01.09.2010, 100. Geburtstag

Robert Geisendörfer (1910 – 1976)

Er gilt als Mentor kirchlicher Publizistik im Nachkriegsdeutschland, sein Name steht für ein profiliertes evangelisches Engagement in den Medien und als Gründungsdirektor des Gemeinschaftswerks Evangelischer Publizistik (GEP) trug er maßgeblich zum inhaltlichen und organisatorischen Konzept der Evangelischen Kirche in Presse, Hörfunk und Fernsehen bei: Robert Geisendörfer. Am Mittwoch, 1. September, wäre er 100 Jahre alt geworden.
 
 

Freiheit fördern, wo es nur geht

Der aus Würzburg stammende Geistliche war zehn Jahre lang Gemeindepfarrer in Oberaudorf am Inn, bevor er 1947 zum Geschäftsführer des Evangelischen Presseverbandes in Bayern berufen wurde. Geisendörfer erkannte, dass den Medien eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der jungen Demokratie zukam.
 
Menschen seiner Generation hatten die Propaganda des Naziregimes noch im Kopf und die Manipulation durch regierungsabhängige Medien. So war für ihn klar: „Freiheit, auch die Freiheit eines Christenmenschen, ist ohne Meinungsfreiheit nicht denkbar. Es ist der Kirche aufgetragen, Freiheit zu fördern, wo es nur geht.“ In diesem Geist solle Kirche „Fürsprache üben, Barmherzigkeit vermitteln und Stimme leihen für die Sprachlosen“.

Geisendörfer, dem man einen unbändigen Drang nach Unabhängigkeit, ein freundlich störrisches Naturell und erhebliches diplomatisches Geschick nachsagte, war zutiefst davon überzeugt, dass kirchliche Medienpolitik der notwendige Gegenentwurf sein müsse „zu einer Praxis, in der Eigeninteressen vor Gemeinwohl gehen“.

So baute er den Evangelischen Presseverband in Bayern modellhaft für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) auf und hat der Kirche den Weg in die moderne Publizistik gewiesen.

1960 wurde Geisendörfer zum Fernsehbeauftragten der EKD ernannt, sieben Jahre später zum Geschäftsführer des Evangelischen Presseverbands für Deutschland und 1973 wurde er Gründungsdirektor des GEP.

Auch der Lutherische Weltbund und die Ökumene haben ihm entscheidende publizistische Anstöße zu verdanken. „Er war ein Mann mit weitem Horizont und spielte eine kreative Rolle nicht nur in Deutschland, sondern der Welt. … Er hatte Visionen und Ideen und war dennoch realistisch, bodenständig und vernünftig“, sollte später der Generalsekretär des Ökumenischen Weltkirchenrats, Philip Potter, über ihn sagen.

In Würdigung der Verdienste von Kirchenrat Robert Geisendörfer verleiht die Evangelische Kirche seit 1983 jährlich für herausragende publizistische Leistungen deutscher Hörfunk- und Fernsehsender den nach ihm benannten Robert Geisendörfer Preis.

Stephan Braun

 
Weiterführende Links
Wikipedia
Robert Geisendörfer Preis
 
 
Downloads
Robert Geisendörfer, Text [RTF, 12 KB]
Robert Geisendörfer, Bild in Druckqualität [JPG, 1,08 MB] Quelle: epd Bildservice
 


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