englishfrancais

StartseiteGlaubenKirchenjahrOstern und KarwocheOsterimpulseKarfreitag 2011

Karfreitag 2011


Karfreitag 2011

„Warum hängt ihr denn immer noch so an eurem Kreuz? Das sieht so furchtbar aus, wie Jesus leidet.“ Das war der Einstieg in ein Gespräch, das ich vor kurzem geführt habe. Ein Gespräch darüber, dass das Kreuz Christi für viele Menschen heute anstößig ist und unverständlich und auch das, was Christinnen und Christen an Karfreitag „feiern“.

Leiden, ein Leiden kennen wir doch. Aus den Fernsehnachrichten, bei denen wir im Minutentakt von einem Schauplatz des Leides zum nächsten zu springen: Von Japan, wo hilflose Menschen nach ihren Verwandten suchen, springen wir nach Libyen, wo Gewaltmenschen Zivilisten bekriegen. Tagesnachrichten, die vom Missbrauch unschuldiger Kinder sprechen. Und dann Nachrichten aus dem Freundes- und Familienkreis: Die schwere Depression eines Vaters hat sich nicht gebessert. Leid – das kennen wir. 

Gott aber ist auch ein Gott der Überraschungen. Immer wieder überrascht er uns und wirbelt unsere menschlichen Erwartungen durcheinander. Unsere Erwartungen davon, wie sich Gott zu verhalten habe.
Denn Gott bleibt nicht Gott, sondern wird Mensch. Gott hat es gefallen, sich seiner Allmacht zu entledigen, um sich im Menschen Jesus von Nazareth zu offenbaren, sich mit uns Menschen bekannt zu machen. Gott bleibt nicht Gott, sondern wird Mensch und erweist gerade darin seine Göttlichkeit.
In Jesus Christus kommt Gott uns Menschen nahe: Feiert wie Menschen feiern. Wird zornig über Ungerechtigkeit. Lässt sich von Kindern anrühren und am Ende – leidet er. Jesus wird von seinen Freunden im Stich gelassen, von Gewaltmenschen verlacht und gefoltert und am Ende stirb er am Kreuz von Golgatha. Er ist verlassen worden von allen und Jesus ruft mit uns Menschen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Evangelium nach Markus 15,34)

So hat Jesus Christus uns Menschen kennen gelernt und unsere Not am eigenen Leib ertragen.
Deshalb können Christinnen und Christen noch immer nicht vom Kreuz Christi lassen: An Karfreitag feiern Christinnen und Christen, dass der christliche Gott nicht ein ferner, gefühlloser Gott ist –  auch er kennt Schmerzen und Einsamkeit.
Am Kreuz zeigt sich, dass wir Menschen mit unserem Leiden nicht alleine bleiben müssen. Mit unserem Leiden an der Welt. Mit dem Leiden an uns – der menschgewordene Gott leidet mit uns. Das ist unsere Hoffnung und oft einzige Zuversicht: Auch in unserer tiefsten Not sind wir nicht länger allein, sondern Gott ist an unserer Seite!

Jasmin Schönemann


(Wieder)Eintritt in die Kirche
Bookmarks und RSS

RSS Feed abonnieren

Hilfe für Missbrauchsopfer