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Herbsttagung 2010


vom 22. bis 25. November auf dem Schönblick

Auf dem Schönblick bei Schwäbisch Gmünd kam die Landessynode zu ihrer Herbsttagung 2010 zusammen. Schwerpunkt waren die Haushaltsberatungen. Des weiteren standen auf dem Programm die Ergebnisse der AG Zukunft (Sparbeschlüsse) und die Zukunft des Hauses Birkach. Außerdem hat der Landesbischof seinen Bericht gegeben - diesmal zum Thema "Auf den Weg geschickt - Von den irdenen Gefäßen unserer Kirche". Darüber hinaus beriet die Synode über Leitlinien zur Abgabe kirchlicher Gebäude, Änderungen der Konfirmationsordnung, die Schulseelsorge, verfolgte Christen und vieles mehr.


Ergebnisse in kurzer Form

Alle Ergebnisse der Herbsttagung der Landessynode liegen nun digital vor: In "beraten und beschlossen" finden sich kurze Berichte über die Tagung. Das Magazin steht zum Herunterladen [PDF, 1,2 MB] bereit. 


Reaktionen der Synode zum Bericht über verfolgte Christen

Der Bericht von Kirchenrat Klaus Rieth hat in der Synode viele Reaktionen hervorgerufen. Die Delegierten waren tief erschüttert und nahmen sich ausgiebig Zeit zur Diskussion. Zu den Reaktionen...


Pressemitteilung zum Abschluss der Herbsttagung der Landessynode


Donnerstag, 25. November 2010


Synode vertagt

In ihrem Schlusswort sagte Prälatin Gabriele Wulz als Vertreterin des Landesbischofs, die Synode habe wichtige Weichenstellungen für die Zukunft vorgenommen. Und sie lobte die Synodalen für ihr unermüdliches Engagement. Wulz vertagte die Landessynode auf das Frühjahr 2011. 


Christian Tsalos von der Synode verabschiedet

Der Pressesprecher der Landeskiche, Christian Tsalos, wird Anfang 2011 Gemeindepfarrer in Heimsheim. Die Synodalpräsidentin Christel Hausding verabschiedete Tsalos im Auftrag der Synode und wünschte ihm ein gutes und schnelles Heimisch-Werden im neuen Amt. Tsalos betonte in seiner Rede, dass er gerne Pressesprecher gewesen sei. Aber er habe immer stärker den Wunsch verspürt, wieder als Gemeindepfarrer zu arbeiten. 


Schulseelsorge unterstützen

Harald Klingler, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Jugend, sagte, der Ausschuss sei der einhelligen Meinung, dass die Schulseelsorge ein Angebot ist, das den Religionsunterricht ergänzt. Auch bedürfe dieses Angebot der Absicherung durch eine qualifizierte Personalstelle beim Pädagogisch-Theologischen Zentrum (PTZ). Klingler brachte einen Antrag (Antrag 39/10) ein, nach dem eine solche Stelle in der Mittelfristigen Finanzplanung vorgesehen werden soll. Für die Zustimmung zu diesem Antrag sprachen sich aus Andrea Bleher, Ruth Bauer und Stefan Hermann. Michael Seibt sagte, die Schulseelsorge sei wichtig. Angesichts der während der Herbsttagung gefallenen Sparbeschlüsse halte er es aber nicht für vertretbar, hier eine neue Stelle zu schaffen. Ingeborg Schneider regte für den Finanzausschuss an, den Antrag an denselben zu verweisen. Harald Klingler unterstützte dieses Anliegen. Der Antrag wurde an den Finanzausschuss verwiesen.


Schulseelsorge wichtiges Signal der Bildungsverantwortung

Über das Thema Schulseelsorge berichtete Werner Baur. Bundesweit sei ein erhöhter Bedarf an Schulseelsorge zu verzeichnen. Seelsorge sei auch oder gerade in einer postmodernen Gesellschaft aktuell und gefragt. Sie werde als eine Kernkompetenz der Kirche wahrgenommen und auch in der Lebenswelt staatlicher Schulen in Form der Schulseelsorge anerkannt. Diese sei aber – noch – nicht wirklich institutionalisiert. Dennoch habe die Kirche mit dem Projekt Schulseelsorge ein politisches Signal der Bildungsverantwortung gesetzt. Zum ausführlichen Bericht...


Neue Konfirmationsordnung beschlossen

Die Landessynode hat die neue Konfirmationsordnung beschlossen (Beilage 26).


Praxis bei Stellenausschreibung bleibt unverändert

Alle Stellen sollen im Bereich der Landeskirche ausgeschrieben werden – das war der Tenor eines Antrages aus dem Jahr 2009, mit dem sich der Rechtsausschuss jetzt befasst hat. Christian Heckel berichtete für den Rechtsausschuss, dass der Landeskirchenausschuss festlege, ob und ggf. wie Stellen ausgeschrieben werden. Es gebe keine Pflicht zur Ausschreibung. Die Antragssteller hätten die Sorge geäußert, dass insbesondere bei Leitungsstellen im Oberkirchenrat und der Besetzung von Prälatenstellen ohne eine solche Ausschreibung weder ein klares Anforderungsprofil noch die nötige Transparenz des Verfahrens gegeben sein könnte. Diese Angst sei nicht begründet. Die derzeitige Praxis bei der Besetzung von Stellen entspreche der aktuellen Rechtslage. Um diese zu ändern, müsse man die Kirchenverfassung ändern, wofür eine 2/3-Mehrheit erforderlich wäre. Davon riet der Rechtsausschuss ab.


Arbeitshilfe zum Thema Beichte

Eine Arbeitshilfe zur Beichte war eines der Themen, das im Theologischen Ausschuss beraten wurde. Dorothea Gabler berichtete, dass es dem Gremiun wichtig sei, nicht den Eindruck einer Beichtpflicht zu erwecken, sondern die Beichte als wichtiges Angebot der Kirche vorzustellen. Eine Arbeitsgruppe soll Vorschläge für eine Arbeitshilfe erstellen (Antrag 36/10). Zum ausführlichen Bericht...

In der Aussprache sagte Gertrud Dorn, dass vielen Menschen die Bedeutung der Beichte nicht mehr klar sei. Deshalb sei die Arbeitshilfe wichtig. Werner Schmückle unterstrich, dass jede Erweckungsbewegung in der Vergangenheit auch mit dem Zuspruch der Sündenvergebung einher gegangen sei. Stefan Hermann lobte die Bemühungen, die Beichte wieder in den Blick zu nehmen. In vielen Bereichen habe die öffentliche Beichte entwürdigende Formen angenommen. Kirche könne hier mit ihren Formen bessere Möglichkeiten anbieten. "Beichte macht mich glücklich, Beichte macht mich froh," sagte Margarethe Mühlbauer zum Abschluss der Debatte.


Bericht von der EKD-Synode

Susanne Mauch-Fritz berichtete von der EKD-Synode, die vom 7. bis 11. November in Hannover stattgefunden hat. Wichtiges Thema sei die Wahl von Nikolaus Schneider zum neuen Ratsvorsitzenden der EKD gewesen. Als weiteren Höhepunkt stellte sie die Kundgebung der EKD-Synode zur Reform des deutschen Bildungssystems mit dem Titel „Niemand darf verloren gehen!“ heraus. Weitere Themen waren die Verabschiedung des Haushalts, ein einheitliches Pfarrdienstrecht in der EKD, die Atompolitik der Bundesregierung sowie die Gesundheitsreform. Außerdem habe sich der  Korruptionsverdacht beim Diakonischen Werk der EKD nicht bestätigt. Zum ausführlichen Bericht...


Bericht über die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes

In seinem Bericht über die 11. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) im Juli 2010 in Stuttgart sagte Kirchenrat Klaus Rieth, dass ein Erfolg die Vielzahl der Gottesdienste gewesen sei. Als weiteren Schwerpunkt hob er die Versöhnung der Lutheraner mit den Mennoniten hervor. Die Medien hätten sich auch ausführlich mit der Wahl des neuen Generalsekretärs Bischof Munib Younan aus Plalästina und der Grundsatzrede des neuen Generalsekretärs des LWBs, Pfarrer Martin Junge befasst. 250 Freiwillige hätten dazu beigetragen, dass die Tagung fast reibungslos durchgeführt werden konnte. Zum ausführlichen Bericht...


Beteiligung am Missionsprojekte-Ausschuss gewünscht

Wenn der Missionsprojekte-Ausschuss Mittel vergibt, soll künftig die Synode beteiligt werden. Die Landessynode will mitberaten, weil ihr ein klarer und durchsichtiger Fluss der Haushaltsmittel wichtig ist. Das berichtete Werner Schmückle. Der Synodale Andreas Schäffer sagte, dass die Teilnahme an den Beratungen des Missionsprojekte-Ausschusses der Transparenz diene. Die Synode stimmte dem Antrag zu. Zum ausführlichen Bericht...

Der Missionsprojekte-Ausschuss ist vom Oberkirchenrat eingesetzt und war bisher ausschließlich mit Vertretern des Dezernats 1 und des Diakonischen Werkes besetzt. Er hat über einen Betrag von ca. 1,5 Mio. Euro jährlich zu beraten und legt seinen Vergabebeschluss der bewirtschaftenden Stelle im Dezernat 1 zur Beschlussfassung vor. An diesem Verfahren war die Synode bisher nicht beteiligt. Der Oberkirchenrat wurde mit der Zustimmung zum Antrag gebeten, zwei Synodale in den Missionsprojekte-Ausschuss aufzunehmen.


Reaktionen der Synode zum Bericht über verfolgte Christen

Der Bericht von Kirchenrat Klaus Rieth über verfolgte Christen hat in der Synode viele Reaktionen ausgelöst. Die Synode hat für die verfolgten Christen gebetet. Da der Internetzugang auf dem Schönblick zum Zeitpunkt der Berichterstattung und Aussprache nicht möglich war, wird die Berichterstattung nun nachgereicht.

Winfried Dalferth betonte, dass dieser Bericht sehr wichtig sei und regte an, dass auf den landeskirchlichen Internetseiten mehr über die Situation verfolgter Christen berichtet werden solle. Notwendig sei aber auch, Partnerschaften zu Kirchen im Nahen Osten aufzubauen, um dort die Christen zu stärken und ihnen geschwisterlich beizustehen. Dieses Zusammenstehen sei notwendig und unverzichtbar.

Walter Stern berichtete, seiner Beobachtung nach meideten die Medien den Begriff der Christenverfolgung und verwende an seiner Stelle den Begriff "Menschenrechtsverletzung". Dies führe zu Irritationen. Die große Gefahr bestehe darin, "dass man zum Schluss den Opfern selbst die Schuld zuschiebt oder auch den Umständen". Die Chinesen sagten beispielsweise nichts von Christenverfolgung, sondern behaupteten, die Christen hätten das Versammlungsrecht gebrochen. Die Iraker behaupteten: "Das ist eben die Folge der Kriegs- und Besatzungspolitik". Die Inder sagten nicht ebenfalls nicht "Christenverfolgung", sie sagten: "Das ist das Fremde im Land, und das können die anderen nicht ertragen". Und die Nigerianer würden auch sagen: "Das sind Stammesrivalitäten." Wenn man aber die Betroffenen frage, würden die sagen: "Wären wir keine Christen, hätten wir nicht diese Probleme; wir würden dann nicht benachteiligt, nicht bedrängt und nicht entrechtet und nicht mit dem Leben bedroht werden".

Sigrid Erbes-Bürkle bat darum, dass der Oberkirchenrat immer wieder auf die Situation der verfolgten Christen aufmerksam machen solle. Auch sollten die Gemeinden überlegen, was sie konkret tun können, um Flüchtlinge zu unterstützen, denen die Flucht nach Deutschland gelingt.

Harald Kretschmer merkte an, dass irakische Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, im Wesentlichen Chaldäer, also katholische Christen, seien. Aufgrund des Kontingents der Bundesregierung hätten irakische Flüchtlinge in Deutschland eine relativ günstige Position. "Wir wären froh, wenn alle Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, so gut integriert würden wie die irakischen Flüchtlinge". Den Ausschuss für Mission, Ökumene und Entwicklung hätte ein Bericht über Nigeria von Jürgen Quack sehr bewegt. Dort sei es nicht nur Christen, die von von Muslimen verfolgt würden: Auch Christen würden Muslime verfolgen. Der Ausschuss werde 2011 eine Reise nach Indonesien durchführen. in diesem muslimischen Staat würden die Christen unter den Muslimen mehr leiden als die Muslime unter den Christen.

Franziska Stocker-Schwarz betonte, wie wichtig es sei, in den Medien über verfolgte Christen zu berichten. "Was in der Zeitung und im Internet auftaucht, nehmen die Menschen hier im Land wahr. Deswegen ist es so wichtig, dass wir die Berichterstattung in den Medien fördern. Das war auch der Anlass dafür, dass wir den Antrag zur fairen Berichterstattung über verfolgte Menschen oder verfolgte Christen in den Medien unterstützt haben". Auch der Ausschuss für Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit habe die Situationen in verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Konfessionen bedacht. Eine Möglichkeit, konkret weiterzudenken, sei das öffentliche Versammlungsrecht. Bei einer Demonstration im vergangenen Frühjahr in Stuttgart, die auf die Situation im Kloster Tur Abdin in der Türkei aufmerksam machte, hätten sich nicht sehr viele, dafür aber engagierte Menschen versammelt. Die Folge seien ausführliche Berichte in der Zeitung gewesen. Demonstrationen seien eine Möglichkeit, wie die Menschen etwas über verfolgte Christen erfahren können. Wer informiert sei, könne auch beten.

