08.02.2012, 525. Geburtstag
Ulrich von Württemberg (1487 - 1550)
Herzog Ulrich ist zwar durch seine Einführung der Reformation untrennbar mit dem evangelischen Württemberg verbunden, ihn jedoch als evangelischen Heiligen anzusehen geht dennoch an der Realität vorbei.
Herzog Ulrich von Württemberg wurde 1487 im Elsass geboren. Seine Mutter stirbt wenige Tage danach an den Folgen der Geburt. Seit Vater war zu diesem Zeitpunkt geisteskrank und wird auf dem Hohen Urach inhaftiert. Deshalb wird Ulrich am Hof des Cousins des Vaters, d.h. beim Herzog Eberhard II. erzogen. 1498 wird Eberhard vom Kaiser abgesetzt und Ulrich an seiner Stelle als Herzog eingesetzt – im Alter von 11 Jahren.
Im selben Jahr wird er auf Wunsch des Kaisers mit Sabina von Bayern verlobt. Sie ist damals 6 Jahre alt. Die Hochzeit im Jahr 1511 wird mit einem unvorstellbaren Aufwand gefeiert: 7000 Gäste feiern 14 Tage lang. Am Stuttgarter Schloss sind alle Bürger eingeladen. Dieses Event sowie die ebenso ausufernde ständige Hofhaltung ruinieren die Staatsfinanzen. Ulrich muss neue Steuern erheben. Die „Ehrbarkeit“ – die höheren Stände – sorgen dafür, dass diese Steuer durch Zuschläge auf den Preis von Fleisch und Früchten erhoben wird. Dies führt zum Aufstand des „Armen Konrad“. Den Aufstand kann Ulrich niederschlagen, aber sein Ansehen ist auf dem Tiefpunkt.
Für Entrüstung sorgt der Mord am Ehemann seiner Geliebten. Mit Ursula hatte Ulrich schon lange ein Verhältnis und setzt dieses auch in der Ehe fort. Daran ändert sich auch nichts, als Ursula ebenfalls heiratet. Ihr Ehemann Hans von Hutten ist Stallmeister am Hof des Herzogs. Als der vom Herzog verlangt, die häufigen Besuche bei seiner Frau zu unterlassen, bringt Ulrich ihn um. Seine rechtmäßige Ehefrau Sabina wiederum flieht vor ihm. Ulrich regiert weiter voller Machtbesessenheit und greift 1519 die Reichsstadt Reutlingen an.
Der Schwäbische Bund, ein Zusammenschluss von Reichsstädten und Adligen, greift ein und vertreibt Ulrich. Nach mehreren erfolglosen Versuchen gelingt es Ulrich mit Hilfe des Landgrafen Philipp, 1534 Württemberg zurück zu erobern.
Wieder an der Macht führt Ulrich die Reformation ein. Die Zeichen der Zeit erkennend ging es ihm wohl vor allem darum, unabhängiger vom katholisch gebliebenen Kaiser zu werden und um mit dem Kirchengut die Staatsfinanzen zu sanieren. Viele Klöster und weiterer Kirchenbesitz werden eingezogen. Allerdings wird das bisherige Kirchenvermögen getrennt vom bisherigen Staatsvermögen verwaltet. In vielen ehemaligen Klöstern werden Klosterschulen eingerichtet.
Einige davon bestehen bis heute, so beispielsweise das evangelische Seminar in Maulbronn und das evangelische Stift in Tübingen. Im Schmalkaldischen Krieg 1546 besetzt Kaiser Karl V. auch Württemberg. 1548 wurde das „Interim“ abgeschlossen, ein Kompromiss zwischen beiden Konfessionen bis zur – vergeblich erhofften - endgültigen Klärung durch ein allgemeines Konzil.
1550 starb Ulrich. Das Grab ist in der Stiftskirche in Tübingen. Sein Sohn Christoph führte dann auf der Grundlage des Augsburgers Religionsfriedens – „Wessen Land, dessen Religion“ - die Reformation in Württemberg weiter.
Dr. Dietrich Hub
Weiterführende Links:
Wikipedia
Esslinger Zeitung
kochmeint.de
Downloads:
Ulrich von Württemberg [Foto: Landeskirchliches Archiv, JPG, 170 KB]
Ulrich von Württemberg, Text [RTF, 32 KB]





