20.06.2010, 100. Geburtstag

Helga Weckerling (1910 – 1993)

Die Theologin Helga Weckerling ging konsequent ihren Weg, sowohl gegen die Praktiken des NS-Staates als auch gegen innerkirchlichen Widerstand gegen Frauen im Pfarramt. In Dühringshof versteckte sie gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zusammen mit einer Gemeindeschwester eine Jüdin. In der Bekennenden Kirche war sie „illegal“ ordiniert worden. Doch auch innerhalb der Bekennenden Kirche galt sie trotz voller pfarramtlicher Tätigkeit nur als „Vikarin“.

Helga Weckerling wurde am 20. Juni 1910 geboren. Ihr Mädchenname war Zimmermann. Nach ihrem Theologiestudium leitete Helga Weckerling an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin einen Kreis christlicher und jüdischer Mädchen. Sie sah deren Not nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten.

Mit dem sogenannten Vikarinnengesetz hatte die evangelische Kirche der Altpreußischen Union 1927 erstmals den Dienst der Theologinnen geregelt. Den Vikarinnen – die gemäß dieses Gesetzes zeitlebens nie Pfarrerinnen werden sollten - wurde Seelsorge und Dienst an Mädchen und Frauen zugestanden, jedoch keine Leitung normaler Gottesdienste. In der „Reichsfrauenhilfe“ kümmerte sie sich um ausgebombte Frauen und Kinder.

1943 heiratete sie den Pfarrer Rudolf Weckerling, der ebenfalls der Bekennenden Kirche angehörte. Dühringshof, nahe  Küstrin im heutigen Polen – musste sie beim Herannahen der Roten Armee verlassen.

1945 wurde sie zusammen mit ihrem Mann zum Pfarrdienst an der Melanchthonkirche in Berlin Spandau beauftragt. 1950 wurde ihr der Pfarrdienst wieder verwehrt. „Das Amt der Vikarin ruht in der Ehe“, so hieß es im damals geltenden Kirchenrecht.

Helga Weckerling erlitt somit dasselbe Schicksal wie viele Theologinnen ihrer Zeit. Während des Zweiten Weltkrieges, als viele Pfarrer an der Front waren, übernahmen an manchen Orten die  „Vikarinnen“ (häufig sogar die Pfarrfrauen) gegen kirchliches Recht, aber mit voller Unterstützung ihrer Gemeinden den Pfarrdienst.  Nach der „Normalisierung“ der deutschen Gesellschaft sorgen sich offenbar viele Kirchenmänner darum, wie man die Frauen „wieder von der Kanzel herunterbekommt“.  

Helga Weckerling war später für die Christliche Friedenskonferenz, für die Evangelische Studentengemeinde und für die Aktion Sühnezeichen tätig. Sie starb am 23. August 1993.

In Württemberg wurde die Frauenordination 1965 eingeführt, unter anderem aufgrund guter Erfahrungen mit dem Dienst der „Vikarinnen“ während des Zweiten Weltkrieges. Gegen alle angeblich rein biblische Argumentation bleibt festzuhalten, dass die Frauenordination offenbar ein Spiegelbild des Frauenbildes der inner- und außerkirchlichen Gesellschaft ist.

Praktisch beschränkt sich heute der Pfarrdienst durch Frauen auf reformatorische Kirchen in Westeuropa und Nordamerika, also auf die Länder und Kirchen, die vom Gedankengut der Aufklärung geprägt sind. Die Drohung der russisch-orthodoxen Kirche, aufgrund der Wahl von Margot Käsmann zur Ratsvorsitzenden die Kontakte zur EKD abzubrechen, zeigt, dass das Thema Frauenordination insbesondere in Kirchen und Ländern ohne diesen Hintergrund nach wie vor ein Reizthema bleibt.

Dietrich Hub

 
Weiterführender Link
Aktion Sühnezeichen Friedensdienste


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Helga Weckerling, Text [RTF, 16 KB]  
Helga Weckerling, Bild in Druckqualität [JPG, 1,97 MB] Quelle: Archiv der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste/Rudolf Weckerling 
 


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