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Wie Deutschland im Kongo helfen kann

Friedensnobelpreisträger Mukwege in Tübingen und Stuttgart

Hat Deutschland genug Gewicht, um die Bedingungen für Bergarbeiter beim Coltan-Abbau im Kongo verbessern zu helfen und den Raubbau an der Natur einzudämmen? Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege ist sicher, dass Deutschland einiges bewirken kann; das sagte er bei einem Besuch in Tübingen.

Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege ist nicht zum ersten Mal Gast im Südwesten: 2010 war er bereits in Tübingen.Difäm

„Deutschland kann andere Länder dazu bewegen, etwas an der Lage im Kongo zu ändern", betonte Denis Mukwege am Montag bei einem Empfang in Tübingen, wo er sich in das Goldene Buch der Stadt eintrug.

Dabei warnte der Arzt und Friedensnobelpreisträger vor Sanktionen: Es sei langfristig keine Lösung, wenn beispielsweise der Automobilhersteller BMW kein Coltan-Erz mehr aus dem Kongo für den Bau seiner Elektroautos bezieht. „Wenn BMW kein Coltan mehr kauft, wird das China machen, und das Coltan wird dadurch auch nach Deutschland kommen".

Kinder und Frauen als Sklaven

Man solle sich nicht vom Kongo abwenden, sondern faire Bedingungen für den Coltan-Abbau schaffen. Deshalb forderte Mukwege, dass Coltan- und Geldströme transparent gemacht werden. Die kongolesische Bevölkerung wäre froh, wenn deutsche Unternehmer vor Ort tätig wären und im Kongo selbst die benötigten Batterien herstellten. „Vor Ort gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, heißt auch, die Fluchtursachen zu bekämpfen", so Mukwege.

Die chinesischen Firmen hingegen beraubten das Land nach seinen Worten unter furchtbaren Bedingungen seiner Ressourcen und zerstörten den Regenwald.

Kinder und Frauen würden als Sklaven gehalten und erhielten den Tageslohn von einer Banane oder einer Handvoll Erdnüsse. Da diese Art des Abbaus auch für deutsche Unternehmen billiger sei, nutzten diese das chinesische Material, kritisierte er.

Die Gewalt, die den Kongo seit 20 Jahren erschüttere und bisher zu sechs Millionen Toten und vier Millionen Binnenflüchtlingen geführt habe, sei kein ethnischer oder religiöser Konflikt, sondern ein ökonomischer, betonte der 63-Jährige.

Dicht besetzt war der Hörsaal im Tübinger Kupferbau, als Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege am Sonntagabend, 23. Juni, über „Menschenrechte zwischen Macht und Profit" sprach.Anna Schwarz/Difäm

Bodenschätze und Vergewaltigungen

Der Gynäkologe Mukwege, der in dem von ihm gegründeten Panzi-Krankenhaus im ostkongolesischen Bakuvu bisher rund 50.000 Opfer von sexueller Gewalt behandelt hat, sieht einen direkten Zusammenhang zwischen dem Bergbau und den systematischen Vergewaltigungen: Die sexuelle Gewalt sei eine billige und sehr effektive Kriegswaffe, die dafür sorge, dass Menschen das Gebiet verließen, in dem sich Bodenschätze befinden. Viele der Täter seien bekannt und hohe Armeeangehörige mit viel Macht, so Mukwege.

Für Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) ist wichtig: „Nur wenn wir uns bewusst werden, was unser Handeln bedeutet, werden wir es ändern." Man müsse die heimische Industrie dazu drängen, verantwortungsvoll mit Rohstoffen umzugehen.  Zudem stellte er neue Projektkooperationen zwischen der Universitätsstadt und dem Kongo in Aussicht.

„Die Rechte der Frauen"

Denis Mukwege ist auf Einladung des Tübinger Deutschen Instituts für Ärztliche Mission e.V. (Difäm) in Deutschland. Das Difäm unterstützt ihn seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Der Friedensnobelpreisträger sprach auf dem Kirchentag in Dortmund und am Sonntagabend in Tübingen. Am heutigen Montag., 24. Juni, wird er ab 17.30 Uhr in der Stiftskirche Stuttgart über  „Die Rechte der Frauen im Kongo"  sprechen. Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July wird dem Gast im Anschluss den Dank der Landeskirche für sein Engagement aussprechen.


Quelle: Evangelischer Pressedienst (epd)


Das aus Coltan gewonnene Tantal ist in nahezu jedem elektronischen Gerät eingesetzt - vom Handy bis zum Elektrofahrzeug. Mit einer Fördermenge von 710 Tonnen Coltan war die Demokratische Republik Kongo 2018 der weltweit größte Produzent - bei einer Gesamtfördermenge von rund 1.800 Tonnen. Der Kongo ist flächenmäßig etwa sechseinhalb Mal größer als die Bundesrepublik Deutschland und hat wie Deutschland rund 82 Millionen Einwohner.


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13.06.2019

Flyer: Mukewege