Erika Schlatter-Ernst bestätigte, dass das Gebet eine wichtige Art der Unterstützung sei. Dennoch sei es wichtig, auch auf die Situation von Menschen in Deutschland zu schauen, beispielsweise auch auf Menschen, die als Flüchtlinge aus dem Iran in der Kirchengemeinde vor Ort hier in Deutschland erscheinen. Wenn solche Menschen sich eine eigene Wohnung suchen dürften, sei Hilfe von der Gemeinde gefragt. Beten allein helfe nicht - es müssten auch Taten folgen. Wenn solche Christen dann ihren Landkreis verließen, um einen Gottesdienst in ihrer Sprache zu besuchen, würden sie bestraft. Dies sei nicht in Ordnung. Franziska Stocker-Schwarz sagte, dass beten selbstverständlich zum Handeln führe.

Ulrich Hirsch regte an, dass auch die Synode und die Krichengemeinden über Hilfsmöglichkeiten für bedrängte und verfolgte Christen nachdenken sollten. Auch die Frage, wie weit die christlichen Kirchen hier gemeinsam helfen könnten, sei in diesem Zusammenhang sehr wichtig. Er fragte: "Wie weit können wir als Christen in Deutschland uns in Richtung Politik engagieren?"

Volker Teich äußerte sich dankbar dafür, dass die Landeskirche nun auch am Sonntag Reminiszere der verfolgten Christen gedenken will, denn am zweiten Weihnachtsfeiertag ginge dieses Gedenken unter. Gemeinden sähen die Flüchtlinge oft nicht. Er wünschte sich Hinweise aus dem Oberkirchenrat an die Gemeinden, wo Christen zuziehen.

Gottfried Holland bekannte, dass auch Christen Fehler machen. Aber man müsse genau hinschauen und Leid als Leid bezeichnen, Opfer als Opfer stehen lassen. Er ermahnte die Gemeinden, mehr auf die Situation von Christen hinzuweisen, die in ihren Ländern verfolgt werden.

Siegfried Jahn sagte, der Bericht von Kirchenrat Rieht mache ihn hellhörig.

Er erwarte gerade Christen in Deutschland, dass sie bei der Diffamierung von Christen in den Medien gleich hellhörig werden.

Martin Allmendinger sagte, er sei dankbar für Berichte über verfolgte Christen. Durch Gebete und praktische Hilfen könnten Christen andere Christen unterstützen. "Wir sollten als Kirche in unserem Land deutlich machen, dass wir uns mit diesen Menschen solidarisieren und mit ihnen einen gemeinsamen Weg suchen und versuchen wollen". Wenn Menschen weiterhin von der Abschiebung bedroht seien in ein Land, in dem sie verfolgt werden, dann würden die Deutschen an diesen Menschen schuldig.

"Wenn wir hören, was in Ländern wie Iran, Irak, Nigeria und Nordkorea passiert, finde ich es unangemessen, unsere Situation in Deutschland mit Diffamierung in den Medien zu kennzeichnen oder von unfairer Behandlung zu sprechen", sagte Michael Seibt. Gerade vor dem Hintergrund der Schwere der Verfolgungen in anderen Ländern können wir froh sein über die Religions- und Meinungsfreiheit in Deutschland, die kritische Berichterstattung in den Medien einschließe. Überall da, wo die Religionsfreiheit mit Füßen getreten werde, sei die Meinungsfreiheit ebenso bedroht, würden auch Journalisten verfolgt und ermordet. Unabhängige Medien zu stärken, diene auch der Religionsfreiheit.

Winfried Dalferth machte darauf aufmerksam, dass es auch wichtig sei, nicht nur Flüchtlinge aufzunehmen, sondern auch ausländische Studenten und Kurzzeitarbeitnehmer aus anderen Ländern aufzunehmen. Wie könne man Menschen helfen, die einem deutschsprachigen Gottesdienst nur bedingt folgen könnten? Er forderte unter anderem auch Erklärungen und Agenden in anderen Sprachen.

Werner Trick sagte, Christenverfolgung sei in Gemeinden häufig kein Thema. Die weltweite Christenheit sei miteinander verbunden. Er regte an, dass die Mitglieder der Landessynode auf Bezirks- und Gemeindeebene mehr über Christenverfolgung berichten und wer mit Bundespolitikern ins Gespräch komme, solle diese darauf ansprechen.


Helmut Mergenthaler berichtete von seiner bevorstehenden Reise in den Sudan. Dort wolle er mit anderen bei einer Schuleinweihung zugegen sein - er wisse aber noch nicht, ob die Reise klappe wie geplant.

Erika Schlatter-Ernst wis darauf hin, dass es in in vielen Kirchenbezirken einen Bezirksbeauftragten für Asyl gebe.
Sibylle Lehmann sagte, es sei auch wichtig, für die Verfolger zu beten.

Klaus Rieth sagte zum Abschluss der Debatte, dass eine Möglichkeit, verfolgte Christen zu unterstützen, darin bestehe, sie zu besuchen. Auch helfe die Landeskirche finanziell und unterstütze beispielsweise Radiostationen. Aus dem Irak seien nur wenige Christen nach Württemberg gekommen. Bei denjenigen, die da sind, sei das Diakonische Werk federführend.

Nach den Ausführungen von Klaus Rieth betete die Landessynode mit Prälatin Gabriele Wulz für die verfolgten Christen.


Bericht über verfolgte Christen

In seinem Bericht über verfolgte Christen sagte Kirchenrat Klaus Rieth, der Landesbischof habe unter anderem einen Protest gegen die Bedrängnis von Christen in Ägypten öffentlich unterstützt und auch in anderen Fällen interveniert. Rieth erinnerte an die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes, bei der sich die Lutheraner mit den Anabaptisten versöhnt hätten. Die Kapstädter Verpflichtung des Dritten Lausanner Kongresses für Weltevangelisation im Oktober, an dem auch Vertreter der Landeskirche teilgenommen hätten, habe eine Missionsthelogie entfaltet, die das Liebesgebot als zentrales Thema aufgenommen habe.

Im Sudan, über den Rieth im Vorjahr berichtet hat, werde im Januar 2011 ein Referendum über die Unabhängigkeit des Südens erwartet. Dies berge ein großes Kriegsrisiko. Der Kirchenrat bat die Gemeinden ausdrücklich um Fürbitte für den gefährdeten Frieden im Land und die Menschen dort.

Religiöse Überzeugungen und ihre Ausübung könnten nicht nur durch den Staat, sondern auch durch gesellschaftliche Gruppen und Einzelne beeinträchtigt werden. Mancherörts spielten soziale Anfeindungen sogar die größere Rolle. In China und Vietnam fänden sich extrem hohe Einschränkungen von Religion durch die Regierung aber vergleichsweise weniger sozialen Druck. Zur religiösen Verfolgung von Christen erinnerte Rieth an die Ereignisse in der Erlöserkirche der Syrisch-Katholischen Gemeinde in Bagdad am 31. Oktober 2010. Bei der gewaltsamen Beendigung einer Geiselnahme in dieser Kirche in Badgdad seien über 50 Personen getötet und nahezu ebenso viele verletzt worden. Hintergrund der Tat seien Forderungen nach Freilassung von Al-Kaida-Mitgliedern gewesen. In Mossul, dem biblischen Ninive, sei es für Christen nicht mehr möglich, sich als solche öffentlich zu erkennen zu geben. So würden Christen in ihren Häusern aber auch auf offener Straße einfach getötet. Christen vor Ort hätten unterschiedliche Meinungen zum Vorgehen für ihre Mitchristen: "Zum Beispiel sagen uns die Syrisch-orthodoxen Christen, die Leute sollten raus aus dem Irak, um sich zu schützen und bäten darum, ihnen in Deutschland und Westeuropa Asyl zu geben." Die katholische Kirche habe sich auf das andere Ziel konzentriert und sage, "helft uns, dass Christen in dieser Gegend im angestammten Land der Aramäer bleiben können". Die Landeskirche habe sich entschieden, beide Strategien ernst zu nehmen.  

Nordkorea gelte seit Jahren als das religiös repressivste System der Welt. Gerade deshalb sollten Christen trotz der schwierigen Informationslage der bedrängten und verfolgten Menschen dort gedenken. Alle praktizierten Religionen neben dem Persönlichkeitskult um die Familie Kim würden von der Regierung als eine Infragestellung der Staatsideologie und des Herrschaftssystems angesehen. Über Jahre sei versucht worden, alle Religionen auszurotten, was weitgehend gelungen scheine. Laut offiziellen Schätzungen gebe es etwa 13.000 Protestanten und etwa 4.000 katholische Christen. Für das ganze Land stünden nur vier Kirchengebäude in der Hauptstadt Pjönjang zur Verfügung.

Im Iran lebten noch etwa 50.000 Christen. Zu 90 Prozent seien diese Anhänger der armenischen-apostolischen Kirche, etwa 3.000 Chaldäer und wenige Protestanten.  Nach Schätzungen gebe es etwa 25.000 Juden und Anhänger der Zoroastrier (die persische Grund- oder Urreligion, eine altpersische Religion, bei der es sich um die Verehrung vor allem auch der Sonne bzw. des Sonnengottes Zarathustra handelt). Der Islam sei Staatsreligion. Die größte religiöse Minderheit stellten im Iran entrechtete Bahai mit bis zu 500.000 Anhängern. Allen abweichenden Formen des Islam, wie auch die nichtmuslimischen Minderheiten der Christen, Zoroastrier und Juden würden unterdrückt und manchmal schwer verfolgt. Die US-Kommission für internationale Religionsfreiheit habe in ihrem Jahresreport, der zuletzt im März 2010 erschienen sei, auf die schwerwiegenden Verstöße gegen die freie Meinungsäußerung, Religion und Glaubensüberzeugungen weltweit berichtet und hingewiesen. In diesem Bericht würden mehrere Länder aufgeführt, die aufgrund schwerer Verletzungen der Religionsfreiheit große Besorgnis erregen. Dazu zähle der Iran.  Insbesondere erführen neben den Christen die Gruppe der Bahai erhebliche Bedrängung und Verfolgung seit der islamischen Revolution. Wenngleich es die politische Führung gerne anders darstelle, so gebe es praktisch keine Religionsfreiheit im Land. Personen, die zum Christentum konvertieren,  hätten mit großen Problemen und Benachteiligungen bis hin zur Bedrohung des Lebens zu rechnen. Im Iran könne der "Abfall vom Islam" die Todesstrafe bedeuten.  Die Unterdrückung der Religionsfreiheit betreffe die größte religiöse Minderheit, die Bahai, sowie die katholischen und protestantischen Christen wie auch die wenigen noch verbliebenen Juden. Die intensivste Überwachung und Verfolgung erfolge im Zusammenhang mit dem Übertritt vom Islam zum Bahaismus und dem protestantisch-evangelischen Glauben.
Der "Abfall vom Islam" wird nicht nur in der Theorie mit der Todesstrafe geahndet, sondern diese werde auch tatsächlich ausgeführt.

Zum ausführlichen Bericht...


Die Situation im FSJ

In der Evangelischen Landeskirche gebe es 1.200 Stellen für das Freiwillige Soziale Jahr, berichtete Oberkirchenrat Dieter. Kaufmann. 2010/2011 konnten davon rund 1.000 Stellen besetzt werden. Die Kosten pro FSJ oder Freiwilligen betrügen 600 bis 900 Euro im Monat. Die Stellen würden vermutlich in Zukunft günstiger. Auch Kirchengemeinden könnten FSJ-Stellen einrichten.


Rolle der Kirche bei S21

Prälat Ulrich Mack antwortete zur Frage nach der  Rolle der Kirche im Konflikt um Stuttgart 21, die Entwicklungen seien bei der Kirchenleitung intensiv verfolgt worden. Auch habe der Oberkirchenrat viele Mails, Anrufe und Briefe erhalten. Mack sagte: "Was mich besonders betroffen gemacht hat, war die Heftigkeit,  mit der um einen Bahnhof gestritten wird". Der Oberkirchenrat habe als Kirchenleitung keine Position für oder gegen Stuttgart 21 bezogen. In einer gemeinsamen Erklärung von Landesbischof Frank Otfried July und dem katholischen Bischof Gebhard Fürst hätten die Bischöfe bewusst keine Stellung zur Sachfrage bezogen, sondern einen fairen Umgang beider Seiten miteinander eingefordert. Das Gebet, das Prälat Mack zu Stuttgart 21 verfasst hat, habe große Resonanz gezeigt. Die Kirche nehme ihre seelsorgerliche Aufgabe konkret wahr – so sei beim Polizeieinsatz am 30. September auch die Notfallseelsorge vor Ort gewesen. Unterschiedliche Meinungen auszuhalten sei ein wesentliches Element der freiheitlichen Demokratie – und diese Fähigkeit, andere Meinungen stehen zu lassen, müsste Kirche wieder neu lernen.


