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Die PUA-Beratungstelle von Diakonie und Landeskirche

Zehn Jahre Beratung zu vorgeburtlichen Untersuchungen und Risikoschwangerschaften

Seit zehn Jahren berät die Beratungsstelle PUA (Pränatale Untersuchung und Aufklärung) werdende Mütter und Eltern bei Fragen und Problemen zu vorgeburtlichen Untersuchungen und Risikoschwangerschaften. Am 5. Oktober wurde das Jubiläum mit einem Fest im Diakonischen Werk Württemberg begangen.

PUA war bundesweit eine der ersten Beratungsstellen, die es sich zur Aufgabe machten, unabhängig von Humangenetik und Medizin Frauen im Zusammenhang mit pränataler Diagnostik zu begleiten. Inzwischen hat die Leiterin der Beratungsstelle, Annegret Braun, über 4.200 Elternberatungsgespräche, 425 Fachberatungen von Multiplikatoren und 5.400 Telefonate geführt. Auch ihre politische Arbeit hat Früchte getragen. So hat das Land Baden-Württemberg einen Ausbau der Beratung beschlossen, um Spätabbrüche zu vermeiden und den Automatismus der Pränataldiagnostik zu unterbrechen.

Frauen, die nicht informiert sind, haben keine Wahlfreiheit

Berät und begleitet bei der PUA seit vielen Jahren: Annegret Braun

PUA steht für "Beratungsstelle zu Pränatalen Untersuchungen und Aufklärung". Pua hieß auch jene renitente Hebamme, die sich nach biblischem Bericht dem Befehl des Pharao widersetzte und die Söhne der Hebräerinnen am Leben ließ. "Aber die Hebamme Pua tat nicht, wie der König zu ihr geredet hatte. Pua tat, was die Mütter wollten". Diese Sätze, frei nach Exodus 1, stehen auf dem Infofaltblatt und sind Programm der kleinen Ein-Frau-Beratungsstelle, die seit vielen Jahren von Annegret Braun geleitet wird.

Der "König", erklärt Annegret Braun, kann der Frauenarzt sein, das können aber auch der Partner, die Familien, der Freundes- oder Bekanntenkreis einer schwangeren Frau sein – all die Stimmen, die zu einer pränatalen Diagnostik raten oder sogar drängen.

"Frauen, die nicht vorher informiert sind, haben keine Wahlfreiheit", sagt Annegret Braun. Die Ärzte betonten in der Regel die positiven Aspekte der Diagnostik - von Ultraschall, Fruchtwasseruntersuchung und einer Reihe anderer vorgeburtlicher Untersuchungsmethoden. Die negativen würden ausgeblendet oder heruntergespielt. Ultraschall, so die Beraterin, sei in der Schwangerschaft obligatorisch, die Fruchtwasseruntersuchung bei so genannten Risikogruppen - Frauen über 34 etwa oder Frauen ab der dritten Geburt.

"Die Befürworter der Pränatalen Diagnostik sehen in der Technik vor allem eine Möglichkeit, schwangere Frauen zu beruhigen", sagt Annegret Braun. Die Untersuchung könne Frauen von der Ungewissheit befreien, ob ihr ungeborenes Kind gesund ist, argumentierten sie. Doch das ist nur die eine Seite. "Viele Frauen denken: Wenn ich alles, was möglich ist, machen lasse, bin ich auf der sicheren Seite", meint die Beraterin. - Eine trügerische Sicherheit, denn nur drei bis vier Prozent aller Behinderungen könnten vor der Geburt diagnostiziert werden.

Um dieses kleine Maß an Sicherheit zu bekommen, gingen die schwangeren Frauen ein hohes Risiko ein, nicht nur weil statistisch gesehen mindestens jede 200. Fruchtwasseruntersuchung zu einem Abgang des Kindes führt. Annegret Braun geht es vor allem darum, aufzuzeigen, was Frauen erwartet, bei denen eine Auffälligkeit diagnostiziert wird. Fast alle Behinderungen, die man vor der Geburt feststellen könne, seien nicht therapierbar. Als einzige Möglichkeit, eine Behinderung zu "verhindern", bleibe der Abbruch.

Plötzlich stünden Frauen vor der Alternative: Treibe ich ab oder lebe ich die Wochen, oft Monate bis zur Geburt mit dem Wissen, dass ich ein behindertes Kind in mir trage. – Eine unglaublich belastende Situation, der die Frauen psychisch nicht gewachsen seien und die sie "völlig überfordert", so die Beraterin.

Auch Frauen, bei deren Kindern keine Behinderung festgestellt wird, profitieren in den Augen von Annegret Braun nicht von vorgeburtlichen Untersuchungen. Schon mit dem ersten Ultraschall gehe die "Messerei" los. Normen würden festgelegt, an denen das Kind überprüft werde. "Jede Abweichung löst sofort massive Angst aus", sagt Annegret Braun. "Schwangerschaftshorror" nennt sie das ständige Bangen von Untersuchung zu Untersuchung. Die Schwangerschaft werde nicht mehr als besondere und schöne Phase erlebt, sondern als belastende Zeit, die von Ängsten und medizinischen Kontrollen bestimmt sei und die die Frauen so schnell wie möglich hinter sich bringen wollten.

Annegret Braun ist es wichtig, dass die Frauen und Paare, die zu ihr kommen, wissen was sie tun, und sich dann mündig für oder gegen eine pränatale Diagnostik entscheiden. Durch ihre Arbeit will sie den Ratsuchenden "wieder eine freie und selbst bestimmte Wahl ermöglichen", wie sie sagt. Niemand solle sagen: "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich das nicht gemacht".

Obwohl sie weiß, dass sie gegen einen breiten gesellschaftlichen Strom anschwimmen muss, lässt sich Annegret Braun nicht entmutigen. Die medizinische Technik ließe sich zwar nicht aufhalten, sagt sie, sie habe aber die Vision, dass sich die Frauen irgendwann einmal dieser Technik verweigern. Eine Abiturientin, so erzählt die Beraterin, fragte einmal nach Infomaterial, sie müsse eine Arbeit zum Thema Pränatale Diagnostik schreiben. Annegret Braun schickte ihr einige Sachen zu. Nach ein paar Wochen meldete sich die junge Frau wieder. Sie habe 15 Punkte für ihre Arbeit bekommen, freute sie sich, und eins wisse sie jetzt ganz sicher: "Wenn ich schwanger bin, mach ich das alles nicht."

Andreas Föhl

Anschrift, Öffnungszeiten und mehr Informationen:

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