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Meldung vom 20.03.2012

Wo kann eine halbe Pfarrstelle eingespart werden?

Dekanin Dr. Kling-de Lazzer: Gottesdienstbesuch im Bezirk Tübingen ist konstant

Die Anzahl der Pfarrstellen im Evangelischen Kirchenbezirk Tübingen soll sich nach einem entsprechenden Beschluss der Landeskirche von derzeit 50 bis zum Jahr 2018 um eine halbe Stelle auf 49,5 verringern. Dies berichtete der Rottenburger Pfarrer Jürgen Huber als Vorsitzender des Pfarrplan-Sonderausschusses in der Sitzung der Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Tübingen am Montag, 19. März im evangelischen Gemeindehaus Lustnau.

Betroffen sein könnten nach den Vorschlägen des Pfarrplan-Sonderausschusses die Pfarrstellen Hagelloch und Tübingen Martinskirche-Berg, die jeweils von derzeit 100 auf 75 Prozent reduziert werden könnten, und zwar erst bei einem Stellenwechsel der aktuellen Amtsinhaber. Die Bezirkssynode wird in ihrer Herbstsitzung darüber beraten und beschließen. Spontaner Widerstand regte sich bei den Betroffenen: Es wäre schwierig, wenn eine Pfarrerin oder ein Pfarrer mit eingeschränktem Dienstauftrag nicht mehr wie bisher immer erreichbar wäre, gab die Hagellocher Delegierte Birgit Auth-Hofmann zu bedenken. Hagelloch sei dagegen wegen seiner zentralen Lage im Kirchenbezirk prädestiniert für einen 25-prozentigen Sonderdienstauftrag, beispielsweise für Jugendarbeit oder Diakonie, durch den die Pfarrstelle in vollem Umfang erhalten bleiben könne. Pfarrerin Hanna Hartmann kritisierte als Inhaberin der Pfarrstelle Martinskirche-Tal, der vorgeschlagene Abbau von Religionsunterrichts-Stunden im Pfarramt Martinskirche-Berg sei auch ein Verlust für die Gemeinde, weil dadurch wertvolle Kontakte zu Kindern und Eltern wegfielen.

Grund für die von der Landeskirche vorgegebenen Kürzungen seien ein geringer Rückgang der Kirchenmitgliederzahlen, ein zu erwartender Rückgang der Kirchensteuereinnahmen sowie der Mangel an Pfarrerinnen und Pfarrern, erklärte Pfarrer Huber. Die im landeskirchlichen Durchschnitt sehr geringe Kürzung von einem Prozent der Stellen innerhalb von sechs Jahren hänge auch mit der Einführung der Zweitwohnungssteuer in Tübingen und Rottenburg zusammen: Die Evangelischen unter den Umgemeldeten hätten die Zahl der Gemeindeglieder erhöht. Dies sei aber ein einmaliger Effekt. In der übernächsten Stufe des Pfarrplans, die bis 2024 umzusetzen sei, rechne man daher mit Reduzierungen um bis zu 5,5 Stellen. Kleinere Gemeinden sollten sich deshalb schon jetzt darauf vorbereiten, enger zusammenzuarbeiten oder gar zu fusionieren. Konkret nannte Huber die Kirchengemeinden Eckenweiler und Ergenzingen, Wolfenhausen und Nellingsheim, Kilchberg-Bühl, Weilheim und Hirschau, Öschingen und Talheim sowie Kusterdingen, Mähringen, Immenhausen, Wankheim und Jettenburg. In Dettenhausen werde es bis 2024 voraussichtlich nur noch eine Stelle geben statt anderthalb, so Huber: „Wir dürfen diese Gemeinden aber nicht alleine lassen. Der Kirchenbezirk finanziert die notwendige Gemeindeberatung bei den anstehenden Umstrukturierungen.“

Auch die Zahl der Diakonenstellen muss bis 2018 gegebenenfalls reduziert werden. Derzeit gebe es rund 16 vom Kirchenbezirk finanzierte Stellen, weitere rund fünf Stellen könnten gegenwärtig durch Drittmittel finanziert werden, berichtete Dekanin Dr. Marie-Luise Kling-de Lazzer. Sie beantragte eine je nach Finanzlage flexible Reduzierung der Diakonenstellen bis 2018 um 0,5 bis 1,5 Stellen, dafür sollten die zuständigen Ausschüsse konkrete Szenarien erarbeiten. Die 127 Delegierten stimmten mehrheitlich einem Änderungsantrag des Bezirksjugendwerks-Vorsitzenden Roland Hechler zu, nach dem die Reduzierung null bis 1,5 Stellen betragen soll.

Die Bezirkssynode beschloss zudem für das Haushaltsjahr 2013 eine Erhöhung der Bezirksumlage um ein Prozent von 25,25 Euro auf 25,50 Euro je Gemeindeglied. Bezirksrechner Martin Schüßler versprach den Gemeinden dennoch eine leichte Entlastung, weil sie umgekehrt eine um 25 Cent je Gemeindeglied höhere Sachkostenpauschale bekämen und zudem nicht wie in diesem Jahr 25 Cent je Gemeindeglied zur Finanzierung des Bezirkskirchentags beizutragen hätten.

Der Gottesdienstbesuch im Kirchenbezirk sei innerhalb der letzten zehn Jahre nicht zurückgegangen, sagte Dekanin Dr. Kling-de Lazzer in ihrem Bericht, er bewege sich vielmehr auf konstantem Niveau. So hätten am Karfreitag 2011 5.795 Menschen im Kirchenbezirk einen evangelischen Gottesdienst besucht, an Heiligabend rund 33.000. Auch die Begegnungen mit dem christlichen Glauben bei Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Bestattungen spielten eine wichtige Rolle, so die Dekanin: „Wo Menschen fragen, was ihr Leben trägt und hält, da können diese Rituale ihnen helfen, ihr Leben im Horizont des christlichen Glaubens zu deuten.“

Quelle: Prälatur Reutlingen, Pressepfarrer Peter Steinle


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