14.09.2012, 125. Todestag
Friedrich Theodor Vischer (1807 - 1887)
Er war Theologe, Philosoph, Schriftsteller sowie Politiker und galt als schwäbischer Humorist. Das Who’s Who beschreibt ihn als eloquenten, polemischen und universalgeistigen Intellektuellen. Am 30. Juni wäre er 200 Jahre alt geworden: Friedrich Theodor Vischer, ein Pfarrerssohn aus Ludwigsburg.

- Friedrich Theodor Vischer [Foto Landeskirchliches Archiv]
Friedrich Theodors Vischer besucht mit dem gleichfalls aus Ludwigsburg stammenden David Friedrich Strauß das Seminar in Blaubeuren und legt dort 1825 das Abitur ab. Es folgt das Studium der Theologie, Philosophie und Philologie in Tübingen, wo er Ludwig Uhland und Justinus Kerner kennen lernt. Vischer freundet sich mit Eduard Mörike an, besucht Friedrich Hölderlin und besteht 1830 sein erstes theologisches Examen mit 1 a. Für seine Predigt wird er mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Zwei Jahre später hat er promoviert und sein zweites theologisches Examen abgelegt.
Schon in seiner Vikarszeit im Weinbaustädtchen Horrheim und später auch als Repetent im evangelischen Seminar Maulbronn beschäftigt er sich stark mit Hegels Werken sowie mit Kunst und Literatur. Er begibt sich auf eine Magisterreise nach Göttingen, Berlin, Dresden, Prag, Wien und München. 1934 bekommt er auf seine Bewerbung hin eine Pfarrstelle in Herrenberg, tritt diese aber nicht an, weil er seiner Meinung nach nicht auf eine Kanzel passt. Stattdessen wird Vischer, dem die Uni näher als die Gemeinde ist, Repetent am Tübinger Stift, später Privatdozent für Ästhetik und deutsche Literatur an der Universität Tübingen.
Friedrich Theodor Vischer kommt bei den Studenten gut an, seine Vorlesungen sind gut besucht und 1844 kann man ihm eine ordentliche Professur nicht mehr verweigern. Doch schon seine Antrittsrede bringt ihm erheblichen Ärger ein und den Entzug der Lehrerlaubnis für zwei Jahre. Er hatte es in einer Rede geschafft, zuerst seine Kollegen, dann die Pietistenpartei und schließlich den König gegen sich aufzubringen. Während der Sperrzeit erscheinen die ersten beiden Bände seiner insgesamt sechs Bände umfassenden „Aesthetik oder Wissenschaft des Schönen“. 1847 hält er wieder Vorlesungen, zieht aber bereits ein Jahr später als Abgeordneter des Kreises Reutlingen/Urach für die Linksdemokraten in die Frankfurter Nationalversammlung ein, wo er als vehementer Kritiker Bismarcks auftritt.
1849 kehrt Vischer nach Tübingen zurück , wird 1855 vom Polytechnikum in Zürich abgeworben, um 1866 wieder nach Tübingen zu kommen. Er hält zunächst abwechselnd in Stuttgart und Tübingen Vorlesungen, ab 1869 nur noch in Stuttgart. Dort wird er gefeiert.
Jetzt gehört es zum guten Ton, neben Oper und Theater „zu Vischer“ zu gehen. Inzwischen ist er in die Königlich Bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. 1870, nach einer erfolglosen Landtagskandidatur, adelt ihn der württembergische König und verleiht ihm den Kronenorden. Zu seinem 80. Geburtstag wird er mit dem Komturkreuz des Friedrichsordens ausgezeichnet. Friedrich Theodor Vischer, der bis ins hohe Alter hinein lehrt, starb am 14. September 1887 an einer schweren Infektion auf dem Weg nach Venedig in Gmunden. Seinem Freund Eduard Mörike schrieb er einmal, dass er sich überhaupt nicht im Klaren darüber sei, ob er mehr Denker oder mehr Dichter sei.
Stephan Braun
Weiterführende Links:
Who’s Who
Stuttgarter Impulse
Wikipedia
Historisches Württemberg
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Friedrich Theodor Vischer, Text [RTF, 17 KB]




