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Auswanderung, Flucht, Neubeginn

Tag der offenen Tür im Archiv und der Zentralbibliothek der Landeskirche

Die Betreuung elternloser jugendlicher Flüchtlinge war schon immer ein Thema der Diakonie. Das zeigt jetzt die Ausstellung zur evangelischen Flüchtlingshilfe in Württemberg nach 1945. Sie trägt den Titel „Auswanderung, Flucht, Neubeginn“ und ist am Samstag, 5. März, von 13.00 bis 17.00 Uhr im Archiv und der Zentralbibliothek der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in der Balinger Straße 33/1 in Stuttgart-Möhringen zu sehen. Anlass ist der bundesweite Tag der Archive.

„Der Vorgänger des Diakonischen Werks, das evangelisches Hilfswerk, ist nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet worden, um Ausgebombten, Evakuierten, Flüchtlingen und Kriegsversehrten zu helfen sowohl mit Leibsorge als auch Seelsorge“, sagt Michael Bing vom landeskirchlichen Archiv. Davon liegt u. a. ein sehr großer Fotobestand vor, der für die Ausstellung aufbereitet wurde. „In unserem Bestand sind etliche Schicksale dokumentiert. Unter anderem das des 13-jährigen Theophil, der ohne Eltern nach dem Krieg über Ungarn nach Württemberg gelangt ist und in Kleinglattbach bei Vaihingen/Enz in der Flüchtlingsunterkunft wohnte, Schulunterricht bekam und neu eingekleidet wurde“, so Bing weiter.

Neben der Ausstellung wird es am Tag der offenen Tür in der Balinger Straße auch Führungen durch das Archiv und die Bibliothek sowie szenische Lesungen und ein Kinderquiz zum Thema Flüchtlinge geben. Zudem bekommen Besucher Hilfestellung beim Lesen alter Handschriften. Kinder können sich im Schreiben alter Schriften üben oder Lesezeichen basteln. Zudem soll das Kirchenbuchportal Archion vorgestellt werden. Das ist das Portal der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), in der inzwischen zehn Landeskirchen ihre Kirchenbücher in digitaler Form präsentieren.

Das Landeskirchliche Archiv verfügt über rund zehn Regalkilometer an Akten, Amtsbüchern und Urkunden aus der Kirchenleitung sowie vielen Dekanats- und Pfarrämtern. Der komplette Archivbestand des evangelischen Jugendwerks findet sich dort, aber auch große Bestände anderer kirchlicher und diakonischer Einrichtungen, zu denen auch die Karlshöhe Ludwigburg und die Zieglerschen Anstalten zählen. Die Überlieferungen gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück und reichen bis in die Gegenwart. Die meisten der jährlich rund 700 Besucher, die zum Teil fast wöchentlich in das Landeskirchliche Archiv kommen, gehen der eigenen Familiengeschichte auf den Grund. Die ist auch das häufigste Thema der mehr als 1.000 Anfragen, die pro Jahr per Mail, Telefon oder über den Postweg ins Archiv gelangen.

Die Zentralbibliothek der Evangelischen Landeskirche gilt als größte theologische Fachbibliothek innerhalb der EKD und umfasst rund 250.000 Medieneinheiten wie Bücher, DVDs und CDs. Der Bestand enthält vor allem Werke aus Theologie, Landesgeschichte sowie der württembergischen Kirchengeschichte. Rund 5.000 Besucherinnen und Besucher kommen Jahr für Jahr in der Bibliothek vorbei. Zudem beantworten die Mitarbeiter mehr als 6.000 Anfragen pro Jahr.

Stephan Braun