Juli 1936
Vor 75 Jahren spalteten sich die „Deutschen Christen“ in Württemberg
Die „Deutschen Christen“ errangen im Juli 1933 auch in Württemberg bei den vom Staat angeordneten Kirchenwahlen einen „Sieg“ – denn auf dem Wahlvorschlag wurde ihnen bereits im Voraus 34 von 61 Sitzen im Landeskirchentag (Landessynode) eingeräumt. Darauf hatten sich die bisherigen „Fraktionen“ im Landeskirchentag geeinigt, „um dem Kirchenvolk eine Abstimmung mit den damit verbundenen unerfreulichen Begleiterscheinungen zu ersparen.“ Tatsächlich durchsetzen konnten sich die „Deutschen Christen“ in Württemberg dennoch nicht.
Die „Kampfgruppe“– wie sich die „Deutschen Christen“ im Landeskirchentag selbst bezeichneten – verlangten vergeblich, dass auch der Oberkirchenrat entsprechend ihrer Mehrheit umbesetzt werden müsse. Lediglich der bisherige Tübinger Studentenpfarrer Wilhelm Pressel wurde neu ins Kollegium des Oberkirchenrates aufgenommen. Pressel verkörperte die „Gemäßigten“ der württembergischen „Deutschen Christen.“ Exponiertester Vertreter der „Radikalen“ war Pfarrer Wilhelm Rehm von Simmersfeld. Er hatte bereits 1932 im „NS-Kurier“ auch Mord als legitimes politisches Mittel bezeichnet. Der Gegensatz zwischen „Gemäßigten“ und „Radikalen“ prägte die weitere Geschichte der „Deutschen Christen“ in Württemberg. Rehm stellte den Antrag, dass - wie kurz zuvor in der Preußischen Kirche geschehen - auch in Württemberg der „Arierparagraph“ eingeführt werden müsse. Demnach sollten alle nichtarischen Pfarrer entlassen werden.
Widerstand in den eigenen Reihen
Über seinen Antrag wurde nie entschieden, denn Wurm berief dieses Gremium – entgegen der Kirchenverfassung - erst sechs Jahre später wieder ein. Offensichtlich wollte Wurm den von den „Deutschen Christen“ dominierten Landeskirchentag „geräuschlos“ ins Leere laufen lassen.
In der „Kampfgruppe“ regte sich bald Widerstand aus den eigenen Reihen. Im September 1933 schloss Rehm deshalb drei führende „Gemäßigte“ aus. Damit hatte er den Bogen überspannt, denn daraufhin erklärten etwa 200 Pfarrer ihren Austritt. Nach dieser „Sezession“ hatten die „Deutschen Christen“ in Württemberg kaum noch Einfluss. Auch die Kundgebung der „Deutschen Christen“ im Berliner Sportpalast im November 1933 hatte vielen die Augen geöffnet. Nachdem in Württemberg - anders als in den meisten Landeskirchen – die Machtübernahme „von innen“ misslungen war, versuchte 1934 von Berlin aus Reichsbischof Ludwig Müller – eine Marionette Hitlers – Bischof Wurm zu entmachten. Wurm jedoch hatte starken Rückhalt in der Pfarrerschaft und in den Gemeinden und setzte sich gegen den Reichsbischof durch. Bereits Ende 1934 stellten die „Deutschen Christen“ keine Gefahr mehr für die württembergische Landeskirche dar.
Die verbliebenen „Deutschen Christen“ in Württemberg spalteten sich im Juli 1936 in eine „Reichsbewegung“, deren Führer Rehm seine Gegner ausschloss, und in eine „Thüringer nationalkirchliche Bewegung Deutscher Christen“, deren Landesgruppe „Volkskirchenbewegung DC Gaugemeinde Württemberg“ hieß. Nennenswerten Einfluss auf die württembergische Kirchenpolitik hatte keine dieser Gruppierungen.
Dietrich Hub
Weiterführende Links:
Deutsche Christen bei Wikipedia
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Nationalsozialistisches Kirchenplakat [JPEG, 993 KB]
Quelle: epd-bild / Steffen Giersch (Repro)
Spaltung der Deutschen Christen, Text [RTF, 38 KB]





