12.03.2012, 275. Todestag
Karl Alexander von Württemberg (1684 - 1737)
Ein Katholischer wurde Herzog in Württemberg, und ein Jude wurde zum Sündenbock. Das Leben des ersten katholischen Herzoges in Württemberg seit der Reformation ist eng verbunden mit dem Sterben seines jüdischen Finanzexperten Joseph Süß Oppenheimer.

- Karl Alexander von Württemberg [Foto Landesarchiv Baden-Württemberg]
Als Karl Alexanders Vorgänger im Herzogamt, Eberhard Ludwig, 1733 starb, war auch dessen einziger Sohn schon tot. Somit stand sein Cousin am ersten Platz der Thronfolge. Karl Alexander war ein erfolgreicher Heerführer – und er war während seiner Militärzeit zum katholischen Glauben übergetreten. Bei seinem Konfessionswechsel im Jahr 1721 in einer Kapelle der Wiener Hofburg – im Beisein des Kaisers Karl VI – hatte dies in Württemberg kaum Proteste ausgelöst. Man ließ den württembergischen Adligen gewähren, weil kaum einer erwartete, er könnte ein Anwärter auf dem Thron des Herzogs sein.
Massive Bedenken gegen einen katholischen Landesherrn
Nach seinem Regierungsantritt war es mit dieser Toleranz vorbei. Die Praxis der Reformation „cuius regio, eius religio“ – wie der Landesherr, so die Konfession des Landes - war zwar 200 Jahre nach der Reformation schon lange nicht mehr praktikabel. Württemberg war unwiderruflich vom Protestantismus geprägt. Dem katholischen Herzog stand man folglich kritisch gegenüber. Vor seinem Amtsantritt musste Karl Alexander deshalb die „Religionsreversalien“ unterschreiben. Hauptinhalt dieses Vertrages zwischen dem Herzog und der „Landschaft“ (eine Art Vorgänger des Landtages, freilich nicht demokratisch legitimiert) war, dass der Herzog jeglichen Versuch unterlässt, das Land zu rekatholisieren.
Karl Alexanders Hofleben war aufwändig. Er holte den nach Ludwigsburg verlegten Regierungssitz wieder nach Stuttgart zurück. Als Finanzexperten holte er Joseph Süßkind Oppenheimer an seinen Hof. Der wurde zum „Geheimen Rat“ ernannt und agierte durchaus erfolgreich. Die evangelischen Landstände fühlten sich jedoch durch seine Maßnahmen in ihrer Selbständigkeit beeinträchtigt. Tatsächlich war Karl Alexander vom Absolutismus geprägt und ließ dies sein Land auch spüren.
Herzog Carl Alexander starb am 12. März 1737 nach nur dreieinhalbjähriger Regierungszeit. Noch in derselben Nacht wurde Joseph Süß Oppenheimer verhaftet. In einem Schauprozess wurde Oppenheimer verurteilt. Tatsächlich war Oppenheimer nur ein Sündenbock anstelle des ungeliebten Landesherrn. 12.000 Menschen sollen bei seiner Hinrichtung zugeschaut haben. Auch die evangelische Kirchenleitung in Stuttgart stand diesem Justizmord wohlwollend gegenüber.
Stoff für einen Propagandafilm der Nazis
1940 wurde in Anlehnung an die Person des Joseph Süß Oppenheimer der Propagandafilm „Jud Süß“ gedreht. Der Film orientiert sich nicht an der historischen Wahrheit, sondern man packte alle gängigen antisemitischen Klischees hinein. Oppenheimer soll sich als Berater des Herzogs auf Kosten der einfach Leute persönlich bereichert haben. Er nähert sich einer „arischen“ Frau, lässt ihren Mann foltern und vergewaltigt sie währenddessen. Daraufhin wird er wegen Geschlechtsverkehrs mit einer Christin zum Tode verurteilt.
Dr. Dietrich Hub
Weiterführende Links:
Wikipedia
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Karl Alexander von Württemberg [Foto Landesarchiv Baden-Württemberg | JPG, 7 MB]
Karl Alexander von Württemberg, Text [RTF, 33 KB]




