25.03.2010, 150. Geburtstag
Friedrich Naumann (1860 – 1919)
Er gilt als eine der wichtigsten Integrationsfiguren des deutschen Liberalismus der Kaiserzeit und der Monate nach dem Ersten Weltkrieg: der evangelische Pfarrer und Politiker Friedrich Naumann. Am 25. März jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal.
Friedrich Naumann (Quelle: "Archiv des Liberalismus, Audovisuelle Medien, F2-242")
Als Sohn des Pfarrers Friedrich Hugo Naumann und seiner Frau Marie Agathe in Störmthal bei Leipzig geboren, besuchte er zunächst Gymnasien in Leipzig und Meißen, um später in Leipzig und Erlangen Theologie zu studieren. 1883 trat Naumann in das Rauhe Haus in Hamburg ein, das von dem zwei Jahre zuvor verstorbenen Johann Hinrich Wichern gegründet worden war, und arbeitet dort mit Kindern in sozialen Schwierigkeiten. Die soziale Frage sollten ihn seitdem nicht mehr loslassen.
Er wird Pfarrer in Langenberg und 1890 Vereinsgeistlicher der Inneren Mission in Frankfurt am Main. Naumann tritt für eine grundlegende Erneuerung des Protestantismus ein und wird auf dem neu gegründeten Evangelisch-Sozialen Kongress Wortführer einer liberalen, christlich-sozialen Gruppierung, die sich gegen den evangelischen Theologen und Antisemiten Adolf Stoecker positioniert.
Naumann in der verfassungsgebenden Versammlung
Im November 1896 beteiligt sich Naumann an der Gründung des Nationalsozialen Vereins in der Hoffnung, Nationalismus, Liberalismus und Sozialismus miteinander verknüpfen zu können und widmet sich später ganz der Politik. Nach der Fusion seines Vereins mit der Freisinnigen Vereinigung wird er für diese Partei 1907 im Wahlkreis Heilbronn in den Reichstag gewählt. Schließlich wurde er Mitglied der Fortschrittlichen Volkspartei, die durch den Zusammenschluss der Freisinnigen Vereinigung mit der Deutschen Freisinnigen Partei und der Deutschen Volkspartei entstanden war. 1912 verpasst er den Wiedereinzug in den Reichstag, um ein Jahr später über eine Nachwahl im Wahlkreis Waldeck-Pyrmont ein weiteres Mandat zu erringen.Nach dem Ersten Weltkrieg wird er Vorsitzender der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und 1919 für den Wahlkreis Berlin-Schönefeld Mitglied der Weimarer Nationalversammlung. Naumann vertritt die DDP im Verfassungsausschuss, wirkt an den Artikeln über die Grundrechte mit und hat wesentlichen Anteil an der Festschreibung der Rechtsstellung der Kirchen als Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands begibt er sich noch im Sommer desselben Jahres nach Travemünde, wo er am 24. August nach längerer Krankheit stirbt.
"Auf seinem Weg vom christlichen Sozialismus in den Linksliberalismus sensibilisierte er sowohl Protestantismus als auch Liberalismus für die Aufgabe der Sicherung von Freiheitsrechten und Partizipationsmöglichkeiten in der industrialisierten Arbeitswelt. Er politisierte die protestantischen Mittelschichten, …, vermittelte als Politiker im Problemaustausch von Theologen und Nationalökonomen … und trug zur Revision ursprünglicher Feindbilder bei“ (Ricarda D. Herbrand).
Seit 1958 trägt die vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss, einem Schüler Naumanns, gegründete, FDP nahe Stiftung seinen Namen.
Stephan Braun
Weiterführende Links
Friedrich Naumann Stiftung
Liberalismus Portal
Herbert Mayer: Im Dienste des Liberalismus
Ricarda D. Herbrand
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Friedrich Naumann, Bild in Druckqualität [JPG, 1, 21 MB] Quelle: "Archiv des Liberalismus, Audovisuelle Medien, F2-242"
Friedrich Naumann, Bild in Druckqualität [JPG, 1, 37 MB] Quelle: "Archiv des Liberalismus, Audovisuelle Medien, F3-240"





