| Kirchenjahr

Damit sich etwas ändert

Anders als die Mächtigen dieser Welt  ist Jesus auf einem Esel in Jerusalem eingeritten. Aber auch zuvor schon ist er den Menschen auf Augenhöhe begegnet und hat so erfahren, was sich alles ändern muss. Eine Andacht zum Palmsonntag von Rundfunkpfarrerin Dr. Lucie Panzer.

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© EMH

Wenn die Staatsmänner der Welt sich versammeln, um über das Schicksal der Völker zu verhandeln, dann fahren sie in gepanzerten Limousinen vor, mit verdunkelten Scheiben. Immer wieder kann man Bilder von diesen Gipfeltreffen im Fernsehen sehen. Die Menschen, für die sie Verantwortung haben, die kriegen dann leicht das Gefühl: Die sehen mich ja gar nicht. Deshalb versammeln sie sich dann und protestieren, weil sie fürchten: Die in den Limousinen, die wissen nicht, wie es uns geht und nicht, welche Träume und welche Sorgen wir haben. 

Als Jesus vor 2000 Jahren in die Hauptstadt seines Landes kam, da ritt er auf einem Esel. Daran erinnern sich Christen heute am Palmsonntag. Vorher war er mit seinen Schülern zu Fuß im Land unterwegs. Da hat er Menschen getroffen. Dabei hat er gesehen, wie es ihnen geht und warum sie so leben, wie sie es tun. Er hat beobachtet, wie jeder versucht, möglichst viel für sich herauszuholen aus den Möglichkeiten, die er hat. Er hat begriffen, wie die Leute krank werden, wenn sie diesem Kampf ums Überleben nicht gewachsen sind. Er hat gesehen, dass die Kranken einsam werden, weil nur die Tüchtigen einen Platz finden. So etwas sieht man, wenn man den Menschen auf Augenhöhe begegnet. 

Wer den Leuten auf Augenhöhe begegnet, der begreift, was sich ändern muss. Jesus hat den Leuten gesagt: I h r müsst euch ändern, wenn sich etwas ändern soll. Wenn jeder von euch seine Rüstung fallen lässt, mit der er sich gegen die anderen schützt und verteidigt, dann muss plötzlich keiner mehr fürchten, übervorteilt zu werden. Die ganze Kraft, die man braucht, um sich zu behaupten, die ganze Energie, die ihr für den permanenten Kampf jeder gegen jeden verheizt, die könntet ihr für den Aufbau einer neuen, einer besseren Welt verwenden. Und Jesus selbst hat vorgelebt, wie das ist, wenn man sich den Menschen ohne Vorbehalte zuwendet. Wie dann das Leben leichter wird und friedlicher. 

Aber die Mächtigen damals wollten das nicht hören. Sie fürchteten um ihre Macht. Deshalb ließen sie Jesus verhaften. Und die kleinen Leute wagten nicht, ihnen zu widersprechen und auf den Weg Jesu zu setzen. So konnte Jesus dann hingerichtet werden.

Seither haben es immer nur wenige versucht, wie er es gesagt hat. Zu wenige. Aber die, die es versucht haben und versuchen, die merken, wie sich ihr Leben verändert. Und dass sich die Welt um sie herum verändert. Ich wünschte, mehr Menschen hätten den Mut, es zu probieren. Ich und Sie – und die Männer und Frauen in den dunklen Limousinen auch.