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Endlichkeit schmerzt

Friedhofsbesuch. Gräberpflege. Derer gedenken, die nicht mehr da sind. Begrenztheit von Lebenszeit wahrnehmen, unsere Endlichkeit: das genaue Bedenken schmerzt.

Bei individuellen Fragen ist das ebenso wie bei den großen Problemen, bei denen wir an Grenzen stoßen. Man ist geneigt, sie aus dem Bewusstsein hinauszuschieben.


Es gibt freilich auch ein Erkennen von Endlichkeit, das auf neue Wege führt.


Den Kompass dazu für sich fanden beispielgebende Christen mit der Bibel in der einen Hand und der Zeitung in der andern.


In Kreisen des Pietismus gab es früher nicht nur die „Bibelstund" sondern auch eine „Zeitungsstund". Die in den Zeitungen berichteten Ereignisse  wurden vorgelesen und im Licht der Botschaft des Evangeliums betrachtet.


Große Fragen bewegen uns in diesen Tagen:


Der Welternährungsgipfel in Rom zeigt, wie die Schere zwischen Reich und Arm weltweit auseinandergeht. Bis 2015 sollte die Zahl der Hungernden halbiert werden. Nun steigt sie weiter, und soziale Auseinandersetzungen nehmen zu.


Ein Sicherheitsdenken in unserer Staatenwelt, das nach wie vor auf militärische Lösungen setzt, führt absehbar zu weiteren Drehungen der Gewaltspirale. Die zunehmende Anzahl von Ländern, die Atomwaffen besitzen oder sich verschaffen, macht die Gefahr der Selbstvernichtung deutlich.


Und dann die gewaltigen Veränderungen im Klima; bedacht werden sie demnächst in Kopenhagen. Ein Klimaanstieg um über 2° C in den nächsten zehn Jahren führt zu nicht wieder korrigierbaren Veränderungen der Überlebensbedingungen auf unserer Erde. Die Schärfe des Problems nimmt noch zu. Wenn sich der Temperaturanstieg weiter verstärkt, tauen Permafrostgebiete in Sibirien und Nordkanada auf. Ungeheure Mengen Methangas werden freigesetzt, für die Erderwärmung zwanzigmal gefährlicher als Kohlendioxyd. Nicht erst die Enkel, bereits die Kinder werden die Folgen tragen müssen.


Umkehrschritte von Einzelnen zur Klimaschonung sind nötige „Bewußtmacher“. Aber reichen die kleinen Schritte der individuellen Verhaltensänderung, wenn ein Beispiel zeigt, dass allein bei der Erdölförderung der Industrie jedes Jahr nebenher soviel Erdgas abgefackelt wird, wie die Industrienationen Deutschland und Italien zusammen verbrauchen?

Die Endlichkeit der Ressourcen unserer Erde wird sichtbar, und auch, dass eine auf materielles Wachstum gegründete Wirtschaftsweise selbstzerstörerisch wirkt.


Gott ist ein Gott der Hoffnung

Wir gedenken der Entschlafenen, an all die Schwierigkeiten und Probleme, die sie in ihrer Zeit zu lösen oder zu ertragen hatten. Heute stehen wir vor Herausforderungen, die auch nur wahrzunehmen schwer erträglich sind, für die es seit Menschengedenken kein Beispiel gibt. Verständlich ist der Wunsch, das alles beiseite zu schieben oder zu verdrängen. Die Schwierigkeiten können zu innerer Lähmung führen.


Doch die lässt sich überwinden.


Es ist möglich, nicht in Verdrängung auszuweichen und aus einer Erstarrung herauszutreten. Unser Glaube lässt klares Erkennen zu, weitet unseren Horizont, macht beweglich. Unser Gott ist ein Gott der Hoffnung. So bezeugt ihn die Bibel. Wer auf den Weg Jesu setzt, für den tun sich nicht nur in der persönlichen Geschichte neue Horizonte auf.


Das Individuum kann es so erfahren, ebenso die ökumeneweite Kirche.


Gemeinsame Schritte aller Christen

Christen sollen ihrem Auftrag gemeinsam folgen. Der Glaube des Einzelnen braucht das gemeinsame Zeugnis als Kirche. Ihrer Berufung werden Christen und Kirchen in ökumenischer Gemeinsamkeit und Weite gerecht. Oekumene meint „bewohnter Erdkreis“. Wir müssen uns selbst von sehr komplexen Problemen nicht lähmen lassen. Wir sollen auch kein gewaltsames Ende für unsere Welt herbeisehnen. Sie ist Gottes Schöpfung.


Nun haben sich die christlichen Kirchen im gegenwärtig möglichen weltweiten ökumenischen Verbund darauf verständigt, auf die hier angesprochenen miteinander verschränkten Probleme Antworten zu suchen. Sie wollen auf einer internationalen repräsentativen Zusammenkunft ihren Beitrag zu einem schöpfungsfreundlichen gerechten Frieden artikulieren, Schritte zur Umkehr aus eigenen Irrwegen suchen und Beispiele der Selbstverpflichtung geben. Eine ökumenische Erklärung zum gerechten Frieden soll veröffentlicht werden. Sorgfältiges Nachdenken ist nötig. Ein erster Entwurf liegt vor. Er wird diskutiert und verändert, auch in unseren Gemeinden und Gruppen. Im Mai 2010 soll die Endfassung in Kingston/Jamaika dann verabschiedet werden. Dazu treten noch andere – und kürzere – Ausdruckformen. Kingston wird ein Knotenpunkt für das gegenseitige Bestärken und das uns aufgetragene gemeinsame Zeugnis.


Für heute gilt: Dem Gedenken sein Recht. Der Hoffnung eine Bahn. Grund für sie gibt es. Und konkrete Schritte.

Ulrich Schmitthenner

Die Videobotschaft des Landesbischof zum Ewigkeitssonntag




(Wieder)Eintritt in die Kirche
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