D. Frank Otfried July, Bischof der württembergischen Landeskirche
Für eine Kirche nah am Menschen
Seit Juli 2005 ist D. Frank Otfried July Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Er ist Nachfolger von Dr. Gerhard Maier, der mit 68 Jahren in Ruhestand ging. Als Bischof legt July Wert darauf dass die Kirche nah an den Menschen ist, und setzt sich dafür ein, dass die Diakonie auch künftig einen wichtigen Stellenwert in der Kirche hat.
Dass der im Jahr 1954 Geborene heute Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ist, hat er seinem Religionslehrer zu verdanken, denn "der hat mich zum Theologiestudium gebracht und ich nehme an, dass ihn mein Erfolg jetzt nicht unglücklich macht“, erzählt July und lacht. Zunächst wollte er eigentlich Theaterwissenschaften und Germanistik studieren, entschied sich dann aber doch für ein Theologie-Studium an der Universität in Tübingen.
"Die Diakonie muss Teil der Kirche bleiben"
Nach dem dreijährigen Vikariat in Reutlingen-Betzingen wurde er 1983 wissenschaftlich-theologischer Assistent an der theologischen Fakultät der Universität Heidelberg, 1987 – mit 33 Jahren - persönlicher Referent des württembergischen Landesbischofs Hans von Keler. Diese Aufgabe behielt er auch unter von Kelers Nachfolgern Theo Sorg und Eberhard Renz – und konnte schon damals in das Amt des Landesbischofs „hineinschnuppern“. Mit 42 Jahren wurde der gebürtige Darmstädter Erster Pfarrer und Direktor des Diakoniewerks Schwäbisch Hall mit 2.500 Mitarbeitern und trieb dort den Umbau der traditionell geprägten Diakonissenanstalt zum Diakoniewerk mit unternehmerischer Dimension voran. "Ich habe gelernt, Strategien zu entwickeln und Bilanzen zu lesen", erzählt der vierfache Familienvater. Fähigkeiten, die ihm jetzt auch im Amt des Landesbischofs von Nutzen sind.

- "Kirche und Diakonie gehören zusammen", sagt der Landesbischof.
Kraft für sein oft anstrengendes Amt zieht July aus seinem Glauben, "Gottes Gnade und Liebe geben mir Standfestigkeit", sagt er. Eine Standfestigkeit, die er auch in vielerlei Hinsicht gebrauchen kann, denn der Anfang von Julys Amtszeit war angesichts knapper kirchlicher Kassen geprägt von Struktur- und Finanzdiskussionen. Die Landeskirche muss sparen, und dass das für die betroffenen Einrichtungen oder Kirchengemeinden ein oft sehr schmerzhafter Prozess ist, hat der Bischof inzwischen schon häufiger erfahren müssen.
Eines aber hat Frank Otfried July bei allen Spardiskussionen immer wieder deutlich gemacht: Die Diakonie muss Teil der Kirche bleiben. Denn Kirche und Diakonie - das wird der Landesbischof nicht müde zu betonen - seien zwei Seiten einer Medaille. Schon bei einem Besuch im Büro des Landesbischofs wird deutlich, dass die Brücke zur Diakonie nicht abgebrochen ist: Hinter seinem großen Schreibtisch aus hellem Holz hängt ein großes blaues Bild, ein Geschenk der Künstlergruppe „Tausendgrün“ aus der Behindertenhilfe Schöneck, die zum Haller Diakoniewerk gehört. Und direkt neben der Tür lehnt ein silberner Bischofsstab, gefertigt von Langzeitarbeitslosen, die bei der diakonischen Einrichtung „Erlacher Höhe“ beschäftigt sind. July ist überzeugt, Kirche müsse da sein und den Menschen in ihrer Not helfen. Dafür brauche sie auch die Diakonie.
"Kirche muss nahe an den Menschen sein"

