Andacht zu Erntedank
"Dankbarkeit ist sichtbare Lebensqualität"
Gott-sei-Dank! Das sagen viele. Manchmal einfach nur so. Aber gar nicht so selten auch im tiefsten Sinne dieser Redensart. Zum Beispiel, wenn etwas Schlimmes – Gott-sei-Dank – nicht eingetroffen ist, und dann die Anspannung von einem abfällt und man wieder aufatmen kann. Was für eine Erleichterung! Und mit einem tiefen Seufzer und einem Blick nach oben: Gott-sei-Dank! Mir gefällt diese Redensart eigentlich sehr gut, vor allem, wenn sie passt und auch so gemeint ist. Gott immer wieder Danke sagen finde ich nämlich eine wichtige Sache. Es hat etwas Befreiendes. Manchen Menschen wird dieses Danke-Sagen sogar so wichtig, dass es Spuren im Alltag hinterlässt. So bei meinem alten Freund, den ich im Sommer besucht habe. Wir hatten uns lange nicht mehr gesehen. Man macht sich dann so seine Vorstellungen, wie der andere lebt, zumal er die 60 bereits überschritten hat und sich beruflich und privat so langsam in Richtung Ruhestand bewegt. Außerdem ist er hochgebildet, hat Stil und einen guten Geschmack. Und dann war ich doch etwas erstaunt über seine einfachen Lebensverhältnisse bis hin zu seinem Auto, das den ausgesprochen hohen Kilometerstand kaum verleugnen konnte. Aber mein Freund war darüber sehr glücklich und dankbar. Und bald hat er auch sein Geheimnis gelüftet. So nebenher unterstützt er eine ganze Familie, die im Ausland im Entwicklungsdienst tätig ist, die aber ohne ihn kaum über die Runden käme, besonders jetzt nicht, in der Ausbildungszeit der Kinder. Für meinen Freund war das seine Art, Gott danke zu sagen, indem er seine Einkünfte mit anderen teilt. Nicht jeder will oder kann so leben. Mein Freund aber kann es und er will es auch. Und das Wichtigste: Er scheint mit diesem Lebensmodell sehr zufrieden, ja richtig glücklich zu sein. Er genießt sein Leben. Vielleicht gerade deshalb, weil er teilt, was er hat. Mir ist damit deutlich vor Augen geführt worden, dass Dankbarkeit eine sichtbare Lebensqualität ist. Und: Gott-sei-Dank gibt es solche Menschen, die mit ihrem Engagement dazu beitragen, dass andere Grund zum Danken haben. Auf diese Weise breiten sie Dankbarkeit und Zufriedenheit aus.
Im Tischgebet "Danke" sagen

- "Danke" sagen für schöne Dinge - auch im Tischgebet. [Foto: Fotolia.de]
Manche Menschen drücken ihre Dankbarkeit durch ein knappes, aber ernstes Gott-sei-Dank aus. Für sie ist dieses Gott-sei-Dank nicht nur eine Redensart, sondern ein kurzes Gebet. Andere fangen an, von ihrem Überfluss abzugeben oder das, was sie haben zu teilen, mit der erstaunlichen Erfahrung, dass es gar nicht so schwer fällt, sondern glücklich machen kann. Dankbarkeit kann man also auf sehr unterschiedliche Weise ausdrücken. Ebenso die Dankbarkeit gegenüber Gott. So zum Beispiel bei den heutigen Erntedankgottesdiensten in den Kirchen. Einige wollen auch im Alltag Gott ihre Dankbarkeit zeigen, zum Beispiel durch Abend- oder Tischgebete. Weil sie entdeckt haben, dass scheinbar Selbstverständliches gar nicht so selbstverständlich ist. Dazu eine nette Geschichte von zwei Ferienjobberinnen. Während der Urlaubszeit arbeiteten die beiden in einer großen Firma. Dort sind sie ihm, einem jungen Mann, bald aufgefallen und zwar in der Kantine beim Mittagessen. Seit einer Woche beobachtete er, wie sie sich ihr Essen bestellten und sich gemeinsam hinsetzten. Aber was dann kam, war irgendwie merkwürdig. Sie hielten einen Moment inne und schauten sich scheu um. Dann wurden ihre Mienen ernst, sehr ernst sogar. Manchmal beugten sie sich auch leicht nach vorne. Das dauerte, ein bis zwei Minuten und dann erst griffen sie zu Messer und Gabel und fingen an zu essen. Weil er die beiden sehr sympathisch fand, sich ihr Verhalten aber nicht erklären konnte, fasste er den Entschluss, nachzufragen, was denn los sei. Er ging also hin, sprach die beiden an und sagte: "Ist das Essen hier in unserer Kantine so schlecht, dass Ihr Euch erst überwinden müsst, bis Ihr mit dem Essen anfangt?" Die beiden waren völlig verblüfft, dann erst begriffen sie, was der junge Mann beobachtet und wie er es gedeutet hatte. Oh, nein! Da mussten die Mädchen über sich selber lachen. Und sie erklärten ihm, was wirklich los war. Sie beide würden vor dem Essen beten, aber das wäre ihnen hier irgendwie komisch vorgekommen und auch ein bisschen peinlich gewesen. Deshalb hätten sie sich einfach im Sitzen konzentriert, ohne die Augen zu schließen. Der junge Mann schüttelte ungläubig den Kopf. Das war ein Dankgebet? Warum sie dann aber ein so ernstes Gesicht dabei gemacht hätten, hakte er nach. Er habe wirklich gedacht, das Essen widere sie an. So kann man missverstanden werden. Beten sollte eigentlich nichts Verkrampftes sein. Danke zu sagen für ein gutes Essen oder für andere schöne Dinge ist doch etwas Normales. Dafür braucht man sich doch nicht zu genieren. Mir jedenfalls helfen solche Gebete, weil Sie mir bewusst machen, wie viel Schönes und Gutes ich tagtäglich erfahre. Beim Beten führe ich das nicht nur Gott, sondern auch mir selbst nochmals vor Augen. Dazu möchte ich Sie heute ermutigen und wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.
Dan Peter




