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Verbündete Kirche

Sexuelle Gewalt wahrnehmen und überwinden

Im Oktober 1999 startete die Landeskirche ihre Initiative "Verbündete Kirche: Gewalt an Frauen und Mädchen wahrnehmen und überwinden".

Die Landeskirche in Württemberg ist die erste Landeskirche, die sich in einer über mehrere Jahre angelegten Initiative dem schwierigen Themenbereich sexuelle und sexualisierte Gewalt an Frauen und Mädchen zuwendet.

Bündnis für ein gewaltfreies Miteinander

Plakat zur Dekade "Gewalt überwinden"

"Sexualisierte Gewalt ist immer auch der Versuch, das weibliche Wesen in die Demut und in die Ohnmacht zu zwingen. Gott hat den Menschen beiderlei Geschlechts zu seinem Ebenbild geschaffen und er selbst ist es, dem Gewalt angetan wird und der leidet", so der Schirmherr der "Verbündeten Kirche", Altlandesbischof Eberhardt Renz. Initiiert wurde die Aktion vom runden Tisch "Gewalt gegen Frauen", den die Frauenbeauftragte der Landeskirche in Kooperation mit der Landesstelle der Psychologischen Beratungsstellen und dem Diakonischen Werk Württemberg gegründet hat. Mit der "Verbündeten Kirche" hat die Landeskirche die Impulse des württembergischen Ökumenischen Frauenkongresses von 1997 und damit die der letzten weltweiten ökumenischen Dekade "Solidarität der Kirchen mit den Frauen" aufgegriffen. Gleichzeitig war sie die erste Mitgliedskirche des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), die sich mit einem konkreten Thema der bei der Vollversammlung 1998 in Harare beschlossenen und im Januar 2001 gestarteten ökumenischen Dekade "Gewalt überwinden" auseinandersetzt. Die beim ÖRK zuständige Koordinatorin der Dekade "Gewalt überwinden", die indische Theologin Aruna Gnanadason, empfiehlt die Initiative bereits als "Württembergisches Modell" anderen Kirchen zur Nachahmung.

Nach dem Start der Initiative im Oktober 1999 fanden rund acht Monate lang auf Landesebene verschiedene Veranstaltungen statt, die von den Mitgliedern des Runden Tisches "Gewalt gegen Frauen" durchgeführt wurden. Zur internen Kommunikation und Sensibilisierung auf das Thema sexuelle Gewalt gab es in der Pfarrerdienstzeitschrift "Für Arbeit und Besinnung" eine Interview-Reihe mit betroffenen Frauen. Diese Reihe hat vor dem Start der Initiative begonnen und bereits das erste Interview mit einer von ihrem Exfreund vergewaltigten Frau wurde dem "Kommunikationsmodell" zur "Verbündeten Kirche" gerecht: Mit zahlreichen Leserbriefen setzten sich Pfarrerinnen und Pfarrer mit ihren eigenen Standpunkten zum Thema sexuelle Gewalt auseinander. Um die Gemeinden mit dem Thema zu konfrontieren und dafür zu sensibilisieren, konnten und können die Pfarrerinnen und Pfarrer im Evangelischen Medienhaus für ihre Gemeindebriefe eine Discette mit Artikeln zum Thema sexuelle Gewalt bestellen.

Den Gottesdienst "Schweige nicht zu meinen Tränen (Ps 39,13)" für von sexueller Gewalt betroffene Frauen und Mädchen und ihre Verbündeten am 21. Mai 2000 in der Leonhardskirche in Stuttgart haben Seelsorgerinnen des Seminars für Seelsorge-Fortbildung als liturgisch-seelsorgerlichen Abend gestaltet. Auf diesen Gottesdienst, so berichteten zahlreiche Frauen, hätten sexuell missbrauchte und vergewaltigte Frauen seit langem gewartet: Endlich seien auch sie "offiziell" von ihrer Kirche wahrgenommen worden und mit ihren Fragen an Gott, mit ihren Tränen und Klagen spirituell und geistlich aufgehoben gewesen. Ein weiterer Höhepunkt der Initiative "Verbündete Kirche" war die im Februar 2000 geschaltete hotline des Diakonischen Werks Württemberg "Endlich reden & Verbündete suchen": Im Schutz der Anonymität und im Schutz der Diakonie haben zahlreiche Frauen nach Jahren das erste Mal über ihre leidvollen Erfahrungen gesprochen. Mit dem Gottesdienst für betroffene Frauen endete auf landeskirchlicher Ebene die Initiative, die dann als "Kommunikationsmodell" von den Kirchenbezirken und Kirchengemeinden übernommen, an die örtlichen Gegebenheiten modifiziert und noch bis Mai 2002 weitergeführt wird.

Die "Verbündete Kirche" versteht sich bewusst als Initiative und nicht als einmalige Kampagne, weil sie initiieren, einen Stein ins Rollen bringen will, der in einem Netzwerk von Verbündeten mit Opfern sexueller Gewalt mündet. Die "Verbündete Kirche" ist eine Vision, eine Zielvorstellung, dass Kirche aus diesem Bündnis heraus Stellung bezieht für ein gewaltfreies Miteinander zwischen Frauen und Männern. Die Assoziation oder Frage "wer verbündet sich hier mit wem?" darf dabei ruhig entstehen und soll Aufforderung zur Auseinandersetzung und Standortbestimmung der inneren Haltung sein.

Mehr zum Thema

Erläuterungen zum Plakat

Entschließung zur ökumenischen Dekade

Ökumene

Weiterführende Links

Weltweite Aktionen zur Dekade "Gewalt überwinden"

Dekade Gewalt überwinden (Württemberg)

Ökumenischer Rat der Kirchen

Initiative Verbündete Kirche

Downloads

Interview: Sexueller Missbrauch, Vergewaltigung

Interview aus der Pfarredienstzeitschrift AuB

Interview Sexueller Missbrauch

Interview aus der Pfarredienstzeitschrift AuB

Flyer Gewaltdekade PDF

Downloads

(Wieder)Eintritt in die Kirche
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