- Einladend und nahe bei den Menschen - so soll Kirche sein, findet Frank Otfried July.
Der Bischof warnt vor „endlosen Lobbyistendebatten“ in der Kirche. Stattdessen solle diese sich in die Gesellschaft einbringen, fordert er, "wir müssen eine Institution sein, die jeden persönlich fürs Leben stärken kann". Und genau daran will July in seiner Amtszeit arbeiten und plädiert für eine Kirche, die nahe an den Menschen ist. Denn nur dann könne die Kirche auch nach außen strahlen. "Wenn unser Wir-Gefühl weiter gestärkt wird, dann wollen Menschen auch zu dieser Kirche gehören", ist er überzeugt. Dafür kann und will auch July selbst einen wichtigen Beitrag leisten: Auf die Menschen zugehen, ihnen zuhören, das fällt ihm leicht. Und wer ihn beobachtet, wenn er mit den Mitgliedern von Kirchengemeinden, mit den Beschäftigen diakonischer Unternehmen oder mit seinen Pfarrerskollegen spricht, der gewinnt den Eindruck: Der Austausch mit unterschiedlichen Menschen, das ist es, was dem Landesbischof Freude an seinem Amt macht. Wenn er unterwegs ist, trägt er gerne ein Hemd mit Priesterkragen, „weil es wichtig ist, als Christ geistlich und äußerlich erkennbar zu sein“. In seiner raren Freizeit kann man ihn auch in Jeans und Lederjacke sehen. Als Landesbischof will July auch Theologie treiben und klare Positionen beziehen, „theologische Reflexion ist ein wesentliches Element meines Amtes“, erklärt er. Eine enge Verbindung als Kirche zur universitären Theologie ist ihm dafür wichtig. Weil ihm diese Verbindung beispielhaft gelingt, hat ihm die theologische Fakultät an der Universität Tübingen im Juli 2008 die Ehrendoktorwürde verliehen. Theologie ist dabei nie Selbstzweck, vielmehr ergeben sich aus ihr heraus die Themen, die July als Bischof ansprechen möchte.

- Die Würde des Menschen ist ein wichtiges Thema für die Kirche.
Krankheit, Leiden, Alter, die Würde des Menschen seien Themen, die die Kirche immer wieder in die Gesellschaft hineintragen müsse, "in einer Welt, in der nur noch nach Effizienz geschaut wird". Dabei bezieht der Landesbischof zu aktuellen Fragen Stellung und nimmt sowohl die Kirche als auch die Gesellschaft insgesamt in die Pflicht.
Der Alltag eines Landesbischofs ist oft genug auch mühsame Kleinarbeit: Viele Projekte gilt es in dieser großen Kirche, zu koordinieren und zu verzahnen. Keine leichte Aufgabe. Doch July ist ein fröhlicher Mensch, er lacht gerne und viel, "eine Eigenschaft, die mir auch im Bischofsamt nützlich ist", sagt er.
Zudem gilt sein Führungsstil bei Mitarbeitern und Freunden als integrativ und kommunikativ, er binde Mitarbeiter in seine Entscheidungen ein, heißt es. In seinen bisherigen Tätigkeiten habe er verschiedene Führungsstile kennengelernt, meint July selbst. Und als Bischof setze er jetzt eben auf seinen eigenen Stil.
Das Amt des Landesbischofs ist für ihn immer wieder eine neue Herausforderung. Eine, die auch seine Familie mittragen muss. "Uns ist klar, dass mein Amt auch die Familie verändert", räumt er ein. Seine Frau habe ihn von Anfang an unterstützt, seine vier Kinder aber hätten gemischte Gefühle: "Einerseits finden sie es aufregend, einen Landesbischof zum Vater zu haben, andererseits nervt sie beispielsweise der ganze Presserummel". Für July bleibt es deshalb wichtig, neben der Aufgabe als Oberhaupt der württembergischen Protestanten, auch noch Zeit fürs Privatleben zu haben. "Ich habe mir neue Joggingschuhe gekauft", er lächelt und ergänzt, zum Laufen habe ihm der Arzt geraten, "als Ausgleich".
Angelika Hensolt