Lösung für KDA bis Ende 2010

Zur Situation des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt sagte Ulrich Heckel,  der politische Wille, den KDA in seinen vier Stellen zu erhalten, sei vorhanden. Eine Lösungsmöglichkeit sei angedacht, aber noch nicht entschieden. Bis Ende 2010 solle eine Konzeption für den KDA entwickelt werden.


Gedenken für Wolfgang Weber

Die Landessynode hat Wolfgang Weber gedacht. Der Pfarrer aus Baden war beim Landtag von Baden-Württemberg tätig – als Repräsentant der badischen und der württembergischen Landeskirchen. „Sein plötzlicher Tod hat uns alle erschüttert“, sagte Prälatin Gabriele Wulz. Die Trauerfeier findet am heutigen Donnerstag, 25. November, statt.


Mittwoch, 24. November 2010


Diffamierung von Christen in den Medien

Berichte und Reportagen in den Medien sollen künftig präziser werden. Dazu sollen Gemeinden in ihrer Medienkompetenz gestärkt werden. „Der Antrag berührt fragen, die im Zusammenhang mit Grundrechten stehen“, sagte Michael Seibt für den Ausschuss für Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit. Es gehe sowohl um Religionsfreiheit wie auch um die Meinungs- und Pressefreiheit. Die Aussprache habe gezeigt, dass die Empfindlichkeit der Religionen gegenüber Kritik kein Grund für Einschränkungen bei der Medienfreiheit sein dürfe. Ohne Meinungsfreiheit gebe es auch keine Religionsfreiheit. Er brachte einen Antrag ein, demzufolge die Presse auf präzise Unterscheidungen zu achten. „Es darf nicht sein, dass unter dem Stichwort Fundamentalismus islamische Selbstmordattentäter mich christlichen Missionaren, die im Dienste der Nächstenliebe anderen helfen, in Eins gesetzt werden. Der Oberkirchenrat solle die Gemeinden schnell über Menschenrechtsverletzungen informieren, damit Fürbitte gehalten werden kann, der Ausschuss bittet alle Delegierten der Landeskirche in Rundfunk– und Medienbeiräten konstruktiv mitzuarbeiten und Journalisten sachgemäß über kirchliche Zusammenhänge zu informieren und zu beraten. Missionswerke sollen konstruktiv und offen mit Medien zusammenarbeiten. Dieser Antrag wurde angenommen. Der Bericht von Michael Seibt war in der Synode umstritten, viele Mitglieder des Ausschusses fühlten sich die Diskussionen im Gremium nicht richtig wiedergegeben. Über verfolgte Christen berichtete auch Kirchenrat Klaus Rieth am Donnerstag, 25. November 2010.


Anträge in die Ausschüsse verwiesen

„Das Dokument „Kairos Palästina“ enthält einen Aufruf an die Gläubigen von 13 christlichen Kirchen in Israel und Palästina. Es ist ein Ausdruck von Hoffnung, Glaube und der Liebe sowie eine Vision für die Zukunft“, erklärte Gertrud Dorn den Antrag des Ausschusses für Mission, Entwicklung und Ökumene an den Oberkirchenrat und die Landessynode, sich mit diesem Dokument zu befassen. Der Antrag wurde an den theologischen Ausschuss federführend und den Ausschuss für Mission, Entwicklung und Ökumene verwiesen. Ellen Winkler-Oberman stellte den Antrag, der Oberkirchenrat möge eine Arbeitsgruppe einrichten, um die landeskirchliche Internetarbeit unter den gewandelten Bedingungen des Web 2.0 zu überprüfen und zu koordinieren. Der Antrag wurde an den Ausschuss für Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit verwiesen. Der Ausschuss für Mission, Ökumene und Entwicklung soll sich weiter mit der Entwicklungsarbeit, die durch die Landeskirche in Württemberg geschieht, befassen. Dabei soll den Fragen nachgegangen werden, ob es in den vergangenen Jahren eine Verschiebung der Akzente in der Entwicklungsarbeit gegeben hat, welche Entwicklungsarbeit in der Zukunft gebraucht wird, wo und wie die Zusammenarbeit mit einheimischen Kirchen und Partnern gelingt. Mit dem Auftrag, diesen Beschluss auszuführen, wurde der Ausschuss für Mission, Ökumene und Entwicklung verwiesen. Der Antrag, der Oberkirchenrat solle das Evangelische Medienhaus darin unterstützen, auf der Basis von freiwilligen Einwilligungen auch Kirchengemeinderäte und –Rätinnen in ein Netz von Kontaktdaten zu erfassen, wurde an den Ausschuss für Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit verwiesen. Während der Sommersynode 2012 soll ein Schwerpunkttag unter dem Thema „Evangelisch in Württemberg“ stattfinden. Zur Vorbereitung soll ein Sonderausschuss mit acht Mitgliedern eingesetzt werden. Der Antrag wurde an den Ältestenrat verwiesen. Die Bereiche, in denen Sonderpfarrstellen vorhanden sind, sollen künftig gewichtet werden. Dieser Antrag wurde an den Sonderausschuss Pfarrplan verwiesen. Damit wollen die Unterzeichner sicherstellen, dass auch bei weiteren Kürzungsrunden nicht die Schwerpunkte der inhaltlichen Arbeit wegfallen.
 


Zustimmung zum Seelsorgegeheimnisgesetz der EKD

Bei der Zustimmung zum Seelsorgegeheimnisgesetz der EKD geht es darum, einer EKD-weiten Regelung zuzustimmen. Dieses Gesetz sei ein Ausführungsgesetz zur Strafprozessordnung, führte Christian Heckel, Vorsitzender des Rechtsausschusses, aus. Für das Zeugnisverweigerungsrecht von Seelsorgern vor Gericht sei ein Berufsbild des Geistlichen als Seelsorger vonnöten, das von den Kirchen definiert werde. Das Seelsorgegeheimnisgesetz als EKD-Gesetz gebe einen formellen Rahmen vor und fülle diesen selbst nur für Pfarrer aus. Darüber hinaus müsse die Gliedkirche den Personenkreis definieren, der neben den Pfarrern zusätzlich unter den Schutz des Gesetzes falle. Nur wer zur öffentlichen Wortverkündigung und zur Seelsorge berufen ist, solle unter den Schutz des Gesetzes fallen. Berufsgruppen wie beispielsweise Diakone sollen nicht automatisch geschützt sein, wenn sie zum Beispiel geschäftsführend oder verwaltend, aber nicht seelsorgerlich arbeiten.

Dem Synodalen Matthias Böhler geht die Bindung an die öffentliche Wortverkündigung zu weit, weil Ehrenamtliche, die beispielsweise eine gezielte Seelsorge-Ausbildung hätten, nicht darunter fielen. Deshalb brachte er den Änderungsantrag 41-10 ein, nach dem die Worte "die zur öffentlichen Wortverkündigung berufen sind" gestrichen werden sollen. Tabea Döker stimmte Matthias Böhler zu – weil nicht nur Pfarrerinnen und Pfarrer in der Seelsorge tätig sind. Sie nannte als Beispiel die Telefonseelsorge. Dem widersprach Michael Seibt, weil eine klare Regelung zur Ausbildung nötig sei. Dorothea Gabler sagte, dass der theologische Ausschuss dem Vorschlag zugestimmt habe, weil auch Seelsorger Wortverkündigung betrieben. Diese Frage war und ist in der Synode sehr umstritten, obwohl jeder, der seelsorgerlich tätig ist, eine Beauftragung beim Oberkirchenrat beantragen kann. Das Gremium hat den Änderungsantrag 41/10 abgelehnt und dem Gesetzentwurf des Rechtsausschusses (Beilage 25) zugestimmt.


Neubesetzung von Ausschüssen

Die Besetzung der Geschäftsausschüsse wurde neu geregelt: Marianne Föll wechselt vom Ausschuss für Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit in den Ausschuss für Diakonie. Eberhard Daferner wechselt vom Ausschuss für Diakonie in den Ausschuss für Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit. Der neue Synodale Marc Dolde wurde in den Rechtausschuss entsandt


Zustimmung zu Verfahrensrecht der EKD

Das allgemeine Verwaltungsrecht soll auch in der evangelischen Kirche gesetzlich geregelt werden. Dies hat die EKD bereits im Oktober 2009 beschlossen. Der Rechtsausschuss schlägt der Landessynode vor, diesem Gesetz der EKD zuzustimmen, was bedeute, so erklärte es der Vorsitzende des Rechtsausschusses, Christian Heckel, dass die Zuständigkeit auf die EKD übergeht. Dieser Gesetzesänderung stimmte die Landessynode mit großer Mehrheit zu.


Michael Werner im Kulturausschuss

Die Landessynode hat Michael Werner in den Kulturausschuss gewählt.


Paul Eckert neu im kirchlichen Verwaltungsgericht

In das kirchliche Verwaltungsgericht gewählt wurde: Paul Eckert mit großer Mehrheit. Er nahm die Wahl an.


Änderung der Konfirmationsordnung wird am Donnerstag beschlossen

Die Landessynode wird das Gesetz zur Änderung der Konfirmationsordnung(Beilage 26) in einer geänderten Fassung morgen beschließen


Gute Übergangslösung für Konfirmationssonntage

Ernst-Wilhelm Gohl sagte für den Theologischen Ausschuss, dass das Gremium das Modell Konfi 3 als Regelmodell des Konfirmandenunterrichts ausdrücklich begrüßt. Zur Verschiebung der Konfirmationssonntage sagte Gohl, diese habe nicht nur strukturelle Gründe im Unterrichtswesen, sondern sie habe auch gute theologische Gründe. Die große Chance bei der neuen Ordnung bestehe darin, dass in der Konfirmandenzeit nun auch die Passions- und Osterzeit miteinander bedacht und gefeiert werden könne. Die terminlich weit gefassten Übergangszeiträume für die Termine der Konfirmationssonntage böten ausreichend Gelegenheit, Erfahrungen mit der Umsetzung zu sammeln.


Konfirmandenunterricht in Klasse 8

Harald Klingler sagte für den Ausschuss für Bildung und Jugend, dass künftig die Konfirmation stärker auf die Taufe bezogen werden solle. Deshalb soll der entsprechende Paragraph der Konfirmationsordnung wie folgt lauten: „Die Konfirmation ist eine gottesdienstliche Feier der Gemeinde. Die Konfirmanden werden auf ihre Taufe angesprochen und ihrer Zugehörigkeit zur Gemeinde Jesu Christi versichert. In der Feier vergegenwärtigen die Konfirmanden isch und der Gemeinde wesentliche Inhalte des christlichen Glaubens und bekennen sich zum Dreieinigen Gott, auf dessen Namen sie getauft wurden. Unter Handauflegung empfangen sie den Segen.“ Auch solle festgelegt werden, dass der Konfirmandenunterricht im achten Schuljahr stattfindet. 


Konfirmandenunterricht in Klasse 3 als Regelform

Christian Heckel berichtete für den Rechtsausschuss, dass die Konfirmationsordnung dahingehend geändert werden soll, dass nicht mehr von „Unterweisung in der Lehre der Kirche“ die Rede sein soll, sondern die Befähigung Jugendlicher zu einem eigenen Glaubensstandpunkt und zu eigenen Ausdrucksformen des christlichen Glaubens. Zudem soll das Modell KU 3/8 als Regelform zugelassen werden – bei dem ein Teil des Konfirmandenunterrichts bereits in der dritten Klasse stattfindet. Schließlich soll der Konfirmationstag auf die Zeit nach Ostern verschoben werden, weil die Schulen generell nur noch in der Klassenstufe 8 den ganzen Mittwochnachmittag unterrichtsfrei halten müssen und dies in der Klasse 7 nur noch nach örtlicher Absprache funktioniert. So solle der Konfirmationstag auf den Sonntag Rogate verschoben werden. Als Übergangszeitpunkt ist das Jahr 2016 vorgesehen. Der Gesetzentwurf, den der Rechtsausschuss einbringt (Beilage 26), sieht vor, dass der Konfirmation ein Konfirmandenunterricht von mindestens 60 Zeitstunden voraus gehen. Davon sollen mindestens 50 Stunden in Klasse 8 oder auf Konfirmandenfreizeiten erteilt werden.


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Herbsttagung 2010 - Finanzen der Landeskirche

Herbsttagung 2010 - Finanzen der Landeskirche

Jürgen Kaiser im Gespräch mit Finanzdezernent Dr. Martin Kastrup mehr


Landessnyode beschließt Haushalt 2011

Die Landessynode hat den Haushaltsplan für 2011 beschlossen. Zur Pressemitteilung der Landeskirche...


Disziplin im Doppelpack

"Kompliment für die Spardisziplin der Synode" schreibt Andreas Koch in der neuesten Ausgabe seines Blogs "Koch meint". Immerhin sei es nicht von Anfang an ausgemacht gewesen, dass das von der AG Zukunft vorgelegte Sparpaket auch genehmigt wird.
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Kirchentag 2015 in Stuttgart

Oberkirchenrat Ulrich Heckel berichtete vor der Landessynode, dass die Vorbereitungen für den Deutschen Evangelischen Kirchentag 2015 in Stuttgart gerade laufen. So gebe es jetzt Gespräche unter Anderem mit der Stadt Stuttgart, im Frühjahr würden die Kirchentagsausschüsse den Veranstaltungsort für 2015 beschließen. Anita Gröh wollte wissen, ob die Planer auch die eventuelle Großbaustelle von Stuttgart 21 im Blick hätten, wenn der Kirchentag nach Stuttgart käme. Dies bejahte Ulrich Heckel ausdrücklich. Eine endgültige Entscheidung über den Veranstaltungsort für 2015 wird im Frühjahr 2011 fallen. Aktuelles aus dem Württembergischen Landesausschuss des Deutschen Evangelischen Kirchentages...


