Weihnachten auf Finnisch
In Deutschland unvorstellbar: Familien tanzen an Heiligabend um den Weihnachtsbaum. In Finnland ist das ganz normal und gehört wie das Geschenke auspacken zum Fest dazu.
Die finnische Mutter Saki Laukkanen-Wolfer steht in der Küche und füllt die letzten Blätterteigsterne mit Pflaumenmuss. Die ersten „Joulutorttu-Plätzchen“ für dieses Jahr sind fertig. Samuel und Matias, die zwei Söhne, freuen sich jedes Jahr wieder auf die traditionellen Leckereien. „Wenn ich die ersten Plätzchen esse, dann fängt die Adventszeit für mich an“, schwärmt Samuel. Für Saki Laukannen-Wolfer beginnt das weihnachtliche Gefühl mit dem ersten Advent. „Der erste Advent ist etwas ganz Besonderes in Finnland. Ein traditioneller christlicher Tag. Die Eltern gehen mit ihren Kindern in die Kirche und singen gemeinsam ein Hosianna Lied. Als ich vor über 20 Jahren nach Deutschland kam, war es total komisch, dass ich am ersten Advent nirgendwo diesen Gesang gehört habe“, erzählt sie.
Und damit in den kommenden Tagen die ganze Familie in Weihnachtsstimmung kommt, kümmern sich Mutter und Sohn Samuel um die Dekoration. Dabei wird nicht gegeizt. „Für mich sind Weihnachtslichter vor der Tür ganz wichtig. Da bin ich kein Schwabe und spare lieber an einer anderen Stelle. Außerdem stellen wir die finnischen Wichtelmännchen im Wohnzimmer auf. Vor allem als Samuel und Matias noch klein waren, habe ich immer ein bisschen mit ihnen gedroht und gesagt, dass die Wichtelmännchen sich alles notieren“, lächelt Sari Laukannen-Wolfer.
So klingt das Finnische Weihnachtslied, in dem die Weihnachtswichtel besungen werden.
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- Weihnachtsdekoration bei Familie Laukkanen-Wolfer
Heute sind die Söhne 14 und 17 Jahre alt und lassen sich von den Wichtelmännchen nicht mehr bestrafen. Aber Weihnachten hat dennoch einen hohen Stellenwert bei den Beiden. „Das Beisammensitzen und gemeinsame Musizieren gehören einfach zum Weihnachtsfest dazu“, findet Samuel. Und Matias ergänzt: „Der Heilige Abend ist erst perfekt, wenn wir gemeinsam in die finnische evangelische Gemeinde in Stuttgart gehen und Weihnachtslieder singen. Dann kriege ich das Gefühl, dass Weihnachten ist.“
Nachdem die Familie an Heiligabend die Einkäufe erledigt, zu Mittag gegessen und den Gottesdienst besucht hat, geht es daraufhin ganz traditionell in die hauseigene Sauna. „Sauna ist in Finnland sehr wichtig. Das gehört zur finnischen Tradition. An Weihnachten und auch an allen anderen Festen geht die Familie gemeinsam in die Sauna“, erzählt Mutter Sari. Nach der Sauna wird das weihnachtliche Abendessen zubereitet. Gans oder Kartoffelsalat gibt es bei den Finnen nicht. Wenn Sari Laukkanen-Wolfer sich an ihre Kindheit in Finnland erinnert, gab es dort immer Hinterschinken. Heute macht sie meistens Steaks. Also nichts Traditionelles.

- Selbstgebackenes von Familie Laukkanen-Wolfer
Dafür wird es danach umso klassischer. Die Familie versammelt sich vor dem Christbaum und liest das Weihnachtsevangelium auf Finnisch. Dann packt der Jüngste der Familie sein Akkordeon aus und alle anderen singen typisch finnische Weihnachtslieder. Die Deutschen würden nun ihren Augen nicht trauen, denn die gesamte Familie, egal ob groß oder klein, beginnt mit wilden Gesten um den Weihnachtsbaum herum zu tanzen. „Auch Erwachsene machen mit. An Weihnachten darf man so was machen. Man sollte eigentlich wieder ein Kind sein“, strahlt Saki Laukkanen-Wolfer. Vater Jürgen ist gebürtiger Schwabe und hält sich im Hintergrund. „Wenn ich den Tanz als Kind gelernt hätte, würde ich auch heute mitmachen. Aber jetzt fällt es mir doch etwas schwer. Ich mache dann lieber Bilder und singe mit“, erklärt er. Dieses Jahr gibt es für die Familie nur ein kurzes gemeinsames Weihnachtsfest, denn schon am 25. Dezember fliegen die zwei Söhne nach Finnland, um dort mit Bekannten und Verwandten weiter zu feiern. Die Eltern bleiben in Schönaich. Matias und Samuel sind sich einig: „In Finnland hat es an Weihnachten auf alle Fälle Schnee und weiße Weihnachten sind einfach etwas Tolles!"







