1762, Erscheinung "Geistliches Liederkästlein zum Lobe Gottes"
Vor 250 Jahren erscheint Lieder- und Andachtsbuch von Philipp Friedrich Hiller
"Jesus Christus herrscht als König" ist eines seiner noch heute bekanntesten Lieder. Zu Hillers Zeiten hatte es allerdings nicht nur eine Bedeutung für Christi Himmelfahrt, sondern enthielt auch eine deutliche Kritik am Herzog in Stuttgart.

- "Geistliches Liederkästlein" / Philipp Friedrich Hiller
Quelle: Deutsches Volksliedarchiv
Dies wird in den heute nicht mehr im Gesangbuch enthaltenen Strophen deutlich: "Trachten irdische Monarchen / dieses Herdlein anzuschnarchen / o, ihr Hirte lacht dazu. Er lässt diese kleinen Großen / ihre Köpfe blutig stoßen / und den Schafen gibt er Ruh’." Der 1699 in Mühlhausen/Enz geborene Hiller war in der Klosterschule Denkendorf von Bengel geprägt und von ihm seelsorgerlich lebenslang begleitet worden. 1732 wurde er Pfarrer in Neckargröningen, 1736 in seinem Heimatort Mühlhausen und 1748 schließlich in Steinheim am Albuch. Schon immer hatte er Verse geschmiedet und Lieder gedichtet, oft in barocker Manier: "Einst hatte ich den Arndt im Beten nachgesungen, dann war mein Hirtenlied vom Morgentau erklungen, und nun wag ich mich gebückt zu Jesus Christus hin." 1751 verliert Hiller durch eine Erkrankung des Kehlkopfs seine Stimme und kann nicht mehr laut sprechen. Seine Lieder, die er inwendig und auswendig kannte, trugen ihn, zusammen mit seiner Familie und Bengels Briefen durch eine schwere Zeit. Sein Vikar wird die Stimme seines Herrn! Weitere Lieder mit Tiefgang und theologische Werke entstehen bis zu seinem Tod 1769.
Ein Liederbuch geht um die Welt
1762 und 1767 gab der stumme Sänger die zwei Teile seines "Geistlichen Liederkästleins" heraus. Bei Bengel hatte er die biblische Nähe und Einfalt im Ausdruck gelernt. Teil 1 hat das Lob zum Thema, Teil 2 handelt von Tod, Zukunft Christi und Ewigkeit. Die Reime enthielten auch Schwäbisches: "Wir warten dein, du kommst gewiß, die Zeit ist bald verloffen!" Insgesamt enthält das Liederkästlein 1073 Lieder, verbunden mit Bibelworten. Es wurde zum Vorbild für Michael Hahns gleichnamige Sammlung, die heute noch in der Hahnschen Gemeinschaft in Gebrauch ist. Das Hillersche Liederkästlein war im Lande weit verbreitet; auch Friedrich Hölderlin bekam zur Konfirmation in Nürtingen eines geschenkt und zitierte später daraus kritisch das Bild von den "Liebesseilen".
Die Auswanderer aus Württemberg zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahmen es als Schatzkästlein ihres Glaubens mit in die weite Welt, nach Amerika, wie in den Kaukasus oder an die Donau. So wurde ihnen mit denen daheim das Hillersche Liederkästlein zur "portativen" (tragbaren) Heimat im Glauben. Hillers Verse sind seine gereimte Theologie und seine ver-dichtete Glaubenserfahrung aus schwerer Zeit.
Dr. Wolfgang Schöllkopf, Stift Urach
Weiterführende Links:
Philipp Friedrich Hiller auf Wikipedia
Download:
Geistliches Liederkästlein, Text [RTF, 13 KB]




