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Bischofs-Botschaft zum Thema Finanzkrise
„Darf es immer nur um den größtmöglichen Gewinn gehen?“ fragt Landesbischof Frank Otfried July angesichts der Finanzkrise in seiner neuesten Videobotschaft im Internet. Er mahnt dazu, dass eine Marktwirtschaft sozial und menschlich sein müsse.Bischofs-Botschaft auf kirchenfernsehen.de

Bischofs-Botschaft im Internet - 'Menschen in Not nicht vergessen'
?Darf es immer nur um den größtmöglichen Gewinn gehen?? fragt Landesbischof Frank Otfried July angesichts der Finanzkrise in seiner neuesten Videobotschaft im Internet. Er mahnt dazu, dass eine Marktwirtschaft sozial und menschlich sein müsse. Dies sei in der Vergangenheit bislang vergessen worden. Nach dem Absturz der Märkte sei nun Bodenhaftung...Beitrag ansehen
Die Bischofsbotschaft zum Nachlesen
Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,auch ich mache mir Sorgen in der tiefsten Finanzkrise seit Jahrzehnten. Nun bietet unser Staat den Banken umfassende Hilfen an. „Was könnte der Staat mit 500 Milliarden Euro machen?“ fragte die Stuttgarter Zeitung sich und ihre Leser. Derartige Fragen haben im Augenblick Hochkonjunktur. Es sind Fragen nach Wirtschaftsethik und nach Werten im Zusammenleben der Menschen.
Ich kann verstehen, dass viele Menschen nach etlichen Jahren der öffentlichen Spardiskussionen sich verwundert die Augen reiben oder sich ihrer Empörung Luft machen. Plötzlich stehen hunderte von Milliarden Euro zumindest als Bürgschaft zur Verfügung.
Doch mir drängen sich in diesen Tagen noch andere Fragen auf. Sie heißen: „Darf es immer nur um den größtmöglichen Gewinn gehen?“ Und: „Darf man den Markt nur denen überlassen, die ausschließlich ihren persönlichen Nutzen suchen?“
Ich sage: Nein. Die Marktwirtschaft muss sozial und menschlich sein. Gemeinwohl und Eigennutz müssen im wirtschaftlichen Handeln zusammengehören. Dies ist vergessen worden. Eine Finanzwirtschaft, die eine Spekulationsblase erzeugt und sich von der realen Wirtschaft abkoppelt, geht den falschen Weg. Sie spielt in unverantwortlicher Weise mit der Arbeits- und Wirtschaftsleistung der Menschen.
Nun wird von vielen Seiten das Umdenken gefordert. Ich bin der Meinung, das dies nicht nur eine Umstrukturierung der Märkte umfassen darf. Niemand soll aus seiner Verantwortung entlassen werden. Trotzdem sollte meiner Meinung nach niemand dabei wohlfeil an den Pranger gestellt werden. Es geht um uns alle. Es geht um unsere Einstellung zu Gemeinwohl und Eigennutz.
Dies hat Konsequenzen: Mittel, die für weltweite Hilfsmaßnahmen eingesetzt werden, sind verschwindend gering — vergleicht man sie damit, wie viel Geld derzeit in die Finanzmärkte gepumpt wird. Im letzten Jahr betrug der Etat für die deutsche Entwicklungshilfe viereinhalb Milliarden Euro Steuermittel. Das ist Geld, mit dem Menschen in Not geholfen wird. Spenden an nicht staatliche - auch kirchliche - Hilfsorganisationen kommen hinzu. Wir dürfen auch die Menschen nicht vergessen, die weltweit in Not geraten sind.
Krisen haben auch ihre Chancen. Nutzen wir diese tiefe Krise als Chance. Viele sind schmerzhaft abgestürzt. Achten wir künftig auf Bodenhaftung. Hören wir dazu die biblische Mahnung: „Geldgier“, so heißt es in der Bibel, „ist eine Wurzel alles Übels… Aber du, Gottesmensch, fliehe das.“
Gott befohlen
Ihr Landesbischof Frank Otfried July