Nachtragshaushalt festgestellt

Die Landessynode hat den Nachtragshaushalt 2010 festgestellt (Beilage 23).


Planüberschreitungen und Rechnungsabschluss 2009 genehmigt

Die Landessynode hat den Planüberschreitungen und dem Rechnungsabschluss der landeskirchlichen Rechnung 2009 zugestimmt.


Allgemeine Aussprache zu den Haushaltsberatungen

Reinhard Kafka erzählte von einem Ausflug in die bayerische Landessynode. Dort sei der Haushaltsplan auf einem Stick gespeichert, mit allen Suchfunktionen – Kafka regte an, den Haushalt der württembergischen Kirche ebenfalls auf einen Stick zu ziehen. Synodalpräsidentin Hausding bemerkte, es gebe den Haushaltsplan auch als PDF.

Stefan Hermann ging auf die Zuweisungen ein, die die Kirchen vom Staat erhalten: „Die Leistungen, die die Kirche für den Staat erbringt, werden bewusst den Kirchen überlassen – das ist eine bewusst gewollte Mitwirkung“. Dieses öffentliche Wirken der Kirche begrüße der Staat – auch durch Geldzahlungen.

Siegfried Jahn ging auf die Diskussionen um Strukturreformen ein. „In vielen kleinen Gemeinden passiert viel evangelisches Leben“, immer größere Kirchenbezirke bedeuteten nicht automatisch, dass dort dann noch mehr evangelisches Leben entsteht.

Volker Teich: „Mir gibt zu denken die hohe Zahl der Austritte“. Er fragte, was Kirche tun könne, um diesem Trend entgegen zu treten. Er nannte das Wiedereintrittstelefon der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und regte an, auch Wiedereintrittsbüros einzurichten, wie es sie in Hannover neben der Marktkirche gebe. Zudem müsse man an die Generation der 25-Jährigen herantreten, dies sei die Generation Internet. Die Internetaktivitäten seien zu verstärken.

Hanna Fuhr machte die Verteilung von Kirchensteuern zum Thema. „Wir haben viele Mittel fest gebunden – so wird der Spielraum für Kirchenbezirke und Kirchengemeinden immer kleiner“. Sie fragte, ob so das Ziel erreicht werden könne, mehr Eigenständigkeit der Gemeinden zu gewähren.
Michael Seibt stimmte Volker Teich zu: „wir müssen an die jungen Leute ran“. Vor diesem Hintergrund stelle sich ihm die Frage, ob es sinnvoll sei, in Tübingen an einer Studentenpfarrerstelle zu kürzen.

Werner Trick machte den Pfarrdienst zu seinem Thema. Der Pfarrberuf sei ein Schlüsselberuf der Kirche. Er bat darum, die Personalstrukturplanung für den Pfarrdienst nochmals zu überdenken. „Mit welchen Mitteln können wir dem großen Rückgang an Pfarrstellen begegnen?“

Harald Klingler schloss sich seinem Vorredner an und stellte die Frage, wie künftig Pfarrerinnen und Pfarrer mit der Verdichtung im Pfarrdienst umgehen sollen. Wenn Kirchenbezirke freiwillig fusionierten, dann sei zu fragen, weshalb hierfür noch Geld für Expertise ausgegeben werden soll. Er bezweifelte auch, ob es in allen Pfarrämtern einheitliche PC-Systeme geben solle – nicht in allen Pfarrämtern seien auch Menschen tätig, die einen Computer benutzten.

Ulrike Mehne sagte, der Pfarrdienst dürfe nicht immer weiter gekürzt werden.

Ingeborg Raab sprach für die kleinen Gemeinden auf dem Land. Diese Gemeinden seien sehr klein, die Mitglieder liebten ihre Kirchen – aber die Gemeinden könnten ihre Substanzerhaltungsrücklage nicht zahlen. „Da müssen wir etwas tun!“

Andreas Schäffer regte an, einen Preis auszurufen, um Ideen aus den Kirchenbezirken und -.gemeinden herauszulocken.

Kerstin Vogel-Hinrichs freute sich über das Pilotprojekt, mit dem Computer ins Pfarramt kommen. Es reiche nicht aus, nur einen PC im Pfarramt zu haben – und die Tatsache, dass nicht alle Menschen mit PCs umgehen könnten, sei kein Grund, keine PCs anzuschaffen. Harald Klingler sagte dazu: „Ich bin für PCs im Pfarramt, aber ich setze hier auf Freiwilligkeit. Wer sie haben will, soll sie auch bekommen können“.

Oberkirchenrat Martin Kastrup sagte zur Frage nach Computern im Pfarramt, das man dies nicht „auf biegen und brechen“ einführen könne. Das Beispiel des Kirchenbezirks Brackenheim zeige aber, dass es gute Erfahrungen mit von der Landeskirche gestellten PCs im Pfarramt gemacht wurden. Die Vorteile lägen auf der Hand: So bleibe der PC im Pfarrhaus bei einem Pfarrerwechsel – so könne man dem Informationsverlust vorbeugen. Zudem könnten mit einheitlichen IT-Systemen auch einheitliche Datenstandards eingeführt werden. Das habe auch Vorteile in Sachen Datensicherheit. „Wir wollen hier einheitliche Standards einführen“. Das bedeute auch weniger IT-Aufwendungen des Pfarrers selbst – und weniger Verwaltungsaufwand. Der Finanzausschuss behalte sich aber über einen Sperrvermerk vor, erst die Ergebnisse des Pilotversuchs in Brackenheim abzuwarten, bevor er die Mittel für eine flächendeckende Einführung einer einheitlichen IT-Struktur in den Pfarrämtern freigibt.

Ulrich Heckel sagte, es gebe den Grundsatz, was in den Medien nicht vorkomme, existiere nicht. Um größere Medienpräsenz zu erreichen, plane man verschiedene Aktionen – beispielsweise die „Kurse zum Glauben“ 2011, das „Jahr des Gottesdienstes 2012“, den Kirchentag in Stuttgart 2015 und das Reformationsjubiläum 2017. Zudem habe die württembergische Landeskirche das Wiedereintrittstelefon sowie die Web 2.0-Aktivitäten, wie Social Networks und Internetseelsorge. Allerdings sei dies auch personalintensiv.

Wolfgang Traub sagte zum Thema Pfarrdienst, dass die Landeskirche sehr viel dafür tue, um den Pfarrdienst und auch das Theologiestudium attraktiv zu halten.


Dienstag, 23. November 2010


Zukunftsfragen diskutieren

Für den Gesprächskreis Kirche für Morgen kritisierte Markus Munzinger, dass der Investitionstopf mit den Kosten für die Sanierung von Haus Birkach sehr stark belastet werde. So blieben für Innovation wenig Mittel. Ein erster Schritt sei die Kampagne zum Wiedereintritt, die für das Jahr 2011 geplant sei. Der Gesprächskreis schlage vor, auch Lebensweltgemeinden neben den Ortsgemeinden zu fördern. Munzinger schlug eine Arbeitsgemeinschaft „Strategie“, die sich um Zukunftsfragen kümmern soll. 


Maßhalten dient der Glaubwürdigkeit

Für den Gesprächskreis Evangelium und Kirche sagte Reinhard Kafka, dass es nur vordergründig um die Zustimmung zum Haushaltsplan gehe. Zwar hätten die Synodalen Vertrauen zu dem Zahlenwerk und den Mitarbeitern, die es erstellt hätten, aber das entlaste die Synodalen nicht von ihren Aufgaben. Es sei das Mindeste, was man von den Verantwortlichen erwarten könne, dass sie die Grundrechenarten verstünden. Aber das sei kein herausragendes Kennzeichen von Kirche. „Wenn wir nur auf die Zahlen sehen, haben wir die Menschen nicht im Blick“, so Kafka. Die Maßstäbe des Gesprächskreises seien, in wie weit die Kirche Zeichen setze für Investitionen in die Zukunft. Pflegende und erzieherische Berufe nannte er als ein Beispiel. Er habe Hochachtung vor den Menschen, die in diesen Bereichen tätig sind, obwohl die Vergütung nicht sehr hoch ist. Mitmenschlichkeit stünde in Kirche und Diakonie nicht zur Disposition. Er fragte weiter, „was bedeutet uns Gerechtigkeit?“ Ach solle das Evangelium möglichst häufig gepredigt werden. „Wir wollen nicht Freiräume einengen, sondern Phantasie beflügeln“. Die Kirche lebe von der Vielstimmigkeit. Wichtig sei auch die Glaubwürdigkeit.


Mitglieder langfristig halten

Anita Gröh sagte für den Gesprächskreis Offene Kirche, dass es der württembergischen Landeskirche im Vergleich mit anderen Landeskirchen ausgesprochen gut gehe. Sie bemängelte das „Klein-klein“ der Kürzungsdebatte und forderte langfristige Pläne, wie zu investieren sei, damit langfristig mehr Mitglieder an die Kirche gebunden werden könnten. Wir brauchen einen Konsolidierungsprozess. Und den Diskurs darum müssen wir führen. Sie merkte an, dass vor allem diejenigen aus der Kirche austräten, die besonders viel Steuer zahlten. „Wir müssen langfristig in die Gesellschaft hineinwirken“; sagte Gröh. Außerdem müsse ein Immobilienkonzept für die Landeskirche entwickelt werden. Sie forderte, dass Strukturen überdacht werden sollten. Bei durchschnittlich 12 Prozent Austritten innerhalb der Landeskirchen im Land sei eine Umstrukturierung der Verwaltung unabdingbar. Um Mitglieder zu halten, müsse man diesen auch etwas bieten – in gesellschaftspolitischen Fragen, aber auch in diakonischen Diensten. Sie forderte eine Öffentlichkeitskampagne, um Mitglieder zu pflegen und zu werben. Außerdem müsse es eine zusätzliche Stelle im Bereich Fundraising geben.


Veränderungsfähigkeit der Kirche gefordert

Für den Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“ sagte Michael Fritz, die finanzielle Situation der Kommunen seien eng – und dies sei auch auf die Situation der Gemeinden übertragbar. Die Substanzerhaltungsrücklage zu erhöhen, sei deshalb zu begrüßen. Er lobte das ehrenamtliche Engagement vor Ort und regte an, den Gestaltungsspielraum für Gemeinden und Bezirke erhöhen. Landeskirchliche Genehmigungsverfahren in Bausachen sollten verschlankt werden und die Genehmigungsverfahren vereinfacht. Sorge mache die aktuelle Situation der Kirchensteuer. Vor dem Hintergrund der finanziellen Situation seien Kirchenaustritte besonders schmerzhaft. Deshalb käme es auf die Veränderungsfähigkeit der Kirche an. „Unsere Strukturen erschweren die Veränderungsfähigkeit unserer Kirche“. Veränderung müsse deshalb geplant und geordnet diskutiert werden. Die Rolle des Bischofs sei deshalb als „Amt der Einheit“ besonders wichtig. „Wir sollten den inhaltlichen Teil der kirchlichen Arbeit neu strukturieren“; so Fritz. Er forderte mehr strategische Vorgaben.


Ausgleichsstock gefragt

Für den Ausschuss für die Verteilung der Mittel des Ausgleichsstocks sagte Michael Fritz, dass der Antragseingang weiterhin hoch sei. Es werde in den Gemeinden weiterhin rege renoviert und gebaut. Mit dem Programm zur energetischen Verbesserung der Pfarrhäuser, stellten sich Kirchengemeinde und Ausgleichsstock einer weiteren Großaufgabe. Der Ausgleichsstock habe zwar die Aufgabe, kirchengemeindliche Bauvorhaben finanziell zu unterstützen, es werde aber auch deutlich, dass die Gebäudeunterhaltung eine landeskirchliche Aufgabe sei, die stellenweise die Kirchengemeinden an die Grenze zur Überforderung führe. Am Beispiel des Ulmer Münsters führte er aus, dass dieses Gebäude zwar durch den Münsterbauverein in besonderer Weise gefördert würde – dennoch seien Mittel aus dem Ausgleichsstock für den Erhalt unbedingt notwendig seien. Zu viele Bauvorhaben würden die Verlässlichkeit des Ausgleichsstocks gefährden. Deshalb regte er an, dass die landeskirchliche Stiftung hier einspringen solle.


