09.05.2010, 250. Todestag
Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700-1760)
Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, das ist Musik. Mehr als 2000 Lieder hat er gedichtet, in unserem Gesangbuch wurden fünf davon aufgenommen. „Jesu, geh voran“ (EG 391) ist das bekannteste. Zinzendorf, das ist auch der Begründer der Herrnhuter Brüdergemeine und ihrer Losungen.

(Quelle: Landeskirchliches Archiv)
Geboren wird der dem Hochadel entstammende Graf im Jahr 1700 in Dresden. Da sein Vater wenige Wochen später stirbt, lebt „der kleine Lutz“ im Schloss der Großmutter in Großhennersdorf. Später sagt er über sie: „Sie wusste keinen Unterschied zwischen der katholischen, lutherischen und reformierten Religion, sondern was Herz hatte und an sie kam, das war ihr Nächster.“ Zinzendorf wird einer der ersten sein, die die ökumenische Idee praktizieren.
Als Zehnjähriger wird er Schüler am Königlichen Pädagogium von August Hermann Franke in Halle, der fortschrittlichsten Schule seiner Zeit. Hier trifft er auf Menschen aus aller Welt, Diplomaten wie Flüchtlinge. Die Weite der Welt, die Vielfalt der Menschen, tun es ihm an. Bis zu den Eskimos treibt er später die Mission, war selbst in Nordamerika, dem Baltikum oder Westindien für Mission und Ökumene unterwegs.
Mit 16 ist das Leben in Aufruhr. Auch bei Zinzendorf. Er möchte Theologie studieren. Doch zuhause hat man andere Pläne mit dem jungen Mann: Ihm sollten „die pietistischen Grimassen abgewöhnt werden“ – mit einem Jurastudium an der Universität Wittenberg. Doch uns ist er heute nicht als Jurist bekannt. Zinzendorf, das ist Musik, Mission und Herrnhuter Brüdergemeinde.
Die Stunde der Laien
Das Theologiestudium ist tabu, er wird Hof- und Justizrat, doch der heimliche Besuch bei Theologieprofessoren, die Lektüre von Luthers Schriften, lässt er sich nicht nehmen. 1722 gibt er mährischen Glaubensflüchtlingen Asyl. Seine Frau Erdmuthe, die er im selben Jahr heiratet, siedelt die Flüchtlinge während seiner Abwesenheit auf seinem Gut an. „Die Herren Theologi haben sich müde geredet“, davon ist Zinzendorf überzeugt. Jetzt ist die Stunde der Laien. 1727 gründet er auf seinem Besitz die Herrnhuter Brüdergemeine, hier leben jetzt bereits 300 Einwohner. Der Graf lässt sich vom Staatsdienst beurlauben und kehrt auch nicht mehr zurück.Im Mittelpunkt der Gemeine steht die gottesdienstliche Versammlung und die Singstunde: „Eine Gemeinde ohne Lieder kann keine Freude auf der Welt haben.“ Der Graf dichtet und singt, hat Freude – und viel Ärger. Die Lieder werden extravagant, bizarr. Zinzendorf ist umtriebig, charismatisch, schöpferisch – und vielen suspekt. 1736 wird er aus Sachsen verbannt; schon zuvor hat er sich wieder der Theologie zugewandt: 1734 legt er inkognito in Stralsund ein Rechtgläubigkeitsexamen ab; in Tübingen erhält er den Doktor für Theologie, in Stuttgart den Titel eines Kirchenrates. Er bleibt getrieben von Menschen- und Jesusliebe: „Ein Prophet hat seine Pfarre in der ganzen Welt“. Er lebt noch für einige Jahre in London, ehe der fromme Reichsgraf in Herrnhut 1760 stirbt.
Silke Stürmer
Weiterführende Links
Wikipedia
Ökumenisches Heiligenlexikon
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Nikolaus Graf von Zinzendorf, Bild in Druckqualität [JPG, 684 KB] Quelle: Landeskirchliches Archiv






