Weihnachten am Meer

- Familie Emidio vor dem Weihnachtsbaum [Foto: EMH]
Die brasilianische Familie Emidio aus Hochdorf tauscht an Weihnachten den Schneemann mit dem Meer. Denn sie feiert das Fest bei ihren Verwandten in der Stadt Campinas, in der Nähe von São Paulo in Brasilien.
Kein Schnee, keine Kälte, keinen echten Weihnachtsbaum. Dafür aber 30 Grad im Schatten, einen leichten Sonnenbrand auf der Nase und das Meeresrauschen in den Ohren. Genau so feiert die Familie Emidio in Brasilien Weihnachten. Eigentlich wohnt sie seit drei Jahren in Hochdorf bei Esslingen. Aber Weihnachten müsse in Brasilien gefeiert werden, weil dort alle Verwandten leben, erklärt der Vater. Und auch seine neunjährige Tochter Ludmilla gibt ihm Recht, Weihnachten in Deutschland sei richtig seltsam. "Mir würden vor allem das Meer und die Sonne fehlen", sagt sie. Außerdem erhält sie so in Deutschland und in Brasilien Geschenke. Ihr kleines Weihnachtsgeschenk packt sie am Morgen des 25. Dezembers in Brasilien aus. Ihr großes Geschenk passt leider nicht in den Koffer, deshalb bekommt sie das erst, wenn sie wieder in Deutschland ist. Doch schlimm findet Ludmilla dies nicht. "Zweimal Weihnachtsgeschenke auspacken hat auch was für sich", sagt sie lächelnd.
Die Großfamilie feiert bis spät in die Nacht

- Das Weihnachtsdorf in Brasilien [Foto: EMH]
Für ihren kleinen Bruder Daniel ist Weihnachten in Brasilien ebenfalls ein tolles Erlebnis. Oma und Opa sieht er dann wieder, er kann mit den Cousins und Cousinen spielen und durch das große Weihnachtsdorf in ihrer Stadt spazieren gehen. "Das Weihnachtsdorf ist ziemlich beeindruckend", erzählt Mutter Andrea. In einem riesigen Park laufe man an einer lebensgroßen Krippe aus Holz vorbei, könne sich eine Schneelandschaft - natürlich nur aus Kunstschnee - ansehen, oder auch dem Weihnachtsmann persönlich die Hand schütteln.
An Heiligabend trifft sich die Familie Emidio mit Verwandten und Bekannten bei den Eltern der Mutter Andrea. "Jedes Jahr kommen mindestens so viele, dass man eine Fußballmannschaft aufstellen könnte", freut sich Vater Luciano. Zunächst geht es in die Kirche, wo sie gemeinsam "Stille Nacht, Heilige Nacht" auf Portugiesisch singen. Danach werden brasilianische Spezialitäten serviert, wie beispielsweise "Habanada". Dies ist ein typisches Weihnachtsessen. Baguette wird hierfür in Scheiben geschnitten, in Milch oder Wein eingelegt und in Öl frittiert. Es sei nicht sehr aufwendig, schmecke aber sehr lecker, so Mutter Andrea. Bis spät in die Nacht sitzt die Familie an Heiligabend zusammen. Sie singen, spielen, reden und essen. Am Morgen des 25. Dezember packen Ludmilla und Daniel ihre Geschenke aus. Denn in Brasilien kommt der Weihnachtsmann, nicht wie in Deutschland an Heiligabend, sondern in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember.
An Kälte und Schnee ist nicht zu denken

- Weihnachten bei 30 Grad im Schatten - für die brasilianische Familie ist das normal [Foto: EMH]
Mit großen Augen freuen sie sich über ihre neuen Spielsachen. Häufig werden diese gleich im Freien getestet, denn bei 30 Grad im Schatten spielt es sich am Besten im Garten. Bevor es dann zur Familie des Vaters geht, machen die vier oft noch einen kurzen Abstecher zum Meer. Schließlich ist im Dezember Sommer in Brasilien. An Kälte und Schnee ist nicht zu denken. Am Abend wird dann mit der ganzen Familie im Garten gegrillt. "Es ist einfach eine tolle Atmosphäre, wenn die Kinder im Freien toben, die Männer mit einem kalten Bier über Fußball diskutieren und die Frauen in der Küche das Grillfleisch zubereiten", schwärmt Luciano. Weihnachten bei Minusgraden ist für die Familie Emidio schwer vorstellbar. Aber vielleicht heißt es in den nächsten Jahren ja doch mal: "Leise rieselt der Schnee" in Deutschland.