Skepsis gegenüber Prognosen für Kirchensteuer 2011

Für den Finanzausschuss sagte dessen Vorsitzende, Inge Schneider, dass die Kirchensteuereinnahmen weiterhin rückläufig seien – ganz im Gegensatz zu den Steuereinnahmen des Staates. Die zurückgehenden Einnahmen führte sie vor allem darauf zurück, dass auch die Mitgliedszahlen stetig sinken. „Mit dem Nachtragshaushalt können nur solche Kosten abgedeckt werden, die zur Zeit der Haushaltsplanaufstellung noch nicht absehbar waren und die zwingend erscheinen. Normalerweise handelt es sich dabei um Mehrausgaben, die sich aufgrund gesetzlicher Veränderungen ergeben, Baumaßnahmen, die sich kurzfristig als notwendig erweisen, oder kleinere Ausgaben, die als dringend angesehen werden und aus Budgetmitteln finanziert werden können. Neue Projekte sollten nicht über den Nachtrag finanziert, sondern in die normale Mittelfristplanung eingebracht werden, damit sie ordnungsgemäß in Konkurrenz zu anderen Projekten beraten werden können“, so Schneider. Deshalb flösse der größte Teil des Nachtragshaushaltes in Baumaßnahmen. Zum Haushaltsplan für 2011 sagte Schneider, der Finanzausschuss halte die Kirchensteuerprognose von 500 Mio. € für vorsichtig realistisch. „Wir hoffen, dass etwas Kirchensteuer mehr eingehen wird, wollten aber angesichts des Mitgliederrückgangs und der noch nicht ausgestandenen Finanzmarktkrise nicht zu optimistisch sein. „Sollte tatsächlich mehr Kirchensteuer eingehen, dann haben wir keinen Überschuss, sondern müssen nur nicht so viel aus den Rücklagen entnehmen“, so die Vorsitzende des Ausschusses. „Wir wissen, dass viele Kirchengemeinden schmerzhafte Einschnitte hinnehmen müssen“, das lasse sich aber nicht ändern. Den Oberkirchenrat und seine Dezernate ermante Schneider, genaue Zielvorgabe für geplante Finanzmittel zu machen. Für einen Nachtragshaushalt 2011 sagte Schneider: "Hier wird nur das absolut Notwendige möglich sein". Sie beantragte, die Synode möge dem Haushaltsplan 2011 zustimmen. Zum ausführlichen Bericht...


Stabiler Haushalt - sparen dennoch nötig

In seiner Rede zum Haushalt verglich Finanzdezernent Martin Kastrup den Haushalt mit dem Spiel Jenga. Dabei versuche man reihum einen Holzturm immer höher zu bauen, indem man unten Steine herauszieht und sie oben wieder drauf setzt. Der Turm könne von einer Seite stabil aussehen, von der anderen aber sehr instabil. Auf die Frage, wie der „Turm des landeskirchlichen Haushalts“ zu stabilisieren sei, sagte er, man könne den Turm lassen wie er ist. An einem Turm, an dem man nicht baue, habe man aber auch keine Gestaltungsspielräume. Man könne aber den Turm auch zurückbauen, das sei mindestens genauso schwierig, wie den Turm weiterzubauen. Außerdem mache es einen Unterschied, welche Steine man herausziehe. Verfolgten alle Mitspieler eine gemeinsame Strategie, bliebe der Turm annähernd so stabil wie der ursprüngliche Zustand. Bei unkoordinierter Bautätigkeit könne der Turm bereits nach wenigen Spielzügen einstürzen. Zwei wesentliche „Steine“ seien der Euro-Rettungsschirm und die Lockerung der Finanzpolitik der US-Notenbank. Die Beispiele führte Kastrup deshalb an, weil der Haushalt der Landeskirche nicht auf freiem Feld steht. „Umfallende Nachbartürme werden unser Bauwerk nicht unberührt lassen“, so Kastrup. Eine stabile Bauweise bedeute kaufmännische Vorsicht. Unsichere Erträge wie Kirchensteuern seien zurückhaltend einzuschätzen, unsichere Aufwände großzügig mit Risikopuffer zu kalkulieren. „Versorgungsverpflichtungen müssen kapitalgedeckt, sondstige Verpflichtungen abgebaut und Sicherungsrücklagen angesammelt werden.

2009 sei die Kirchensteuer um 52 Mio. Euro gegenüber dem Rekordvorjahr und 22 Mio. Euro gegenüber der Planung für 2009 eingebrochen. Der landeskirchliche Haushalt sei stabil - dennoch müsse gespart werden. Zum ausführlichen Bericht...


Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke abgelehnt

Für Diskussionen sorgte auch der Beschluss der schwarz-gelben Bundesregierung, die Laufzeiten für Atomkraftwerke nun entgegen einem anderslautenden Beschluss der rot-grünen Koalition doch zu verlängern. In einem zweiten Teil der aktuellen Stunde diskutierte die Landessynode das Thema. Die Mehrheit der Redner lehnte die Laufzeitverlängerung ab.

Ruth Bauer sprach sich dafür aus, sich dem Votum der EKD-Synode anzuschließen. Paul Eckert betonte, die Atompolitik sei ein politisches Thema und kein originäres Kirchenthema. Die Bundesregierung habe nicht den Bau neuer Kernkraftwerke beschlossen, sondern eine Laufzeitverlängerung für die alten, bestehenden Kernkraftwerke. Eckert sagte: "derzeit benötigen wir den Atomstrom". Es mache keinen Sinn, deutsche Atommeiler abzuschalten und dann Atomstrom aus dem Ausland zu beziehen. Die Klimaproblematik sei eng CO2-verbunden – Atomstrom sei sauber und könne deshalb nicht unberücksichtigt bleiben. Die Gesellschaft sei zum Sparen verpflichtet, denn die Atomkraftwerke seien abbezahlt. Das führe zu billigerem Strom. Die Einsparungen könnten für den Ausbau erneuerbarer Energien verwendet werden. Im Hinblick auf die Demonstrationen im Wendland sagte er: Wenn jeder selbst entscheiden dürfe, welche Gesetze für ihn gelten und welche nicht, sei die Gesellschaft auf einem gefährlichen Weg. Susanne Mauch-Friz sagte, die Atompolitik sei reine Klientelpolitik. "Wie man es auch dreht und wendet, kommt man zu dem Schluss, dass es bei einer Laufzeitverlängerung nur ums Geldverdienen geht". Sie wies darauf hin, dass die Verlängerung bedeute, dass noch mehr gefährlicher Müll entstehe, obwohl man schon jetzt nicht wisse, wie man den schon bestehenden Müll entsorgen solle. Die evangelische Kirche solle sich einmischen. Waltraud Bretzger ging darauf ein, wie die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986 sich auch in Tübingen, ihrem damaligen Wohnort, ausgewirkt hat. Seinerzeit habe nicht einmal der Schnittlauch, der im Garten der Oma wuchs, gegessen werden dürfen, so verstrahlt sei er gewesen. Bretzger weiter: "Wir sind der Schöpfung gegenüber verantwortlich". Es sei zu respektieren, dass es auch innerhalb der Kirche unterschiedliche Meinungen zum Thema Laufzeitverlängerung gebe. Dennoch sprach sie sich gegen eine Laufzeitverlängerung aus. Kerntechnik sei weder gut noch schlecht – doch sei sie bedroht, etwa durch terroristische Anschläge. Außerdem sei die Technik fehleranfällig. "Die Überzeugung, der Mensch habe alles im Griff, ist theologisch unverantwortlich". Deshalb sei sie gegen eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke. Harald Kretschmer gab ebenfalls zu bedenken, dass die Endlagerung von Kernelementen für mehrere 1.000 Generationen gesichert sein muss – und fragte: "Wie können wir das garantieren?" Protest sei deshalb geboten. "Die Laufzeitverlängerung dürfen wir nicht späteren Generationen zumuten!" Hans Leitlein verdeutlichte seine Meinung an einem Beispiel: "Stellen Sie sich vor, die Neandertaler hätten uns ihren Müll hinterlassen, und dort, wo dieser Müll war, dürfen wir heute nicht hintreten, weil das Gebiet kontaminiert ist". Protest gegen die von der Bundesregierung beschlossene Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke sei deshalb nicht nur legitim, sondern geboten. Michael Seibt gab zu bedenken, dass es bei Stuttgart 21 heiße, Beschlüsse hätten Gültigkeit und in Sachen Atomausstieg hätten die geschlossenen Verträge plötzlich keine Gültigkeit mehr. Stefan Hermann stellte die Frage, ob es gut sei, Abfall zu produzieren, dessen Entsorgung auf tausende von Jahren nicht gesichert ist. Andererseits stelle sich aber auch die Frage, ob die regenerativen Energien technisch schon so weit seien, dass man auf Atomkraft verzichten könne. Auch gab er zu bedenken, dass immer mehr Nahrungsmittel zur Energieerzeugung produziert würden. Er fragte, ob dies gerechtfertigt sei. "Wenn Kirche sich äußert, muss sie kritische Fragen stellen um kompetent zu handeln." Ernst-Wilhelm Gohl schloss sich den Aussagen seines Vorredners Hermann an. "Wir sind in einem Dilemma". Die Stadtwerke seien durch den jüngsten Beschluss der Bundesregierung zur Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken in Bedrängnis geraten. Kirche müsse hier Farbe bekennen. Helmut Mergenthaler sagte: Atomkraftwerke seien auch große Arbeitgeber. Auch dies müsse Kirche berücksichtigen, wenn sie sich über Atomkraft unterhalte. Harald Klingler bemängelte, dass viele Politiker auf Stimmenfang seien und danach abstimmten.

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Pfarrer dürfen früher in den Ruhestand ohne Abschläge

Wenn Pfarrer mit 60 Jahren in den vorgezogenen Ruhestand treten, sollen sie künftig keine Abschläge an den Altersbezügen verschmerzen müssen. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der vorgesehenen Änderung des württembergischen Pfarrergesetzes. (Beilage 27) Der Synodale Wilfried Keppler findet das ungerecht. Einerseits habe die vorgesehene Stichtagsregelung zur Folge, dass es viele Pfarrerinnen und Pfarrer gebe, die diese Regelung nicht in Anspruch nehmen können – und zudem gebe es in der Kirche noch viel mehr Berufsgruppen, die nicht in den Genuss dieser Regelung kämen. Außerdem appellierte er an die Gerechtigkeit gegenüber den Kirchensteuerzahlern, die meist bis zum Alter von 65 plus x arbeiten müssten. Das sei den Kirchensteuerzahlern nicht zu vermitteln. Harald Klingler wies darauf hin, dass auch Ruhestandspfarrer noch im Dienst seien – sie würden schließlich den aktiven Pfarrern durch Übernahme von Vertretungsdiensten helfen. Oberkirchenrat Erwin Hartmann sagte, die Versorgung sei nicht so hervorragend, wie vom Synodalen Keppler dargestellt. Wer mit 60 Jahren in Rente gehe, habe noch nicht die Ansprüche auf Versorgung wie jemand, der mit 63 Jahren in Rente geht. Für die Kirchenbeamten werde die Regelung ab 60 nicht übernommen, weil keine Gegenfinanzierung vorgesehen sei. Die Möglichkeit, schon ab 57 Jahren in den Ruhestand zu treten, sei einem Ausnahmefall, nämlich dem von Strukturveränderungen geschuldet und gelte deshalb nicht nur für Pfarrerinnen und Pfarrer, sondern auch für Kirchenbeamtinnen und Beamte. Im Übrigen gebe es für die Angestellten der Kirche schon sehr lange Vorruhestandsregelungen. Christian Heckel gab zu bedenken, dass die Pfarrgehälter im Haushaltsplan nicht weiter ausgedehnt werden sollten. Deshalb sei die Neuregelung für die Pfarrerinnen und Pfarrer wichtig. Das Gesetz wurde mit großer Mehrheit beschlossen.


Keine Richtlinien zur Abgabe kirchlicher Gebäude

Sollen kirchliche Gebäude auch zum Beispiel an Muslime verkauft werden? Mit diesem Thema befasste sich Michael Seibt in seinem Bericht für den Ausschuss für Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit. Dazu hatte es in der Frühjahrstagung einen Antrag gegeben, der an diesen Ausschuss verwiesen worden war. In seinem Bericht sagte Seibt, der Ausschuss sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Veräußerung von kirchlichen Gebäuden künftig öfter nötig sein werde. Die Frage, ob es dafür gesonderter Leitlinien bedarf, mit deren Hilfe die Gemeinden entscheiden können, verneinte der Ausschuss. Man könne den Gemeinden zutrauen, dass sie mit diesen Fragen verantwortlich und sensibel umgehen. Zudem gebe es in anderen Landeskirchen genügend solcher Leitlinien, auf die die Gemeinden zugreifen könnten. Zudem müsse auch der Oberkirchenrat zustimmen, wenn Gebäude verkauft werden sollen.


Entlastung für Oberkirchenrat

In seinem Bericht aus dem Geschäftsführenden Ausschuss sagte Gerhard Schubert, dass der Ausschuss dem Evangelischen Oberkirchenrat für seine Haushalts- und Wirtschaftsführung, bezogen auf die Jahresrechnungen 2004 bis 2007 der Evangelischen Landeskirche in Württemberg nach Paragraph 84 der Haushaltsordnung Entlastung erteilt hat.


