19.03.2012, 175. Todestag
Christian Adam Dann (1758 - 1837)
Der Tierschutz in Deutschland ist eine schwäbische Erfindung: Der württembergische Pfarrer Christian Adam Dann veröffentlichte 1822 eine Schrift, die den Tieren erstmals den Status als Geschöpfe zubilligte und die Menschen dazu aufrief, diese Mitgeschöpfe nicht zu quälen oder auszunutzen. Diese Gedanken brachen sich nach und nach Bahn und wurden nach Danns Tod zur Grundlage des ersten Tierschutzvereins in Deutschland.

- Christian Adam Dann
Quelle: Landeskirchliches Archiv
Dass Christian Adam Dann seine Schrift mit dem Titel "Bitte der armen Tiere, der unvernünftigen Geschöpfe, an ihre vernünftigen Mitgeschöpfe und Herren, die Menschen" verfasste, geht auf ein Erlebnis des Pfarrers zurück, das ihn sehr in Rage brachte. Im Ort nistete jedes Jahr ein Storchenpaar. Sehr häufig führte Dann diese Tiere, die ihrem Partner ein Leben lang treu bleiben, in seinen Predigten als Beispiel an. Bis er eines Tages einen dieser Störche von Gewehrkugeln durchsiebt auf dem Boden liegend fand. In seiner daraufhin verfassten Schrift geht der Pionier der Tierschutzbewegung hart ins Gericht mit denen, die andere Lebewesen nicht achten, sie quälen, oder „zum Spaß“ töten: "Wen eines Tieres Qual erfreut, der wird […] gewiss auch Menschen quälen. Wer frech ein Mitgeschöpf betrübt und Härte, Grausamkeit verübt, der kann auch Gott nicht lieben".
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175 Jahre Tierschutz - zwei Stuttgarter Pfarrer als Pioniere
Vor 175 Jahren wurde in Stuttgart der erste Tierschutzverein in Deutschland gegründet.
In der Stuttgarter Leonhardskirche dokumentiert eine Ausstellung die Anfänge der deutschen Tierschutzbewegung. Die Exponate können bis zum Sommer zu den Öffnungszeiten der Kirche besichtigt werden. Ab Dienstag, 27. März, ist die Leonhardskirche wochentags geöffnet: Dienstag bis Freitag 10 – 16 Uhr, Donnerstag bis 18 Uhr, Samstag 10 – 13 Uhr.
Strafversetzt nach Öschingen
Als Sohn des Tübinger Bürgermeisters aufgewachsen, besuchte Dann die Klosterschule Blaubeuren und danach das Theologische Stift in Tübingen. Seine erste Pfarrstelle an der Stuttgarter Leonhardskirche musste er aufgeben: König Friedrich I von Württemberg versetzte ihn 1812 zur Strafe nach Öschingen bei Tübingen, nachdem der Pfarrer bei einer Beerdigung zu kritisch über den Toten, einen Schauspieler, und dessen Berufsstand gepredigt hatte. In Öschingen lebte der Pfarrer mehr als 10 Jahre lang. Seine rednerische Begabung führte bald dazu, dass viele Menschen aus Tübingen, darunter auch Professoren der Universität, aufs Land fuhren, um ihn predigen zu hören. 1819 wechselte Christian Adam nach Mössingen. Von dort holte ihn König Wilhelm I., der Sohn von Friedrich, wieder nach Stuttgart an die Leonhardskirche zurück.
In Stuttgart sah der Pfarrer, dass die Menschen in der Stadt auch nicht besser mit den Tieren umgingen als auf dem Land. Hier wie dort galten Tiere als Arbeitskraft, die bis zur Erschöpfung und darüber hinaus arbeiten mussten. Dies war Anlass für Dann, eine zweite Streitschrift zu verfassen. Im "Notgedrungenen Aufruf zur Linderung des unsäglichen Leiden der in unserer Umgebung lebenden Tiere" rief er dazu auf, Tieren, die dem Menschen bei seiner Arbeit helfen sollten, auch Pausen zu gönnen. Außerdem schlug er einen Zusammenschluss von Kirchen, Eltern, Erziehern, Schulen und der Polizei vor, der sich für den Tierschutz einsetzen solle. Die Idee trug Früchte, allerdings erst elf Monate nach Danns Tod. Sein Freund und Kollege Pfarrer Albert Knapp gründete in Stuttgart den ersten deutschen Tierschutzverein. Es war der zweite weltweit. Der Verein erreichte, dass im Lande Württemberg ein Gesetz zum Schutz der Tiere erlassen wurde.
Nicole Marten
Weiterführende Links:
Wikipedia
Chronik der Leonhardskirche Stuttgart
Portrait Danns auf den Internetseiten der Stadt Mössingen
Downloads:
Christian Adam Dann [Foto: Landeskirchliches Archiv | JPG, 261 KB]
Christian Adam Dann, Text [RTF, 11 KB]





