19.11.2010, 250. Todestag
Christoph Matthäus Pfaff (1686 – 1760)
Träger zahlreicher akademischer Würden, zunächst im heimischen Tübingen, ab 1756 im hessischen Gießen, machte sich Pfaff vor allem aufgrund seiner Bemühungen um eine Union aller Protestanten und als Theologe zwischen Pietismus und Aufklärung einen Namen.
Christoph Matthäus Pfaff (Quelle: Landeskirchliches Archiv)
Geboren wurde Christoph Matthäus Pfaff am 25. Dezember 1686 in Stuttgart als zweites Kind des damaligen Diakons an der Stuttgarter Leonhardskirche Johann Christoph Pfaff und seiner Ehefrau Anna Maria, einer Ururenkelin des Reutlinger Reformators Matthäus Alber.
Glänzend begabt, am 4. Juli 1699 zwölfjährig an der Tübinger Universität immatrikuliert und im folgenden Jahr ins Evangelische Stift aufgenommen, zeigte Pfaff früh Weltläufigkeit: Auf zahlreiche Reisen, die ihn zwischen 1706 und 1716 nach Norddeutschland, England, Frankreich, Italien und die Niederlande führten, erwarb er sich eine exzellente Kenntnis der europäischen Universitäts-, Kirchen- und Religionslandschaft.
Der so erworbene weite Horizont führte Pfaff früh auf das kirchenpolitische Feld, wo er sich nachdrücklich für eine Union aller Protestanten einsetzte. Im Briefwechsel mit dem anglikanischen Erzbischof Wake von Canterbury und Graf Zinsendorf reifte dieses Projekt, mit dem sich auch die evangelischen Reichsstände in Regensburg zwischen 1717 und 1726 verschiedentlich befassten. Seinem Anliegen förderlich war die herausgehobene Position, die Pfaff an der Landesuniversität Tübingen einnahm: 1717 mit der vierten theologischen Professur betraut, wurde er bereits 1720 Professor primarius der Theologie, Propst und Kanzler der Universität.
Am Morgen des 9. Februar 1756 verließ Pfaff Tübingen unter ungeklärten Umständen, wohl aber aufgrund persönlichen Fehlverhaltens. Seine akademische und kirchliche Karriere vermochte er gleichwohl als Professor der Theologie, Kanzler der Universität Gießen und General-Superintendent bruchlos fortzusetzen. Seit 1723 mit der Augsburger Patriziertochter Maria Susanna von Rauner in kinderloser Ehe verheiratet, starb Pfaff 1760 in Gießen.
Theologe zwischen Pietismus und Aufklärung
Universal gebildet, im Kirchenrecht ebenso heimisch wie im theologischen Diskurs seiner Zeit, faszinierten Pfaff vor allem die Werke der großen Denker der Frühaufklärung, des in Halle und Leipzig lehrenden Juristen und Philosophen Christian Thomasius, des Engländers John Locke sowie des gebürtigen Schweizer Theologen Jean le Clerc. Er teilte ihren Fortschrittsoptimismus und ihre Forderung nach unvoreingenommener Wahrheitssuche, blieb aber in seinem betonten Biblizismus wie in seiner Auffassung vom Wesen und Ziel des christlichen Glaubens pietistisch geprägt.Ein eigenständiges theologisches Profil zeigt Pfaff in seinem Bemühen um die innerprotestantische Irenik, seinen auch kirchenpolitische ungemein bedeutsamen Bestrebungen, die protestantische Theologie um wenige Fundamentalartikel zu zentrieren, sowie als Protagonist einer neuen Disziplin, der Dogmengeschichte.
Dr. Norbert Haag
Weiterführende Links
Wikipedia
Biogrpahisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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