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Das Osterlachen sollte die Freude über die Auferstehung wecken


Tübinger Kirchenhistoriker ist einem zeitweise missbrauchten Brauch nachgegangen

Ein "Osterlachen" sollte durch die Kirche schallen am Morgen des Ostersonntag, damit die Gemeinde die Freude über die Auferstehung nachempfinden konnte. Der Kirchenhistoriker Reinhold Rieger von der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen ist der Tradition nachgegangen, die es zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert gab.


Ein "Osterlachen" sollte durch die Kirche schallen am Morgen des Ostersonntag, damit die Gemeinde die Freude über die Auferstehung nachempfinden konnte.

Dabei erzählten Pfarrer am Ostersonntag Lustiges von der Kanzel, um die Gemeinde zum Lachen zu bringen. Das konnten Witze sein, oder Anekdoten, bis hin zu kleinen gespielten Szenen. Dem Pfarrer ging es dabei in erster Linie darum, seine Gemeinde zu erheitern und aufzuwecken, berichtet Rieger. Mit dem "rhetorischen Stilmittel" wollten die Prediger die Menschen packen, um Aufmerksamkeit zu gewinnen für das, was sie in der Predigt eigentlich sagen wollten.

Mit der Zeit wurden die Späße aber immer obszöner. Ein vergleichsweise harmloses Beispiel erwähnt Maria Caterina Jacobelli in ihrem 1992 erschienenen Buch "Das Ostergelächter". Während der liturgischen Feier ertönte von der Empore Hühnergegacker. Zugleich erzählte der Prediger die Geschichte von zwei Liebenden, die auf einer Reise "keine Betten mehr bekamen und deshalb gemeinsam auf der Ofenbank schliefen. Aber die Bank stürzte mit ihnen zusammen hinab, mitten unter die Hühner ....".

Jacobelli zitiert den aus Weinsberg stammenden Basler Reformator Johannes Oecolampad, dem sich bei gewissen Witzen "der Magen umdrehte". Die Thematik des Osterlachens spielte auch eine Rolle im Streit zwischen Katholiken und Protestanten, so Jacobelli. Beide Seiten warfen sich gegenseitig vor, diesen Brauch nicht, zu wenig, schlecht oder falsch auszuüben.

Viele Reformatoren setzten sich für eine Ernsthaftigkeit in den Gottesdiensten ein und kritisierten das Osterlachen. Dies hatte zur Folge, dass der Brauch sich wandelte: nachdem er im 16. Jahrhundert sehr heftig und derbe ausgeführt wurde, mäßigten sich die Geschichten ab dem 17. Jahrhundert. Ende des 18. Jahrhunderts bezog die Kirche dann Stellung gegen diesen Brauch, ohne jedoch zu erreichen, dass er ganz aufhörte. Mitte des 19. Jahrhunderts sei dann die obszöne Komponente gänzlich verschwunden gewesen, aber auch das Osterlachen verschwand vor rund 200 Jahren aus den Kirchen.

Und heute? Es gibt eine neue Diskussion über den Sinn des Osterlachens, berichtet Reinhold Rieger: "Man fragt sich heute, auch im evangelischen Bereich, ob dieser Brauch nicht doch auch einen inneren Sinn hat. Gerade weil er ja durchaus der Freude an der Auferstehung Christi Ausdruck geben könnte." Und so gibt es Überlegungen, ob das Osterlachen uns heute wieder gut tun würde. Vor allem unter dem Aspekt der Ganzheitlichkeit des Menschen, weiß Rieger. 

"Die Trennung zwischen dem Ernst der christlichen Botschaft auf der einen und Fröhlichkeit und Lachen auf der anderen Seite, die ist ja auch nicht so ganz schöpfungsgemäß", sagt der Theologe und Kirchenhistoriker lachend.

Für ihn gehört das Lachen zu ihm «als religiösem Wesen» dazu. Heute wisse man ja, was das Osterlachen beendet hat: die Oberflächlichkeit obszöner Witze. Das Osterlachen sollte vielmehr mit einer tieferen Osterfreude in Verbindung stehen, so Rieger. Und die gehe über ein bloßes Gefühl hinaus: "Die echte Osterfreude bleibt bestehen und trägt durchs Leben." Also auch dann noch, wenn das Osterlachen des Ostersonntagsgottesdienstes verklungen ist.

Dorothee Adrian (epd)


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