmbare erhält eine physische Qualität“, so Fleischer. „Das Sichtbarmachen von etwas nicht Vorhandenem, stellt Fragen an die menschliche Existenz und an seine Wahrnehmung“, meint Fleischer.

oAIpiZ4CbtU

Der Mehrwert von Unschärfe

„Das Uneindeutige und Offenbleibende sind Kennzeichen zeitgenössischer Kunst“, betont der landeskirchliche Kunstbeauftragte, Kirchenrat Reinhard Lambert Auer. Es gehe um den möglichen Mehrwert solcher Unschärfe. „Sie betrifft auch die Kirche. Das Transzendente  entzieht sich dem unmittelbaren Zugriff. Von Gott und seiner Wirklichkeit kann immer nur andeutungsweise gesprochen werden.“ Doch es gebe Erfahrungen, die eindeutig seien und die sich im   Beziehungsgeschehen erschließen. Auf dem Weg dorthin sei es notwendig, Unklares, Uneindeutiges und Unscharfes zuzulassen.

Wer Joachim Fleischers Lichtscheibe und weitere prämierte Positionen des Landeskirchlichen Kunstpreises sehen will, hat vom 28. September bis zum 3. November dazu Gelegenheit in der Kunsthalle Göppingen.

Stephan Braun


Am 3. Kunstpreis der Evangelischen Landeskirche haben sich mehr als 600 Künstlerinnen und Künstler beteiligt. Den Hauptpreis in Höhe von 10.000 Euro teilen sich Anne Brannys (Berlin) und Joachim Fleischer (Stuttgart). Den Förderpreis in Höhe von 3.000 Euro erhält Marion Jäger (Stuttgart). Ferner werden Arbeiten 18 weitere Künstlerinnen und Künstler hervorgehoben, deren Werke ebenfalls in der Göppinger Kunsthalle und im Ausstellungskatalog zu sehen sind.



Mehr News

  • Datum: 07.10.2022

    Die Zukunft des Gemeindeblatts

    Seit fast 120 Jahren gibt es das Evangelische Gemeindeblatt für Württemberg, und auch im digitalen Zeitalter hat es eine wichtige Funktion in einem umfassenden multimedialen Konzept. Herausgeber Frank Zeithammer über die Zukunft des Gemeindeblatts.

    Mehr erfahren
  • Datum: 06.10.2022

    „Denkanstöße fürs Glaubensleben“

    Am 15. Oktober findet YOUNIFY statt, das Jugendfestival des ejw - nach zwei digitalen Ausgaben nun wieder in Präsenz plus Livestream. Mit dabei ist auch der 19-jährige Linus Gampfer, der hinter den Kulissen mithilft. Wir haben ihn gefragt, was das Besondere an YOUNIFY ist.

    Mehr erfahren
  • Datum: 05.10.2022

    „Bildung ist lebens-notwendig“

    Jutta Maurer ist in einem Gottesdienst in ihr Amt als Leiterin des Referats für Religionsunterricht, Schule und Bildung im Oberkirchenrat in Stuttgart eingeführt worden. Sie folgt auf Carmen Rivuzumwami, die schon seit einiger Zeit das Dezernat Kirche und Bildung leitet.

    Mehr erfahren
  • Datum: 04.10.2022

    Kurs für Glocken- sachverständige

    Im Februar 2023 beginnt eine neue zweijährige Aus- und Fortbildung zum oder zur Glockensachverständigen. Der Kurs eignet sich als Ausbildung für Neueinsteiger wie auch als Fortbildung für amtierende Glockensachverständige und Kantoren. Die Anmeldung ist bis Januar möglich.

    Mehr erfahren
  • Datum: 04.10.2022

    Zum Welttierschutztag am 4. Oktober

    Tierschutz ist vielen Menschen ein Herzensanliegen. Die wenigsten wissen aber, dass der lange Weg zu mehr Tierwohl und sogar die ersten Tierschutzverbände und Tierschutzgesetze auf das Engagement mehrerer württembergischer Pfarrer im 18. und 19. Jahrhundert zurückgehen.

    Mehr erfahren
  • Datum: 02.10.2022

    „Die Welt gehört uns nicht“ - Impuls zu Erntedank

    Die Erde, das Land, der Boden gehören letztlich nicht dem Menschen sondern Gott - entsprechend dankbar und schonend sollten wir mit dieser Leihgabe Gottes umgehen. So die Predigt der württembergischen Landesbauernpfarrerin Sabine Bullinger zu Erntedank.

    Mehr erfahren
  • Datum: 01.10.2022

    Bibel TV feiert 20. Geburtstag

    Der überkonfessionelle Sender Bibel TV hat sein 20-jähriges Bestehen mit einem Gottesdienst im Kölner Dom gefeiert. Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl hielt dabei die Predigt und würdigte die Leistung des Senders für die Verbreitung des Evangeliums im Kontext von Erntedank.

    Mehr erfahren
  • Datum: 30.09.2022

    „Setzen auf Ausgleich und Versöhnung“

    Zum Tag der Deutschen Einheit haben die leitenden Geistlichen der vier großen Kirchen in Baden-Württemberg darauf hingewiesen, dass es vor dem Hintergrund der aktuellen Krisen nicht mehr nur um Ost und West geht, sondern um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

    Mehr erfahren
  • Datum: 30.09.2022

    „Engagement für Geflüchtete ist biblischer Auftrag“

    Der 30. September ist der nationale Tag des Flüchtlings. Aus diesem Anlass haben wir mit Ines Fischer über die Arbeit mit und für Geflüchtete gesprochen. Sie ist in der Prälatur Reutlingen Pfarrerin für Asyl und Migration.

    Mehr erfahren
  • Datum: 29.09.2022

    Barcamp Kirche Online Süd

    Die drei süddeutschen evangelischen Landeskirchen veranstalten am 11./12. November ein „Barcamp Kirche Online Süd“ - ein Treffen für Menschen, die sich dafür begeistern, Kirche in der Online-Welt zu leben und weiterzuentwickeln. Die Teilnahme ist kostenlos.

    Mehr erfahren
  • Datum: 29.09.2022

    500. Jahrestag Septembertestament

    Pünktlich zur Herbst-Buchmesse 1522 in Leipzig erschien am 29. September ein ganz besonderes Buch: das Neue Testament, ins Deutsche übersetzt von Martin Luther und illustriert von Lucas Cranach – nicht die erste deutsche Bibelausgabe, aber eine ganze besondere.

    Mehr erfahren
  • Datum: 28.09.2022

    „Einrichtung stärkt Frauen und Kinder“

    Landesbischof Gohl hat in einem Festakt die Ev. Mutter-Kind-Kurklinik Scheidegg wieder eröffnet. In seinem Grußwort betonte er, dass Frauen auch heute noch für die Anerkennung ihrer besonderen Belastungen durch Familie und Beruf kämpfen müssen.

    Mehr erfahren
Mehr laden