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Kirche und Landtagspräsidentin Ziel von Hassmails

Studie zu Verunglimpfungen im Internet vorgestellt

Kirchliche Flüchtlingshelfer sowie Genderforscher sind nach Beobachtung der Diakoniewissenschaftlerin Claudia Schulz von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg zunehmend Adressaten von Hassmails und herabwürdigenden Internetkommentaren. Schulz stellte am Dienstagabend in Stuttgart eine neue Studie vor, die Hassmails gegen Kirche und Diakonie analysiert. Sie sieht eine wachsende Tendenz der Verunglimpfung, die von unbegründeten Gegenmeinungen bis hin zu angedeuteten Gewaltaufrufen reichten. Vertretern der Genderforschung, die sich mit gesellschaftlichen Geschlechterbildern befassen, werde pauschal Unwissenschaftlichkeit, Ideologie und eine negative Einstellung gegenüber der traditionellen Familie unterstellt. 

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Schulz räumte ein, dass auch manche Genderforscher Schwierigkeiten hätten, andere Meinungen zu akzeptieren. Sie warb dafür, in Debatten auf Sachlichkeit zu bestehen und gleichzeitig eine "neue Lust" zu entwickeln, sich mit konträren Standpunkten auseinanderzusetzen. Die im Auftrag der EKD erstellte Studie "Verhasste Vielfalt" soll spätestens im Juni erscheinen.

Die baden-württembergische Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) bekommt noch eigenen Worten aus der Bevölkerung viel Zuspruch, aber kaum Hassmails. Nach ihrer Wahl zur Präsidentin im vergangenen Jahr hätten sie weniger als zehn Hassmails erreicht, sagte Aras. Schlimmer seien die Reaktionen auf ihre kritische Sicht der Türkei ausgefallen, erläuterte die dem alevitischen Glauben angehörende Politikerin, die in der Türkei geboren wurde. In Mails sei sie als "Verräter, Terroristin, PKK-Unterstützerin und deutsche Hure" beschimpft worden.

Im Landtag ist der Umgangston seit dem Einzug der AfD 2016 rauer geworden, sagte Aras. Seit Beginn der Legislatur habe es bereits fünf Ordnungsrufe - alle gegen AfD-Abgeordnete - gegeben, in der Periode davor keinen einzigen. Aras forderte, dass das Parlament lebendig, aber auch zivilisiert streite. Die Abgeordneten hätten eine Vorbildfunktion etwa für Schulklassen, die den Landtag besuchen.

Auch der Bildungsdezernent der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Oberkirchenrat Werner Baur, sieht sich als Zielscheibe von Hass und verunglimpfender Kritik im Internet. Als er sich kritisch zu einer ersten Fassung des baden-württembergischen Bildungsplans geäußert hatte, der einen Schwerpunkt auf die Akzeptanz sexueller Vielfalt legte, wurde bei Facebook eine Seite "Werner Baur - Nicht mein Oberkirchenrat" eingerichtet. Baur bekräftigte seine Kritik am Erstentwurf des Bildungsplans, der "die Blaupause einer Interessengruppe fast wortwörtlich" übernommen habe. Das sei ein "handwerklicher Fehler eines Ministeriums" gewesen. 

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Georg Eberhardt © Evangelisches Medienhaus Stuttgart - Gottfried Stoppel

Kirchenrat Georg Eberhardt, Büroleiter beim württembergischen Landesbischof Frank Otfried July, warb für mehr Verständnis von Menschen, die sich abgehängt fühlen. Wer sich aggressiv im Internet oder am Telefon melde, wolle oft die Welt retten, weil er seine Welt bedroht sehe. Eberhardt sprach sich zudem dafür aus, verstärkt das Gespräch mit Nichtakademikern zu suchen. "Auch diese Menschen wollen verstanden werden", betonte der Theologe.

In der anschließenden Diskussion wiesen mehrere Vertreter darauf hin, dass Genderkritiker häufig selbst Opfer von Hass seien. Gabriel Stängle, der den Protest gegen den baden-württembergischen Bildungsplan initiiert hatte, sagte, dass es gegen die "Demo für alle" mehrere hundert Straftaten durch Gegendemonstranten gegeben habe; bei Teilnehmern der Demo sei dagegen eine einzige Straftat registriert worden. Andere Redner vermissten bei Anhängern der Genderbewegung Selbstkritik sowie eine Würdigung der Leistung von Müttern bei der Betreuung ihrer Kinder.

Quelle: Evangelischer Pressedienst (epd)