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2012, vermutlich 525. Geburtstag


Michael Stifel (um 1487 - 1567)

Der aus Esslingen stammende Theologe und Reformator erregte durch seine Kirchenkritik und seine Endzeitberechungen Aufsehen. Als Mathematiker und "Adam Riese Süddeutschlands" "erfand" er die Quadratwurzel und den Dreisatz.


Michael Stifel als Brunnenskulptur in Annaburg

Quelle: Harald Brünig

"Einen Stifel zusammenrechnen" hatte eigentlich nichts mit dem Fußleder zu tun, sondern bezog sich auf das Rechenbuch von Michael Stifel. Dieser wurde mutmaßlich 1486/1487 in der Reichsstadt Esslingen am Neckar geboren. Wie Luther, trat auch er als Mönch bei den Augustiner-Eremiten ein und kritisierte die Mißstände seiner Kirche scharf. So nannte er den zuständigen Konstanzer Weihbischof einen "Weinbischof". König Ferdinand, der Bruder des Kaisers, der seit der Vertreibung Herzog Ulrichs 1519 in Stuttgart residierte, vertrieb Stifel 1522 aus Esslingen. Da nahm ihn Luther bei sich auf, mit dem er schon zuvor in Briefkontakt stand. Zwei Jahre später sandte ihn dieser als ersten protestantischen Prediger nach Grieskirchen in Oberösterreich. Danach bezog er die Pfarrei Lochau, zwischen Wittenberg und Torgau. Dort gab Stifel 1532 sein "Rechenbüchlein vom End Christi" heraus. Angeregt von der Symbollehre der jüdischen Kabbala, stellte Stifel darin endzeitliche Berechnungen an. In seinen sogenannten Wortrechnungen, bei denen jedem Buchstaben und ihren Kombinationen eine Zahlenbedeutung zukommt, rechnete er "einen Stifel zusammen".


"Das Ende ist nahe"

In Annaburg, dem früheren Lochau, steht heute ein Michael-Stifel-Brunnen, der den "Weltuntergang" von 1533 symbolisiert. Quelle: Harald Brüning

Wieder einmal wurde aus der Grundhaltung des christlichen Glaubens, der ständig mit der Zeit Gottes rechnet, ein konkretes Datum: Stifel berechnete die Wiederkunft Christi auf Sonntag (!), den 19. Oktober 1533 um 8 Uhr. Besorgt schickte Luther einen Schüler nach Lochau, der erschrak, als der Kuhhirte in sein Horn blies und trotz des bevorstehenden Endes noch seine Kühe auf die Weide trieb (wie bei Luthers Apfelbäumchen)! Niemand kam um 8 Uhr, doch um 9 Uhr kamen die Gesandten des Kurfürsten und nahmen Stifel in Haft! Luther nannte diese Spielereien bei aller Hochschätzung Stifels sein „Anfechtlein“ und Melanchthon bewirkte seine Begnadigung. So wurde Stifel Pfarrer in Holzdorf bei Wittenberg und schließlich Professor für Mathematik an der Universität Jena, wo er sich nicht mehr mit endzeitlichen Daten, sondern mit Logarithmus, Exponent, Quadratwurzel und Dreisatz befasste. Sein Lehrbuch wird maßgeblich und weit verbreitet. Er selbst überlebte seine Endzeitberechnungen um 34 Jahre und starb 1567 in Jena. Besser, als das Ende zu berechnen, wie es auch im Jahr 2012, dem 575. Geburtstagsjahr Stifels wieder einmal geschieht, wäre es doch, endzeitlich zu leben und zu glauben und daraus seine Begabung der Jetztzeit zu schenken.

Dr. Wolfgang Schöllkopf, Stift Urach 


Weiterführende Links:
Wikipedia
Allgemeine deutsche Biografie
Fotos vom Stifel-Brunnen in Annaburg und Beschreibung


Downloads:

Michael Stifel, Text [RTF, 13 KB]


(Wieder)Eintritt in die Kirche
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