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Weihnachten im Mai

Ziemlich kurios, aber wirklich wahr: In der Familie Dianzenza aus dem Kongo wird Weihnachten am 25. Mai gefeiert. Und das, obwohl die siebenköpfige Familie in Stuttgart wohnt.

Wenn in Deutschland der Weihnachtsbaum geschmückt wird, viele bunte Plätzchen den Raum mit süßem Duft erfüllen, der Gänsebraten gerade aus dem Backofen kommt, dann ist Weihnachten – und zwar im Dezember. Doch nicht überall wird an diesen Tagen Weihnachten gefeiert. Bei der afrikanischen Familie Dianzenza aus Fellbach findet das Fest am 25. Mai statt. Die kimbanguistische Gemeinde, der die Familie angehört, hat dafür eine simple Erklärung. Nach ihrer Rechnung ist Jesus am 25. Mai auf die Welt gekommen und nicht am 25. Dezember.


Familie Dianzenza aus Fellbach

Und dieser 25. Mai wird bei den Eltern und den fünf Kindern groß gefeiert, erzählt der Vater: „Zuerst gehen wir in die Pauluskirche in Fellbach, dann sitzen wir nicht nur mit unserer Familie, sondern mit vielen anderen Gemeindemitgliedern zusammen. Wir essen, trinken, verteilen Geschenke und singen ganz viel.“ Der älteste Sohn Manasse ist 13 Jahre alt und hat an Weihnachten, also am 25. Mai, ein persönliches Lieblingslied. Es heißt „Noël Halleluja“ und ist im Kongo weit verbreitet. Auch die anderen vier Kinder freuen sich im Mai auf ihr Weihnachtsfest. Die kleine Delvie schwärmt noch immer von der diesjährigen Bescherung. Sie hat nämlich von ihren Eltern eine Barbie-Puppe geschenkt bekommen. Das afrikanische Fest zeichnet sich auch durch das viele Essen aus. Die Familie isst besonders gerne die kleinen runden Küchlein, die die Mutter mit viel Mehl, Hefe, Zucker und einer Prise Salz in der Pfanne brät. „Sie sehen fast so aus wie Berliner. Aber sie schmecken doch irgendwie anders“, sagt der Vater. Die Frauen im Kongo tragen an Weihnachten besondere Kleider: Sie sind meistens weiß und grün und mit verschiedenen Aufschriften bedruckt. So stehen auf dem Kleid der Mutter Bibelstellen, „Fröhliche Weihnachten“, und der Name Jesus.

Ein Highlight an Weihnachten im Mai im Kongo ist ein langer Marsch, bei dem die Menschen singen und gemeinsam musizieren. Am Ende dieses Marschs treffen sich die gläubigen Kimbanguisten auf einem Platz in der Stadt und beten gemeinsam. In Deutschland sei das leider nicht möglich, bedauert der Vater. Dafür würden hier zu wenige Kongolesen leben.
Aber auch wenn Weihnachten bei der Familie Dianzenza im Mai gefeiert wird, hat der 24. Dezember für sie eine besondere Bedeutung. Denn im Jahr 1959 wurde die Kimbanguistenkirche offiziell anerkannt und damit zur ersten unabhängigen afrikanischen Kirche.

Den Kindern zu liebe und auch, weil sie schon seit Jahren in Deutschland leben, gibt es am 24. Dezember bei der Familie Dianzenza dennoch ein familiäres Beisammensein. Nicht im großen Rahmen, aber der Familie ist es wichtig sich nicht abzugrenzen und sich in die deutschen christlichen Traditionen zu integrieren. Deshalb gibt es auch ein kleines Familiengeschenk. Was es dieses Jahr sein wird, verraten die Eltern allerdings noch nicht. „Es ist ja schließlich auch noch nicht Weihnachten, weder in Deutschland noch im Kongo“, sagt die Mutter – und lächelt dabei geheimnisvoll. 


Kimbanguistenkirche

Die Kimbanguistenkirche ist eine unabhängige, christliche Kirche in Afrika. Sie trägt den Namen „Église de Jesus Christ sur Terre par le Prophète Simon Kimbangu“. Es ist die drittgrößte afrikanische Kirche. Ihre Mitgliederzahl wird auf eine bis acht Millionen Gläubige geschätzt. Im Kongo gehören 10 Prozent der Gläubigen der Kimbanguistenkirche an. Ihr Namensgeber ist Simon Kimbangu. Nach seinem Tod wurde die kimbanguistische Gemeinde 1921 gegründet.


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