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Herbsttagung 2010 - 'Arbeitsgemeinschaft Zukunft'

Herbsttagung 2010 - 'Arbeitsgemeinschaft Zukunft'

Jürgen Kaiser spricht mit der Synodalpräsidentin Dr. Christel Hausding über die Arbeitsgemeinschaft Zukunft. mehr


Kürzungsliste verabschiedet

Die Anträge, Kürzungen bei den Friedensdiensten, beim Islambeauftragten, dem Umweltbeauftragten, dem Büro für Chancengleichheit und Männer- sowie Frauenarbeit und Erwachsenenbildung zurückzunehmen, wurden abgelehnt. Auch wird der Investitionstopf nicht gekürzt. Die Sparliste, die die AG Zukunft vorgeschlagen hat, wurde angenommen. Auch soll die AG Zukunft weiterhin arbeiten, um ein Bild von Kirche der Zukunft zu erarbeiten.

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Große Diskussion um Sparliste

An den Kürzungen, die die AG Zukunft in ihrer Liste vorgeschlagen hat, führt kein Weg vorbei. Darin ist sich die Landessynode in großen Teilen einig. Dennoch ist der Diskussionsbedarf hoch. Michael Seibt warnte beispielsweise, dass es fatal sei, zuerst an Aufgaben zu sparen und sich dann zu überlegen, wie die Kirche der Zukunft aussehen soll. Seine Befürchtung ist es, dass das neue Bild von Kirche dann nicht mehr umgesetzt werden kann, wenn eines entwickelt wurde. Für Elke Dangelmaier-Vincon sind die Kürzungen ein Ausdruck von Weitsichtigkeit: „Man sieht in der Nähe nicht mehr gut, und es fällt einem schwer, die Dinge scharf zu sehen“. Erich Haller hält es für falsch, Sonder- und Gemeindepfarrämter gegeneinander aufzurechnen. „Wir schaden den Bereichen, in denen wir gesellschaftsrelevante Stellen haben. Und das hat auch Auswirkungen auf die Gemeinde“. Werner Trick sagte, er reduziere sehr ungern beim Männerwerk. Aber wer die finanziellen Auswirkungen der verstärkten Kirchenaustritte bedenke, der müsse nun handeln und einsparen. Eva Glock würde die Pfarrstelle beim Büro für Chancengleichheit erhalten. Ruth Bauer sagte: „Dort, wo sich Kirche und Gesellschaft treffen, dürfen wir nicht sparen! Wenn wir uns aus diesen Bereichen zurückziehen, dann verlieren wir nicht nur Ansehen und Einfluss, sondern auch Kirchensteuern.“ Susanne Mauch-Friz stimmte ein: Die Kürzungsliste komme zu schnell. Anne Hettinger wies darauf hin, dass die Kirche sich ein Zögern bei den Kürzungen nicht mehr leisten könne. Kristina Reichle will bei dem Büro für Chancengleichheit ebenfalls nicht kürzen. Michael Werner brachte einen Änderungsantrag ein, der vorsieht, an der Stelle des Islambeauftragten nicht zu kürzen. Franziska Stocker-Schwarz sagte, dass es ihr schwerfalle, die Kürzungen beim Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung sowie beim Jugendwerk mitzutragen, weil die Bemühungen der Spender durch Kürzungen hier nicht belohnt würden. Sie äußerte ihren Respekt für die Arbeit der Evangelischen Akademie in Bad Boll. Dennoch verteidigte sie die Kürzungen insgesamt. „Wir müssen einen Kompromiss finden – und wir können dies alle nur mit schmerzendem Herzen tun“. Martin Plümicke brachte einen Änderungsantrag ein, nachdem der Investitionstopf um insgesamt 2,5 Mio. Euro gekürzt werden soll, damit die inhaltliche Arbeit nicht weiter gekürzt werden muss. Harald Klingler befürchtet, dass es wenig attraktiv sei, wenn immer mehr Pfarrstellen in Teilzeit angeboten würden. Er glaube nicht daran, dass das Tagungsstättenmanagement die Einsparungen bringe, die prognostiziert wurden. Die Zustimmung zum Gesamt-Sparpaket bedeute nicht, dass er für die Einführung des Tagungsstättenmanagements sei. Ernst-Wilhelm Gohl sagte, die 10 Mio. Euro seien eine Übung für spätere Sparrunden, denn die Kirche müsse weiter sparen. Werner Schmückle sagte, dass die Kürzungen beim Männerwerk sehr schmerzhaft seien. Aber es führe kein Weg am gesamten Sparpaket vorbei. Martin Brändl warnte, dass die Kirche die Zuschüsse an die Missionsgesellschaften nicht beliebig kürzen könne. Gerhard Schubert sieht die Notwendigkeit, Kürzungen durchzuführen. Er will aber das Pfarramt für Friedensdienste erhalten und hat einen entsprechenden Antrag eingebracht. Die Kirche könne diese Arbeit nicht einfach nur der Militärseelsorge überlassen. Andrea Bleher bemängelte, dass das, was im Haushaltsplan als Kürzungen eingestellt wurde, direkt auf die Gemeinden durchschlägt. Sie warnte davor, alle Lasten den Kirchengemeinden aufzubürden. Dennoch sei sie für die Kürzungsliste, weil langfristig die die Kirchensteuereinnahmen zurück gingen. Gertrud Dorn sagte, die Kürzungen müssten sein. Sie lobte die AG Zukunft, die mit den von den Kürzungen betroffenen Stellen gesprochen habe.

[Anmerkung: Da zwischenzeitlich auch andere Seiten der landeskirchlichen Internetpräsenz aktualisiert wurden, werden weitere Wortmeldungen nachgereicht. Wir bitten um Verständnis.]


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Herbsttagung 2010 - Haus Birkach

Herbsttagung 2010 - Haus Birkach

Jürgen Kaiser spricht mit der Synodalpräsidentin Dr. Christel Hausding über das Haus Birkach mehr


Sanierung von Haus Birkach nur unter Bedingungen

Inge Schneider, die Vorsitzende des Finanzausschusses brachte einen Antrag ein zur Sanierung des Hauses Birkach. Nach dem Antrag soll das Haus Birkach nur unter den Voraussetzungen saniert werden, dass im Haushalt ein Sperrvermerk bei der entsprechenden Kostenstelle angebracht wird, so dass maximal ein Betrag von 300.000 Euro als Planungsrate unmittelbar verwendet werden kann. Außerdem soll eine abschließende Einigung mit den Denkmalschutzbehörden getroffen sein, dass die Kosten einer Sanierung nicht mehr als 16,5 Mio. Euro kostet, das Gebäude nach der Sanierung technisch einwandfrei ist – insbesondere auch die Erker – und dass es die für künftige Nutzungsänderungen erforderliche Flexibilität hat. Außerdem soll bis zur Sommertagung 2011 der Synode ein Immobilienkonzept für alle Gebäude der Landeskirche vorliegen, und ein schriftlicher Vertrag mit der Kirchengemeinde Birkach über die Kostenaufteilung vorliegen. Diesem Antrag stimmte die Synode zu.

In der Diskussion warnte Hans Leitlein vom Gesprächskreis "Lebendige Gemeinde" davor, sich einen "denkmalgeschützten Klotz ans Bein zu binden". Er plädierte dafür, einen Abriss des Gebäudes durchzusetzen. Dem Oberkirchenrat warf Leitlein vor, den Willen der Synode missachtet zu haben, da sie schon 2008 den Verkauf von Haus Birkach beschlossen habe, als dieses noch nicht unter Denkmalschutz stand.

Schuldekan Stefan Hermann vom selben Gesprächskreis verteidigte die Sanierung des Hauses. Es gehe dabei nicht nur um Steine, sondern um Menschen, denen durch die im Haus untergebrachten Einrichtungen gedient werde. Außerdem sei die "Hängepartie" den Mitarbeitern in Birkach nicht länger zuzumuten.

Baudezernent Hans-Peter Duncker erläuterte, warum das von der Synode geforderte Immobilienkonzept in den vergangenen drei Jahren nicht vorgelegt wurde. Durch aktuelle Veränderungen bei den kirchlichen Tagungshäusern - etwa der Schließung von Denkendorf oder die Verringerung der Bettenkapazitäten in anderen Zentren - sei die Funktions- und Leistungsfähigkeit der übriggebliebenen Einrichtungen nicht seriös abzuschätzen gewesen. Duncker versprach allerdings, bis Sommer 2011 das geforderte Konzept fertigzustellen. epd/elk-wue

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Montag, 22. November 2010


Zustimmung ja - aber zähneknirschend

Reiner Klotz sprach für Kirche für Morgen. Noch sei das Bild von Kirche nicht fertig – dennoch sei die AG Zukunft fertig, jedenfalls habe sie ein Paket vorgelegt. Er hoffe, dass die Kürzungen im Pfarrdienst kein Verschiebebahnhof werde. Auch führe die Vorruhestandsregelung dazu, dass Menschen, die noch voller Schaffenskraft seien, in Ruhestand gehen müssten. Dennoch werde der Gesprächskreis den Kürzungen zustimmen, wenn auch zähneknirschend. Die Arbeit der AG Zukunft müsse dringend weitergehen, um zu überlegen, welche künftigen Ausgaben zu tätigen sind – konkret schlug er vor, beispielsweise das Kircheneintrittstelefon aufzustocken.


Änderungswünsche bei Kürzungen

Winfried Dalferth sagte für Evangelium und Kirche: "Wir werden weniger Kirchenmitglieder". Er erinnerte an das Sprichwort „Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not“. „Wir wollen nicht in 20 Jahren kürzen nach Kassenlage, wir wollen jetzt kürzen, damit wir eine zukunftsfähige Kirche schaffen“. Die vorgelegten Kürzungsvorschläge reduzierten Personalstellen. Das sei gut: „Es kann nicht sein, dass weniger Mitglieder durch mehr Leute betreut werden“, so Dalferth. Viel Kirche gehe auch mit weniger Geld. Der Gesprächskreis schlug vor, die Kürzungssumme beim Pfarramt für Friedensarbeit auf 118.000 Euro zu erhöhen. Dafür könnten die Kürzungssummen bei den christlich-jüdischen Beziehungen und beim Islambeauftragten entfallen. Der Vorschlag lautet, das KDV-Pfarramt um weitere 50 Prozent zu kürzen. Dies würde dazu führen, dass der Islambeauftragte und die Pfarrstelle für das christlich-jüdische Gespräch zu 100 Prozent erhalten bleiben.


Keine Zustimmung

Martin Plümicke fragte für den Gesprächskreis Offene Kirche, ob die Kirche nicht an der Reihe sei, in gesellschaftspolitischen Konflikten, wie etwa beim Streit um Stuttgart 21 oder im Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis im Nahen Osten, als Kirche die Stimme zu erheben. Diese Möglichkeit würde durch die Einschnitte, die die AG Zukunft plane, zunichte gemacht. „Das Pfarramt für Friedensdienste soll aufgelöst werden in einer Zeit, in der sich Deutschland in kriegerischen Auseinandersetzungen in Afghanistan befindet. Der Umweltrat solle reduziert werden, in einer Zeit, in der Klimaschutz und schöpfungsgemäßes Handeln in ökologischer aber auch in ökonomischer Hinsicht oberste Priorität hat. Das Pfarramt für christlich-jüdische Beziehungen solle reduziert werden, obwohl die Verständigung der Religionen auch im Nahostkonflikt eine Überlebensfrage sei. Und der Islambeauftragte solle beschränkt werden, in einer Zeit, in der der Kontakt zum Islam auch in Deutschland zur Überlebensfrage würde. Die Kürzungen an der Evangelischen Akademie in Bad Boll führe dazu, dass die Kirche in gesellschaftlichen Fragen künftig zum Schweigen verurteilt sei.


Folgerichtige Kürzungen

Andreas Schäffer sagte für den Gesprächskreis Lebendige Gemeinde, dass es im Hinblick auf die landeskirchlichen Finanzen klaren Handlungsbedarf gebe. „Ohne ein Eingreifen der Kirchenleitung würde der Landeskirche auf mittlere Sicht eine finanzielle und strukturelle Überforderung drohen. Der Beschluss von Landesynode und Oberkirchenrat die Ausgaben um mittelfristig ca. 10 Mio. jährlich zu senken ist folgerichtig und sichert der Landeskirche in der Zukunft Handlungsspielräume“. Der Kraftakt habe sich gelohnt. Künftig solle aber das Verfahren, wie Einsparungen festgelegt werden weniger zeitaufwendig gestaltet werden. Die Kürzungen im Pfarrdienst erlaubten es, den Zugang zu diesem Beruf nicht einzuschränken. „Es muss unser Anliegen als Kirche sein und bleiben, junge Menschen zum Pfarrdienst einzuladen und zu gewinnen.“


Sparen ist nicht leicht

„Sparen ist immer schwierig“, sagte Volker Teich in seiner Rede zu den Ergebnissen der „AG Zukunft“. Synode und Oberkirchenrat legten ein gemeinsames Papier vor, mit dem gemeinsam Verantwortung übernommen werde. Trotz überraschend hoher Steuereingänge habe die Landeskirche nicht das Niveau vor der Finanzkrise erreicht. Die kommenden Jahre erforderten, dass die Ausgaben gesenkt werden, um den Aufgaben der Zeit besser gerecht werden zu können. Die Anhörung der Werke habe gezeigt, dass sich Werke und Einrichtungen auf einen gemeinsamen Sparkurs festlegen lassen. Man lasse sich bewusst Zeit – bis 2019.
Bei der allgemeinen Jugendarbeit solle eine Jugendpfarrstelle um 25 Prozent gekürzt werden. Bei der Kürzung im Bereich Studentenseelsorge gehe es um eine halbe Stelle in Tübingen – aber so flexibel, dass eine Neukonzeption im Karl-Heim-Haus und am forum scientarium möglich ist. Auch das Jugendwerk sei bereit, sich einer Kürzung zu stellen. Es weise aber darauf hin, dass weitere Kürzungen einschneidende Folgen für die Jugendarbeit in der Kirhe hätten. Das Männerwerk hingegen könne eine Einsparsumme von 75.000 Euro nicht erbringen, deshalb solle dort um 30.000 Euro gekürzt werden. Die Stelle im Pfarramt für Friedensarbeit soll um 50 Prozent gekürzt werden. Obwohl die Arbeit des Umweltbeauftragen ein wichtiger Zweig sei, müsse auch hier gekürzt werden – ein wissenschaftlicher Mitarbeiter soll jetzt 25 Prozent weniger arbeiten. Das Büro der Beauftragten für Chancengleichheit muss auf eine halbe Pfarrstelle verzichten, die evangelischen Frauen in Württemberg sehen Möglichkeiten, langfristig in ihrem Bereich zu sparen. Im Bereich der Dekanats- und Verwaltungsstellen sollen etwa 300.000 Euro gespart werden. Einen großen Anteil an den Einsparungen soll die Evangelische Akademie in Bad Boll erbringen. So sollen insgesamt 732.300 Euro weniger für die Arbeit dort eingesetzt werden.

