Oben droben?
Von Birgit Mattausch
Himmelfahrt ist nun also, liebe Leserin und lieber Leser. Ein seltsames Fest – denn wann hätte man je gefeiert, dass einer, den man liebte, wegging? Wann hätte man je gefeiert, dass man zurückgelassen wird?
40 Tage lang ist der auferstandene Jesus noch geblieben bei seinen Freundinnen und Freunden – und dann endgültig aufgefahren in den Himmel, so berichtet es jedenfalls das Lukasevangelium.
Seither sitzt er, man kann es sehen auf den Bildern in den Kirchen und den Museen, dort oben auf dem Thron, das Szepter in der Hand: Christus Pantokrator. Christus Weltenherrscher.

- Der Himmel ist offen....
Wirklich ein seltsames Fest. Wäre ich damals dabei gewesen, ich hätte sicher geweint. Sehr geweint sogar, weil ich gar nicht gut bin im Abschiednehmen und im Immerzu-Hinaufsehen auch nicht. Irgendwie finde ich, dass das nicht so recht zu ihm passt, zu Jesus von Nazareth – so eine Himmelfahrt:
Der Freund der Zöllner und Sünderinnen, der die Spatzen lobte und die Lilien liebte – er sollte nun endgültig oben droben sein?
Der Wanderprophet – er sollte angekommen sein?
Der Erniedrigte – er sollte erhöht sein, hinauf in die Wolken, hinauf in die upper class, hinauf in die göttlich-weltliche Führungsetage?
Und wir bleiben unten zurück? Bruderseelenallein?
Geweint oder gejubelt?
Ja, ich hätte sicher geweint, damals, wenn ich dabei gewesen wäre.Oder hätte ich doch gejubelt? So, wie die Jüngerinnen und Jünger jubelten unter dem offenen Himmel. Gejubelt, weil ich wie sie gespürt hätte:
Einer von uns ist hinaufgefahren ins Blau und in die Weite und in die Ewigkeit. Und deshalb ist da mehr, als wir jetzt sehen, da sind Ritzen im Himmel und ein Leuchten am Horizont und ein Wehen wie von Heiligem Geist und die alte Erde ist durchlässig geworden für Himmlisches. Ja, vielleicht hätte ich doch gejubelt und mich gefreut.
Und ganz bestimmt juble ich heute und freue mich:
Weil ich weiß: er ist nicht fort, er ist hier
Weil ich glaube: nicht um Herrentum geht es an Himmelfahrt, nicht um Thron, Szepter und Hierarchien, sondern um Ewigkeit und Weite, um Hoffnung und Segen, um Himmelfahrt eben auch für dich und für mich.
Ab und zu steht nämlich tatsächlich der Himmel über mir offen und mein enges Herz und mein kleines Leben wird weit dann.
Ab und zu ist der Himmel über mir der Himmel in mir.
Ab und zu ist der Himmel, der mir voraus ist, doch schon da.
Ab und zu bin ich dann ganz sicher: der Himmel kommt und ich bin nicht allein in der Welt.
Wollen Sie es genau wissen? Die Geschichte von der Himmelfahrt steht in: Lukas 24, 50-53
Birgit Mattausch





