19.04.2010, 450. Todestag
Philipp Melanchthon (1497-1560)
Als Praeceptor Germaniae – als Lehrer Deutschlands – ging Philipp Melanchthon in die Geschichtsbücher ein. Mit seinen Schriften und als Berater auf Reichstagen sowie bei Religionsgesprächen war Melanchthon neben Luther der einflussreichste Reformator in Deutschland
Philipp Melanchthon (Quelle: Württembergische Landesbibliothek)
Geboren am 16. Februar 1497 in Bretten als Sohn des Rüstmeisters und Waffenschmieds Georg Schwarzerdt, lernte er schon früh Griechisch, Hebräisch und Latein. Als sein Vater starb, verließ Melanchthon mit elf Jahren die Heimatstadt und besuchte die Lateinschule in Pforzheim. Ein Verwandter, der Humanist Johannes Reuchlin, war von den Griechischkenntnissen des Jungen so angetan, dass er ihm den Namen „Melanchthon“ gab, die griechische Übersetzung des Namens „Schwarzerdt“.
Mit zwölf Jahren dichtete Melanchthon schon lateinische Verse, mit 21 verfasste er eine Grammatik des Altgriechischen, die später zum Standardwerk wurde. Keine 13 Jahre alt, begann er in Heidelberg sein Philosophie-Studium, wechselte aber drei Jahre später an die Universität in Tübingen und machte dort seinen Magister – die Professoren in Heidelberg hatten ihn nicht zur Prüfung zugelassen, weil sie ihn für zu jung befanden. War er neben dem Studium als Tutor zweier Grafensöhne tätig gewesen, lehrte er nach seinem Abschluss an der Universität.
Reformator der Schule
1518 stiftete Kurfürst Friedrich der Weise an seiner Universität Wittenberg einen Lehrstuhl für Griechische Sprache. Johannes Reuchlin empfahl seinen Zögling, der die Stelle auch bekam. Schon bei seiner Antrittsrede in Wittenberg sprach Melanchthon über eine Universitätsreform. Der Griechischprofessor förderte die sprachliche Gewandtheit seiner Studenten, als Rektor der Universität Wittenberg führte er 1523/1524 eine neue Studienordnung ein.Im 16. Jahrhundert waren Melanchthons Bücher in vielen Schulen als Unterrichtsstoff vorgeschrieben. Dies trug ihm schon zu Lebzeiten den Titel „Lehrer Deutschlands“ ein. Melanchthon bildete Lehrer aus, beteiligte sich bei der Gründung von Schulen und entwarf die Schulordnungen dafür. Auch visitierte er im Auftrag des Kurfürsten Kirchen und Schulen, überprüfte die Situation vor Ort und machte Verbesserungsvorschläge. Die Obere Schule St. Egidien, die Melanchthon gründete, wurde zur Urform des deutschen Gymnasiums.
Reformator der Kirche
Gemeinsam mit Martin Luther kämpfte Melanchthon für die Erneuerung der Kirche. Mit seinen Schriften und als Berater auf Reichstagen sowie bei Religionsgesprächen war er neben Luther der einflussreichste Reformator in Deutschland.1521 verfasste Melanchthon die erste evangelische Dogmatik, die „Loci Communes“. Diese gelten, neben der „Confessio Augustana“ (dem Augsburger Bekenntnis), die er ebenfalls verfasste, als Grundlage des evangelischen Glaubens.
Als wichtigster Mitarbeiter Luthers wirkte Melanchthon an dessen deutschen Bibelübersetzung mit: Er sah das Manuskript durch und nahm linguistische Korrekturen vor. Nach Luthers Tod fiel Melanchthon die Führungsrolle im Protestantismus zu.
Nicole Marten
Weiterführende Links
Wikipedia
http://www.melanchthon.de/
http://www.melanchthon.com/
Downloads
Philipp Melanchthon, Text [RTF, 16 KB]
Philipp Melanchthon, Bild in Druckqualität [JPG, 1,93 MB] Quelle: Württembergische Landesbibliothek
Landeskirchlicher Wein
Zum Jubiläumsjahr hat das Evangelische Medienhaus Stuttgart einen landeskirchlichen Wein nach Philipp Melanchthon benannt. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des
evangelischen Medienhauses.