Zum ausführlichen Bericht.


Viele Sparvorschläge

Die Ziele der AG Zukunft – einer Arbeitsgemeinschaft, die ein Einsparpotenzial in Höhe von 10,17 Mio. Euro festgelegt und die Bereiche, wo gespart werden soll, definiert hat, beschrieb die Direktorin des Oberkirchenrats, Margit Rupp. Wichtig war ihr, festzustellen, dass es um Schwerpunktsetzungen in den kommenden zehn Jahren gehen soll. Von den 10 Mio. Euro soll die Hälfte durch zwei wesentliche Grundentscheidungen erzielt werden: zum einen Maßnahmen im Pfarrdienst. Die Informationen im Sommer, dass die Zahl der vollen Pfarrstellen von 1.800 auf 1.100 zurückgehen werde, habe für Unruhe in der Pfarrerschaft gesorgt. Es gehe aber nicht um die Zahl künftiger Pfarrstellen oder der sich im Dienst befindlichen Pfarrerinnen und Pfarrern, sondern die Rede sei von der Anzahl der bereit gestellten vollen Dienstaufträge, die auf Personen und Pfarrstellen verteilt werden können. Dennoch sei der Rückbau prozentual höher als der Rückgang der Gemeindeglieder. Dies liege aber daran, dass ab 2020 die großen Jahrgänge der Pfarrerinnen und Pfarrer in den Ruhestand gingen. Zudem seien derzeit mehr Pfarrer im aktiven dienst als die Personalstrukturplanung prozentual ausweise. So seien weniger Pfarrer in Ruhestand gegangen und mehr wie geplant aus Beurlaubungen zurückgekehrt. Das entspreche einem Überhang von 100 Vollzeitstellen. Dieser solle mithilfe einer Vorruhestandsregelung abgebaut werden, die den laufenden Haushalt um 800.000 entlasten soll, ohne weiteren Abbau von Pfarrstellen. Auch werde der Investitionstopf von 10 auf 8 Mio. Euro zurück gefahren. Auch solle eine weitere große Summe durch organisatorische Veränderungen erbracht werden – im Bereich eines Tagungsstättenmanagements, durch die freiwillige Zusammenlegung von Kirchenbezirken und Bündelungen im Bereich der Verwaltungsstellen. Zudem soll eine Arbeitgruppe eingerichtet werden, die Prozesse und Abläufe der Verwaltung der Landeskirche als Ganzes in den Blick nehmen soll und die extern moderiert werden soll. Auch rege die AG Zukunft an, verstärkt elektronische Medien einzusetzen.

Zum ausführlichen Bericht von Margit Rupp


Kontroverse Diskussion

In der Aussprache zur Zukunft des Hauses Birkach stießen unterschiedliche Meinungen aufeinander. „Der Erhalt des Hauses Birkach führt langfristig dazu, dass es zu viele Tagungskapazitäten für immer weniger Kirchenmitglieder gibt“, sagte Hans Leitlein in der Diskussion zum Thema. Haus Birkach sei in 40 Jahren ein Klotz am Bein. Darüber hinaus kritisierte, dass der Beschluss der Synode vor zwei Jahren, Haus Birkach zu verkaufen, vom Oberkirchenrat wieder rückgängig gemacht wurde. „Wird alles rückabgewickelt, wenn die Sanierungskosten auf 17, 5 Mio. steigen? Ich bin für Abriss von Haus Birkach.“

Helmut Mergenthaler erinnerte ebenfalls daran, dass bereits die 13. Landessynode das Haus Birkach ursprünglich verkaufen wollte. Damals habe es geheißen „Menschen vor Steine“. Mergenthaler weiter: „Wir brauchen das Haus Birkach nicht unbedingt für die Arbeit“. Außerdem gebe es viele Stellen, die inzwischen frei finanziert würden – deshalb könne er dem Beschluss nicht zustimmen. „Wenn der Staat uns zwingt, das Haus zu renovieren, dann bin ich für die Errichtung eines Bauzaunes – und dann lassen wir das einfach die nächsten 30 Jahre stehen“.

Stefan Hermann betonte, dass es beim Haus Birkach nicht nur um Steine gehe, sondern auch um ein inhaltliches Konzept. Er fragte: „Wie lange wollen wir den Mitarbeitenden des Hauses Birkach noch eine weitere Hängepartie zumuten?“ Er bat die Synode, dem Antrag des Oberkirchenrats zuzustimmen.

Paul Eckert sprach sich dafür aus, eine Entscheidung zu fällen, auch dann, wenn sie schmerzhaft sei. Die Ausgabe für die Renovierung sei hoch. Doch das Geld sei gut angelegt: Das Haus Birkach werde modern und energetisch neu ausgerichtet.

„Wir können nicht einfach einen Bauzaun um Haus Birkach stellen – das würde uns als Kirche um die Ohren fliegen“, sagte Jutta Henrich.
Der Tagesordnungspunkt wird am Dienstag, 23. November, fortgesetzt.


Gegebenenfalls rechtliche Schritte einleiten

Zwar habe der Oberkirchenrat auch ohne Gesamtkonzept für die Immobilien der Landeskirche deutlich machen können, dass das Bildungszentrum Haus Birkach auch in Zukunft sehr gut ausgelastet sein wird. Dies entbinde den Oberkirchenrat aber nicht, wie schon seit drei Jahren versprochen, ein komplettes Immobilienkonzept vorzulegen. Das sagte die Vorsitzende des Finanzausschusses, Inge Schneider, in ihrer Antwort auf die Rede von Oberkirchenrat Duncker zur Zukunft des Hauses Birkach. Die Kostensteigerung auf 16 Mio. Euro entspreche einer Steigerung von mehr als 10 Prozent. Schneider lobte die Fortschritte, die der Oberkirchenrat in den Verhandlungen mit den Denkmalschutzbehörden erzielt habe. „Wenn nicht sichergestellt ist, dass die energetische Sanierung der Erkerfenster möglich ist, kann uns die Sanierung nicht zugemutet werden“. Hier dürften keine Kompromisse gemacht werden. Alternativen, wie zum Beispiel ein Abbruch des Gebäudes und einer Verlagerung der Einrichtungen nach Bad Boll stellten sich nicht, da der Denkmalschutz einen Abriss verbiete. Schneider forderte, dass ein Rechtsstreit riskiert werden müsse, wenn sich eine energetische Sanierung der Erkerfenster nicht möglich sei. Es dürften darüber hinaus auch nicht mehr Kosten als die 16,5 Mio. Euro insgesamt entstehen. Auch müsse es genügend Flexibilität geben für künftige Nutzungsänderungen. Außerdem dringt der Finanzausschuss auf einen Mietvertrag zwischen Gemeinde Birkach und Landeskirche.


Mehr Geld für Haus Birkach gefordert

In seinem Bericht zur Zukunft des Hauses Birkach sagte Oberkirchenrat Hans-Peter Duncker, dass in Sachen Sanierung in weiten Teilen Einigkeit erzielt werden konnte mit den Denkmalbehörden. Ein strittiger Punkt seien die Metallfenster in den Erkerelementen. Diese machten Schwierigkeiten, weil sie ohne Dämmung seien und diese Wärmebrücken zu Schwitzwasser und damit klimatischen Problemen in den Räumen führten. Die Denkmalbehörden wollten eine technische Lösung für eine Sanierung der Erkerfenster präsentieren oder einen Austausch der Metallfenster genehmigen. Sonst würde eine Sanierung scheitern. Duncker schätzte die Sanierungskosten auf etwa 14,3 Mio. Euro. Ein Sicherheitszuschlag ergäbe einen Betrag von 16,5 Mio. Euro. Deshalb sei es planerisch richtig, diesen Betrag in den Haushalt einzustellen, in der Hoffnung, dass dieser nicht vollständig benötig werde. Derzeit sei noch in der Klärung, in welchem Umfang Mittel des Denkmalschutzes in Anspruch genommen werden können. Eine Beteiligung der Kirchengemeinde Birkach werde von dieser erwartet. Auch Mittel des Ausgleichsstocks seien zu beantragen.

Zum während der Sommertagung geforderten Immobilienkonzept für Tagungsstätten und Bürogebäude sagte Duncker, dass der Oberkirchenrat bis zum Sommer vorlegen wolle. Darin sollen auch Aussagen über die Möglichkeiten einer Kostenreduktion enthalten sein. Auf eine Einsparsumme will sich die Landeskirche nicht festlegen. Duncker rief dazu auf, dass jede weitere Verschiebung einer Entscheidung zu deutlichen Mehrkosten führe. Auch die Erhaltung eines leer stehenden Gebäudes in Birkach ab Ende 2011 und die darauf folgende provisorische Unterbringung des Bildungszentrums summierten sich auf viele hunderttausend Euro Kosten, die besser verwendet werden könne, wenn entschieden sei. Auch ein Abriss des Gebäudes trüge langfristig zu kosten bei – weil das Bildungszentrum auch untergebracht werden müsse. 


Alternative Beteiligungsmöglichkeiten fördern

Markus Brenner vom Gesprächskreis Kirche für Morgen kritisierte, dass der Bischof in seinem Bericht nichts Altes benannt habe, das wirklich in Frage gestellt werde. Auch gebe es wenig Neues, das wirklich angeregt oder gar gefordert werde. Eine vage binnenkirchliche Perspektive auf einzelne Berufs- und Personengruppen in der Kirche reiche nicht mehr aus. „Kirche im Jahr 2030 heißt: Kirche muss von einer Betreuungs- weg hin zu einer Beteiligungskirche auf allen Ebenen werden“. Die Landeskirche sei Volkskirche – das unterstütze der Gesprächskreis sehr. Auch die Anstrengungen zum Freiwilligenmanagement finde Zustimmung. "Wir müssen über alternative Beteiligungsmöglichkeiten nachdenken". Brenner forderte dazu auf, auch einmal querzudenken – alles Gute – nämlich auch das Wachstum – käme von unten. Im Abschnitt „Kirche am anderen Ort“ habe der Bischof dazu aufgefordert, hinzugehen zu den Menschen. Eine Kirche, die immer nur die Menschen dazu auffordert zu kommen, sei nicht auf dem Weg. Schulseelsorge sei so eine Möglichkeit, bei der Kirche zu den Menschen gehe. Auch unterstütze der Gesprächskreis das Anliegen des Bischofs, alle musikalischen Richtungen im Gottesdienst zu fördern. Deshalb müssten auch Posaunen- oder Gospelchöre und Lobpreisbands unterstützt werden. Brenner forderte dazu auf, Altes auch sterben zu lassen, damit Platz sei für Neues.


Präsenz zeigen

Eberhard Daferner von Evangelium und Kirche sagte, Kirche werde außerhalb wahrgenommen als: pfarrerzentriert, hierarchisch, mit zu viel Papier und wenig Mut zur Selbstkritik. "Ehrenamtliches Engagement hat sich auch außerhalb von  Kirche entwickelt. Wir müssen deshalb die Kompetenzen nutzen und Netzwerke bilden", sagte Daferner. Kinder und Jugendliche wüchsen nicht mehr selbstverständlich in die Kirche hinein. Damit die Ehrenamtlichen gut gefördert werden können, müsse Kirche berücksichtigen, wie Ehrenamt heute ausgeübt werde. Das bedeute zum Beispiel, Rücksicht darauf zu nehmen, dass viele Menschen sich nicht mehr für sechs Jahre am Stück, sondern eher für einen klar begrenzten Zeitraum zum beispiel ein paar Wochen, verpflichten ließen. Darüber hinaus forderte er, Kirche brauche mehr Mittel, um das Diakonat weiterzuentwickeln. Er lobte die Religionspädagogen. Diese seien sehr wichtig für kirchliche Arbeit. Auch müsse Kirche viel stärker ihr Profil und ihre Verantwortung für ein Gemeinwesen sichtbar machen. Präsenz sei gefragt.


