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Bildungspläne werden "maßlos überschätzt"

Werner Baur ruft zu mehr Gelassenheit und Nachdenklichkeit auf

Der Bildungsdezernent der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Oberkirchenrat Werner Baur, hat im Streit um die Bildungspolitik der Landesregierung zu mehr Gelassenheit und Nachdenklichkeit aufgerufen. "Bildungspläne und ihre Wirkung werden maßlos überschätzt", sagte Baur laut Manuskript am Donnerstag in Stuttgart bei einer Tagung der baden-württembergischen Religionslehrerverbände. Solche Pläne böten zwar einen Orientierungsrahmen, garantierten aber weder die Qualität von Unterricht noch den Kompetenzerwerb bei Schülern.

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Oberkirchenrat Werner Baur © EMH - Gottfried Stoppel

Über den neuen Bildungsplan, der im Sommer inkrafttritt, hatte es im Südwesten heftige Auseinandersetzungen gegeben. Umstritten war insbesondere, welche Rolle das Leitprinzip "Akzeptanz sexueller Vielfalt" spielen soll. In einem nicht zur Veröffentlichung bestimmten Entwurf hatte dieses Prinzip ein hohes Gewicht. Dagegen gab es eine Online-Petition mit 192.000 Unterschriften und mehrere Demonstrationen in Stuttgart. Im jetzigen Bildungsplan geht das Thema in einer allgemeinen Leitperspektive "Akzeptanz und Toleranz von Vielfalt" auf, die auch ethnische und religiöse Minderheiten berücksichtigt.

Baur warnte vor einem Machbarkeitsdenken in der Pädagogik. "Bildung ist nicht der Weg zu menschlicher Vollkommenheit, sondern der Umgang mit menschlicher Unvollkommenheit", zitierte er den evangelischen Theologieprofessor Christoph Schwöbel. Erziehung und Bildung entschieden sich nicht an Plänen, sondern an der Beziehung, die Lehrende und Lernende zueinander hätten.

Am neuen Bildungsplan kritisiert Baur weiterhin, dass er ein postmodernes Bild vom Menschen habe, das zu einer Selbstüberforderung führe. Verbindliche Grundlage für die Bildung seien dagegen die Würde des Menschen und das christliche Menschenbild, wie sie in Grundgesetz, Landesverfassung und Schulgesetz niedergelegt seien.

Kultusverwaltung und Politik forderte der Oberkirchenrat dazu auf, den Einfluss von Lobbygruppen aus den Bildungsplänen zurückzudrängen. Sonst seien Vertrauen und gesellschaftlicher Konsens in den Schulen gefährdet.

Quelle: Evangelischer Pressedienst (epd)