20.08.2010, 325. Geburtstag
Samuel Urlsberger (1685 – 1772)
Im württembergischen Kirchheim unter der Teck geboren, entwickelte sich der stark vom Hallischen Pietismus geprägte Samuel Urlsberger zu einem der profiliertesten Kritiker Herzog Eberhard Ludwigs von Württemberg (1676-1733). Seines Amtes enthoben, fand er in Augsburg ein neues Wirkungsfeld, das ihm als wortgewaltigen Prediger, unermüdlichen Mahner wahrer Frömmigkeit und Helfer aller um ihres evangelischen Glaubens Verfolgten einen Ehrenplatz in der evangelischen Erinnerungskultur sichert.
Samuel Urlsberger (Quelle: Landeskirchliches Archiv)
Gefördert durch die Herzoginwitwe Magdalena Sibylle (1652-1712), ausgewiesen durch einen exzellenten Abschluss seines theologischen Studiums in Tübingen (1707), machte Urlsberger rasch Karriere: Kurz nach seiner Studienreise, die ihn unter anderem nach Halle und London geführt und mit der Missionsgesellschaft „Society for Promoting Christian Knowledge“ in Kontakt gebracht hatte, wurde er 1714 Hofkaplan, 1715 Oberhofprediger Herzog Eberhard Ludwigs von Württemberg.
Seine offene Kritik am württembergischen Hof sowie dem persönlichen Moralkodex des Herzogs, symbolisiert in der Doppelehe mit Wilhelmine von Grävenitz, führte zum Bruch mit seinem Gönner und im April 1718 zum Verlust des Amtes.
1720 bis 1722 als Dekan im Herrenberg amtierend, wurde Urlsberger dank der Unterstützung durch die protestantische Augsburger Führungsschicht zum Senior der Augsburger Kirche gewählt. Seinem Rückhalt am Magistrat verdankte er es, wenn er die schwierige, von Konflikten mit der Augsburger Geistlichkeit geprägte erste Amtszeit unbeschadet zu überstehen vermochte. Dank kluger Kompromisse und der Tatsache, dass auch innerhalb der Augsburger Geistlichkeit kirchliche Reformen für dringend notwendig gehalten wurden, vermochte Urlsberger seine Position zu festigen und ein segensreiches Wirken im Amt zu entfalten.
Reformer, Helfer und Schriftsteller
Tief geprägt durch Person und Wirken August Hermann Frankes, machte sich Urlsberger vor allem um die Reform der Augsburger Schulen, das städtische Armenwesen und den Ausbau des Waisenhauses verdient.Dauerhaft verbunden bleibt sein Name aber mit der Fürsorge für die 1731 aus ihrer angestammten Heimat vertriebenen Salzburger Protestanten. Mehr als 6.000 von ihnen kamen durch das Augsburg des Samuel Urlsbergers, wo ihnen großzügige Unterstützung zu Teil wurde. Urlsbergers Kontakte nach Halle und England ermöglichten einigen hunderten Salzburger Emigranten die Auswanderung in die neue Welt, wo sie die Siedlung Eben-Ezer, Stein der Hilfe (nach 1. Sam. 7,12) gründeten.
Die Berichte, die ihm von der Übersiedlung zugesandt wurden, gab Urlsberger als protestantische Glaubenszeugnisse in zwei Reihen „Ausführliche Nachrichten von der Königlich Groß-Britannischen Colonie Salzburgischer Emigranten in America“ (1735ff) und „Americanisches Ackerwerk Gottes“ (1754ff) heraus. Mit seinen zahlreichen Predigten begründeten sie seinen bleibenden Ruf als theologischer Schriftsteller von Format.
Dr. Norbert Haag
Weiterführende Links
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
Wikisource
Glaubensstimme
Downloads
Samuel Urlsberger, Text [RTF, 12 KB]
Samuel Urlsberger, Bild in Druckqualität [JPG, 1,98 MB]
Quelle: Landeskirchliches Archiv