"Nicht inhaltlich, sondern an Strukturen sparen"

"Eine Kirche, die sich als Volkskirche versteht, darf sich nicht in kleine Gruppen aufsplittern", sagte Elke Dangelmaier-Vincon vom Gesprächskreis Offene Kirche. Die Kirche müsse sich rufen lassen, wo sie gebraucht werde, sie müsse aber auch selbst rufen, dort, wo es nötig sei. Aber: Gerade in Zeiten zurückgehender Finanzmittel seien motivierte Mitarbeiter notwendig, Haupt- und Nebenamtliche. Diese Mitarbeiter bräuchten Wertschätzung. Hauptberufliche müssten aber auch in finanzieller Hinsicht belohnt werden – ihnen nützten warme Worte nicht viel. Überall dort werde Gottesdienst gefeiert, wo Nächstenliebe gelebt wird. So könne jeder Arbeitsplatz zum Gottesdienst werden. Deshalb sollte die Kirche dafür sorgen, dass ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter gute Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten haben. Sie forderte auch: "Wir müssen Menschen freistellen, die sich in besondere Arbeitsbereiche einarbeiten können – und ihr Wissen dann in die Kirche wieder einbringen". Es sei kurzsichtig und theologisch blind, wenn Kirche dort spare wo es gesellschaftlich relevant werde. Als Beispiele nannte sie die Akademie in Bad Boll, das Männerwerk, die Gleichstellungsbeauftragte und viele mehr. Sparpotenziale ergäben sich in den Strukturen der Landeskirche.


"Landeskirchenweite Mitarbeitertage organisieren"

Steffen Kern sagte für den Gesprächskreis Lebendige Gemeinde: „Wenn der Gottesdienst nicht die lebendige Mitte unserer Kirche ist, verliert sie ihr Herz. Wir unterstützen dieses Anliegen des Bischofs: Im Gottesdienst ereignet sich Kirche!“ Kirche sei grundsätzlich von der Gemeinde her gedacht – Ehrenamt und Hauptamt. Die Landeskirche sei dennoch eine eigene geistliche Größe und als solche unverzichtbar. Landeskirchenweite Mitarbeitertage seien wichtig, um Ehrenamtliche zu motivieren und dazu beizutragen, dass sich die Kirche nicht nur als Dienst-, sondern auch als Lebensgemeinschaft treffe und verstehe. Kern regte an, einen Kongresstag zum Jahr des Gottesdienstes 2012 zu veranstalten. Dass es Gemeinschaften innerhalb der Landeskirche gebe, sei kein Unglücksfall, sondern ein missionarischer Glücksfall. Darüber hinaus lobte Kern die Form der Gemeinschaftsgemeinde.


Gottesdienst im Mittelpunkt

Kirche im Jahr 2030 war das Thema des Bischofsberichts zur Herbsttagung der Landessynode. Der Gottesdienst soll nach Landesbischof Frank Otfried July auch im Jahr 2030 im Mittelpunkt kirchlichen Lebens stehen. Kirche im Jahr 2030 zeige durch die Vielfalt, wie wichtig der Gottesdienst im kirchlichen Leben sei.
Kirche sei eine Dienstgemeinschaft. Das bedeute, dass Kirche sich auch auf die Fragen konzentrieren müsse, was die Menschen, die ihr zugehören, verbindet, wie das Miteinander gestaltet wird und wie man mit Konflikten umgeht. Auch die Frage, wie die vorhandenen Ressourcen zu verteilen sind, sei wichtig. „Konflikte dürfen nicht unter den Tisch gekehrt werden“, so July. Der Gottesdienst sei ein wichtiges verbindendes Element. Deshalb regte der Bischof landeskirchenweite Gottesdienste für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter an. Kirche im Jahr 2030 bedeute auch, dass haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter zwar unterschiedliche Aufgaben hätten, aber am selben Auftrag arbeiteten. Der Bischof wünscht sich große Begeisterung für das Ehrenamt – auch noch in 20 Jahren. Dazu müsse Kirche aber noch Vieles tun. Ehrenamtliche arbeiteten in der Kirche mit, weil sie damit etwas aus ihrem Glauben heraus für die Gemeinschaft aller Glaubenden tun wollen – und nicht etwa, um sinkende Einnahmen zu kompensieren.
Für den diakonischen Dienst gelte: „Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen“. „Wir wollen das Diakonat erhalten und weiter fördern. Immer mehr Kirchenbezirke förderten ganz bewusst Kirchengemeinden mit diakonischem Profil. Daneben stünde der Ausbau der ambulanten, nachbarschaftsorientierten Diakonie. Das Diakonat sei nicht wegzudenken.


Auch auf den Religionsunterricht ging der Landesbischof ein: Kirche behalte durch den konfessionellen Religionsunterricht eine volkskirchliche Öffnung. Denn im Religionsunterricht träfen Kinder und Jugendliche den Vertretern der Kirche, „sie lernen die Bibel kennen und werden an die Welt des Glaubens herangeführt“. Auch in der Erziehung von Kleinkindern sei die Arbeit der Kirche nicht wegzudenken. Viele Menschen hörten erst durch die Kirchenmusik von Bibel und Glauben. Der Landesbischof wünscht sich eine Kirche, die alle musikalischen Richtungen – ob Chor, Gospel, Klassik oder Rock – beheimatet. „In der Musik wird die Brücken bauende Kraft des Evangeliums wirksam“. „Unser Glaube sucht nach Gemeinschaft. Christsein gibt es nie nur individuell“, sagte Landesbischof July weiter. Auch wenn im Jahr 2030 weniger Ressourcen vorhanden seien, so würde Kirche dennoch im Blick behalten, dass die Taufe jeden Gemeindegliedes auch gleichzeitig Verpflichtung ist. Das „Jahr des Gottesdienstes“ 2012 werde den Gemeindekontext des Gottesdienstes bedenken und diesen neu als Quelle des Gemeindelebens wertschätzen. Kirche 2030 habe alle ihre Gemeindeglieder im Blick. Neue Vernetzungen seien wünschenswert und notwendig. Die Welt sei durch Kirche zu gestalten, indem sie an „andere Orte“ ginge – wie beispielsweise Gottesdienste im Grünen oder kirchliche Präsenz in Bildungseinrichtungen. Kirche im Jahr 2030 heiße auch, die Welt zu gestalten durch kirchliche Medienarbeit. Weil Kirche als Volkskirche im Pluralismus existiere, nehme sie Entwicklungen im Medienbereich wahr, reflektiere diese theologisch. Kirche bringe in einer vernetzten Welt das Evangelium auch in dialogischen Medienstrukturen deutlich zur Sprache – ohne jedoch ältere Kirchenmitglieder verlieren zu wollen. Die Kirche sei mit Christen weltweit verbunden – deshalb liegt dem Landesbischof die Ökumene besonders am Herzen. Kirche im Jahr 2030 sei nicht sich selbst genug. So werde die evangelische Identität weiterhin deutlich sichtbar, weil die versöhnte Verschiedenheit christlicher Kirchen im Jahr 2030 noch stärker erkennbar sei. Dies beinhalte auch die Möglichkeit, kirchliche Arbeitsfelder und -strukturen gemeinsam zu gestalten.

Gemeinschaften gehörten zur Landeskirche: „Es wird keine Ausgliederung geben. Gemeinschaften bilden eine Säule der landeskirchlichen Arbeit“. Kirchenbezirke ermöglichten Strukturen, die Nähe und Verbindlichkeit ermögliche. Es brauche die übergemeindliche Struktur der Landeskirche, , um das verbindliche Gespräch und den Austausch der einzelnen Gemeinden über ihre Erfahrungen, ihre Einsichten und ihr Verständnis des Evangeliums. Dies komme an vier Punkten zum Ausdruck: Der Arbeit der Landessynode, die Visitation, die Bereitschaft zu Lastenausgleich und die öffentliche Fürbitte für die anderen Gemeinden.

Zur Frage „Wie wollen wir uns verwalten im Jahr 2030?“ antwortete der Landesbischof, dass jede Kirchengemeinde Kirchenpfleger im Nebenamt haben werde. Komplexe Verwaltungsvorgänge, wie Personal-, Finanzwesen oder Bauvorhaben sollten in kirchlichen Dienstleistungszentren erledigt werden. Im Dienstleistungszentrum vernetze sich die kirchliche Verwaltungsstelle mit der Verwaltung der kirchlichen Verbände auf Landkreisebene. Durch die Integration dieser Verbände erhöhe sich die kirchliche Kompetenz bei Verhandlungen mit dem Landkreis. Die verschiedenen kirchlichen Dienststellen würden durch ein einheitliches EDV-System in ihren Aufgaben unterstützt. „Der Oberkirchenrat nimmt nur noch solche Funktionen wahr, die aus Gründen der Aufsicht oder wegen der hohen Spezialisierung nicht bei den Gemeinden oder den Dekanaten angesiedelt sind.“

Zur Frage nach dem Finanzwesen im Jahr 2030 sagte Landesbischof Frank Otfried July, dass im Sinne guter Haushalterschaft auch Erkenntnisse und Werkzeuge moderner Betriebs- und Finanzwirtschaft zum Einsatz kommen. Dennoch sei zu fragen, ob Kirche sich auf ein Denken einlasse, das die inhaltlich-konzeptionelle Arbeit so beeinflusse, dass sie in ihrem Auftrag unkenntlich werde. Kirche 2030 wisse mit den anvertrauten Pfunden verantwortlich umzugehen. Die hohe Transparenz der verschiedenen Aufgabenbereiche im Finanzwesen erhöhe das Vertrauen, verstärke die inhaltliche Diskussion zwischen den Verantwortungsträgern der Landeskirche und beschleunige Änderungsprozesse.

Auch die Gebäude zählten zu den „irdenen Gefäßen“. Kirchliche Gebäude seien von hoher Bedeutung. Gebäude dienten der Verkündigung. Andererseits änderten sich die Formen der Verkündigung immer wieder – so könne es ein Weg sein für die Kirche im Jahr 2030, sich darauf einzulassen, dass das Kirchengebäude mehrere Kilometer weit weg stünde – der Bischof nannte das Vorbild des Pilgerns als spannende Alternative zur Kirche vor Ort. Denn langfristig müssten Kirchengebäude und auch Pfarrhäuser abgegeben werden. 


Pressemitteilung der Landeskirche zur Zukunft der Kirche und zum Bischofsbericht (22. November 2010)


Pressemitteilung der Landeskirche zur Präimplantations-Diagnostik (22. November 2010)


Neues Mitglied

Als Synodaler schied Dr. Rüdiger Albrecht aus dem Gremium und auch aus dem Rechtsausschuss aus. Als Nachfolger vorgeschlagen wurde Marc Dolde. Er wurde als Synodaler verpflichtet und als Mitglied des Rechtsausschusses gewählt.


Gemeinsame Ziele erreichen

Gabriele Seefried, erste Landesbeamtin des Ostalbkreises lobte in ihrem Grußwort die konstruktive Partnerschaft zwischen Landkreis und Kirche und nannte die Schuldnerberatung, und die Jugendhilfe als Beispiele. Kirche und Kreis seien Weggefährten, Mutmacher und Schrittmacher. „Der Staat braucht die Kirchen und die kirchlichen Einrichtungen mehr denn je“, so die Landesbeamtin. Die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Kreis trage dazu bei, Kräfte zu bündeln. Auch sei es möglich gemeinsame Ziele festzulegen und diese umzusetzen.


Gutes Miteinander von Kommunen und Kirchen

In seinem Grußwort sagte der Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Richard Arnold, seine Stadt profitiere davon, dass die Synode hier tage. „Es berührt unsere Stadt, dass Sie da sind. Das gute Miteinander von Kommunen und Kirchen ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit.“


Gottesdienst zu Beginn der Synode

Schwäbisch Gmünd. Mit einem Gottesdienst in der Augustinuskirche in Schwäbisch Gmünd begann die Herbsttagung der Württembergischen Evangelischen Landessynode. In ihrer Predigt sagte Erika Schlatter-Ernst, der Traum von einem neuen Himmel und einer neuen Erde in Offenbarung 21 solle dazu ermutigen, trotz widriger Umstände am Versprechen vom kommenden Gottesreich festzuhalten. Für die Synode bedeute dies, einander zuzuhören, ernst zu nehmen, Fehler zu verzeihen und zuzugeben „Wir sind alle Suchende“.


Synode der Entscheidung

In der neuesten Ausgabe seines Blogs hat Rundfunkpfarrer Andreas Koch ein Thema: Die Synode und die Sparbesdchlüsse. Dass es zum Sparen keine Alternative gibt, davon ist er überzeugt.
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Pressemitteilung zur Haushaltspressekonferenz

Landessynode muss über konkrete Sparmaßnahmen entscheiden


Download
"beraten und beschlossen" [PDF, 1,2 MB]

Haushaltsplan der Landeskirche 2011
nach Beschluss Herbstsynode 2010 [PDF, 2,5 MB]

PID
Die Landessynode sprach sich gegen die Präimplantationsdiagnostik aus.

Atomkraft
In der Frage der Atomkraft hat die Synode keine eindeutige Haltung. 

(Wieder)Eintritt in die Kirche
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