28.04.2010, 150. Geburtstag
Christoph Schrempf (1860 – 1944)
Christoph Schrempf war Theologe und Philosoph, Kirchenkritiker und Querdenker, Rebell und Individualist. Er war kompromisslos – gegen sich und gegen andere. Der evangelischen Kirchenleitung in Württemberg warf er Heuchelei vor, weil sie das Abweichen vieler Pfarrer von der festgelegten Liturgie stillschweigend duldete, ohne die kirchliche Ordnung zu ändern. Für Schrempf kam nur der laute Protest in Frage – auch für den Preis, dass er seine theologische Laufbahn beenden musste.
Christoph Schrempf (Quelle: Landeskirchliches Archiv)
Der 5. Juli 1891 ist der Tag, an dem Christoph Schrempf zum Befreiungsschlag ausholt. Der Pfarrer verzichtet bei einer Taufe auf das von der Kirchenleitung vorgeschriebene Apostolische Glaubensbekenntnis. Das wolle er auch künftig so halten, teilt Schrempf der Stuttgarter Oberkirchenbehörde mit. In seiner Kirchengemeinde Leuzendorf bricht ein Sturm der Entrüstung los, die Kirchenleitung fordert ihn zum Gehorsam auf. Der Theologe antwortet auf seine Weise: „Das Verlangen, dass der Geistliche sich unbedingt in die Lehr- und Gottesdienstordnung der Kirche fügen müsse, ist (…) eine Zumutung.“ Damit ist für die Kirchenleitung das Maß voll: Sie entlässt Schrempf im Mai 1892 aus dem Kirchendienst.
Auf der Suche nach Gott
Schrempf hat das Apostolische Glaubensbekenntnis nicht benutzt, weil Passagen wie „geboren von der Jungfrau Maria“ und „Auferstehung des Leibes“ seinen eigenen Glaubensüberzeugungen widersprechen. Er wollte vor seiner Gemeinde nicht länger eine Rolle spielen, begründet Schrempf 1911 rückblickend seinen radikalen Angriff auf die landeskirchliche Ordnung. Autoritäten lässt der Kirchen-Rebell nicht gelten – auch nicht die Autorität Jesu. Der „wollte weder Reformator einer alten Religion sein, noch Stifter einer neuen Religion. Er kümmerte sich um Religion überhaupt nicht (…). Er wollte nichts anderes, als dass er den Menschen helfe“, schreibt Schrempf 1919 in seiner Schrift „Der Heiland“. Zwar ist Gott dem geschassten Pfarrer Zeit seines Lebens wichtig. Doch nach dem Gott, wie er in der kirchlichen Tradition verkündet wird, sucht Schrempf mehr als dass er an ihn glaubt. Ende des 19. Jahrhunderts redet Schrempf vom „möglichen Gott“, später „von Gottes Verborgensein“; Jesus‘ Tod und der Vergebung der Sünden misst Schrempf keine heilsbringende Bedeutung bei.Dabei wuchs Schrempf im Ingersheimer Haus seines Onkels in einem pietistischen Umfeld auf. Am 28. April 1860 in Besigheim geboren, war der fünfjährige Junge zusammen mit seiner Mutter dem Vater, einen gewalttätigen Alkoholiker, entflohen. Nach der Schule studierte er von 1879 an Theologie in Tübingen – es war der Beginn von Schrempfs theologischer Karriere, die 13 Jahre später abrupt endete. Aus dem Pfarrer wurde der von kirchlichen Autoritäten und Dogmen unabhängige Philosoph, der 1909 aus der Kirche austrat und an einer Stuttgarter Hochschule als Philosophie-Dozent unterrichtete. Im Jahr 1930 stellte Schrempf rückblickend fest, dass der „Entschluss, den ich am 5. Juli 1891 fasste und ausführte, in den 39 Jahren, die seither verflossen sind, nicht einen Augenblick bereut habe“. Am 13. Februar 1944 starb Christoph Schrempf in Stuttgart-Degerloch.
Wolf-Dieter Retzbach
Weiterführende Links
Wikipedia
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
Homepage/Schrempf
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Quelle: Landeskirchliches Archiv





